Rubrik Energie & Netze

Photovoltaik-Check 2026 der Deutschen Umwelthilfe: Vier von fünf Großstädten nicht auf Kurs

18.05.2026 – Lesezeit ca. 4 Minuten 269

Der dringend notwendige Photovoltaik-Ausbau geht deutschlandweit nicht schnell genug voran: Mit 17 von 82 Großstädten hat nur rund ein Fünftel in den letzten zwei Jahren genug neue PV-Anlagen installiert. Das ist das Ergebnis des diesjährigen Photovoltaik-Checks der Deutschen Umwelthilfe (DUH), der die Ausbauziele der Städte erstmals auf Basis verfügbarer Dach- und Freiflächenpotenziale bewertet.

21 Städte erhalten von der DUH eine gelbe Karte und müssen ihren jährlichen Photovoltaik-Zubau um bis zu 25 Prozent steigern. 44 Städte bekommen eine rote Karte, weil sie noch weiter hinterherhinken. Potsdam, Rostock und Chemnitz sowie neun weitere Großstädte haben ihr Ziel sogar um mehr als 50 Prozent verfehlt und müssen ihr Tempo mehr als verdoppeln. Die Millionenstädte, wie zum Beispiel Berlin, München oder Frankfurt, in denen besonders viele Menschen zur Miete wohnen, fallen allesamt durch. Die DUH kritisiert, dass die aktuelle Energiepolitik den Photovoltaik-Ausbau massiv ausbremst und fordert von Bundeswirtschaftsministerin Reiche ein umgehendes Umsteuern.

Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH: „Deutschlands Städte könnten Motor der Energiewende sein – stattdessen bremsen Politik und fossile Lobby den Solar-Ausbau aus. Gerade in dicht besiedelten Räumen, wo besonders viel Strom verbraucht wird und riesige Dachflächen ungenutzt bleiben, muss der Ausbau von Photovoltaik jetzt oberste Priorität haben. Denn mit Wärmepumpen, Elektromobilität und der Elektrifizierung der Wärmeversorgung steigt der Strombedarf in Städten massiv. Wer jetzt Solarstrom direkt auf den Dächern erzeugt, macht Menschen unabhängiger von Öl- und Gasimporten und schützt sie vor den explodierenden Energiepreisen, wie wir sie infolge fossiler Krisen gerade wieder erleben.

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Es ist absurd, dass Millionen Quadratmeter geeigneter Dachflächen weiter brachliegen, während Verbraucherinnen und Verbraucher unter hohen Energiekosten leiden. Ein zentraler Hebel wäre, große Vermieterinnen und Vermieter endlich stärker in die Pflicht zu nehmen und den Ausbau von Dach-Photovoltaik wirtschaftlich attraktiv zu machen. Doch statt Planungssicherheit zu schaffen, sorgt Wirtschaftslobbyministerin Katherina Reiche mit EEG-Novelle und Netzpaket für neue Unsicherheit. Wer die Vergütung kleiner Dachanlagen infrage stellt und zusätzliche Hürden für neue PV-Anlagen aufbaut, greift die bürgergetragene Energiewende frontal an und spielt fossilen Konzernen in die Hände. Wir fordern Katherina Reiche auf, ihre Blockadepolitik sofort zu beenden und den Weg freizumachen für eine schnelle, soziale und dezentrale Energiewende in unseren Städten.“

Die Städte Hanau, Paderborn, Ulm, Münster, Trier, Hamm und Gütersloh stechen in der DUH-Auswertung positiv hervor. Sie alle haben die von der DUH ausgegebenen Ausbauziele um mindestens 50 Prozent überschritten. Auch Bremerhaven und Hagen, die zuvor eine rote Karte bekommen hatten, zählen nun zu den Vorreitern.

Rupert Wronski, Stellvertretender DUH-Leiter Kommunaler Umweltschutz: „Die diesjährige Auswertung zeigt ein massives Versäumnis in deutschen Großstädten: Ausgerechnet dort, wo riesige Dachflächen zur Verfügung stehen, bleibt der Solar-Ausbau viel zu schwach. Damit wächst der Druck auf Freiflächen weiter – obwohl dort die Konkurrenz um knappen Raum mit Landwirtschaft und Naturschutz ohnehin enorm ist. Wer die Energiewende intelligent organisieren will, muss endlich die bereits versiegelten Flächen in Städten konsequent nutzen.

Besonders paradox ist die Situation in Städten mit vielen Mietwohnungen: Während hunderttausende Dächer ungenutzt bleiben, fehlen weiterhin einfache und attraktive Modelle, um günstigen Solarstrom direkt im Haus oder in der Nachbarschaft zu teilen. Österreich zeigt längst, dass Mieterstrom und gemeinschaftliche Versorgung unbürokratisch funktionieren können. In Deutschland dagegen schrecken komplizierte Regeln und die Verunsicherungspolitik von Frau Reiche Investoren, Wohnungsunternehmen und Bürgerenergieprojekte ab. Das Ergebnis ist fatal: Bereits im ersten Quartal 2026 ist der Zubau bei Dach-Photovoltaik um mehr als 20 Prozent eingebrochen. Diese politische Blockade von Bürgerenergie und Mieterstrom muss sofort beendet werden.“


Hintergrund:

Im erstmals 2023 vom Venture and Nature Fund geförderten Projekt „Solaroffensive Deutschland“ analysiert die DUH regelmäßig den Photovoltaik-Ausbau in deutschen Großstädten ab 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Dafür zieht sie Daten aus dem Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur heran.

2026 hat die DUH die Methodik angepasst, um näher am tatsächlichen PV-Potenzial der Kommunen und sowie am politischen Ausbauziel des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) zu sein. Statt einem Ausbauziel von 590 GWp bis 2035 wird nun das im EEG 2023 festgeschriebene Ausbauziel von 400 GWp bis 2040 zu Grunde gelegt. Diese 400 GWp werden nicht mehr über die Fläche der Großstädte verteilt, um den aus Sicht der DUH gerechtfertigten Ausbau-Anteil der jeweiligen Großstadt zu ermitteln, sondern über eine Kombination aus realem PV-Potenzial auf Dächern vor Ort und einem Anteil an konfliktarmen Freiflächen innerhalb bereits genutzter bzw. versiegelter Flächen. Das reale PV-Potenzial basiert auf Daten von EO Solar aus 2023. Die konfliktarmen Freiflächen basieren auf einem Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche des Flächenatlas von Destatis

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