Im Rahmen der Klimareise des Klimabündnisses Stadtentwicklung durch Städte
und Gemeinden in Brandenburg besuchte Bauminister Rainer Genilke heute die
Stadt Cottbus/Chóśebuz. Er informierte sich dort über das Energiemonitoring, das
den Energieverbrauch in mehr als 40 kommunalen Gebäuden überwacht und so
dabei hilft, frühzeitig Fehlfunktionen zu erkennen und den Energie- und
Wasserverbrauch zu senken.
Mit ihrem „Klimabündnis Stadtentwicklung Brandenburg“ wollen das Ministerium für
Infrastruktur und Landesplanung (MIL), der Verband Berlin-Brandenburgischer
Wohnungsunternehmen e. V. (BBU) und die Landesgruppe Berlin-Brandenburg des
Verbands kommunaler Unternehmen e.V. (VKU) die Brandenburger Kommunen
ansprechen und den Klimaschutz, insbesondere die Wärmewende, und die
Klimafolgenanpassung vor Ort vorantreiben. Vor diesem Hintergrund bereist
Bauminister Rainer Genilke das Land Brandenburg und informiert sich gemeinsam mit
den Bündnispartnern von BBU und VKU über beispielgebende Projekte.
Beim Projekt „Energiemonitoring kommunaler Gebäude“ der Stadt Cottbus/Chóśebuz
werden seit 2020 digitale Sensoren und Datenlogger in Kitas, Horten, Schulen und
Verwaltungsgebäuden installiert. Alle 15 Minuten werden wichtige Verbrauchsdaten und
Gebäudezustände gemessen – wie Energie- und Wasserverbrauch, Temperatur,
Luftfeuchte und -qualität – und an einen Server übertragen. Eine Software visualisiert
die Daten und wertet sie aus. Werden bestimmte Grenzwerte überschritten, so schickt
das System Alarmmeldungen per E-Mail oder SMS. Störungen und Fehlfunktionen von
Heizungen, Lüftungsanlagen oder Wasserspülungen können dank des Monitorings
zeitnah entdeckt und behoben werden.
Schnell sein lohnt sich!
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Minister Rainer Genilke: „Das Land Brandenburg hat sich zum Ziel gesetzt, im Einklang
mit den Zielen der Bundesregierung bis spätestens zum Jahr 2045 klimaneutral zu
werden. Das ist sehr ambitioniert und kann nur erreicht werden, wenn wir alle Akteure
und insbesondere unsere Städte und Gemeinden mit ins Boot holen. Wir müssen
Wärme, Strom und Mobilität stärker als bisher gemeinsam denken und diese Sektoren auf erneuerbare Energien umstellen. Ebenso müssen wir sonstige bestehende
Einsparpotenziale auf eine intelligente – eine smarte – Weise nutzen. Hier liegt ein
riesiges Potenzial für den Klimaschutz. Das heute besichtigte Projekt zum kommunalen
Energiemonitoring in Cottbus sucht nach Energie-Lecks in öffentlichen Gebäuden. Das
Projekt zeigt eindrucksvoll, wie sich der Energie- und Wasserverbrauch in kommunalen
Gebäuden systematisch reduzieren lässt, was für die Kommunen am Ende auch eine
Kostenersparnis bedeutet und zugleich das Klima schützt. Hier wird digitale Technik
gerade in den Bereichen eingesetzt, wo es nicht unmittelbar möglich ist, auf das
Nutzerverhalten zu achten oder direkt Einfluss zu nehmen: In Schulen, Kitas und
anderen öffentlichen Gebäuden. Vor allem aber ist dieser Ansatz auch von anderen
Kommunen umsetzbar. Deshalb ist es für mich ein Best-Practice-Beispiel im besten
Sinne.“
Anja Zimmermann, Fachbereichsleiterin Hochbau der Stadt Cottbus/Chóśebuz:
„Das Projekt ,Energiemonitoring` ist eines der 15 Cottbuser Smart Cities-Teilprojekte und
das Schwerpunktprojekt im Bereich Energie. Ziel ist die elektronische Erfassung
wichtiger Verbrauchsdaten wie Wärme- und Elektroenergie sowie Wasser und
Gebäudezustände wie Temperaturen, Luftqualitäten und Luftfeuchten. Die Daten der
gegenwärtig über 700 Sensoren von 41 kommunalen Gebäuden, hauptsächlich Schulen,
Kitas und Verwaltungsgebäude, werden alle 15 Minuten erfasst und an einen Server
übertragen. Werden bestimmte Grenzwerte überschritten, so schickt das System
Alarmmeldungen per E-Mail oder SMS. Störungen von Heizungen und Lüftungsanlagen
oder laufende WC-Spülungen können dank des Monitorings zeitnah entdeckt und
behoben werden. So können nicht nur finanzielle Mittel, sondern vor allem auch wertvolle
