Der Anschlag auf das Stromnetz im Januar 2026 war ein Weckruf für Berlin und andere Städte neue Vorsorge- und Sicherheitskonzepte umzusetzen. Berlin reagiert mit einer Expertenkommission und einem Staatssekretär. Gefragt sind jetzt aber auch neue Out of the Box Ansätze und moderne Speichertechnik.
"Der Energiehunger neuer Technologien und Angriffe auf die Stromversorgung setzen Übertragungsnetze, Energieproduktion und -speicherung täglich unter Druck. Gefragt sind jetzt neue Out of the Box Ansätze", so Dirk Uwe Sauer, Professor am Institut für Stromrichtertechnik und elektrische Antriebe an der RWTH Aachen. Mit einer neuen leistungsstarken Generation von Hybridsuperkondensatoren will das Unternehmen Vistecc die Stromversorgung sicherer machen.
Die Angriffe auf die Stromversorgung in Berlin-Lichterfelde und Adlershof zeigen exemplarisch, dass die Schadenssummeni bei gezielten Angriffen auf die Strominfrastruktur exponentiell steigen, sobald kritische Infrastrukturen (KRITIS) und hochspezialisierte Industrie betroffen sind. Während der Schaden in Lichterfelde (Januar 2026) noch im sechsstelligen Bereich für einzelne Institutionen lag, schnellten die Kosten beim Anschlag auf Adlershof und die WISTA (März 2026), der den Technologiepark Adlershof und das Gelände der WISTA (Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Adlershof) lahmlegte durch die Konzentration von Hochtechnologie auf bis zu 70 Millionen Euro. Dieser Vorfall hatte deutlich gravierendere ökonomische Auswirkungen.
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Für Kommunen bedeutet dies, dass die Investition in redundante Systeme, Notfallpläne und Speichertechnik nicht nur eine Sicherheitsfrage, sondern eine ökonomische Notwendigkeit ist, um existenzbedrohende Schadenssummen zu begrenzen.
Ohne Speichertechnik keine Sicherheit
Die Redaktion der Kommunalwirtschaft sprach mit Professor Dirk Uwe Sauer, der Ende Januar 2026 zu RWTH Fellows ernannt wurde. Fellow ist eine Auszeichnung exzellenter, herausragender Professorinnen und Professoren der RWTH, die sich in der Forschung und um die RWTH in besonderer Weise verdient gemacht haben. Mit seiner Professur für Elektrochemische Energiewandlung und Speichersystemtechnik am Institut für Stromrichter-technik und elektrische Antriebe gilt er seit knapp 25 Jahren als international anerkannter Forscher und Treiber in der Speichertechnik. Darunter fallen Projekte wie zur Natrium-Ionen-Batterieforschung, eTestHiL, M5BAT als 5 MW- Batteriespeicheranlage, die seit bald 10 Jahren als Teil der kritischen Infrastruktur in Deutschland und an der Strombörse betrieben wird, modulare Dual-Active Bridges als Megawatt-Batterieemulator und dem jüngsten Projekt AIMACC, einer KI-gestützten Optimierung der Batterieformierung am ISEA.
RWTH Forschungsschwerpunkte und laufende Projekte
Laut RWTH Aachen liegt die derzeitige stationäre Batteriekapazität in Deutschland bei 28,69 GWh. Die aktuelle aggregierte Energiekapazität der in Deutschland zugelassenen Elektrofahrzeuge (EVs) sei demnach bei knapp 133 GWh. Bei erlösoptimiertem Betrieb an der Strombörse lag der Umsatzerlös eines Speichers mit 1 MW Anschlussleistung und 2 MWh Energiekapazität in den letzten 12 Monaten in Deutschland bei 213 k€/MW/a liegt. Hinzu kommt der riesige Energiehunger wie beispielsweise von Rechenzentren mit einem Leistungsverbrauch von 448 TW Energie.
Die aktuelle Forschung konzentriert sich stark auf neue Speichertechnologien und die Optimierung bestehender Systeme, weiß Sauer, Gründungsdirektor des “Center for Ageing, Reliability and Lifetime Prediction of Electrochemical and Power Electronic Systems (CARL)” an der RWTH Aachen. Ein herausragendes Projekt ist der Betrieb des bisher größten Vanadium-Redox-Flow-Batteriespeichers Europas, den das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie (ICT) im Sommer 2025 aufgenommen hat. Diese Technologie speichert Energie in flüssigen Elektrolyten und gilt als vielversprechend für stationäre Anwendungen.
In der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung ist der Trend in der Speichertechnik auf Lithium- Eisen-Phosphat ausgerichtet. Klassische Lithium-Ionen-Batterien sind aufgrund des Bedarfs an Kobalt und Nickel teurer. Bei Redox Flow-Batterien ist die Bandbreite von Materialien sehr groß. Während Vanadium-Redox-Flow-Batterien unter normalen betriebswirtschaftlichen Betrachtungen zu teuer sind, so könnten metallfreie Redoxmaterialien auf Basis organischer Moleküle interessant werden. Auch daran wird in Deutschland gearbeitet. Speichermedien sind vergleichsweise teuer. Entscheidend sind die Zyklen und Lebensdauer der Batterien. Superkondensatoren auch als Supercaps bezeichnet, basieren auf elektrostatisches System und können je nach Anwendung, Einsatzfall und Anforderungen an die Zyklen sowie Lebensdauer eine weitere mögliche Alternative sein.
