Rubrik Energie & Netze

Baden-Württemberg: Energiedaten der Kommunen liefern wichtige Informationen

Erfassung gesetzlich vorgeschrieben: Landesenergieagentur KEA-BW legt Auswertung vor

26.06.2025 – Lesezeit ca. 4 Minuten 58

Erfassung gesetzlich vorgeschrieben: Landesenergieagentur KEA-BW legt Auswertung vor

Bild: Istock /Madmaxer

Ein Teil der baden-württembergischen Kommunen hat seine Gebäude bereits energieeffizient oder sogar klimaneutral umgebaut. Ein größerer Teil hat dagegen noch ein hohes Einsparpotenzial. Das zeigt die landesweite Auswertung kommunaler Verbrauchsdaten der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW). In seinem bundesweit bislang einzigartigen Bericht hat das Kompetenzzentrum Energiemanagement der KEA-BW die Verbrauchsdaten von insgesamt 14.500 kommunalen Liegenschaften analysiert. Als Orientierung dient ein Zielwert, den die KEA-BW mit wissenschaftlicher Unterstützung aus Energieverbrauchsdaten ermittelt hat. Beim Wärmeverbrauch erreichen knapp 18 Prozent der erfassten Gebäude den Zielwert von 50 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Beim Strom erreichen etwa ein Fünftel den Zielwert von zehn Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Die Daten eignen sich als Grundlage für die Konzeption von Effizienzmaßnahmen.

Kommunen im Südwesten müssen jedes Jahr die Energieverbräuche ihrer Liegenschaften an das Land melden. Das schreibt das Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsgesetz Baden-Württemberg vor. 538 von insgesamt 1136 Kommunen und Landkreisverwaltungen haben ihre Energieverbräuche für 2022 der KEA-BW geliefert. Nun hat die Landesenergieagentur eine ausführliche Berichterstattung für das Jahr 2022 vorgelegt. Der „Energiespiegel“ legt auf 428 Seiten die Energieverbräuche und Verbrauchskennwerte von 67 Bauwerkstypen mittels beschreibender Statistik dar. Dazu gehören 1.311 Verwaltungsgebäude ohne Klimatisierung und Lüftungsanlage, 879 Schulen und 1.792 Kindertagesstätten. Auch von Sporthallen, Veranstaltungsgebäude, Feuerwehrgerätehäuser, Hallenbäder und weiteren Gebäudetypen wurden die Verbräuche ausgewertet. Reale Verbräuche kommunaler Liegenschaften wurden in Baden-Württemberg erstmals in dieser detaillierten Form ausgewertet.

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Daten bilden wertvolle Grundlage für weitere Schritte

„Kommunen, die ihre Energiedaten erfassen, haben viele Vorteile. Die gesetzlich vorgeschriebene Verbrauchserfassung geht meist Hand in Hand mit der sachlich-rechnerisch Prüfung der Energierechnungen. Sie kann gleichzeitig als Abgleich dienen, ob die Verbräuche auf den Abrechnungen korrekt sind“, sagt Claus Greiser, Bereichsleiter Energiemanagement bei der KEA-BW. „Insbesondere die gebäudescharfe Erfassung der Energiedaten kann Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen, der Gemeinderat und die Sachbearbeitung als Basis für eine Effizienzberatung oder Sanierungsvorhaben dienen. Nur wenn Kommunen ihre Energiedaten kennen und sich damit befassen, können sie ihren Verbrauch dauerhaft senken.“

Wärme- und Stromverbrauch kommunaler Gebäude im Südwesten

Der Wärmeverbrauch macht den Großteil des Gesamtenergieverbrauchs in den kommunalen Gebäuden aus. Von den 14.500 untersuchten Gebäuden erreichen 17,8 Prozent die Wärmezielwerte. Beim Stromverbrauch sind es 20,5 Prozent. Der Zielwert für den Wärmeverbrauch liegt bei 50 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr, der für den Stromverbrauch bei zehn Kilowattstunden. 545 Verwaltungsgebäude ohne Klimatisierung und Lüftungsanlage, Schulen und Kindertagesstätten erreichen die Werte, insgesamt elf Prozent. Ein beträchtlicher Teil der Gebäude, 36 Prozent, benötigt 52 bis 102 Kilowattstunden Wärmeenergie und nähert sich damit dem Zielwert an. Kindertagesstätten verbrauchen im Schnitt 127 Kilowattstunden Wärme pro Quadratmeter und Jahr, bei Schulen sind es 93 und 114 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr.

Beim Stromverbrauch erreichen mehr Gebäude die Zielwerte. Der Anteil der Gebäude, die unter zehn Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr liegen, beträgt je nach Gebäudetyp zwischen sieben und 50 Prozent. Bei Verwaltungsgebäuden, Schulen und Kindertagesstätten sind es insgesamt 975 Gebäude, also 21 Prozent.

Gebäudescharf erfasste Energiedaten als Schatz nutzen

Die Energieverbrauchsdaten zu erfassen und auszuwerten, ist für Bau- und Liegenschaftsämter, Klimaschutzbeauftragte und andere kommunale Fachleute ein erster Schritt hin zu einer klimaneutralen Kommunalverwaltung und zu modernen, sparsamen Gebäuden. Bereits so können Objekte mit Einsparpotenzial ermittelt werden. Mit einem systematischen Energiemanagement etwa können Kommunen dann bis zu 30 Prozent des Endenergieverbrauchs in ihren Liegenschaften sparen – durch nicht- und geringinvestive Maßnahmen. Zudem dienen die Daten als Grundlage für Projekte wie Energieeinspar-Contracting.

Neben den Kommunen profitieren auch andere Beteiligte von den gesammelten und ausgewerteten Daten. So können etwa Regionale Energie- und Klimaschutzagenturen Ihre Beratung darauf aufbauen, Planungs-, Ingenieur- und Architekturbüros damit arbeiten sowie Investoren oder Contractinganbieter ihre Renditen abschätzen. Der Zeitaufwand für die Erfassung lohnt sich also.

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