10.06.2026 – Lesezeit ca. 9 Minuten 14
Sauber in die Ostsee: Das mit Fest- und gelösten Stoffen angereicherte Niederschlagswasser fließt in den mit Funke CompactClean® ausgerüsteten Straßenablauf, wo die feineren Feststoffe zurückgehalten und gelöste Stoffe gebunden werden. (Grafik: Funke Kunststoffe GmbH)
Mit der planmäßigen Fertigstellung der Modernisierung des Kommunal- und Fischereihafens Burgstaaken auf Fehmarn ging eines der bedeutendsten kommunalen Hafenbauprojekte der vergangenen Jahre planmäßig in Betrieb. Die Stadt hat die bauliche Ertüchtigung im August 2025 fristgerecht abgeschlossen und damit die Basis für einen sicheren, leistungsfähigen und wirtschaftlich tragfähigen Hafenbetrieb gelegt. Das Projekt umfasste die weitreichende Erneuerung zentraler Hafeninfrastruktur – von Spundwand- und Kaianlagen über Stege und Betriebsflächen bis hin zu Oberflächen- und Entwässerungsstrukturen. In der Kaianlage kamen unter anderem 14 Straßenabläufe mit Ablauffilter der Funke Kunststoffe GmbH zur Behandlung von Niederschlagswasser zum Einsatz.
Ausgangspunkt des Projekts, das durch Zuwendungen aus Mitteln der Europäischen Union und des Landes im Rahmen des Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) und des Landesprogramms Fischerei und Aquakultur Schleswig-Holstein zu 75 % kofinanziert wurde, war der fortgeschrittene Sanierungsbedarf an wesentlichen Hafenelementen. „Teile der Spundwände, Kaianlagen und Stege wiesen erhebliche bauliche Defizite auf und die Tragfähigkeit der Uferbereiche war stellenweise eingeschränkt“, sagt Linda Lafrenz, Stadt Fehmarn. „Durch den konsequenten Ersatz geschwächter Bauteile und den Neubau zentraler Konstruktionselemente wollten wir die technische Infrastruktur auf ein zeitgemäßes Niveau anheben und fit für die Zukunft machen.“ Dabei wurde laut Lafrenz, zuständig für Hafenangelegenheiten Fachbereich Bauen und Häfen, bei diesem für die Region regelrechten Leuchtturmprojekt ein besonderes Augenmerk auf die Verbesserung der Anlandebedingungen für die Berufsfischer gelegt. Diese profitieren heute von deutlich verbesserten Arbeitsbedingungen. Erneuerte Spundwände, Kaianlagen und Stege erhöhen die Sicherheit beim Anlanden und Manövrieren und tragfähigere Betriebs- und Arbeitsflächen sowie eine optimierte Entwässerung erleichtern den täglichen Umgang mit Fanggerät, Fahrzeugen und Fanggut. Gleichzeitig sorgt die Neuordnung der Funktions- und Verkehrsflächen für effizientere Abläufe und reibungslose Logistik.
Zu den wichtigsten Maßnahmen der Modernisierung zählten neben Neubau und Ertüchtigung von Stahlspundwänden zur Sicherung der Kai- und Betriebsflächen die Erneuerung der Steganlagen inklusive Dalbenersatz und vereinheitlichter Konstruktionen für erhöhte Nutzungs- und Betriebssicherheit. Hinzu kamen die Sanierung und Neuordnung der Oberflächenbefestigungen in den Arbeits- und Verkehrsbereichen des Hafens, eine Neuordnung der Betriebs- und Funktionsflächen für Fischerei und hafennahe Gewerbe zur Unterstützung effizienter Arbeitsabläufe sowie die Optimierung der Oberflächenentwässerung durch leistungsfähige Entwässerungs- und Sammelleitungen zur Verbesserung der Betriebsbedingungen und Reduzierung des Unterhaltungsaufwands. Die Planungs- und Überwachungsleistungen nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) Leistungsphasen (LPh) 1-9 der Leistungsbilder Objektplanung Ingenieurbauwerke und Tragwerksplanung wurden ab 2022 auf Basis erster Vorüberlegungen von der INROS LACKNER SE, Hamburg, übernommen.

Mit den umfangreichen Sanierungsmaßnahmen wurde im Hafen Burgstaaken der Rahmen für einen langfristig wirtschaftlich tragfähigen Betrieb geschaffen, der auch für den Tourismus ansprechend gestaltet werden konnte. (Bild: Funke Kunststoffe GmbH)
„Wir haben im ersten Schritt eine umfassende Bauwerksprüfung inklusive Restwanddickenmessung an den Steggründungspfählen sowie den Anlegedalben durchgeführt“, erläutert Chefingenieur Frank Spickermann, INROS LACKNER SE. Zudem wurde ein Baugrundgutachten erstellt und eine Vermessung des Planungsgebiets mit Hilfe eines Drohnenflugs durchgeführt, wobei eine orthophotographische Darstellung der Hafenanlagen und die aufgenommenen Daten für die Entwurfsplanung hinterlegt wurden. „Das führte zu einer modifizierten Bewertung des Baufeldes und – entgegen der ursprünglichen Planung – zu einer Verlängerung der neuen Spundwand und einer Vergrößerung der vorhandenen Kaianlage, wobei sämtliche Oberflächenabflüsse zukünftig in die Ostsee geleitet werden“, so Spickermann weiter.
