Dieser Artikel wurde in der Ausgabe Oktober 2025 der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik Energie & Netze

Datacenter als Heizungszentralen der Zukunft

17.09.2025 – Lesezeit ca. 5 Minuten 527

Datacenter als Heizungszentralen der Zukunft

Wo digitale Infrastruktur betrieben wird, entsteht wertvolle Abwärme. Als CO₂-neutrale Fernwärme kann sie ganze Gemeinden versorgen. Das zeigen die aktuellen Beispiele in Dielsdorf und Regensdorf. Den Transport ermöglichen die Rohrsysteme der Aargauer BRUGG Pipes.

Nachfrage nach modernen, energieeffizienten Datacentern wächst

In der Schweiz entstehen zurzeit grosse Datacenter, weil Unternehmen immer stärker auf Cloud-Lösungen und Digitalisierung setzen. Wie die „Marktübersicht Schweizer Rechenzentren 2024" bestätigt, gehört auch Green zu den grössten Betreibern. Um der wachsenden Kundennachfrage Rechnung zu tragen, baut Green unter anderem auf dem Metro-Campus Zürich weiter aus. Auf 46'000 m² Areal-Fläche entstehen in Dielsdorf drei Hochleistungs-Datacenter für Cloud-Anbieter (Hyperscaler), Unternehmen und Systemintegratoren. Das erste Datacenter ist seit 2023 bereits in Betrieb, das zweite Datacenter wird demnächst live gehen und ein weiteres Datacenter hat die Tiefbauphase abgeschlossen.2

Grosses Potenzial für Abwärme

Was viele nicht wissen: Die Kundensysteme (Server) in den Rechenzentren erzeugen erhebliche Mengen an Abwärme. Je nach Standort kann die Abwärme in ein neues oder bestehendes Wärmenetz eingespeist werden. Das Wärmenetz, das in der Regel von einem Energiedienstleister betrieben wird, versorgt dann den umliegenden Gebäudebestand oder – wie in Dielsdorf sechs Gemeinden – mit Wärme für Heizung, Warmwasserbereitung sowie für gewerbliche und industrielle Prozesse. Martin Rigaud, CEO bei der BRUGG Pipes führt aus: „Ein Bericht von Energie Schweiz (Bundesamt für Energie BFE) vom Jahr 2023 schätzt die theoretisch auskoppelbare Abwärme der Rechenzentren und Serverräume in der Schweiz auf 2.02 bis 2.62 TWh. In Relation dazu: Die Kehrrichtverbrennungslagen (KVA) in der Schweiz produzierten im Jahr 2017 gesamthaft rund 4.0 TWh Wärme. Somit ist das Potenzial für Abwärme von Rechenzentren und Serverräumen mit 50 – 65 Prozent der in Kehrichtverbrennungsanlagen produzierten Wärme vergleichsweise hoch.3Dieses Potential müssen wir nutzen."

Dielsdorf, Regensdorf und Umgebung: Mit drei Rechenzentren 11'500 Haushalte beheizen

Green realisiert ihre Datacenter in Dielsdorf mit Abwärmeauskopplung und arbeitet eng mit Energieverbundbetreibern wie Energie 360° sowie den Standortgemeinden zusammen, damit die Abwärme für CO₂-neutrales Heizen genutzt werden kann. Dank der Auskopplung werden künftig 11'500 Haushalte aus sechs umliegenden Gemeinden, Industrie sowie Gewerbe versorgt werden können. Die Energiezentrale entsteht direkt neben den Rechenzentren auf Greens Metro-Campus. Eine weitere Zentrale ist in Regensdorf vorgesehen. Energie 360° plant die ersten Wärmelieferungen 2026. Bereits heute nutzt Green einen Teil der Abwärme im eigenen Bürogebäude und beliefert einen naheliegenden Industriebetrieb. „Dank der Abwärmeauskopplung kann Energie doppelt genutzt werden: Für die Digitalisierung und zu Heizzwecken – daher engagieren wir uns gemeinsam mit unseren Partnern für die Abwärmenutzung aus Datacentern", erklärt Roger Süess, CEO von Green. Die Abwärme wird auch an weiteren Green Datacenter-Standorten genutzt und neue Fernwärmeprojekte sind geplant.

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Rohre mit über 70 cm Aussendurchmesser aus dem Aargau

Beim Bau der Fernwärmenetze setzt Energie 360° auf Rohre des Aargauer Unternehmens BRUGG Pipes. Martin Rigaud, CEO BRUGG Pipes, sagt: „Die Rechenzentren in Dielsdorf sind ein gutes Beispiel dafür, wie Abwärme sinnvoll genutzt und CO₂ eingespart werden kann." BRUGG Pipes hat die ersten Stangenrohre für das Fernwärmenetz im Januar 2024 geliefert. Seither hat BRUGG Pipes rund 126 12 Meter Stangen geliefert. Dies entspricht einer Länge von über 1.5 Kilometer. Die Rohre werden unterirdisch verlegt und sind wärmeisoliert und überwacht. Martin Rigaud erklärt: „Zuerst wird ein Graben ausgehoben, in dem dann die 12 Meter langen Stangenrohre verlegt und zusammengeschweisst werden. Danach wird der Graben wieder verschlossen und von aussen ist nichts mehr zu sehen. In den Stangenrohren befinden sich jedoch Überwachungsdrähte, sodass ein Leck sofort erkannt und lokalisiert werden könnte. Sie sehen: Auch ein Rohrsystem ist heute smart und kann überwacht werden." Neben den serienmässig gefertigten Stangenrohren werden auch Formteile (T-Stücke) für Abzweigungen benötigt. Diese werden nach Kundenwunsch gefertigt. Martin Rigaud ergänzt: „Die Formteile werden von Hand gefertigt. Unsere Schweisser in Kleindöttingen sind wahre Künstler und ich bin immer wieder positiv überrascht, wie sie solche komplexen Formteile herstellen." BRUGG Pipes ist der grösste Schweizer Hersteller von Fernwärmerohren und beschäftigt in der Schweiz rund 360 Mitarbeitende.

Rohrlösungen auch innerhalb von Rechenzentren

BRUGG Pipes liefert jedoch nicht nur Fernwärmerohre für die Abwärme von Rechenzentren. Auch innerhalb der Anlagen kommen Rohrsysteme des Unternehmens zum Einsatz. In den vergangenen Jahren war BRUGG Pipes an zahlreichen Rechenzentrumsprojekten in Deutschland und international beteiligt. Mit über 40 Jahren Erfahrung im sicheren Transport von flüssigen Medien entwickelt das Unternehmen Rohrleitungssysteme, die für den Betrieb von Rechenzentren eine zentrale Rolle spielen. Sie werden unter anderem für Kühlanwendungen sowie für die Brennstoffversorgung von Notstromgeneratoren eingesetzt.
Da ein störungsfreier Betrieb von Rechenzentren von einer zuverlässigen Infrastruktur abhängt, sind die Rohrleitungen auf Langlebigkeit und Sicherheit ausgelegt. Ergänzend sorgt eine kontinuierliche Leckageüberwachung dafür, dass mögliche Störungen frühzeitig erkannt werden. Die Systeme sind TÜV-geprüft und nach internationalen Standards wie UL 1369 und UL 971a zertifiziert. Damit erfüllen sie die hohen Anforderungen an Betriebssicherheit und Energieeffizienz, die an moderne Rechenzentren gestellt werden.

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