Rubrik Energie & Netze

Nahwärme in kleinen Kommunen: Mit lokalen Energiequellen heizen

28.11.2025 – Lesezeit ca. 5 Minuten 273

Nahwärme in kleinen Kommunen: Mit lokalen Energiequellen heizen

Möglicher Aufbau eines Nahwärmenetzes: Grundlage sind lokale Quellen wie Abwasserwärme und Geothermie. Die Wärmepumpen nutzen erneuerbaren Strom aus der Umgebung. (Bild: Projekt Suburbane Wärmewende / IÖW 2025)

Viele Kommunen in Deutschland wollen neue Wärmenetze umsetzen. Mit ihnen lassen sich lokale erneuerbare Energiequellen nutzen, etwa Erdwärme, Solarthermie oder Biomasse. Damit Nahwärme wirtschaftlich umsetzbar ist, braucht es jedoch einen geeigneten Netzbetreiber und genügend Gebäudeeigentümer*innen, die sich ans Wärmenetz anschließen lassen wollen. Wie dies auch für kleinere Kommunen ohne eigenes Stadtwerk gelingen kann, zeigen das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), die Technische Universität Berlin (TUB) und das Umweltzentrum Stuhr-Weyhe im Projekt Suburbane Wärmewende 2.

Mit Handreichungen helfen sie Kommunen dabei, Herausforderungen frühzeitig mitzudenken und ein Betreibermodell zu wählen. Das vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) geförderte Projekt begleitet die niedersächsische 32.000-Einwohner-Gemeinde Weyhe im Bremer Speckgürtel bei der Planung eines Wärmenetzes und wertete zudem Erfahrungen weiterer Kommunen aus, die bereits Nahwärmenetze umgesetzt haben.

Wenig Erfahrungen mit Wärmenetzen in kleinen Kommunen

Alle Kommunen in Deutschland müssen bis spätestens 2028 – teils schon 2026 – einen Wärmeplan erstellen. Eine zentrale Aufgabe hierbei ist es, Gebiete zu identifizieren, die sich für eine Versorgung mit klimaneutralen Wärmenetzen eignen. Energieökonom Janis Weber vom IÖW weiß aus Gesprächen mit Praxisakteuren, dass kleine Städte und Dörfer bislang nur wenig Erfahrung mit Wärmenetzen haben. „Gerade Kommunen ohne eigenes Stadtwerk stehen vor großen Herausforderungen bei der Umsetzung von Nahwärmenetzen: Das reicht von der Suche nach einem geeigneten Betreiber über die Entwicklung eines technischen Konzepts und bauliche Fragen bis hin zur Akzeptanz der Bürger*innen“, so Weber.

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Die Nachfrage vor Ort ist entscheidend

Oft beginnt die Umsetzung eines Wärmenetzes mit einer kleinen Gruppe oder einer einzelnen Person in der Gemeinde, die sich für ein lokales Wärmenetz einsetzt. „Kommunen sollten bürgerschaftliches Engagement für Wärmenetze unbedingt aufgreifen“, empfiehlt Weber, der zusammen mit dem Forschungsteam Pilotkommunen und weitere Akteure wie Projektierer oder Energieagenturen befragt hat. „Für die erfolgreiche Umsetzung braucht es engagierte Personen, die an zahlreiche Haustüren klopfen, um für die Idee zu werben.“

Anschließend sind Formate wie Informationsveranstaltungen, Befragungen, Kellerbegehungen und Beratungsangebote nötig, um herauszufinden, ob es im potenziellen Versorgungsgebiet eine ausreichende Nachfrage für Nahwärme gibt. Denn die Wirtschaftlichkeit von Wärmenetzen steht und fällt mit der Anschlussquote der Gebäude im Gebiet.

Nahwärme kann sich besonders für ältere Häuser rechnen

Am Fallbeispiel der Gemeinde Weyhe errechneten die Forschenden, für welche Haushalte es sich lohnt, mit Nahwärme zu heizen. Fazit: Ob eher eine eigene dezentrale Anlage wie eine Wärmepumpe oder der Anschluss an ein Nahwärmenetz günstiger ist, hängt insbesondere von Größe, Baualter und energetischem Zustand des Gebäudes ab. Vor allem für ältere Gebäude mit hohen Temperaturanforderungen kann ein Anschluss ans Wärmenetz vorteilhaft sein.

