Dieser Artikel wurde in der Ausgabe 3 - Mai / Juni 2026 der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik Energie & Netze

Windenergie im kommunalen Wald: erweiterte Spielräume für Haushalt und Klimaschutz

Von Martin Vollnhals, Leiter der Geschäftsentwicklung bei Statkraft Deutschland – 29.04.2026 – Lesezeit ca. 5 Minuten 270

Windenergie im kommunalen Wald: erweiterte Spielräume für Haushalt und Klimaschutz

Knappe Kassen und ambitionierte Klimaziele stellen Kommunen vor eine doppelte Herausforderung. Windprojekte auf kommunalen Waldflächen können dazu beitragen, beides zusammenzubringen: Sie ermöglichen verlässliche Einnahmen, stärken die lokale Wertschöpfung und unterstützen die kommunale Energiewende.

Neue Einnahmequellen, die den Haushalt entlasten

Windenergie im Wald gewinnt dort an Bedeutung, wo geeignete Offenlandflächen knapp sind und gleichzeitig vor allem forstwirtschaftlich genutzte beziehungsweise kalamitätsgeschädigte Bestände Potenzial bieten. So tragen Windenergieprojekte nicht nur aktiv zum Klimaschutz bei, sie können langfristig stabile Einnahmen schaffen und den kommunalen Haushalt entlasten. Das erleichtert die Finanzierung bestehender Aufgaben und schafft finanzielle Spielräume für Vorhaben, die die lokale Wertschöpfung stärken.

Eine planbare Einnahmequelle stellen die Pachteinnahmen dar. Als Eigentümerinnen von Waldflächen profitieren Kommunen von Pachtverträgen mit Laufzeiten von 20 bis 30 Jahren. Dabei fallen Pachten nicht nur für die Anlagenstandorte, sondern auch für Zuwegung sowie teilweise für Kompensationsflächen an. Diese Einnahmen bieten eine Kalkulationsgrundlage, die weit über Legislaturperioden hinaus Sicherheit schafft.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Weitere Einnahmen liefert etwa die Kommunalabgabe nach § 6 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Als freiwillige Zahlung des Betreibers fließt, unabhängig vom Eigentum der Waldfläche, ein Betrag von bis zu zwei Euro pro erzeugter Megawattstunde (MWh) direkt in die Gemeindekasse. Für einen mittelgroßen Windpark kann dies jährliche Einnahmen im sechsstelligen Bereich bedeuten.

Klar verteilte Rollen: Kommune und Projektentwickler

Bei einem Windparkprojekt ist die Kommune eine zentrale Weichenstellerin: Sie bringt die Flächen ein und kann über die Bauleitplanung die Rahmenbedingungen für die Flächennutzung setzen. Die technische Projektentwicklung – von der Standortprüfung bis zur genehmigungsrelevanten Detailplanung – übernimmt in der Regel der Projektentwickler. So gestaltet die Kommune den Prozess aktiv mit, ohne die fachliche Planung selbst leisten zu müssen. Die Kosten für ein Bauleitplanverfahren können per städtebaulichem Vertrag auf den Projektentwickler übertragen werden.

Für Akzeptanz ist es wichtig, die Bürgerschaft transparent und frühzeitig einzubinden – etwa über Informationsveranstaltungen und Dialogformate. Projektentwickler wie Statkraft, ein norwegisches Staatsunternehmen und Europas größter Erzeuger erneuerbarer Energien, unterstützen die Kommunen dabei, diesen Prozess zu moderieren und alle Interessengruppen an einen Tisch zu bringen.

Wind im Wald: Ökologie und Ökonomie im Einklang

Die Integration von Windenergie in Waldökosysteme erfordert Fachwissen und eine Projektentwicklung, die ökologische Belange und forstwirtschaftliche Anforderungen zusammen denkt. Diese beginnt daher lange vor dem ersten Spatenstich mit einer detaillierten Analyse des Standorts, um Eingriffe zu minimieren und Konflikte zu vermeiden.