„Multifunktionale Energiespeicher: Der entscheidende Turbo für eine sichere Energieversorgung“
Mit einer neuen Generation von multifunktionalen Speichern, die weltweit im Einsatz sind, ist es möglich, saubere/Grüne Energiespeicherlösung als Teil einer GREEN Initiative/Strategie ESG und CSR konform zu realisieren. Die Leistungsfähigkeit der Superkondensator-Tech-nologie erlaubt Energiespeicherprodukte die langlebiger, sicherer, effizienter sind und zur Bereitstellung von Backup-Strom für kritische Infrastrukturen eingesetzt werden.Diese Superkondensatoren vereinen die besten Eigenschaften von Batterien & Kondensatoren.
Die Speicherkapazität der Hybriden Caps ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass es heute möglich ist die Energie aus Sonne und Wind auch mit dieser Technologie über längere Zeit zu speichern. Besonders interessant dürfte auch die Ergänzung oder Erneuerung vorhandener „Energieparks“ sein.
„Mit einer Lebensdauer von bis zu 25 Jahren, je nach Entlade- und Ladezyklen ( >20.000) sind die Superkondensatoren den herkömmlichen Systemen wie Blei Säure Batterien mit bis zu 1.500 Zyklen weit überlegen. Sie überzeugen durch lokale Off-Grid-Einsätze zur Speicherung der Solarenergie und Notstromgenerator. Dazu kommt eine hohe Zuverlässigkeit, wichtig für die kritische Infrastruktur, z. B. Mobilfunkmast. Hinzu kommt, dass sie recycelbar und nicht auf die seltenen Erde angewiesen sind", beschreibt Sasa Veljkovic CEO Vistecc die Vorteile.
„Die Technologiesprünge in der Speichertechnik werden durch Normenentwicklung der National Fire Protection Association (NFPA) in den USA vorangetrieben. Dabei wurde die Hybrid Supercap Technologie mit der Electrochemical ESS Technology Specification als sicherste Energiespeicher Technologie nach Standard NFPA 855 für 2026 eingestuft. Die Hybrid Supercap Technologie ist inzwischen offiziell die sicherste Energiespeicher Technologie eingestuft. Im Vergleich aller gängigen Batterie Technologien sind bei der Hybrid Supercap Technologie als einzige keinerlei Anforderungen im Brandschutztechnischen Bereich erforderlich“, beschreibt Sasa Veljkovic CEO Vistecc. Demnach benötigen Hybrid-Superkondensatoren keine spezifischen Maßnahmen in den Bereichen Abluftführung, Leckagekontrolle, Neutralisierung oder Sicherheitskappen. Zudem benötigen sie laut der Übersicht keine spezifischen Vorkehrungen gegen thermisches Durchgehen oder Explosionsschutz. Dies unterscheidet sie von vielen anderen gängigen Batterietechnologien.
Inselversorgung: technische Reserven in der Selbstversorgung blieben ungenutzt.
Nach einem am 06. Juli vorgestellten Bericht einer vom Berliner Senat eingesetzten Expertenkommission, blieben die technischen Reserven in der Selbstversorgung ungenutzt. Rund 95 Prozent der Berliner Photovoltaikanlagen lieferten trotz Dachanlage keinen Strom, weil ihnen die Inselbetriebsfähigkeit fehlt, ein bis dahin kaum bekanntes Versorgungsdefizit. Und die Wärme war zwar da, aber nicht nutzbar: Fernwärme und Gas standen physisch an fast allen Häusern an, es fehlten allein der Zündfunke beziehungsweise 20 bis 30 Watt für die Umwälzpumpe – mit Kleinstnotstrom lösbar, aber nicht vorbereitet. Damit künftige Schadensereignisse dieser Art besser abgefangen werden können, soll ein Lage- und Krisenzentrum aufgebaut werden, das alle Krisenstäbe im Land und mit der Bundesebene verbinden soll. Außerdem empfiehlt sie, einen sogenannten Chief Resilience Officer (CRO) bei der Senatskanzlei auf Staatssekretärsebene zu etablieren.
Die Berliner Angriffe auf die Stromversorgung haben gezeigt, wie angreifbar eine Kommune sein kann. Daher sollte die Versorgungssicherheit der gesamten Infrastruktur durch autonome Speichertechnik in Stadtvierteln und Quartieren in jeder Kommune zur Chefsache erklärt werden. Interessant wird das vor allem dann, wenn es lokal auch entsprechende Stromerzeugungskapazitäten aus PV-Anlagen oder auch Biogasanlagen gibt. Einzellösungen gibt es schon, doch Quartierslösungen liegen zwar auf dem Tisch, werden aus Kostengründen jedoch nicht umgesetzt, kritisiert der international anerkannte Dirk Uwe Sauer. Auch die Regelwerke stehen unter Druck, kritisiert Sauer. Sie wurden in den letzten Jahren nur unzureichend auf die sich ändernden Netzanforderungen und dem Wachstum der erneuerbaren Energien angepasst.
Ergo uns fehlen Netze und neue Handlungsspielräume an der Strombörse. „Wir brauchen auch mehrere Strompreiszonen in Deutschland, damit dynamische Strompreise auch sinnvolle Anreize für die Kraftwerksbetreiber, die Stromverbraucher und den Speicherbetrieb darstellen.“ fordert Sauer, „Das würde die Stromversorgung insgesamt in Deutschland günstiger machen, aber nicht überall in gleicher Weise, als gesamtdeutsche Lösung!" fordert Sauer.
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