Ressourcen gespart werden. Geplant ist, die Messtechnik sukzessive auf alle größeren
kommunalen Gebäude auszuweiten. Bisher sind Fördermittel aus dem Programm Smart
Cities in Höhe von circa 235.000 Euro in das Projekt geflossen. Die vom
Fördermittelgeber ermöglichte Projektverlängerung bis September 2025 erlaubt den
Ausbau auf circa 55 kommunale Gebäude.“
Matthias Brauner, Leiter der Landesgeschäftsstelle Potsdam des Verbandes
Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. (BBU):
„Das Beispiel der Stadt Cottbus zeigt, wie wichtig Gebäudesteuerung für die
Wärmewende ist. Gleichzeitig wird daran auch gut erkennbar, dass Investitionen in
Gebäude in verschiedenen Bereichen zunehmen – auch mit Technik, die immer kürzere
Lebenszyklen hat und dennoch einen sehr wichtigen Beitrag zur CO₂-Effizienz bringt. In
beiden Bereichen arbeiten unsere Mitgliedsunternehmen an Lösungen und deren
Implementierung in Wohngebäuden. Technische Innovation wird ein wesentlicher
Aspekt einer auch für Mieter und Vermieter wirtschaftlichen möglichen Lösung der
Wärmewende sein. Daher fordern wir technologisch deutlich offenere und rein am CO₂-
Ziel orientierte Regulierungen. Die derzeitige „Denke“ im Gebäudeenergiegesetz kommt
fast nur aus der „Dämmecke“ – auch wenn wir wissen, dass Anpassungen bei der
Wärmeerzeugung und Steuerung einen bis zu fünfmal höheren CO₂-Einsparbeitrag
leisten. Unsere Forderung ist klar, das GEG muss überarbeitet werden, um
entsprechende Anreize zu setzen und gesetzlich übersteuerte Investitionen und damit
verbundene überhöhte Mietbelastungen und Überforderung der Wohnungseigentümer
zu vermeiden.“
Julian Büche, Landesgruppengeschäftsführer Verband kommunaler
Unternehmen e.V. (VKU): „Das kommunale Energiemonitoring in Cottbus ist ein
wichtiges Instrument, um unnötige Kosten, Energie und Treibhausgase einzusparen und
unterstützt so die Ziele der kommunalen Wärmeplanung. Für diese benötigen die
Brandenburger Stadtwerke Planungssicherheit und Investitionsanreize, damit sie bis
2045 auch wirklich mit erneuerbarem Strom, Fernwärme und grünen Gasen klimaneutral
heizen können. Wichtig ist jetzt, dass wir in die Umsetzung kommen. Das
Förderprogramm des Bundes BEW - Bundesförderung für effiziente Wärmenetze - ist
gut, aber nicht auskömmlich finanziert. Für den Ausbau der Fernwärme benötigen wir
mindestens 3,4 Milliarden Euro jährlich bis Mitte der 30 Jahre, um die geplanten Ziele
erreichen zu können.“
Landeswettbewerb CO₂-neutrales Quartier
Der Wettbewerb wurde 2024 erneut ausgelobt. Beiträge können noch bis zum
15. Oktober 2024 eingereicht werden. Die Preisträger werden dann im Rahmen einer
Fachveranstaltung im Januar 2025 ausgezeichnet. Ziel des Wettbewerbs ist es,
verschiedene Akteure in den Kommunen zu ermutigen, Visionen und Projekte im Bereich
des integrierten klimagerechten Planens und Bauens umzusetzen.
Klimabündnis Stadtentwicklung Brandenburg
Das Klimabündnis Stadtentwicklung Brandenburg wurde am 10. Januar 2022 in
Potsdam gegründet. Es ist ein Zusammenschluss des Brandenburgischen Ministeriums
für Infrastruktur und Landesplanung (MIL), des Verbandes Berlin-Brandenburgischer
Wohnungsunternehmen (BBU) und der Landesgruppe Berlin-Brandenburg des
Verbandes kommunaler Unternehmen e.V. (VKU). Das Klimabündnis Stadtentwicklung
möchte der Bedeutung des Klimaschutzes in Brandenburgischen Städten und
Gemeinden noch mehr Nachdruck verleihen.
Insbesondere verfolgt das Klimabündnis folgende konkrete Ziele:
- die Initiierung von kommunalen guten Beispielvorhaben der integrierten
energetischen Stadtentwicklung,
- die Auszeichnung von Projekten mit besonders klimaambitionierten
Zielstellungen im Rahmen des Wettbewerbs „Vision CO₂-neutrales Quartier“,
- die Unterstützung der Städte und Gemeinden bei der Erfassung ihrer
sektorenbezogenen Treibhausgasemissionen,
- die Durchführung von gemeinsamen Veranstaltungen, wie Workshops und
Fachtagungen,
- eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit.
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