Rubrik Bau(en) & Städtegestaltung

Report testiert „katastrophale Lage“ in den Bauämtern

02.06.2026 – Lesezeit ca. 3 Minuten 386

Report testiert „katastrophale Lage“ in den Bauämtern

Bau- und Immobilienfachmann Klaus-Peter Stöppler (Bild: Klaus-Peter Stöppler)

Die Bauämter sind der größte Engpass für Bauen in Deutschland, heißt es im „United Interim Wirtschaftsreport 2026“. Der Bericht basiert auf einer Umfrage unter 550 Führungs­kräften auf Zeit (Interim Managern), den die Management-Community United Interim1 durchgeführt hat.

Der Bau- und Immobilienexperte Klaus-Peter Stöppler, der zum Autorenkreis des Reports gehört, weiß aus eigenen Projekterfahrungen: „Beim Umgang mit Bauämtern gewinnt man regelmäßig den Eindruck, dass dort im Grunde keiner will, dass in Deutschland gebaut wird.“ Laut Report halten drei Viertel der befragten Führungskräfte die Bauämter für „einen der größten Bremsklötze für den wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands.“ Die Begründung: Bauen steht für rund 2,6 Millionen Arbeitsplätze und der Anteil der Bauinvestitionen am Bruttoinlandsprodukt beträgt rund 13 Prozent. „Probleme beim Bau wirken sich unmittelbar auf die Wirtschaftskraft des Landes insgesamt aus“, sagt Klaus-Peter Stöppler, „vergleichbar der Automobilindustrie.“

Laut Umfrage sind 79 Prozent der Manager der festen Überzeugung, dass die Bauämter trotz einiger Fortschritte noch viel zu wenig digitalisiert sind. 78 Prozent ist die „mangelnde Dienstleistungs­orientierung“ ein Dorn im Auge. 64 Prozent stufen die Amtsstuben als „von Bürokratie und Kompetenz­gerangel lahmgelegt“ ein. Der „United Interim Wirtschaftsreport 2026“ spricht von einer „katastrophalen Lage“.

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Wohnungsnot verschärft sich immer mehr

Klaus-Peter Stöppler erklärt im Hinblick auf die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes, wonach sich die Wohnungsnot 2025 weiter verschärft hat: „Gerade in einer Phase akuten Wohnraum­mangels und hoher Investitionskosten ist die Nicht-bauen-wollen-Haltung vieler Bauämter ein Skandal." Laut Statistischem Bundesamt leben knapp 12 Prozent der Menschen in zu kleinen Wohnungen. Die Quote hat sich gegenüber 2024 weiter erhöht, als der Wert noch bei rund 10 Prozent lag. Insgesamt fehlen in Deutschland rund 1,4 Millionen Wohnungen, verweist der Bau- und Immobilienexperte auf Schätzungen des Pestel-Instituts.

„Natürlich trifft die Bauämter nicht die alleinige Schuld an der Baumisere“, räumt Klaus-Peter Stöppler ein. Als weitere maßgebliche Ursachen nennt er die massiv gestiegenen Baukosten, hohe Zinsen, verschärfte energetische Vorgaben, überbordende Regulierung, langwierige Planungsverfahren sowie den zunehmenden Fachkräftemangel im Baugewerbe. Hinzu komme, dass sich viele Bauprojekte „unter den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schlicht nicht mehr rentabel kalkulieren lassen.“

Bau-Verhinderer statt Förderer

„Aber gerade in dieser Situation würde man erwarten, dass die Bauämter alles tun, damit gebaut wird“, sagt Klaus-Peter Stöppler. Doch laut Umfrage stufen satte 83 Prozent die Ämter „eher als Bau-Verhinderer denn als Bau-Förderer“ ein. „Das deckt sich leider auch mit meinen persönlichen Erfahrungen“, sagt Stöppler.

Mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) kritisieren die fehlende Standardisierung der Bauämter. „In Deutschland entscheidet häufig nicht nur das Gesetz, sondern auch das jeweilige Amt darüber, wie schnell und unter welchen Bedingungen gebaut werden kann“, erklärt Klaus-Peter Stöppler. „Während in einer Kommune digitale Bauanträge längst Standard sind, werden anderswo noch Papierunterlagen in mehrfacher Ausfertigung verlangt. Selbst bei identischen Bauvorhaben unterscheiden sich Anforderungen, Bearbeitungszeiten und Auslegung der Vorschriften teilweise erheblich.“

Zwar gesteht ein knappes Drittel (32 Prozent) der Führungskräfte den Bauämtern zu, dass ein Teil der Probleme auch mit Personalmangel zu erklären ist. „Viele Ämter wirken wie verwaist“, stellt Klaus-Peter Stöppler immer wieder fest. Das liege allerdings nicht nur an knappen Personalkapazitäten, sondern auch am Home Office. „Für die Baubranche hat sich das amtliche Home Office als Bremsklotz erwiesen, weil man nicht nur im Amt vor Ort kaum noch jemanden antrifft, sondern auch telefonisch nicht mehr durchkommt, weil zu Hause natürlich niemand beruflich telefonieren will.“

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