Beim Entwässerungskonzept der neuen Kaianlage galt es insbesondere, gesetzliche Vorgaben und Auflagen seitens der Unteren Wasserbehörde (UWB) des Kreises Ostholstein (OH) zur Vorreinigung des anfallenden Niederschlagwassers vor Ableitung zu beachten. „Da im Altbestand keine Klärung vorhanden war und der Einbau eines zentralen Bauwerks an dieser Stelle aus baulichen Gründen nicht möglich war, suchten wir moderne, möglichst wartungsarme Systeme, mit denen wir in den 14 neuen Straßenabläufen eine Reinigung der oberflächlichen Niederschlagsabflüsse sicherstellen konnten“, erläutert Sascha Deisinger, Stadtwerke Fehmarn. Zu den Verunreinigungen zählen in erster Linie Betriebs- und Hilfsstoffe wie Motoröle sowie von Verkehrs- und Parkflächen abgespülter Reifenabrieb von Pkw und Lkw. „Aufgrund bisheriger guter Erfahrungen haben wir uns letztendlich für Straßenabläufe der Funke Kunststoffe GmbH entschieden, die im System mit der Filtereinheit Funke CompactClean® kombiniert sind“, so Deisinger weiter.
„Straßenabläufe von Funke sind eigens so konstruiert, dass sie alle auftretenden Lasten aufnehmen und über eine Grundplatte in das Erdreich ableiten können. Dank mitgelieferter Auflagebacken und Ausgleichsringen kommen sie ganz ohne reparaturanfällige Mörtelfuge aus“, nennt Marc Iken, Fachberater Außendienst, Funke Kunststoffe GmbH, einen entscheidenden konstruktiven Vorteil gegenüber herkömmlichen Produkten. Der Funke Straßenablauf ist für Aufsätze mit den Maßen 300 x 500 mm und 500 x 500 mm konstruiert. Er besteht aus einer Betongrundplatte, einem wandverstärkten Unterteil aus PVC-U mit einer Nennweite von DN/OD 500 sowie einer zweiteiligen, in der Längsneigung verstellbaren Konusplatte aus Guss. Das Unterteil verfügt über eine Wanddicke von 19 mm. Die Nassschlammabläufe, die auf Fehmarn verbaut wurden, können projektspezifisch individuell angepasst werden.
Der Funke Straßenablauf in der Ausführung mit Nassschlammfang kann auf Wunsch am Auslauf mit der Fest-Seite der Funke Schnellkupplung® vorgerüstet werden. Diese Fest-Seite ist besonders robust ausgeführt – so besteht keinerlei Gefahr, dass Bauteile bei Reinigungs- oder Wartungsarbeiten beschädigt werden. „Die Funke Schnellkupplung® bietet den großen Vorteil, den Tauchbogen, den Funke CompactClean® oder sonstige Funktionselemente/Einbauteile von der Oberfläche aus mit einem Handgriff entnehmen und wieder einsetzen zu können“, so Iken weiter. Für die Entnahme des jeweiligen Funktionselementes genügt ein herkömmlicher Kanalhaken. Um die Zugänglichkeit zur Ablaufleitung deutlich zu verbessern, kann eine so genannte Kamera- und Spülrampe benutzt werden. Dieses Funktionselement kann wiederum von der Oberfläche aus in die Fest-Seite der Funke Schnellkupplung® eingehängt werden. Die geplanten Arbeiten wie Revision, Spülung, aber auch Sanierung, können so sehr viel einfacher durchgeführt werden.
Die 14 Funke Straßenabläufe wurden alle mit einem Straßenablauffilter zur Behandlung von Niederschlagswasser ausgerüstet. Mit dem Funke CompactClean® können Niederschlagsabflüsse direkt in Straßenabläufen behandelt werden. Hierbei werden Rückhaltewerte für Stoffeinträge von 75 % (AFSgesamt) und für Stoffeinträge < 63 μm (AFS63) von 54,4 % erreicht. Somit wird durch den Funke CompactClean® zukünftig verhindert, dass Reifenabrieb, Schuhsohlenabrieb, Tropföle oder Mikroplastik von verlorenem Abfall von der Kaianlage in die Ostsee gelangen, da diese durch den Straßenabläufen zurückgehalten werden. Ein jährliches Absaugen entfernt diese Feststoffe dann dauerhaft. Die Besonderheit dabei: Durch die Verwendung des Straßenablauffilters CompactClean wird außerhalb der Straßenabläufe kein weiterer Bauraum benötigt und an der Oberfläche sind keine zusätzlichen Schachtdeckel sichtbar.
