Rubrik Energie & Netze

VKU fordert bessere Rahmenbedingungen

Umfrage: 84 Prozent der kommunalen Energieversorger setzen auf Batteriespeicher

12.06.2026 – Lesezeit ca. 4 Minuten 314

Der Ausbau von Großbatteriespeicherprojekten nimmt Fahrt auf: 11 Prozent der kommunalen Energieversorger setzen bereits konkrete Projekte um. Weitere 27 Prozent planen Vorhaben, 46 Prozent prüfen Einstiegsmöglichkeiten. Das geht aus einer Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) hervor. „Wichtig ist, dass die Speicher netzdienlich eingesetzt und wirtschaftlich betrieben werden können. Jetzt braucht es verlässliche Rahmenbedingungen, damit die Dynamik nicht ausgebremst wird“, sagt VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing.

Batteriespeicher können dabei helfen, Wind- und Solarstrom bedarfsgerecht verfügbar zu machen. Speicher direkt an Erneuerbaren-Anlagen (Co-Location) nehmen vor Ort überschüssigen Strom auf und geben ihn später wieder ab. Zusätzlich können auch eigenständige Speicheranlagen (Stand-alone-Speicher) das Stromsystem stabilisieren und den Bedarf an Netzausbau und teuren Eingriffen in den Netzbetrieb (Redispatch) senken. „Wenn wir den Speicherhochlauf jetzt nicht konsequent voranbringen, drohen steigende Systemkosten und zusätzliche Belastungen für Netze und Verbraucher“, so Liebing.

Dafür brauche es klare und investitionssichere Rahmenbedingungen. So sieht der VKU zum Beispiel im Baurecht Handlungsbedarf: Im Umkreis von Umspannwerken und Kraftwerken dürfen Batteriespeicher richtigerweise auch ohne Bebauungsplan errichtet werden, allerdings nur bis zu einer Entfernung von 200 Metern. Im Zuge des aktuell stattfindenden sogenannten Baugesetzbuch-Upgrades (Gesetz zur Modernisierung des Städtebau- und Raumordnungsrechts) sollte der Maximalabstand für diese baurechtliche Privilegierung laut VKU auf mindestens 500 Meter erweitert werden.

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Die geplanten und laufenden Projekte der kommunalen Energieversorger variieren laut VKU-Umfrage deutlich in der Größenordnung: Eine Leistung von 1 bis 5 Megawatt (MW) bauen 34 Prozent der befragten Unternehmen auf. Bei weiteren 34 Prozent liegt die Leistung bei 5 bis 10 MW. Rund 23 Prozent setzen bei ihren Projekten auf eine Leistung von 10 bis 100 MW und rund sieben Prozent sogar auf 100 bis 500 MW. Damit liegen diese großen Speicherprojekte in der Leistungsklasse konventioneller Kraftwerksblöcke.

„Batteriespeicher sind ein wichtiger Baustein für die Energiewende, insbesondere zur Stabilisierung der Netze, zur Integration erneuerbarer Energien und zur Einsparung von teurem Netzausbau“, sagt Liebing. Rund 35 Prozent der befragten Unternehmen schätzen die Bedeutung von Batteriespeichern für ihr Unternehmen bis 2030 hoch oder sehr hoch ein.

Der Druck auf die Stromnetze nimmt insgesamt deutlich zu. Neben Speichern treiben auch Photovoltaik, Wärmepumpen und Ladepunkte für E‑Autos den Ausbau. Bei 38 Prozent der Netzbetreiber stieg 2025 die Zahl der Anschlussanfragen, bei 11 Prozent sogar stark.

Die Anschlussdauer variiert: Bei 27 Prozent der Unternehmen dauert ein Netzanschluss vom vollständigen Erhalt der Unterlagen bis Inbetriebnahme weniger als sechs Monate. Rund 42 Prozent rechnen mit einer Zeitspanne von 6 bis 12 Monaten und bei 19 Prozent vergehen 12 bis 18 Monate.

Mit dem AgNes‑Prozess (Allgemeine Netzentgeltsystematik Strom) will die Bundesnetzagentur die Netzentgelte grundlegend neu ordnen. Im aktuellen Eckpunktepapier der Bundesnetzagentur sieht der VKU Verbesserungen beim Vertrauensschutz für Batteriespeicher. Nach den aktuellen Überlegungen sollen bestehende Netzentgeltbefreiungen für neue Batteriespeicher, die bis Sommer 2029 ans Netz gehen, weiterhin Bestand haben. Zudem sollen Netzentgelte für Bestandsspeicher erst nach Auslaufen bestehender Sonderregelungen greifen. „Das schafft Planungssicherheit für Investitionen“, so Liebing. Kritisch bewertet der VKU das Festhalten an dynamischen Netzentgelten.

Damit der Ausbau weiter Fahrt aufnimmt, fordert der VKU klare, bundesweit einheitliche Regeln für den Netzanschluss mit fairer Priorisierung nach Netzausbaubedarf mittels Baukostenzuschüssen. Wichtig sind außerdem verlässliche Investitionsbedingungen bei Netzentgelten und Umlagen über 2029 hinaus sowie einfache, digitale Prozesse für Messung, Marktintegration und Redispatch. Zudem sollten Speicher stärker mit erneuerbaren Anlagen vor Ort kombiniert (Co-Location) werden.

Deutschland hat beim Ausbau erneuerbarer Energien große Fortschritte gemacht. Strom wird zunehmend dezentral und erneuerbar erzeugt, und immer häufiger gespeichert. „Die geopolitische Lage zeigt, der Umstieg auf erneuerbare Energien ist richtig“, sagt Liebing. „Batteriespeicher sind dafür unverzichtbar.“


Über die Umfrage

Für die Umfrage zur Stromversorgung wurden vom 21. April bis zum 22. Mai 2026 die kaufmännischen und technischen Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer der 756 Mitgliedsunternehmen mit Stromsparte befragt. Insgesamt wurden 756 VKU-Mitgliedsunternehmen angeschrieben.

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