Rubrik Energie & Netze

Energiewende: Solarthermie und Erdspeicher decken rund 70 Prozent des Wärmebedarfs im hessischen Bracht

18.07.2024 – Lesezeit ca. 3 Minuten 88

Energiewende: Solarthermie und Erdspeicher decken rund 70 Prozent des Wärmebedarfs im hessischen Bracht

Der saisonale Erdbeckenspeicher versorgt das hessische Dorf Bracht zukünftig mit Warmwasser.

Der Rauschenberger Ortsteil Bracht im Landkreis Marburg-Biedenkopf möchte schon bald Deutschlands erstes klimaneutrales, mit Solarwärme versorgtes Dorf werden und beschleunigt damit die Energiewende in Eigenregie. Die verwendete Heiztechnik für das einmalige Wärmespeicherprojekt kommt dabei unter anderem von Viessmann Climate Solutions und der Carrier Global Corporation (NYSE: CARR), dem weltweit führenden Anbieter von intelligenten Klima- und Energielösungen.

Bei einer europaweiten Ausschreibung konnte sich der Klimalösungshersteller Viessmann Climate Solutions aus dem benachbarten Landkreis Waldeck-Frankenberg den Zuschlag für die Heiztechnik sowie den Bau des Nahwärmenetzes sichern. Ganz zur Freude des Bereichs "Commercial Business", der bei Viessmann Climate Solutions Projekte rund um Nah- und Fernwärme-Lösungen von der Ausschreibung über die technische Planung bis zur Umsetzung begleitet.

Erneuerbare Energien sorgen für Autarkie

Das Projektvolumen umfasst ca. 16,5 Mio. Euro, wovon mehr als die Hälfte (10,5 Mio. Euro) für die benötigte Technik zur Wärmeenergieversorgung und die Wärmeverteilung über ein Nahwärmenetz veranschlagt wurde. Dieses Leuchtturmprojekt zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass es zu den ersten Projekten gehört, die von der Kombination zwischen Viessmann Climate Solutions und Carrier Global profitieren, sondern darüber hinaus besteht 70 % der benötigten Wärme für die etwa 180 angeschlossenen Liegenschaften aus Solarwärme. Damit dies überhaupt möglich ist, wird ein Solarthermiefeld mit dem für solare Großanlagen konzipierten Flachkollektor Vitosol 100-F XF13 von Viessmann Climate Solutions errichtet. Auf einer Fläche von 23.500 m² (ca. 3 Fußballfeldern) sorgen demnächst 855 Kollektoren (11.638 m² Bruttokollektorfläche) dafür, dass an sonnenreichen Tagen Wasser in einem Erdbeckenspeicher erhitzt wird und die Brachter Haushalte mit Warmwasser versorgen. In der kalten Jahreszeit oder an weniger sonnigen Tagen sichert der saisonale Erdbeckenspeicher – wenn nötig über Wochen und Monate – warmes Wasser. Mit einem Fassungsvermögen von ca. 27.000 m³ kann über das Jahr hinweg genügend Wärme für den Rauschenberger Ortsteil Bracht bereitgestellt werden.

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Um die Wärmegewinnung so energieeffizient wie möglich zu gestalten, werden ergänzend zwei Carrier Aquaforce 61XWH-ZE Wasser/Wasser-Wärmepumpen mit einer Leistung von je ca. 630 kW in Bracht aufgestellt. Diese übernehmen weitere ca. 10 % der Wärmeversorgung. Für die Spitzenlast und Redundanz sorgt ein Mawera Biomassekessel mit 700 kW thermischer Leistung. Der Anteil an der Wärmebereitstellung über Biomasse im Projekt beträgt somit nur noch ca. 20 %. Das geplante 8.800 m lange Nahwärmenetz mit den Übergabestationen bindet schlussendlich die bis zu 180 kommunalen, gewerblichen und privaten Gebäudeanschlüsse in Bracht ein. Das Projekt wird übergeordnet mit der Vitocontrol 200-M Systemregelung aus dem Hause Viessmann gesteuert und über drei Jahre wissenschaftlich durch die Uni Kassel begleitet. Zu Beginn des Projekts kamen Zweifel auf, ob eine flächendeckende Dämmung der Häuser einhergehend mit einer dezentralen Energieerzeugung nicht günstiger sei. Berechnungen der Uni Kassel ergaben, dass die Kosten zwar identisch seien, der Unterschied läge aber darin, dass es Jahrzehnte dauern würde, jedes Haus einzeln zu sanieren. Wogegen die Solarwärme bereits innerhalb von zwei Jahren die CO₂-Emissionen um 98 Prozent reduzieren wird. Damit gewinnen die Brachter Einwohnerinnen und Einwohner einen Modernisierungsschub von ca. 20 Jahren.

Klimaneutralität bis 2025

Das Ziel der Einwohnerinnen und Einwohner in Bracht ist eindeutig: Sie möchten in 2025 klimaneutral sein und damit will der Ort das erreichen, was im Klimaschutzgesetz für 2045 verankert ist. Dabei ist den Bewohnerinnen und Bewohnern in Bracht nicht nur der Klimaschutz wichtig, sondern auch wirkungsvolle Maßnahmen gegen steigende Heizkosten, die Verabschiedung des Gebäudeenergiegesetzes oder die Inflation erhöhen den Druck nach Alternativen zum herkömmlichen Heizen. In Bracht haben die Einwohnerinnen und Einwohner schon früh erkannt, dass der Trend hin zu regenerativen Lösungen geht und handeln dabei ganz im Sinne der nächsten Generation.

Bis zum Winter 2025 sollen alle Häuser an das Nahwärmenetz angeschlossen sein, sodass die nächste kalte Jahreszeit kommen kann!

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