Rubrik Wasser / Abwasser

Abwasser in der Stadt

Kanalgeruch als Umweltproblem

02.06.2026 – Lesezeit ca. 3 Minuten 337

Kanalgeruch als Umweltproblem

Mehr Aufmerksamkeit für ein alltägliches Phänomen: Gerüche aus der Kanalisation oder aus Prozessen können weitreichende Folgen haben (Foto: COALSI)

Feinstaub, Lärm, Hitze: Die großen Umweltbelastungen sind bekannt und breit diskutiert. Doch ein Faktor bleibt oft unbeachtet, obwohl er viele Menschen betrifft: unangenehme Gerüche aus der urbanen Infrastruktur.

Was viele als bloßes Ärgernis wahrnehmen, kann sich zum echten Problem für Lebensqualität, Gesundheit und Stadtentwicklung vergrößern. Nicht wenige Kommunen verzeichnen regelmäßig Beschwerden über Geruchsbelastungen, insbesondere in dicht besiedelten Gebieten und bei steigenden Temperaturen. „Gerüche sind die unterschätzte Form der Umweltverschmutzung“, sagt Christian Elmauer aus der Geschäftsführung der coalsi GmbH. „Sie wirken unmittelbar auf das Wohlbefinden und beeinträchtigen die Wahrnehmung des gesamten Umfelds.“

Wenn Infrastruktur zur Belastung wird

Ein zentraler Ursprung vieler Geruchsprobleme liegt unter der Erde: in der Kanalisation. Hier entstehen durch biologische Prozesse Gase wie Schwefelwasserstoff, die nicht nur für den typischen „Kanalgeruch“ verantwortlich sind, sondern auch langfristig die Infrastruktur angreifen. Korrosion und Schäden an Leitungen verursachen hohe Folgekosten für Städte und Gemeinden. Mit den Auswirkungen des Klimawandels verschärft sich die Situation zusätzlich. Höhere Temperaturen fördern die Geruchsbildung, während Starkregenereignisse die Systeme belasten und zu vermehrten Emissionen führen.

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Trotz wachsender Relevanz wird das Thema in der öffentlichen Debatte eher selten aufgegriffen. Dabei gewinnt es zunehmend an Bedeutung: Städte stehen unter Druck, die Lebensqualität zu sichern und Beschwerden ernst zu nehmen - insbesondere im Wettbewerb um Einwohner, Touristen und Betriebe. „Gerüche entscheiden mit darüber, wie wir Orte wahrnehmen, ob wir uns dort wohlfühlen“, sagt Elmauer. Das Thema gehöre stärker auf die Agenda.

Vom Tabuthema zur Chefsache

Die Bekämpfung von Gerüchen ist technisch anspruchsvoller, als es zunächst erscheint. Viele herkömmliche Lösungen arbeiten mit losen Aktivkohleschüttungen und einfachen Geruchsverschlüssen. Diese Systeme stoßen jedoch schnell an ihre Grenzen: Die Schüttungen können durch Feuchtigkeit und Verschmutzungen versotten, sich verdichten und den Luftaustausch im Kanal erheblich beeinträchtigen oder sogar vollständig verschließen. Zudem ist der Austausch des Filtermaterials häufig sehr aufwändig. Die eingeschränkte Belüftung erhöht gleichzeitig die Korrosionsgefahr im Kanalsystem.

Moderne Filtersysteme setzen daher auf kompakte, strukturstabile Filtermatten mit aufgebrachter Aktivkohle. Durch das modulare Siphon-System bleiben die Matten dauerhaft sauber und trocken, sodass die Aktivkohle ihre Wirkung ungehindert entfalten kann. Auch bei langen Betriebszeiten besteht keine Gefahr des Verschlusses oder der Verdichtung. Der notwendige Luftaustausch im Kanal bleibt jederzeit gewährleistet, wodurch die Belüftung des Systems erhalten und Korrosionsschäden wirksam vorgebeugt werden.

Kein Versotten der Filter

Die coalsi GmbH hat sich auf solche hybriden Filtersysteme spezialisiert. Das Unternehmen aus dem Münchner Umland entwickelt modulare Lösungen, die individuell an die jeweilige Belastungssituation angepasst werden können - von punktuellen Anwendungen in der Kanalisation bis hin zu komplexeren Anforderungen in Prozessen und kommunaler Infrastruktur.

Ein weiterer Vorteil ist die Wirtschaftlichkeit. Durch den gezielten Abbau korrosiver Gase können Schäden an Bauwerken und Leitungen verhindert werden (MIC-Korrosion). Das verlängert Wartungsintervalle und senkt die Kosten für Sanierung und Instandhaltung. „Die Technologie ist heute so weit, dass sich Geruchsprobleme in vielen Fällen vollständig und nachhaltig lösen lassen“. Die Herausforderung sei weniger die Technik als vielmehr, die Sache rechtzeitig anzupacken. Da sind sich wohl alle Experten einig: Um Städte und Arbeitsumgebungen langfristig lebenswert zu halten, muss das Thema Geruch stärker in den Fokus rücken - als Teil einer ganzheitlichen Betrachtung der Umweltqualität.

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