Rubrik Energie & Netze

EEG-Entwurf gefährdet jede vierte kleine Wasserkraftanlage in Mitteldeutschland

26.05.2026 – Lesezeit ca. 2 Minuten 530

Eine Auswertung zeigt: Im Verbandsgebiet Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind rund 600 aktive EEG-Wasserkraftanlagen registriert. Davon liegen etwa 25 % der Anlagen unterhalb der Schwelle von 25 kW installierter EEG-Leistung. Damit wäre jede vierte EEG-Wasserkraftanlage im mitteldeutschen Verbandsgebiet von der geplanten Regelung betroffen. Besonders deutlich ist die Lage in Thüringen: Dort fallen mehr als 2/3 der aktiven EEG-Wasserkraftanlagen unter 25 kW.

„Die pauschale 25-kW-Grenze wird der Wasserkraft nicht gerecht“, erklärt Dipl.-Ing. Martin Richter, Präsident des Wasserkraftverbandes Mitteldeutschland. „Kleine Wasserkraftanlagen sind keine beliebigen Kleinstanlagen. Sie liefern planbar, stetig und netzdienlich Strom. Wer allein auf die installierte Leistung schaut, übersieht die Jahresarbeit, die Verfügbarkeit und den regionalen Systemwert dieser Anlagen.“

Im mitteldeutschen Verbandsgebiet ist die Wasserkraft überwiegend mittelständisch, regional und historisch gewachsen. Viele Anlagen werden von Familienbetrieben, Mühlenstandorten, Handwerksbetrieben oder lokalen Unternehmen betrieben. Sie erzeugen kontinuierlich erneuerbaren Strom, häufig seit Jahrzehnten, und tragen zugleich zum Erhalt technischer Kulturlandschaften, wasserbaulicher Infrastruktur und dezentraler Wertschöpfung bei.

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Gerade kleine Wasserkraftanlagen speisen nicht wetter- oder tageszeitabhängig ein, sondern leisten rund um die Uhr einen Beitrag zur Versorgungssicherheit. Sie stabilisieren regionale Netze, reduzieren Abhängigkeiten und stärken die Resilienz der Energieversorgung vor Ort. Dieser systemdienliche Wert wird im aktuellen Förderdesign nicht angemessen berücksichtigt.

Der geplante Förderstopp würde den betroffenen Anlagenbetreibern die wirtschaftliche Perspektive für Modernisierung, Reaktivierung und Weiterbetrieb kleiner Anlagen erheblich erschweren. Genau diese Investitionen sind jedoch notwendig, um Wasserkraftstandorte technisch, ökologisch und energiewirtschaftlich weiterzuentwickeln. Ohne verlässlichen Rahmen drohen ausbleibende Sanierungen, schleichende Stilllegungen und der Verlust einer seit Generationen bestehenden erneuerbaren Infrastruktur.

„Mitteldeutschland braucht nicht weniger, sondern mehr verlässliche heimische Energieerzeugung“, so Richter. „Wer Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Klimaschutz ernst nimmt, darf die kleine Wasserkraft nicht aus dem EEG drängen. Besonders in Mitteldeutschland zeigt sich, dass die 25-kW-Schwelle tief in die bestehende Anlagenstruktur eingreift.“

Der Wasserkraftverband Mitteldeutschland fordert daher, den vorgesehenen Förderstopp für Wasserkraftanlagen unter 25 kW aus dem EEG-Entwurf zu streichen. Statt pauschaler Leistungsgrenzen braucht es eine technologieangemessene Bewertung, die Jahresarbeit, Verfügbarkeit, Netzdienlichkeit und regionale Infrastrukturwirkung der Wasserkraft berücksichtigt.

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