Rubrik Bau(en) & Städtegestaltung

Wie Detmolder Genossenschaften den Unterschied machen

Britensiedlung eG und Alte Ziegelei eG

10.03.2025 – Lesezeit ca. 4 Minuten 304

Britensiedlung eG und Alte Ziegelei eG

2019 machte die Stadt Detmold den mutigen Schritt, einer kommunalen Wohnungsgenossenschaft als Gründungsmitglied beizutreten. Benannt wurde die Genossenschaft nach dem Quartier im Nordosten der Stadt, in dem bis 2016 britische Soldaten und ihre Familien gelebt hatten: Britensiedlung eG. Die Rechtsform ist nicht einzigartig, die Konstellation hingegen bundesweit durchaus. Inzwischen haben elf weitere Städte und Gemeinden Genossenschaften nach diesem Vorbild gegründet. Das Detmolder Modell ist in der Branche als einer der effizientesten Lösungswege für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum bekannt und erfährt inzwischen Variationen, darunter ein Projekt auf dem Gelände eines alten Betonsteinwerkes in Detmold, das am Markt äußerst erfolgreich ist, denn die Gewerbeflächen sind bereits fast vollständig für Interessenten reserviert.

44 Familien haben in den ehemaligen Häusern der Familien der britischen Soldaten ein neues Zuhause gefunden. Nachdem die Stadt Detmold, die Detmolder Gesellschaft für Stadtentwicklung und die Pyramis Immobilien Entwicklungs GmbH (Pyramis) die Gründung im Jahr 2019 vollzogen hatten, nahmen sie im Januar 2020 ihre Arbeit auf und investierten insgesamt 4,5 Millionen Euro in die Sanierung der Reihenhäuser. Im März 2021 waren die Häuser bezugsfertig und bereits voll vermietet. Obwohl die frei finanzierten Häuser einen hohen Komfort bieten und die Lage begehrt ist, zahlen die Mitglieder der Genossenschaft lediglich eine Miete von 6,40 Euro pro Quadratmeter. Trotz dieser niedrigen Miete konnte die Genossenschaft erste Überschüsse erwirtschaften. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind zufrieden mit dem Wohnkomfort und der Arbeit der Gründungsmitglieder. Leerstand ist in der Siedlung unbekannt.

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Bürgermeister Frank Hilker ist stolz auf den Erfolg dieser ersten Genossenschaft und auf die Fortführung andernorts. „Schon bevor der Immobilienmarkt in eine tiefe Krise stürzte, war uns klar, dass wir selbst aktiv werden müssen, um unseren Bürgerinnen und Bürgern den dringend benötigten Wohnraum zur Verfügung zu stellen“, erläutert Bürgermeister Hilker, der im Aufsichtsrat der Genossenschaft als stellvertretender Vorsitzender tätig ist. „Es freut mich, dass mittlerweile so viele Kommunen in NRW vom Detmolder Modell profitieren.“ Bereits während der Sanierungsarbeiten der ersten Genossenschaft gründeten die Stadt Detmold, die Stadtentwicklungsgesellschaft und die Pyramis die Breitefeld eG, die 127 Wohneinheiten saniert und neu baut. Die Fertigstellung ist für Mitte 2025 geplant. Hier sollen Studierende, Auszubildende und Familien wohnen.

Alte Ziegelei eG saniert Betonsteinwerk Sander

Das Detmolder Modell hat mittlerweile in seiner Heimat eine Variation erfahren: An einem dritten Standort in Detmold sorgt eine kommunale Genossenschaft für die Entwicklung eines Gewerbegebiets. Das Betonsteinwerk Sander in Detmold war ein bedeutender Produzent von Betonprodukten und hatte über 40 Jahre lang großen Einfluss auf die lokale Wirtschaft. Es befand sich an der Bielefelder Straße im Ortsteil Heidenoldendorf. Der Betrieb wurde Anfang der 2000er Jahre eingestellt und die Werkhallen wurden zurückgebaut. Im Jahr 2020 schlug Bürgermeister Frank Hilker vor, in Detmold das lippeweit erste nachhaltige, grüne Gewerbegebiet zu entwickeln. 2022 erwarb daraufhin die Stadt das Sander-Gelände und brachte 54.000 Quadratmeter der 10 Hektar in die neu gegründete Genossenschaft Alte Ziegelei ein. Hier entsteht nun dieses erste lippische nachhaltige Gewerbegebiet. Es soll nicht nur die Detmolder Wirtschaft stärken, sondern auch umweltfreundliche Maßnahmen wie Durchgrünung, erneuerbare Energien und nachhaltige Mobilität berücksichtigen. Im Oktober 2024 begannen die Bauarbeiten. Thomas Lammering, technischer Beigeordneter der Stadt Detmold und Mitglied des Aufsichtsrates der Alte Ziegelei eG, geht davon aus, dass die Arbeiten planmäßig verlaufen und die Unternehmen Mitte 2026 an Ort und Stelle ihre Arbeit aufnehmen können. „Die Stadt Detmold fördert kontinuierlich wirtschaftliches Leben und gibt den Unternehmen Raum für Wachstum. Nachhaltigkeit ist dabei für viele Unternehmen ein wesentlicher Faktor. Wir sehen das daran, dass fast alle Flächen bereits reserviert sind. Deswegen ist es wichtig, im Zeitplan zu bleiben, um weiteren Unternehmen schnellstmöglich die dringend benötigten Flächen zur Verfügung zu stellen.“

Insgesamt wird die Genossenschaft fünf erschlossene und bebauungsfähige Grundstücke in der Größe zwischen 4.500 und 13.000 Quadratmetern vergeben. Unter anderem sind ein großes Büro- und Servicezentrum sowie weitere Dienstleistungsunternehmen und Betriebe, die am neuen Standort mehr Entwicklungsperspektiven sehen, für die Grundstücke vorgemerkt. Zusätzlich entstehen ein Parkhaus und Mobilitätspunkt. Ziel ist es, den Flächenverbrauch für den ruhenden Verkehr so gering wie möglich zu halten. Das Parkhaus wird von der Genossenschaft selbst gebaut und betrieben. „Michael Hoppenberg und ich sind zufrieden, dass das Detmolder Modell auch eine Lösung für die Entwicklung von Gewerbegebieten darstellt“, erklärt Michael Kirchner, der gemeinsam mit Daniel Klei, Abteilung Finanzen und Steuern bei der Stadt Detmold, die Genossenschaft als Vorstand leitet. „Das Detmolder Modell ist ein überzeugendes Beispiel dafür, wie öffentlich-private Partnerschaften erfolgreich zur Umsetzung kommunaler Bauvorhaben beitragen können.“

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