Rubrik Energie & Netze

5 Fragen, 5 Antworten: Was Sie über Ökostrom wissen müssen

12.02.2025 – Lesezeit ca. 4 Minuten 47

5 Fragen, 5 Antworten: Was Sie über Ökostrom wissen müssen

„Erneuerbare Energie ist oft günstiger als konventionelle“ (Quelle: Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE)

Steigende Strompreise, Diskussionen über Atomkraft, Umverteilung der Netzentgelte und die Verpflichtung zu dynamischen Tarifen: Der Energiemarkt ist für Verbraucher nicht leicht zu verstehen. Verbraucher möchten wissen, woher ihr Strom kommt und wie sich die Kosten zusammensetzen. Hier erfahren sie alles, was man über Ökostrom und den Strommarkt wissen muss.

1. Was sind erneuerbare Energien?

Erneuerbare Energien sind Energiequellen, die sich auf natürliche Weise ständig erneuern und unbegrenzt verfügbar sind. Dazu gehören Sonnenenergie, Windkraft, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie. Im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen wie Kohle oder Öl entstehen dabei kaum schädliche Treibhausgase, was sie umweltfreundlicher macht.

Die Stromversorgung in Deutschland aus erneuerbaren Energien nimmt stetig zu, weswegen Solar- und Windkraft mittlerweile die wichtigste Stromquelle in Deutschland bilden. 2024 stammten mehr als 62 Prozent des gesamten Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energiequellen (Quelle: Fraunhofer Institut 2024). Dies deckt sich mit der Strategie der derzeitigen Bundesregierung (Stand Januar 2025), von fossilen Energien unabhängig zu werden und bis 2030 mindestens 80 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland durch erneuerbare Energien abzudecken.

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2. Was ist teurer – Ökostrom, fossiler Strom oder Atomstrom?

Erneuerbare Energien sind derzeit die günstigste Art, Strom zu erzeugen. Sie haben das Potenzial, den Strompreis langfristig zu senken, da sie keine Brennstoffkosten verursachen. Natürlich fallen Anfangsinvestitionen für den Bau von Solar- oder Windkraftanlagen an, sobald die Anlagen aber in Betrieb sind, erzeugen sie kostengünstiger Strom als andere Stromerzeuger. Die Kosten beispielsweise für Atom- und Gaskraftwerke übersteigen die von erneuerbaren Energien um ein Vielfaches.

Preisschwankungen sind durch Angebot und Nachfrage (Tageszeit, Wetter, saisonale Schwankungen), politische Entscheidungen (z.B. Steuern, Entgelte), die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien (z.B. besonders windige Tage, Dunkelflaute) und den Handel an der Strombörse zu erklären. Im Unterschied zu Gas und Kohle stehen die Ressourcen Wind und Sonne kostenlos zur Verfügung und belasten die Umwelt nicht, wenn man sie nutzt. Hier gibt es also keine Abhängigkeiten von anderen Nationen beim Einkauf. Neben den geopolitischen Abhängigkeiten entsteht Deutschland ein jährlicher Verlust durch Kohle-, Öl- und Gasimporte in Höhe von rund 80 Milliarden Euro 1. Mit diesem Geld könnten 10.000 On-shore-Windräder mit einer Leistung von jeweils 5MW oder 26.000 kleinere On-shore-Windräder mit je 2 MW gebaut werden 2.

Ein weiterer Vorteil von erneuerbaren Energien ist, dass im Vergleich zu Atomkraftwerken kein Abfallprodukt entsteht, also auch keine Kosten (und Naturschäden) bei der Entsorgung.

3. Kommt Ökostrom aus meiner Steckdose, wenn ich Ökostrom beziehe?

Physisch fließt der Strom aus allen verfügbaren Quellen durch das Stromnetz, sodass sich der Strom aus erneuerbaren und konventionellen Quellen vermischt. Aber: Wenn man Ökostrom bezieht, bedeutet das, dass der Stromanbieter garantiert, die entsprechende Menge an grünem Strom ins Netz einzuspeisen. Man fördert also den Ausbau erneuerbarer Energien, auch wenn der Strommix, der zuhause ankommt, gemischt ist. Verständlicher ist dies, wenn man den Bilanzkreis mit einem Swimmingpool vergleicht. Alle Energieerzeuger geben ihren Anteil Strom in den Swimmingpool. Aus diesem Gesamtpool werden alle Kunden in der jeweiligen Region versorgt. Das bedeutet konkret: niemand bekommt zu 100 Prozent Ökostrom oder Atomstrom. Jeder Verbraucher erhält die gleiche Mischung. Dennoch ist es ausschlaggebend, wenn mehr Verbraucher sich für Strom aus erneuerbaren Energien entscheiden, da dadurch mehr Ökostrom in den Pool kommt.

4. Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Der Stromhandel wird von vier Akteursgruppen geprägt: Stromproduzenten, Energiehändler, Energielieferanten und Netzbetreiber. Stromproduzenten verkaufen den Strom entweder an Energiehändler, die damit an der Strombörse handeln oder direkt an Stromlieferanten.

Der größte Teil der Kosten, die am Ende dem Kunden verrechnet werden, entfällt auf Netzentgelte, Steuern und Gebühren der verschiedenen Akteure am Strommarkt. Diese können je nach Standort, aufgrund von Netzstruktur, Beschaffenheit des Netzes (z.B. Ausbau oder Modernisierung), regulatorischen Vorgaben, geografischen Unterschieden (z.B. ländliche Gebiete) oder Energieverlusten beim Transport unterschiedlich ausfallen. Festgelegt werden diese Gebühren durch Regulierungsbehörden, wie die Bundesnetzagentur.

Ein weiterer Akteur sind die Messstellenbetreiber, sie verrechnen die Kosten für den Betrieb und das Ablesen von Stromzählern.

5. Was muss ich bedenken, wenn ich meinen Stromtarif auswähle?

Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom. Was heißt das? Eine gesetzliche Pflicht den Anteil und die Herkunft auszuweisen, gibt es nicht. Zertifikate wie „Grüner Strom“ oder „ok-power“ stellen sicher, dass durch diesen Stromtarif auch neue Anlagen für erneuerbare Energien unterstützt werden. Um für mehr Transparenz zu sorgen, greifen mittlerweile viele Stromanbieter auf Ökostrom-Zertifikate zurück, die bescheinigen, dass der Strom um x Prozent aus erneuerbaren Energien stammt. Das heißt im Umkehrschluss: Wenn ich sichergehen will, dass ich 100 % aus erneuerbaren Energien möchte, muss ich als Verbraucher das Kleingedruckte lesen. Auch die Information, ob der Strom in Deutschland oder im Ausland erzeugt wird, sollte geprüft werden.

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