Rubrik Energie & Netze

Sportplatz wird zur Energiequelle: Berliner Leuchtturmprojekt zeigt wirtschaftlich tragfähigen Weg für die kommunale Wärmewende

24.02.2026 – Lesezeit ca. 3 Minuten 1

Sportplatz wird zur Energiequelle: Berliner Leuchtturmprojekt zeigt wirtschaftlich tragfähigen Weg für die kommunale Wärmewende

Die Erdwärmekollektoren unter dem Spielfeld des Sportplatzes der Reinfelder Schule in Berlin-Charlottenburg und Wärmepumpen heizen künftig drei benachbarte Schulgebäude und eine Turnhalle klimafreundlich mit Umweltwärme. (Foto: TechnoCare GmbH)

Am Maikäferpfad in Berlin-Charlottenburg entsteht derzeit ein bundesweit wegweisendes Infrastrukturprojekt: Unter einem sanierungsbedürftigen Fußballspielfeld wird eine großflächige Erdwärmeanlage installiert. Diese versorgt vier umliegende öffentliche Gebäude vollständig mit erneuerbarer Wärme. Gleichzeitig sorgt die Technologie für stabile Wärmepreise und wirtschaftliche Vorteile.

Im Auftrag des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf installiert die Consulting Janssen GmbH unter dem Sportplatz der Reinfelder Schule ein oberflächennahes Geothermie-Kollektorfeld. 8.800 Hochleistungs-Erdkollektoren des Herstellers GeoCollect entziehen dem Boden gespeicherte Umweltwärme. Über ein Kaltes Nahwärmenetz heizen Wärmepumpen damit drei Schulgebäude und eine Turnhalle. Die Anlage ersetzt die bisherige Gasversorgung und dekarbonisiert die Wärmeversorgung der öffentlichen Gebäude auf einen Schlag.

Innovative Technik, intelligente Flächennutzung

Die Wärmeerzeugung erfolgt vollständig unter einer bereits bestehenden Fläche. Sportplätze sind aufgrund ihrer Größe, der offenen Bauweise und planbarer Sanierungszyklen besonders geeignet für diese Technologie. Da bei einer Sanierung der Spielfläche ohnehin großflächige Erdarbeiten erforderlich sind, lassen sich die Kollektoren mit geringem Zusatzaufwand integrieren. Oberirdisch bleibt die Fläche uneingeschränkt nutzbar – der Sportbetrieb ist langfristig gesichert.

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Mit einer thermischen Leistung von rund 477 Kilowatt ersetzt die Anlage am Berliner Maikäferpfad jährlich etwa 118.000 Kubikmeter Erdgas. Das entspricht rund 1,23 Gigawattstunden Energie und einer CO₂-Einsparung von etwa 180 Tonnen pro Jahr. Die Bauzeit ist mit rund 14 Monaten kurz, die eigentliche Installation der Kollektoren erfolgt innerhalb weniger Monate.

Rechnet sich – auch ohne steigende Energiepreise

Ein zentrales Ergebnis des Projekts: Die Technik überzeugt nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch. Eine Anlage mit einlagig verlegten Erdkollektoren unter einem Sportplatz kostet inklusive Leitungen Wärmepumpen rund 2,7 Millionen Euro. Im Rahmen bestehender Förderprogramme sind Förderquoten von bis zu 50 Prozent möglich.

Wirtschaftlichkeitsberechnungen zeigen, dass sich die Investition inklusive Förderung selbst bei gleichbleibenden Strom- und Gaspreisen nach 16 Jahren amortisiert. Steigende Gas- und sinkende Strompreise – beides langfristig realistische Annahmen – verkürzen die Amortisationszeit auf 10 bis 13 Jahre. Danach erzeugt die Anlage dauerhaft günstigere Wärme als eine fossile Versorgung.

„Dieses Leuchtturmprojekt macht sichtbar, welches Potenzial in großflächiger, intelligent geplanter Erdwärmenutzung für öffentliche Gebäude steckt. Und das in einem dicht besiedelten Innenstadtgebiet wie Berlin“, sagt Dipl.-Ing. Michael Roos, dessen Planungsbüro TechnoCare die Anlage geplant hat und die Bauarbeiten betreut.

Großes, bislang ungenutztes Potenzial

Das Projekt am Maikäferpfad macht deutlich, welches Potenzial in bestehenden Sportflächen steckt. In Deutschland gibt es rund 45.000 Fußball- und Bolzplätze sowie zahlreiche weitere Freiluftsportanlagen. Bereits ein einzelner Sportplatz kann – je nach Auslegung – 50 bis 80 Einfamilienhäuser oder mehrere öffentliche Gebäude wie Schulen, Kitas oder Sporthallen mit Wärme versorgen.

„Gerade für Kommunen, die im Rahmen ihrer Wärmeplanung nach wirtschaftlich tragfähigen Lösungen suchen, bietet dieses Modell einen entscheidenden Vorteil: Die Wärmeerzeugung erfolgt dezentral, flächeneffizient und unabhängig von fossilen Energieträgern mit ihren stark schwankenden Preisen“erläutert Volkmar Frotscher, am Projekt beteiligter Fachberater für erneuerbare Energiesysteme.

Übertragbares Modell für die kommunale Wärmeplanung

Das Berliner Projekt ist bewusst als skalierbares Modell angelegt. Technik, Planungsansatz und Wirtschaftlichkeitslogik lassen sich auf benachbarte Sportplätze sowie andere Städte und Gemeinden übertragen – unabhängig von Größe oder Struktur. Insbesondere dort, wo ohnehin Sanierungen von Sportanlagen anstehen, entstehen erhebliche Synergieeffekte. Damit wird die Wärmewende zur wirtschaftlich stabilen Investition in die kommunale Daseinsvorsorge – mit langfristigem Nutzen für Bürgerinnen und Bürger, städtische Haushalte und dem Klimaschutz. Sportplätze werden so zu tragenden Bausteinen einer zukunftsfähigen, bezahlbaren Energieversorgung.

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