Den richtigen Zuschnitt finden – Beispiel Weyhe

„Weyhe will bis 2035 klimaneutral sein, dafür spielt die Wärmewende eine entscheidende Rolle“, sagt Dr. Kirstin Taberski, Klimaschutzmanagerin in Weyhe. Seit 2017 arbeitet die Gemeinde mit Forschenden aus dem Projekt Suburbane Wärmewende an einem Konzept für ein finanziell tragfähiges Wärmenetz. Im Untersuchungsgebiet, dem Ortskern von Leeste, kamen zu Beginn verschiedene lokale Wärmequellen infrage: Abwasserwärme, Grünschnitt für einen möglichen Biomasse-Heizkessel und Erdwärmesonden, die unterhalb des Sportplatzes installiert werden könnten. Auch eine Nutzung von mitteltiefer Geothermie wird aktuell geprüft.

Mit Umfragen vor Ort fanden die Forschenden heraus, dass sich mehr als die Hälfte der Haushalte im Untersuchungsgebiet für ein klimaneutrales Wärmenetz interessieren, wobei auch Vorbehalte etwa gegenüber der Nutzung von Biomasse geäußert wurden. Der richtige Startzeitpunkt wäre in einigen Jahren, wenn für mehrere Haushalte ohnehin ein Heizungswechsel ansteht. Wirtschaftlich umsetzbar ist das Wärmenetz vor allem in den dicht besiedelten Bereichen rund um das Schulgelände. Von dort aus ließe sich das Wärmenetz Schritt für Schritt erweitern – so die Grundidee des Vorhabens.

„Die Projektergebnisse fließen in die kommunale Wärmeplanung ein und liefern wertvolle Grundlagen, damit Weyhe im Wärmebereich weiteren Treibhausgasausstoß vermeiden kann“, so Taberski.

Wer baut und betreibt das Netz?

„Vielen kleineren Kommunen fehlen neben Erfahrungen mit Wärmenetzen vor allem die finanziellen Mittel oder Infrastrukturen – etwa ein eigenes Stadtwerk – um solche Projekte eigenständig umzusetzen“, erklärt Tidian Baerens, Nachhaltigkeitswissenschaftler am IÖW. „Deshalb zögern viele Kommunen, den Bau und Betrieb eines Wärmenetzes in Eigenregie anzugehen.“ In einer Handreichung des Projekts stellt der Wissenschaftler verschiedene geeignete Betreibermodelle vor, die Kommunen neue Handlungsspielräume eröffnen. „Anstatt die zukünftige Wärmeversorgung vollständig an einen meist gewinnorientierten Energieversorger auszulagern und damit Steuerungsmöglichkeiten aus der Hand zu geben, können sich Kommunen mit geeigneten Partnern zusammenschließen und deren Stärken für die gemeinsame Wärmewende nutzbar machen“, so Baerens.

In einer Wärmenetzgesellschaft etwa kann die Kommune Stimmrechte behalten, während Partner wie Bürgerenergiegenossenschaften, benachbarte Stadtwerke oder private Unternehmen zusätzliches Kapital, technisches Know-how und Umsetzungserfahrung einbringen. So entstehen bürgernahe und tragfähige Modelle, die lokale Wertschöpfung sichern und gleichzeitig die Wärmewende vor Ort voranbringen.


Über das Projekt
Das Projekt Suburbane Wärmewende begleitet seit 2017 die Gemeinde Weyhe in Niedersachen dabei, ein innovatives, wirtschaftlich tragfähiges Wärmenetz im Ortskern Leeste zu entwickeln. Die Technische Universität Berlin (TUB) leitet das Projekt, weitere Partner sind das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und der Verein Umweltzentrum Stuhr-Weyhe (UZSW). In zwei Projektphasen untersuchte das Forschungsprojekt technische und wirtschaftliche Aspekte, darunter Netzkonzepte, eine optimierte Betriebsführung und Kostenstrukturen. Zudem wurden unterschiedliche Partizipationsformate zur Aktivierung, Information und Beteiligung lokaler Stakeholder und der Anwohnenden erprobt.

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