Rubrik Bau(en) & Städtegestaltung

Pirmasens setzt auf Pflasterbelag mit Hochleistungsfuge aus EPDM

Frischzellenkur für Fußgängerzone

30.05.2025 – Lesezeit ca. 4 Minuten 84

Frischzellenkur für Fußgängerzone

Lässt sich schnell und einfach verlegen: das Pflastersystem CombiConnect mit werkseitig fixiertem EPDM-Profil. (Foto: Beton-Pfenning)

Die Stadt Pirmasens am Westrand des Pfälzerwalds in Rheinland-Pfalz erlebte ihre Blütezeiten als Garnison- und Residenzstadt im 18. Jahrhundert und später als deutsche Schuhmetropole im 19. und 20. Jahrhundert. Dazwischen gab es immer wieder tiefgreifende wirtschaftliche Krisen. Auch heute befindet sich die Stadt nach der weitgehenden Verlagerung der Schuhproduktion ins Ausland und dem Abzug der US-Streitkräfte, einhergehend mit dem Verlust von Kaufkraft und einem erheblichen Bevölkerungsrückgang von 61.000 in 1961 auf 42.000 in 2024, noch in einem anhaltenden Strukturwandel. Von den Umwälzungsprozessen ganz besonders stark betroffen ist die Fußgängerzone im Bereich der südlichen Hauptstraße. Der Bereich ist von zahlreichen Leerständen geprägt. Bereits vor einigen Jahren hat sich die Stadt deshalb auf den Weg gemacht, die sich verändernden Rahmenbedingungen mit einem Stadtentwicklungskonzept eng zu begleiten.

So schützt insbesondere ein spezielles Einzelhandelskonzept die Innenstadt vor der Abwanderung des Handels auf die grüne Wiese. Vor diesem Hintergrund entwickelte die Stadtverwaltung bereits 2021 ein Impulsprojekt, welches eine deutliche Aufwertung des Areals zum Ziel hat. Durch eine grundlegende Umgestaltung sollte die Aufenthaltsqualität auf der Fußgängerzone trotz einer temporären Öffnung für den Verkehr spürbar gesteigert werden. Innerhalb einer verkehrsberuhigten Zone soll der Straßenraum zugunsten einer Mixtur aus Spiel, Wasser und Grün bewusst in den Hintergrund rücken, um den Erlebnischarakter zu betonen. Zum Einsatz kam jetzt dabei auch ein spezielles Pflastersteinsystem mit ganz besonderen Eigenschaften.

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Zwischen Ende April 2024 und Mitte Mai 2025 erfolgte auf einer Länge von 150 Metern die Neugestaltung der südlichen Hauptstraße zwischen Sandstraße und Pfarrgasse in mehreren Bauphasen. Mit der Neugestaltung der südlichen Hauptstraße ändert sich auch die Oberflächengestaltung in diesem Abschnitt. Jörg Groß, Abteilungsleiter Straßenbau des Tiefbauamtes Pirmasens erläutert die Maßnahme: „Die 1984 eingeweihte Fußgängerzone wurde damals mit Natursteinpflaster befestigt. Sie bestand aus Porphyrpflaster und weißem Carrara-Marmor. Nach über vier Jahrzehnten traten jedoch deutliche Mängel an der Oberflächengestaltung zu Tage. Die baulichen Defizite resultieren überwiegend aus dem Pflasterbelag, speziell die Flächen mit Natursteinpflaster und den Bodenintarsien. Durch die Verkehrsbelastung und Frosteinwirkung waren in dem alten Natursteinpflasterbelag zahlreiche Schäden zu erkennen“, so Groß.

Wartungsarmer Pflasterbelag CombiConnect vom Betonwerk Pfenning

Als Befestigungsmaterial für den Ausbau der Fahrbahn sowie der Seitenbereiche wählten die Planer das Betonsteinpflaster „CombiConnect“ vom Betonwerk Pfenning aus Lampertheim. Hierbei handelt es sich um ein Betonpflaster, bei dem die Fugen weder mit Sand oder Splitt, sondern mit dem Hochleistungsfugenfüllstoff EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk) verfugt werden. Nach Angaben des Herstellers handelt es sich hierbei um ein dynamisches Material, welches sich sehr gut für einen maximalen Lastabtrag bis einschließlich Bk 3,2 eignet. Die Steine sind bereits werkseitig damit ausgestattet. Gemäß der DIN 18318 ergeben sich stets normgerechte Fugenbreiten von ca. 4 mm.

Dauerhafte Fuge dank steinumfassender EPDM-Umhüllung

Jörg Groß erklärt die Gründe für die Wahl dieses Pflastersteinsystems: „Bei diesem Belag kommt es bei einer maschinellen Reinigung der Pflasterfläche mit einer Kehrmaschine nicht zur Auswaschung von Fugenmaterial. Im Gegenteil: die Fuge ist völlig wartungsfrei. Sie bleibt nach dem Reinigungsvorgang komplett erhalten und braucht nicht nachgesandet werden – wie es bei herkömmlichen Pflastersteinsystemen sonst oft erforderlich ist. Überzeugt hat uns aber auch, dass Schäden durch ausgetragenes Fugenmaterial durch den Einsatz der steinumfassenden EPDM-Umhüllung nicht mehr auftreten werden. Auch Verdrehungen oder Verschiebungen der Steine sind nicht zu erwarten“, so Groß. Auf einer Fläche von ca. 2.200 m² erfolgte der Straßenausbau niveaugleich mit einseitiger Anordnung einer Muldenrinne aus Betonsteinen. Das CombiConnect-Pflaster wurde im Format 18/24/10 cm in den Farben rot, gelb und anthrazit von der Firma Wolff Tief- und Straßenbau aus Saarbrücken eingebaut. Neben dem farblich ansprechenden Pflasterbelag sorgen 18 neue Bäume, elf Parkplätze und zwölf Stellplätze für Radfahrer sowie 37 Sitzplätze auf Bänken und Sitzsteinen für eine gesteigerte Aufenthaltsqualität.

Insgesamt 2,25 Millionen Euro investierte die Stadt in das Projekt. Ob der Kampf gegen die anhaltenden Leerstände in der Pirmasenser Innenstadt durch die Maßnahme verbessert werden können, bleibt abzuwarten. Zumindest der Pflasterbelag leistet einen guten Beitrag für eine echte Frischzellenkur dieses Areals.

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