Das mit Fest- und gelösten Stoffen angereicherte Niederschlagswasser fließt in den mit Funke CompactClean® ausgerüsteten Straßenablauf. In dem Nassschlammfang setzen sich erste, größere Sedimente ab. Das Niederschlagswasser passiert die Substratschicht des Funke CompactClean®, durch welche die feineren Feststoffe zurückgehalten und gelöste Stoffe gebunden werden. Das auf diese Weise dezentral gereinigte Wasser wird über den Anschluss abgeleitet. Untersuchungen in Anlehnung an das Prüfverfahren des Deutschen Institutes für Bautechnik (DIBt) haben belegt, dass auch Kunststoffpartikel zwischen 63 μm und 1 mm zu 95 % zurückgehalten werden. Für Starkregenereignisse verfügt der Funke CompactClean® über einen Notüberlauf mit Tauchwand, sodass eine ausreichende Entwässerung der Fahrbahnen auch bei Extremwetter sichergestellt ist, die zurückgehaltenen Feststoffe aber nicht ausgespült werden. Neben der bereits beschriebenen Schnellkupplung im Funke Straßenablauf ermöglicht zusätzlich ein Klemmverschluss den Einsatz der Filtereinheit in Betonstraßenabläufen nach DIN 4052, falls ein Austausch der Straßenabläufe nicht möglich ist.
Nicht nur mit dem Ergebnis, auch mit dem Einbau des Funke Straßenablaufs sind die Beteiligten sehr zufrieden, Dennis Quast, SAW Schleswiger Asphaltsplitt-Werke GmbH bestätigt: „Der Einbau verlief zügig und problemlos. Zunächst haben wir das Planum aus Splitt der Körnung 8/11 mm fachgerecht hergestellt und verdichtet. Anschließend setzten wir die Grundplatte auf und richteten sie präzise mit der Wasserwaage aus. Danach wurden das Kunststoffunterteil sowie die zweiteilige Konusplatte aus Guss aufgesetzt und entsprechend den Planvorgaben nivelliert. Im Anschluss konnte der Funke Straßenablauf an das Rohr angeschlossen werden.“ Auch die Montage des Straßenablauffilters funktionierte laut Aussage von Polier Quast dank der Schnellkupplung schnell und unkompliziert.
Trotz komplexer Rahmenbedingungen im Bestand erfolgte die Umsetzung innerhalb des vorgesehenen Zeitplans und konnte im August 2025 abgeschlossen werden. Moderne Bauverfahren, eine enge Abstimmung zwischen Planung, ausführenden Firmen und Hafenbetreibern sowie ein präzise gesteuertes Bauphasenmanagement ermöglichten einen durchgängigen Hafenbetrieb und eine zeitgerechte Realisierung. „Mit der abgeschlossenen Modernisierung verfügen wir in Zukunft über eine robuste, sichere und verlässliche Infrastruktur, die den Anforderungen der Fischerei und des Hafenbetriebs langfristig gerecht wird“, erklärt Lafrenz. Auch zeigt sich für sie an dem Hafenprojekt, wie eng Zusammenarbeit und direkte Rückmeldungen zu spürbaren Verbesserungen führen können. „Den Fischern fällt natürlich immer mal etwas auf, das im täglichen Betrieb noch nicht optimal passt. Dann reden wir miteinander und bauen es entsprechend um“, so Lafrenz. Wie bei jedem Neubau zeigen sich erst im laufenden Betrieb Details, die nachjustiert werden müssen. So etwa die Befestigungspoller: Die ursprünglich installierten Poller sind für kleinere Kutter vielfach zu groß. Vor allem Fischer, die allein unterwegs sind, benötigen kleinere Poller, um ihre Leinen einfacher und sicherer werfen zu können. „Deshalb ergänzen wir die großen Poller nun gezielt durch kleinere Varianten. Die Fischer merken daran, dass wir ihre Bedürfnisse ernst nehmen und Lösungen anbieten“, ist Lafrenz überzeugt.
Parallel zu der Modernisierung der Kaianlage und dem ergänzenden Einbau der Niederschlagswasserbehandlung zum Schutz der Ostsee wurden zusätzliche Sitzgelegenheiten am Hafen geschaffen. Zwei neue Bänke direkt vor den historischen Kuttern sind bereits installiert. Dort sitzen die Fischer jetzt wieder zusammen, halten ihren Klönschnack und bringen damit ein Stück lebendige Tradition zurück an den Hafen.