Dieser Artikel ist zur Veröffentlichung in der Ausgabe 5 - September / Oktober der gedruckten Kommunalwirtschaft vorgesehen.

Rubrik Bau(en) & Städtegestaltung

Tiefbauarbeiten verändern das Stadtbild

Von Uwe Manzke, IWP Wissenschaftsredaktion für die Fachpresse – 09.07.2026 – Lesezeit ca. 5 Minuten 2

Tiefbauarbeiten verändern das Stadtbild

Die Tiefbauarbeiten beim Umbau zur Schwammstadt und der kommunalen Wärmeplanung werden das Stadtbild von Kommunen stark verändern. Dabei könnten allein in Berlin zirka 100.000 bis 150.000 Lkw-Fahrten für den Erdaushub anfallen und die Baustellenlogistik erheblich fordern. Wie beim Berliner Leuchtturmprojekt zur Umgestaltung eines Sportplatzes zur Energiequelle ergeben sich aber auch neue Chancen für die Wärmeplanung.

Schwammstadt schafft Abkühlung

Berlin und viele andere Städte reagieren auf den Hitzestress und Extremwetterereignisse mit Klimaanpassungsgesetzen. Durch die Bauprojekte zum Ausbau der kommunalen Wärmeplanung werden die anfallenden Tiefbauarbeiten in Berlin nach Schätzungen allein durch den Umbau von 300 km Straßen innerhalb von 20 Jahren bei einer durchschnittlichen Breite von 2 m und 1,5 m Tiefe Baugräben oder Versickerungskörper 900.000 m³ Erdaushub mit entsprechender Baustellenlogistik veranlassen. Ein typischer Sattelkipper transportiert etwa 12–18 m³ Boden. Daraus ergeben sich rund 50.000 bis 75.000 Lkw-Ladungen mit Rückfahrten insgesamt etwa 100.000 bis 150.000 Lkw-Fahrten.

Der Umbau zur Schwammstadt einer Millionenstadt wie Berlin ist nicht nur ein wasserwirtschaftliches Großprojekt, sondern auch eine logistische Herausforderung. Versickerungsanlagen, unterirdische Retentionsräume, Kanalbau, größere Baumgruben und neue Leitungsführungen erfordern umfangreiche Erdarbeiten. Je nach Ausbaustandard könnten allein in Berlin im Laufe mehrerer Jahrzehnte zwischen zehn und dreißig Millionen Kubikmeter Boden bewegt werden. Bei einer Transportkapazität von rund 15 Kubikmetern pro Lastwagen entspräche dies etwa 700.000 bis zwei Millionen Lkw-Ladungen. Einschließlich der Leerfahrten wären somit insgesamt rund 1,4 bis vier Millionen Lkw-Fahrten erforderlich.

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Mit einer modernen Lösung für den Tief- und Hochbau sowie schwer zugängliche Baustellen ist die vor vier Jahren von Dominik Sönning und Martin Lenzmeier gegründete Flüssigboden OWL GmbH & Co. KG aus Delbrück angetreten und hat sich heute als Lösungspartner bei der Umgestaltung von Kommunen mehrfach bewährt.

