Rubrik Energie & Netze

Der Energiehof Bogel ist eine Erfolgsgeschichte in der kommunal betriebenen Wärmeversorgung

Energieholz aus dem Gemeindewald ersetzt Öl

29.05.2024 – Lesezeit ca. 3 Minuten 100

Energieholz aus dem Gemeindewald ersetzt Öl

Aus heimischem Industrieholz wird Heizmaterial: Auf dem Energiehof Bogel dienen alle Abläufe der regionalen Wertschöpfung. Bild: Martin Janner

„Es läuft gut – so gut, dass wir das Projekt weiter ausbauen.“ Martin Janner ist nicht nur Revierförster in Diensten der Verbandsgemeinde Nastätten, sondern auch der Kopf, der hinter dem Energiehof Bogel steckt. Die Idee: Nachwachsendes Heizmaterial aus der Region liefert Wärme in die Region, und das günstig. Die Wertschöpfung bleibt vor Ort.

Grundlage des Projekts ist sogenanntes Industrieholz, das sind die geringwertigeren Teile der Bäume aus den eigenen Wäldern: Baumkronen und Äste, alles was sich nicht für etwa die Möbelproduktion oder die Bauwirtschaft eignet. Der Förster nennt es „Energieholz“.

Gelagert wird dieses Rohmaterial in einer Halle in Bogel, die früher samt einer Freifläche einer ehemaligen Baufirma gehörte. Und dort verarbeitet ein Lohnbetrieb das Holz zu Hackschnitzeln, im Auftrag des „Regiebetriebs Energiehof“ der Verbandsgemeinde. VG-Bürgermeister Jens Güllering ist dessen Chef.

Güllering beschreibt diesen Regiebetrieb als „niedrigste Form kommunalen Wirtschaftens – das ist so einfach wie’s nur geht! Im Vergleich zum Eigenbetrieb ist viel weniger Administration erforderlich, und das bedeutet: viel weniger Aufwand.“

Schnitzelqualität ist wichtig

Der Regiebetrieb beauftragt die Beschaffung von Hölzern aus den Orten der Verbandsgemeinde und den Transport nach Bogel. Die Zerkleinerung übernimmt ein drauf spezialisierter Fachbetrieb, denn Qualität und Größe der Schnitzel sind Janner zufolge wichtig für einen effizienten und reibungslosen Heizbetrieb.

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Auch bei den Heizungsanlagen selbst setzt die Kommune auf Contracting, kauft also nicht die Geräte, sondern die Dienstleistung ein. Die Gemeinde schließt Verträge mit Unternehmen, die die Heizanlagen finanziert, aufbaut und betreibt.

Die Wärme daraus beziehen der Kreis, Stadt und Verbandsgemeinde – etwa für mittlerweile eine Reihe von Schulen, Krankenhaus, Altenheim und Kindergarten, Museum und Bürgerhaus. Ein zweites Wärmenetz versorgt mehrere Wohn- und Geschäftshäuser sowie die Feuerwehr.

Von anderen gelernt

Die Anfänge dieser Erfolgsgeschichte liegen schon viele Jahre zurück. Am Anfang, so um 2004 / 2005, habe der Energiehof viele Besuchergruppen angezogen, erinnert sich Förster Janner, denen man die eigenen Erfahrungen gern weitergegeben habe. Denn auch er habe sich vorher umgeschaut und vom Wissen anderer profitiert, etwa im Schwarzwald.

„Die Idee stammt noch von vor meiner Zeit als Bürgermeister“, erinnert sich Jens Güllering, der inzwischen zehn Jahre amtiert. „Ich habe sie aber sehr gern übernommen; denn das Ganze ist ein Selbstläufer. Es funktioniert ganz unkompliziert.“

Und offenbar immer besser. Die langjährige Erfahrung habe viel dazu beigetragen, dass man heute extrem schadstoffarm heizen könne, sagt Martin Janner. Eine hervorragende Feinstaub-Bilanz bestätige der Schornsteinfeger regelmäßig und fossile Brennstoffe würden in den effizienten Anlagen praktisch überhaupt nicht mehr gebraucht: „Im Durchschnitt rund eine Million Liter Heizöl haben wir bereits eingespart, jedes Jahr.“

Obendrein profitiert die gesamte Region. VG-Bürgermeister Güllering betont ausdrücklich die Bedeutung der „regionalen Wertschöpfung par excellence: Alles passiert vor Ort, mit hiesigen Beteiligten, Werten und Menschen aus der Region.“

Infokampagne im Blauen Ländchen

Die Motivation der Bürgerschaft steigern soll eine Veranstaltungsreihe, die bereits angelaufen ist. Partner sind u. a. der Landesverband Erneuerbare Energie, die EGOM-Genossenschaft, der Rhein-Lahn-Kreis und der Solarenergie Förderverein Deutschland. „Wir wollen das Thema Klimaschutz in die Breite tragen und zusätzlich Bewusstsein entwickeln helfen“, sagt Güllering. „Die Kommune tut bereits, was sie kann – nun sollen die Menschen erfahren, was sie selbst beitragen können.“

Noch acht Angebote sind erreichbar. Neben verschiedenen Vorträgen zur Nutzung von Photovoltaik gibt es etwa einen Reisebericht im Elektroauto, aber auch Aktionstage: zur Wasserkraft bereits am 17. Mai, zu Bioenergie unter dem Motto „vom Mist zum Strom“ am 29. Mai oder als Waldtag (30. Juni). Den Abschluss bildet am 7. Juli ein Solarparkfest.

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