Rubrik Bau(en) & Städtegestaltung
26.06.2026 – Lesezeit ca. 4 Minuten 2
Gymnasium Röhrmoos, Landkreis Dachau: Nur 24 Monate Bauzeit, Platz für 900 Schüler (Bild: Richard Stöhr)
Deutschlands Infrastruktur ist veraltet. Die Lösungen sind es zum Teil auch. Zeit für einen Neustart. Bröckelnde Sporthallen, Sanierungsstau in unseren Schulen und Bauprojekte, die alle Rahmen sprengen – beim Budget, und bei den Bauzeiten. Deutschland steckt mitten in einer Infrastrukturkrise. Und das ist keine Meinung, sondern Realität: Der Investitionsrückstand der Kommunen liegt bei über 200 Milliarden Euro1.
Mit dem freigegebenen Sondervermögen der Bundesregierung stehen nun endlich umfangreiche Mittel bereit, doch die Wirkung bleibt begrenzt:
Die Konsequenz: Mehr Geld führt nicht automatisch zu mehr Infrastruktur.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr: Können wir uns neue Wege leisten? Sondern:
Können wir es uns noch leisten, sie nicht zu gehen?
Die Schwächen der klassischen Beschaffung sind empirisch belegt2. Gerade bei komplexen Projekten zeigt das System strukturelle Defizite: durchschnittlich 73 % Kostenüberschreitung bei öffentlichen Großprojekten, rund 44 % Mehrkosten im Hochbau und etwa 30 % Bauzeitüberschreitung. Die Ursachen sind bekannt: fragmentierte Vergaben, die Trennung von Bau und Betrieb sowie ein Fokus auf den niedrigsten Preis statt auf Lebenszykluskosten. Das Ergebnis: Ein System, das Risiken und unkalkulierbare Folgekosten produziert statt reduziert.
Öffentlich-private Partnerschaften setzen genau hier an. Sie optimieren nicht einzelne Projektphasen, sondern den gesamten Immobilienlebenszyklus. Planung, Bau, Finanzierung und Betrieb werden in einer integrierten Struktur gebündelt und einem privaten Partner zugeordnet, der über die gesamte Laufzeit hinweg Verantwortung trägt. Dadurch entstehen klare Anreize für Effizienz, Qualität und nachhaltiges Instandhaltungsmanagement.
ÖPP-Modelle funktionieren und die Ergebnisse sind messbar3:
Fazit: ÖPP-Projekte bleiben im Rahmen, finanziell und zeitlich, und das für Laufzeiten von bis zu 30 Jahren.
Die Wirtschaftlichkeit von ÖPP wird in Deutschland traditionell über den sogenannten Public Sector Comparator bewertet – also den Vergleich mit einer klassischen Umsetzung3. Doch genau hier liegt das Problem: Dieser Vergleich basiert häufig auf Annahmen, die mit der Realität wenig zu tun haben, denn er unterstellt, dass die öffentliche Hand Projekte vollständig, ohne Verzögerung und ohne Preissteigerungen umsetzt. In der Praxis passiert aber genau das selten. Zusätzlich werden wichtige Effekte systematisch ausgeblendet:
Denn wenn Infrastruktur früher fertig wird, entstehen reale wirtschaftliche Vorteile, von besserer Bildung bis hin zu höherer Produktivität. Und der entscheidende Punkt: Die tatsächliche Alternative ist oft nicht „klassisch bauen“, sondern verzögert bauen oder gar nicht bauen. Das bedeutet, häufig werden Äpfel mit Birnen verglichen.
Für Kommunen zählt am Ende eine einfache Frage: Was bekomme ich für mein Budget? Die Antwort ist eindeutig: Mit ÖPP lassen sich bei gleichen Finanzrahmen rund 17 % mehr Projekte realisieren2. Konkret: Bei einem Investitionsvolumen von rund 12 Mrd. Euro können durch die Effizienzvorteile von ÖPP rechnerisch rund 20 % mehr Projekte realisiert werden – im Schulbau entspricht das etwa 400 zusätzlichen Bildungsbauten2. Das ist kein kleines Detail, das ist spürbare Wirkung vor Ort. Oder anders formuliert: ÖPP verwandelt knappe Mittel in sichtbare Ergebnisse.

Rathaus, Neustadt am Rübenberge: Verwaltungssitz inkl. Multi-Use-Fläche und Tiefgarage,, 15.000 m² Gesamtfläche, nur 24 Monate Bauzeit (Bild: NO LIMIT FOTODESIGN Klaus Lorke)
Während Deutschland zögert, sind andere Länder längst weiter: Frankreich, Spanien oder Großbritannien nutzen ÖPP systematisch3. Hierzulande liegen Projekte mit Baurecht auf Halde – nicht weil sie nicht gewollt sind, sondern weil sie nicht umgesetzt werden können. Der größte Fehler ist es daher, jetzt nicht zu handeln.
Die gute Nachricht: Die Lösung liegt längst auf dem Tisch. ÖPP ist kein Allheilmittel. Aber es ist genau das Instrument, das wir jetzt brauchen: für komplexe Projekte, für schnelle Umsetzung, für knappe Ressourcen und für langfristige Qualität.
Deutschland muss bauen. Schnell. Viel. Und klüger! Dafür braucht es mehr als Geld. Es braucht den Mut, neu zu denken – und zu handeln.
Öffentlich-private Partnerschaften sind kein Ersatz für klassische Beschaffung. Aber sie sind der Schlüssel, um deren Grenzen zu überwinden.
Erfolg kann man buchstabieren: Ö-P-P.
Mehr Tempo. Mehr Wirkung. Mehr Qualität über den gesamten Lebenszyklus.