Auf Grundlage der kommunalen Rahmenbedingungen erarbeitet der Projektentwickler eine fundierte Standortkulisse. In der Praxis konzentriert sich die Planung oft auf Kalamitätsflächen oder strukturarme Nadelholzforste, während ökologisch wertvolle Laub- und Mischwälder unberührt bleiben. Ein entscheidendes Kriterium ist zudem der Abstand zur geschlossenen Wohnbebauung, der häufig bei rund 1.000 Metern liegt, um die Belange der Anwohnerinnen und Anwohner zu berücksichtigen.

Das Ergebnis sorgfältiger Planung ist ein möglichst flächenschonender Eingriff: Die Bauphase einer einzelnen Windkraftanlage beansprucht zwar temporär ca. 0,8 bis 1,0 Hektar Fläche, doch dauerhaft baumfrei bleiben lediglich rund 0,5 Hektar für Fundament und Zufahrt. Der Projektentwickler legt das Anlagenlayout in Abstimmung mit Behörden und Förstern so aus, dass möglichst wenig Fläche versiegelt wird. Wo immer es möglich ist, nutzt er bestehende Forstwege für die Zuwegung und ertüchtigt sie, was auch der Bewirtschaftung zugutekommt.

Eingriffe in die Natur kompensieren Projektentwickler im Rahmen der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung. In enger Abstimmung mit der lokalen Forstbehörde planen sie entsprechende Aufforstungen oder andere Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, etwa zum Schutz der Boden- und Wasserfunktionen. Fachbüros begleiten die Bauphase ökologisch. Im Betrieb unterstützen technische Systeme den Artenschutz, zum Beispiel durch temporäre Abschaltungen: Zum Schutz von Fledermäusen etwa werden die Anlagen in warmen, windarmen Nächten – ihren Hauptjagdzeiten – über intelligente Algorithmen automatisch abgeschaltet.

Im Verhältnis zur Gesamtwaldfläche in Deutschland nimmt die Windenergie nur wenig Fläche in Anspruch (rund 0,01 %). Der geringe Flächenbedarf einzelner Windparks steht in einem klaren Verhältnis zum wirtschaftlichen und ökologischen Nutzen, den ein solches Projekt entfaltet. Die Einnahmen aus der Windenergie helfen Kommunen, ihre Wälder zu erhalten und gezielt in den Umbau zu klimaresilienten Beständen zu investieren, die Stürmen, Trockenheit und Schädlingsbefall besser standhalten.

Ein starker Partner an der Seite der Kommune

Die Komplexität eines solchen Projekts erfordert einen Partner mit Erfahrung und finanzieller Solidität. Für eine Kommune ist es entscheidend, dass die Partnerschaft kein Risiko für den eigenen Haushalt darstellt. Ein professioneller Projektentwickler übernimmt dabei die volle unternehmerische Verantwortung.

Für die Kommune entsteht kein Investitions- oder Entwicklungsrisiko im Haushalt. Alle Kosten für Planung, Gutachten, Genehmigung und Bau liegen beim Projektentwickler. Auch die Verpflichtung zum vollständigen Rückbau nach Betriebsende der Anlagen wird rechtlich und finanziell abgesichert, etwa durch eine Bankbürgschaft. Für Kommunen stehen als verlässliche Erlössäulen Pachtzahlungen und die Kommunalbeteiligung nach § 6 EEG im Vordergrund. Je nach Landesrecht können diese durch Bürgerbeteiligungsmodelle (zum Beispiel Nachrangdarlehen oder vergünstigte Stromangebote) flankiert werden.

Damit wird Windenergie im Kommunalwald zu einem strategischen Instrument für eine vorausschauende und proaktive Kommunalpolitik. Sie schafft finanzielle Handlungsfähigkeit, macht Klimaziele greifbar und stärkt Gestaltungsmöglichkeiten bei der Energiewende.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Sie können diese Ausgabe kaufen oder ein Abonnement abschließen, um diesen Artikel hier sofort und komplett zu lesen. Mit einem Abonnement erhalten Sie zusätzlich jede gedruckte Ausgabe der Kommunalwirtschaft frei Haus.
Unser PDF Abo ist kostenlos! Abonnieren Sie dazu unseren Newsletter, in welchem ein Downloadlink zur jeweils aktuellen Ausgabe zur Verfügung gestellt wird.
Wenn Sie schon Abonnent der Kommunalwirtschaft sind, melden Sie sich an, um den Artikel zu lesen.
Resilienz stärken: Projekte für Extreme von Dürre bis Hochwasser
Resilienz stärken: Projekte für Extreme von Dürre bis Hochwasser

Nach einer Frühjahrsdürre in 2025 ist bislang auch das Wasserwirtschaftsjahr 2026 viel zu trocken. Dem gegenüber stehen Starkregenereignisse und allen voran das[...]

