Dieser Artikel ist zur Veröffentlichung in der Ausgabe 4 - Juli / August 2026 der gedruckten Kommunalwirtschaft vorgesehen.

Rubrik Bau(en) & Städtegestaltung

Höchst im Odenwald setzt auf besonderen Pflasterbelag

Ortskern mit neuem Gesicht

29.06.2026 – Lesezeit ca. 4 Minuten 5

Ortskern mit neuem Gesicht

Im nördlichen Odenwald liegt die Gemeinde Höchst. Gefördert im Rahmen der hessischen Dorfentwicklung erhielt der Ortskern der rund 10.000 Einwohner zählenden Gemeinde nun ein neues Gesicht. Im Rahmen einer Neuordnung der Hauptverkehrskreuzung zu einem Kreisverkehr wurden Flächen frei, die die Umgestaltung eines zentralen Platzes möglich machten. Bei der Flächenbefestigung des Platzes und des Areals um den angrenzenden Kreisverkehr setzten die Planer auf ein ganz besonders attraktives Betonsteinpflastersystem.

Benannt nach der Partnerstadt von Höchst, liegt der „Montmelianer“ Platz im Zentrum der Gemeinde im südhessischen Odenwaldkreis. Nachdem zunächst nur Flächen im Zusammenhang mit den an den künftigen Kreisverkehr angrenzende Flächen ausgebaut werden sollten, formierte sich eine moderierte Projektgruppe „Montmelianer Platz“ aus engagierten Bürgern und Gemeindevertretern und der Verwaltung, die den Planungsbereich im Zuge eines Integrierten Kommunalen Entwicklungskonzeptes (IKEK), d.h.im Rahmen des Dorfentwicklungsprogramms Hessen auf die Gesamtfläche des Montmelianer Platz ausweiteten. Dipl. Ing. Ingo Rohleder von der Rittmannsperger Architekten GmbH aus Darmstadt schildert die Ausgangslage: „Städtebaulich dient der Platz als Entree des Rathauses. Zudem vermittelt er zwischen verschiedenen Gebäude- und Geländehöhen. Zuletzt hinterließ das Areal keinen besonders attraktiven Eindruck mehr: Von der ursprünglichen Ausstattung mit Sitzbänken, Brunnen und Kunst im öffentlichen Raum wurde im Laufe der Zeit einiges schon abgebaut, nicht zuletzt wegen Vandalismusschäden. Dadurch fehlten dem Platz auch qualifizierte Aufenthalts- und Spielbereiche. Die Platzränder werden durch Gebäude gesäumt, die alle nach den 1970er Jahren entstanden und die stellenweise wenig Bezug zum Platz nehmen. Streckenweise entstand fast der Eindruck von Gebäuderückseiten. Verstärkt wurde dieser Eindruck vom Ladenleerständen und teilweise zerstörten Schaufensteranlagen. Zudem waren die Platzoberflächen bis auf die Pflanzbereiche verhältnismäßig stark versiegelt“, so Rohleder.

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Platz soll optisch aufgewertet werden

Ziel der Planer war es daher, die untere, an den künftigen Kreisverkehr anschließende Platzfläche für den Wochenmarkt und für Festveranstaltungen, insbesondere für das jährliche Apfelblütenfest, befahrbar zu gestalten. Zudem sollen die Gehwegflächen um den neuen Kreisverkehr nahtlos in die Platzfläche übergehen. Als Abgrenzung zum motorisierten Verkehr und zur Eingrenzung der Platzflächen sollen Bäume gepflanzt werden. Die oberen Ebenen dienen weiterhin als Vorbereich und zur Erschließung des Rathauses. Eine neugestaltete Rampenanlage am seitlichen Platzbereich soll die barrierefreie Erschließung des Rathauses und der oberen Ebenen des Platzes gewährleisten. Durch Aufkantungen und niedrige Stützmauern aus Sandstein sind zahlreiche Sitzgelegenheiten geplant, die zum Teil mit Holzauflagen versehen werden. Der Baumbestand wird größtenteils in die Neuanlage integriert und um weitere Baumpflanzungen ergänzt. Im mittleren Platzbereich ist ein bodengleicher Fontänenbrunnen geplant. Zur besseren Retention und Versickerung von Regenwasser ist eine Regenwassermulde geplant, sowie die Gestaltung versickerungsoffener und bepflanzter Flächen.

Nicht nur Gastronomen und Einzelhändler, auch die Bürger und Besucher der Odenwaldgemeinde freuen sich über die neue attraktive Ortsmitte. (Foto: Beton-Pfenning)

Flächen dienen als Bindeglied

Besondere Bedeutung kam im Rahmen der Sanierung dem Material zu, mit dem das rund 4.200 m² große Areal (Platz und Gehsteige entlang das KVP) befestigt werden sollte. Hierzu Ingo Rohleder: „Die sanierten Flächen fungieren als Bindeglied zwischen dem Rathaus, den angrenzenden Häusern und dem zentralen Verkehrsknotenpunkt. Der umgestaltete Montmelianer Platz wird so als Ortszentrum neu definiert. Hieraus ergaben sich auch die besonderen Anforderungen an die Pflasterflächen. In erster Linie galt es natürlich für das Areal samt Außengastronomie eine besonders hohe Aufenthaltsqualität mit komplett barrierefreier Bewegungsmöglichkeit zu schaffen. Gewünscht war ein Betonpflasterbelag, der sich zudem optisch harmonisch in das historische Umfeld einfügt – aufgelockert durch Elemente aus Sandstein und Granit für Pflanzeinfassungen, Treppenanlagen oder Muldenrinnen“, so Rohleder.

„ViaNatura“ vom Betonwerk Pfenning

Die Wahl fiel auf ein bereits an anderer Stelle im Ortskern verbautes Betonsteinpflaster mit bearbeiteten Kanten und natürlicher Optik. Zum Einsatz kam das System „ViaNatura“ vom Betonwerk Pfenning aus Lampertheim zunächst für den Kreisverkehrsplatz und Gehwege der anschließenden Straßen in einer braunen Farbmischung „terra“. Für den Montmelianer Platz wurde dieses Pflaster fortgesetzt und in den Formaten und mit der Farbmischung „Buntsandstein“ variiert. Dank einer speziellen Oberflächenbehandlung verfügen die Steine über eine natürlich anmutende texturierte Oberfläche. Ingo Rohleder: „Mit dieser Optik gelingt es, die Verkehrs- und Platzflächen miteinander zu verbinden und das gesamte Areal in einen ruhigen Rahmen zu setzen. Durch die nuancierte Farbgebung, Kanten- und Oberflächenbearbeitung wirkt die Fläche optisch fast wie ein Natursteinbelag - bleibt aber dabei dennoch gut begehbar.“

Am 24.5.2026 wurde der für rund 2,5 Mio Mio. € sanierte Montmelianer Platz seiner neuen Bestimmung übergeben. Nicht nur Gastronomen und Einzelhändler, auch die Bürger und Besucher der Odenwaldgemeinde freuen sich über die neue attraktive Ortsmitte.

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