Rubrik Energie & Netze

Wie Kommunen Solarenergie sinnvoll nutzen können – und dabei finanziell profitieren

Aktualisierter Leitfaden „Photovoltaik in Kommunen“ erschienen

11.12.2024 – Lesezeit ca. 4 Minuten 52

Aktualisierter Leitfaden „Photovoltaik in Kommunen“ erschienen

Stadthalle in Waldkirch im Landkreis Emmendingen. (Foto: Stadt Waldkirch / KEA-BW)

Kommunen sind wichtige Akteure beim Photovoltaik-Ausbau. Zur Unterstützung der Städte, Gemeinden und Landkreise haben das Solar Cluster Baden-Württemberg und die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) den Leitfaden „Photovoltaik in Kommunen – Solarenergie sinnvoll einsetzen“ aktualisiert. Diese Publikation wird veröffentlicht im Rahmen des Photovoltaik-Netzwerks Baden-Württemberg und liefert neben aktuellen Informationen zu rechtlichen Fragen bei der Photovoltaik viele Praxisbeispiele aus dem Südwesten. Kommunen erhalten handfeste Tipps und Informationen, wie sie ihr eigenes Photovoltaik-Projekt sinnvoll starten und umsetzen können.

Der Ausbau der Photovoltaik in den Kommunen ist ein wichtiger Baustein für den Erfolg der Energiewende. Hier geht es im Land voran: Auch in diesem Jahr stieg der Zubau in Baden-Württemberg weiter an. Im Südwesten lag die installierte Leistung neu errichteter Solaranlagen Anfang Dezember 2024 bei bereits knapp 1.900 Megawatt. Die von ihnen erzeugte Strommenge deckt rechnerisch den Bedarf von rund 550.000 Haushalten.

Mit dem Leitfaden „Photovoltaik in Kommunen“ unterstützen die Herausgeberinnen und Herausgeber Kreise, Städte und Gemeinden dabei, von den Vorteilen der Solarstrom-Anlagen auf Rathausdächern, Kitas, Feuerwehrhäusern, Parkplätzen oder Gemeindezentren zu profitieren. Sogar im Denkmalschutz ist Photovoltaik möglich.

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Zuerst: Ausbauziel formulieren, dann Photovoltaik-Anlagen errichten

Die Verfasserinnen und Verfasser des Leitfadens empfehlen, das Formulieren konkreter Ausbauziele an den Anfang jeden Handelns zu stellen. Dabei sollten Pläne für das gesamte Ortsgebiet sowie für die kommunalen Liegenschaften und Freiflächen definiert und formuliert werden. Im Idealfall verfügt die Kommune bereits über ein Klimaschutzkonzept, dann kann darauf aufgebaut werden.

Der Leitfaden zeigt: Mit dem Ausbau der Solarenergie auf ihren Liegenschaften reduzieren die Kommunen ihre Stromkosten. Solarstrom ist aktuell die günstigste Stromquelle in Deutschland – bei Dachanlagen liegen die Stromgestehungskosten momentan bei sechs bis elf Cent pro Kilowattstunde. Aus dem Netz kostet der Strom für Kommunen dagegen rund 25 Cent pro Kilowattstunde. Verbrauchen Kommunen einen Teil des Solarstroms selbst, entlasten sie den kommunalen Haushalt wirkungsvoll. Das eingesparte Geld kann anschließend in andere wichtige Projekte der Gemeinde gesteckt werden.

Viele Vorteile für Kommunen

Darüber hinaus fällt den Kommunen eine Vorbildfunktion zu. Im Klimaschutzgesetz des Landes beispielsweise ist die Vorbildfunktion der öffentlichen Hand festgeschrieben. Es lohnt sich: Saubere, regionale Energieerzeugung ist nicht nur gut fürs Klima, sie schafft auch ein positives Image der Gemeinde. Die Akzeptanz für Photovoltaik-Anlagen in der Bevölkerung ist bereits sehr hoch.

Ein weiterer positiver Effekt des Ausbaus der Photovoltaik vor Ort ist die regionale Wertschöpfung. Der Leitfaden beschreibt, wie Planung, Wartung, Betrieb und Instandhaltung der Anlagen Arbeitsplätze vor Ort schaffen und sichern; bei größeren Anlagen kommen darüber hinaus attraktive Gewerbesteuereinnahmen für die Städte und Gemeinden hinzu.

Dachflächen vermieten, Freiflächenanlagen planen, Anlagen mieten

Der Leitfaden beantwortet viele weitere Fragen, die beim Planen einer Solarstrom-Anlage aufkommen: Was tun, wenn kein Eigenkapital zur Verfügung steht? Kann ich die Anlage auch mieten? Wie hoch ist der Mietpreis? Wie geht man die Planung einer Freiflächenanlage an? Beispiele aus der Praxis inklusive detaillierter Berechnungen machen das Vorgehen für die Planerinnen und Planer in den Rathäusern einfacher – von den Beispielen können sie viel für ihre eigenen Vorhaben lernen.

Der Leitfaden ermuntert Kommunen auch, lokale Akteure zu vernetzen und Partnerschaften sowie Kooperationen einzugehen. Das zeigt das Beispiel Heilbronn: Hier kooperierte die Energiegenossenschaft EnerGeno Heilbronn-Franken mit der Stadt. Die Genossenschaft realisierte bis heute vierzig Photovoltaik-Anlagen im Stadtgebiet Heilbronn, zwanzig davon auf städtischen Dächern. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Die Genossenschaft bekam Aufträge, die Stadt hatte weniger Aufwand damit.

Finanzielle Förderungen für Bürgerinnen und Bürger

Die kommunale Unterstützung der Einwohnerinnen und Einwohner beim privaten Solarausbau ist ebenfalls ein Thema der Broschüre. Ist dies der Fall, geht der Ausbau erfahrungsgemäß schneller voran. Laut Photovoltaik-Netzwerk lohnen sich für Kommunen Investitionen in die Beratung regionaler Energieagenturen, in die direkte finanzielle Unterstützung von Solarinitiativen und Fördervereinen vor Ort sowie in die konkrete finanzielle Förderung von Photovoltaik-Anlagen von Privatleuten, um beispielsweise einkommensschwächere Haushalte zu unterstützen oder die Vollbelegung der Dächer zu erzielen. Auch für Unternehmen ist eine solche Unterstützung lohnenswert.

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