07.07.2026, Lesezeit ca. 7 Minuten

energie
27 Prozent weniger Energieverbrauch: Stadt Wolfsburg optimiert Wärmemanagement in Schulen
27 Prozent weniger Energieverbrauch: Stadt Wolfsburg optimiert Wärmemanagement in Schulen

Stadt Wolfsburg setzt auf intelligente Thermostate, um Energieverbrauch in Schulen zu senken Bonus: hydraulischer Abgleich digital und ohne weiteren Aufwand durchgeführt

03.07.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

energie
VKU-Umfrage: Drei von vier Stadtwerken sehen Netzausbau finanziell gefährdet

Für viele Stadtwerke wird die Finanzierung des Stromnetzausbaus zunehmend zur Herausforderung. Das zeigt eine Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU):[...]

01.07.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

energie
„Solarrock“ toppt Gefälledach- und Wärmedämmung
„Solarrock“ toppt Gefälledach- und Wärmedämmung

Die Dächer der neuen Sport- und Mehrzweckhalle ebenso wie der Mensa des Schulzentrums Nord im rheinischen Niederkassel-Lülsdorf wurden begrünt und mit großen PV[...]

01.07.2026, Lesezeit ca. 6 Minuten

energie
Hybridkraftwerk Parndorf verbindet Wind- und Solarenergie mit Landwirtschaft und Biodiversität
Hybridkraftwerk Parndorf verbindet Wind- und Solarenergie mit Landwirtschaft und Biodiversität

Das Hybridkraftwerk Parndorf ist am Netz: Am vergangenen Samstag wurde die an den bestehenden Windpark angebundene Photovoltaikanlage im Burgenland feierlich in[...]

25.06.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

energie
Neue Kraftwerke, neue Risiken: Die Gasbranche zwischen Versorgungssicherheit und Dekarbonisierung
Neue Kraftwerke, neue Risiken: Die Gasbranche zwischen Versorgungssicherheit und Dekarbonisierung

Die Gasspeicher haben Anfang 2026 einen historischen Tiefstand erreicht, gleichzeitig spielt bei Gasimporten immer öfter die Geopolitik eine Rolle. Der Iran-Kon[...]

25.06.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

energie
Solarstrom erspart Deutschland seit 2020 Kosten in dreistelliger Milliardenhöhe
Solarstrom erspart Deutschland seit 2020 Kosten in dreistelliger Milliardenhöhe

Die mittlerweile in Deutschland installierten rund sechs Millionen Solarstromanlagen haben dem Land in den vergangenen sechs Jahren einen volkswirtschaftlichen [...]

23.06.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie
Planung für bezahlbare und sichere Wärmeversorgung in Hanau
Planung für bezahlbare und sichere Wärmeversorgung in Hanau

Offenlage des Wärmeplans ab Ende August geplant / Veröffentlichung für November vorgesehen

17.06.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie
Haupt-Bauphase für Europas größte Flusswasser-Wärmepumpe in Köln beginnt
Haupt-Bauphase für Europas größte Flusswasser-Wärmepumpe in Köln beginnt

280 Millionen Euro investert die RheinEnergie an ihrem Erzeugungsstandort Köln-Niehl in die Energie- und Wärmewende. Das Projekt von Europas größter Flusswasse[...]

16.06.2026, Lesezeit ca. 6 Minuten

energie
Windenergie vor Ort
Windenergie vor Ort

Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern können selbst Flächen für Windenergieanlagen ausweisen, ergänzend zur Planung der Regionalen Planungsverbände. Geregelt ist d[...]

15.06.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie

Weitere Artikel in dieser Rubrik