Rubrik Energie & Netze

Urbane Digitale Zwillinge können Wärmeplanung der Kommunen erleichtern

20.02.2026 – Lesezeit ca. 4 Minuten 238

Urbane Digitale Zwillinge können Wärmeplanung der Kommunen erleichtern

Typen von UDZ in der Wärmeplanung. (Quelle: Deutsches Institut für Urbanistik (Difu))

Kommunen sind verpflichtet, ihre Wärmeversorgung strategisch, datenbasiert und transparent neu auszurichten. Eine Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) zeigt, welche Rolle Urbane Digitale Zwillinge dabei spielen können – und wann sie Kommunen entlasten.

Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) hat zusammen mit dem Fraunhofer Institut für Experimentelles Softwareingineering (IESE) analysiert, wie Kommunen mit Hilfe Digitaler Zwillinge komplexe Datenlagen zusammenführen, Szenarien für eine klimaneutrale Wärmeversorgung entwickeln und Planungsentscheidungen nachvollziehbar kommunizieren können. Im Fokus der für das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) durchgeführten Studie steht die praktische Anschlussfähigkeit an kommunale Strukturen, Ressourcen und Zuständigkeiten.

Die Untersuchung gibt Kommunen Orientierung zu folgenden Fragen: Welche Funktionen digitaler Zwillinge sind für die Wärmeplanung sinnvoll? In welchen Planungsphasen können sie was leisten? Und welche organisatorischen, rechtlichen und datenbezogenen Bedingungen müssen erfüllt sein, damit sie wirklich Mehrwerte entfalten?

Zentrale Ergebnisse: Organisation schlägt Technik

Die Studie zeigt, dass der Einsatz urbaner digitaler Zwillinge in der kommunalen Wärmeplanung vielerorts noch in den Anfängen steckt. Rund 16 Prozent der untersuchten Kommunen nutzen derzeit Digitale Zwillinge oder vergleichbare Toolsets – meist in frühen Phasen wie der Bestands- oder Potenzialanalyse. Über 90 Prozent greifen dabei auf Lösungen externer Dienstleister zurück.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

„Entscheidend für den Erfolg ist weniger die technische Leistungsfähigkeit der eingesetzten Software als die institutionelle Verankerung, die kommunale Datenhoheit und der Aufbau interner Kompetenzen: Ohne klar geregelte Datenzugänge, Schnittstellen und Verantwortlichkeiten bleibt der Nutzen Urbaner Digitaler Zwillinge begrenzt“, so Difu-Projektleiterin Lisa Dreier.

Vier Typen urbaner digitaler Zwillinge

Ein weiteres zentrales Ergebnis ist ein im Rahmen der Studie entwickeltes praxisorientiertes Typenmodell, das vier funktionale Ausprägungen urbaner digitaler Zwillinge unterscheidet: Visualisierung (z. B. Karten und Viewer), Analyse (datenbasierte Auswertungen), Simulation (Szenarien und Modellierungen) und innovative bzw. adaptive Integration (z. B. lernende oder vernetzte Systeme).

Das Modell ist nicht als Reifegradskala zu verstehen, vielmehr als flexibler Bewertungsrahmen. Kommunen können damit gezielt jene Funktionen entwickeln, die zu ihren jeweiligen Aufgaben, Datenlagen und Ressourcen passen.

Mehrwert für die gesamte Wärmeplanung

Difu-Wissenschaftler Robert Riechel unterstreicht die Vorteile für Kommunen: „Richtig eingesetzt können urbane digitale Zwillinge in allen Phasen der kommunalen Wärmeplanung hilfreich sein. Sie erhöhen die Nutzbarkeit vorhandener Daten, automatisieren Auswertungen, verbessern Entscheidungsgrundlagen und helfen, die Lücke zwischen strategischer Planung und Umsetzung zu schließen. Darüber hinaus können sie Transparenz schaffen und die Kommunikation mit Politik, Fachebene und Öffentlichkeit unterstützen.

Allerdings ist nicht für jede Kommune ein umfassender Urbaner Digitaler Zwilling sinnvoll oder notwendig. Insbesondere für kleinere Städte und Gemeinden mit begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen können GIS-basierte Anwendungen und niedrigschwellige Visualisierungs- und Analysewerkzeuge eine praktikable und ressourceneffiziente Lösung darstellen. Entscheidend ist nicht die Bezeichnung des Tools, sondern seine Passung an die jeweiligen Aufgaben, Datenlagen und organisatorischen Strukturen.

Hintergrund: Transfer von Smart-City-Lösungen im Auftrag des BMWSB

Die Studie wurde im Rahmen der Fördermaßnahme „Modellprojekte Smart Cities“ (MPSC) erarbeitet. Die Maßnahme wird seit 2019 vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit insgesamt 73 Modellprojekten umgesetzt. Die Publikation ist Teil der wissenschaftlichen Begleitung in der „Koordinierungs- und Transferstelle Smart City“ (KTS), die Studien und Expertisen erarbeitet, um neue Erkenntnisse und bedarfsgerechte Lösungen für die kommunale Praxis abzuleiten und aufzuzeigen. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) koordiniert die Forschung innerhalb der Fördermaßnahme.

Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) ist Projektpartner der KTS. Weitere sind u.a. Fraunhofer IESE und IAO, DLR-Projektträger sowie Creative Climate Cities (CCC). Als zentrale Anlaufstelle für die Modellprojekte in Deutschland gestaltet und steuert die KTS den Transfer von Smart-City-Lösungen in die kommunale Praxis. Von diesem Wissen sowie den Erfahrungen und Lösungen sollen langfristig alle Kommunen in Deutschland profitieren.

Praxisforum Tiefengeothermie on Tour: zu Gast bei der Forschungsbohrung Köln-Dellbrück
Praxisforum Tiefengeothermie on Tour: zu Gast bei der Forschungsbohrung Köln-Dellbrück

Bevor sich die Tiefengeothermie-Branche im Oktober im bayerischen Pullach trifft, hat das Praxisforum Tiefengeothermie bereits im Sommer eine Begegnung in NRW e[...]

13.07.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

energie
Der „Zuordnungs-Monitor“ hilft Energielieferanten den 24-Stunden-Lieferantenwechsel ohne Frust zu bewältigen

Seit der Einführung des 24-Stunden-Lieferantenwechsels haben sich die Bedingungen in der Versorgungswirtschaft radikal verändert. Früher hatte man Tage, um fehl[...]

10.07.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

energie
Neue Studie zum Heizungsgesetz: Die Bio-Treppe führt ins Nichts
Neue Studie zum Heizungsgesetz: Die Bio-Treppe führt ins Nichts

Eine neue Studie des Fraunhofer IFAM im Auftrag des Umweltinstitut München und von GasWende dokumentiert, dass die im neuen Heizungsgesetz vorgesehene Nutzung v[...]

09.07.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie
Resilienz stärken: Projekte für Extreme von Dürre bis Hochwasser
Resilienz stärken: Projekte für Extreme von Dürre bis Hochwasser

Nach einer Frühjahrsdürre in 2025 ist bislang auch das Wasserwirtschaftsjahr 2026 viel zu trocken. Dem gegenüber stehen Starkregenereignisse und allen voran das[...]

07.07.2026, Lesezeit ca. 7 Minuten

energie
27 Prozent weniger Energieverbrauch: Stadt Wolfsburg optimiert Wärmemanagement in Schulen
27 Prozent weniger Energieverbrauch: Stadt Wolfsburg optimiert Wärmemanagement in Schulen

Stadt Wolfsburg setzt auf intelligente Thermostate, um Energieverbrauch in Schulen zu senken Bonus: hydraulischer Abgleich digital und ohne weiteren Aufwand durchgeführt

03.07.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

energie
VKU-Umfrage: Drei von vier Stadtwerken sehen Netzausbau finanziell gefährdet

Für viele Stadtwerke wird die Finanzierung des Stromnetzausbaus zunehmend zur Herausforderung. Das zeigt eine Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU):[...]

01.07.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

energie
„Solarrock“ toppt Gefälledach- und Wärmedämmung
„Solarrock“ toppt Gefälledach- und Wärmedämmung

Die Dächer der neuen Sport- und Mehrzweckhalle ebenso wie der Mensa des Schulzentrums Nord im rheinischen Niederkassel-Lülsdorf wurden begrünt und mit großen PV[...]

01.07.2026, Lesezeit ca. 6 Minuten

energie
Hybridkraftwerk Parndorf verbindet Wind- und Solarenergie mit Landwirtschaft und Biodiversität
Hybridkraftwerk Parndorf verbindet Wind- und Solarenergie mit Landwirtschaft und Biodiversität

Das Hybridkraftwerk Parndorf ist am Netz: Am vergangenen Samstag wurde die an den bestehenden Windpark angebundene Photovoltaikanlage im Burgenland feierlich in[...]

25.06.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

energie
Neue Kraftwerke, neue Risiken: Die Gasbranche zwischen Versorgungssicherheit und Dekarbonisierung
Neue Kraftwerke, neue Risiken: Die Gasbranche zwischen Versorgungssicherheit und Dekarbonisierung

Die Gasspeicher haben Anfang 2026 einen historischen Tiefstand erreicht, gleichzeitig spielt bei Gasimporten immer öfter die Geopolitik eine Rolle. Der Iran-Kon[...]

25.06.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

energie
Solarstrom erspart Deutschland seit 2020 Kosten in dreistelliger Milliardenhöhe
Solarstrom erspart Deutschland seit 2020 Kosten in dreistelliger Milliardenhöhe

Die mittlerweile in Deutschland installierten rund sechs Millionen Solarstromanlagen haben dem Land in den vergangenen sechs Jahren einen volkswirtschaftlichen [...]

23.06.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie

Weitere Artikel in dieser Rubrik