Flüssigböden verkürzen Bauzeit-Zement gespart

“Durch Fachkräftemangel, den es auch in der Tiefbaubranche gibt, laufen die Bauprojekte hinsichtlich der Bauzeit oftmals aus dem Ruder und verteuern die Baukosten zusätzlich, ist von unseren kommunalen Auftraggebern immer wieder zu hören”, so Martin Lenzmeier, Geschäftsführer Flüssigboden OWL GmbH & Co. KG. Eine mehrfach bewährte Alternative sind Flüssigböden für Tief-, Leitungsbau und Baugruben. Flüssigboden ist ein moderner, temporär fließfähiger Verfüllbaustoff mit verminderten Zementanteil, der witterungs- und temperaturabhängig bereits nach 12 Stunden wieder voll belastet werden kann. Inzwischen gelten die Lösungen nicht nur im Tiefbau als eine nachhaltige und technisch zuverlässige Alternative zu klassischen Verfüllverfahren. “Als Flüssigboden OWL entwickeln und produzieren wir Systemlösungen, die den vorhandenen Erdaushub nach einer Beprobung als Flüssigboden direkt auf der Baustelle individuell an Bodenart, Projektanforderungen und Infrastruktur angepasst werden und so auch die Bauzeit verkürzen. Bei der Umgestaltung der Kommunen zur Schwammstadt, gelten wir heute als bundesweiter Lösungsentwickler mit einem schlagkräftigen Team vor Ort. Unsere selbstentwickelten Hochleistungsanlagen können durch eine optimierte Produktionstechnik die Bauzeit mit Produktionsleistungen von über 100 m³ Flüssigboden pro Stunde individuell an unterschiedliche Bodenarten angepasst – egal ob sandig, lehmhaltig oder stark wechselnd, stark verkürzen. Ein wichtiger Aspekt dabei ist der geringe logistische Aufwand. Statt Dauerstress durch LKW-Verkehr vor Ort, nutzen wir nach einer Bodenana-lyse den vorhandenen, teilweise auch schadstoffbelasteten Aushub, der dann aufbereitet als Flüssigboden gleichwertig verarbeitet wird.“

Sportplatzsanierung mit Heizung

Am Maikäferpfad in Berlin-Charlottenburg entsteht derzeit ein deutschlandweit wegweisendes Infrastrukturprojekt. Unter einem sanierungsbedürftigen Fußballspielfeld wird erstmals eine großflächige oberflächennahe Erdwärmeanlage realisiert, die öffentliche Gebäude in der direkten Umgebung mit erneuerbarer Wärme versorgt.Das Projekt gilt als Leuchtturm für die kommunale Wärmeversorgung – effizient, flächensparend und auf viele Städte übertragbar.

Im Auftrag des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf wurden 8.800 Hochleistungs-Erdkollektoren in 1,5 Metern Tiefe installiert, so Lenzmeier. Sie entziehen dem Boden die im Sommer gespeicherte Umweltwärme. Über ein Kaltes Nahwärmenetz heizen Wärmepumpen damit drei Schulgebäude und eine Turnhalle. Die Anlage ersetzt die bisherige Gasversorgung und dekarbonisiert die Wärmeversorgung der öffentlichen Gebäude auf einen Schlag. Mit einer thermischen Leistung von rund 477 Kilowatt ersetzt die Anlage am Maikäferpfad jährlich etwa 118.000 Kubikmeter Erdgas. Das entspricht einer Einsparung von rund 1,23 Gigawattstunden Energie und einer Reduktion der CO₂-Emissionen um etwa 180 Tonnen pro Jahr. Die Bauzeit ist mit insgesamt rund 14 Monaten überschaubar, die eigentliche Installation der Kollektoren erfolgt in nur vier Monaten.

"Die Zukunft der Wärmegewinnung liegt unter unseren Füßen. Wir waren mit den Tiefbauarbeiten beauftragt. Der Energiemonolith nutzt oberflächennahe Geothermie, moderne Hochleistungskollektoren und speziell aufbereiteten Flüssigboden, um nachhaltige Wärme direkt aus dem Erdreich für Gebäude nutzbar zu machen."

Duplikation für die kommunale Wärmeplanung

Das Projekt am Maikäferpfad ist bewusst als skalierbares Modell konzipiert. Die eingesetzte Technik, die Planungsprinzipien und die Einbindung in bestehende Quartiere lassen sich auf viele andere Kommunen übertragen – unabhängig davon, ob es sich um Großstädte oder kleinere Gemeinden handelt. Besonders attraktiv ist der Ansatz für Städte, die im Rahmen ihrer kommunalen Wärmeplanung nach flächeneffizienten, erneuerbaren und wirtschaftlich tragfähigen Lösungen suchen.

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