Rubrik Wasser / Abwasser

Wupperverband hat mit seinem Zukunftsprogramm Hochwasserschutz Meilensteine erreicht

Klimafolgen erfordern Maßnahmen von allen Akteuren

15.07.2024 – Lesezeit ca. 5 Minuten 31

Klimafolgen erfordern Maßnahmen von allen Akteuren

Die Wipper in Ohl (Bild: Wupperverband)

In den letzten Jahren häufen sich die Wetterextreme als Folge der Klimaveränderung. Auch das Jahr 2024 zeigt dies eindringlich mit Hochwasserkatastrophen im Saarland im Mai und in Bayern und Baden-Württemberg Anfang Juni. Neben Starkregen und ergiebigem Dauerregen, die zu Überschwemmungen führen können, sind Trockenphasen und Dürre das andere Extrem, das z. B. in den Sommern 2018 bis 2020 sowie 2022/23 im Wuppergebiet auftrat.

Die Anpassung an den Klimawandel ist daher weiterhin eine dringliche und wichtige Aufgabe für die gesamte Gesellschaft. Hier sind alle in ihrer jeweiligen Zuständigkeit gefordert, von Bund und Land über die Kommunen und Kreise, die Akteure der Wasserwirtschaft – wie der Wupperverband – und schließlich alle Bürgerinnen und Bürger, die für ihre Grundstücke und Immobilien verantwortlich sind.

Der Wupperverband ist im Flussgebiet der Wupper unter anderem für die Steuerung von 14 Talsperren und die mehr als 2.000 Kilometer Gewässer zuständig. Er sorgt für den freien Abfluss des Wassers, den Ausgleich der Wasserführung mit Hilfe der Talsperren und die ökologische Entwicklung in der Wupper und den Nebenbächen. Seine Mitgliedskommunen unterstützt er beispielsweise bei lokalen Hochwasserschutzmaßnahmen und setzt Projekte im Auftrag und in Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden um.

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Zukunftsprogramm Hochwasserschutz: Agenda mit 200 Projekten entwickelt

Nach dem Extremhochwasser im Wuppergebiet im Juli 2021 hatte der Wupperverband mit den Erkenntnissen aus dem Ereignis seine Aktivitäten in der Hochwasservorsorge weiterentwickelt und im „Zukunftsprogramm Hochwasserschutz“ gebündelt. Nach einem Analyse- und Priorisierungsprozess hat der Verband daraus einen Umsetzungsfahrplan mit 200 Maßnahmen erstellt. Die Projekte wird der Verband für und in enger Zusammenarbeit mit den Kommunen umsetzen. Der Zeithorizont wird auf ca. 20 Jahre angelegt sein. Der Kostenrahmen liegt nach heutiger Einschätzung bei rund 200 bis 250 Mio. Euro.

Das Zukunftsprogramm umfasst kurzfristige, mittelfristige und langfristige Maßnahmen. Die Umsetzung richtet sich auch nach den verfügbaren personellen Kapazitäten und finanziellen Mitteln wie Fördergelder und Übernahme des Eigenanteils durch die jeweils beteiligte Kommune.

Meilensteine erreicht

In allen Handlungsfeldern hat der Wupperverband bereits Meilensteine erreicht.

Beim technischen Hochwasserschutz steht der Bau des Hochwasserrückhaltebeckens (HRB) Bornberg in Wuppertal vor dem Abschluss. Die Planung von weiteren HRB-Projekten, z. B. Ophovener Weiher in Leverkusen oder HRB Diepental am Murbach im Bereich Leichlingen / Leverkusen, läuft.

Gewässer aufweiten und Wasserrückhalt in der Aue fördern ist Bestandteil des „grünen Hochwasserschutzes“. Der Wupperverband hat bereits Projekte u.a. an der Uelfe in Radevormwald und der Wipper im Bereich Wipperfürth-Ohl umgesetzt. Für 2025 ist ein Projekt an der Wupper in Kohlfurth vorgesehen. Für einen 11 Kilometer langen Abschnitt an der Oberen Wupper zwischen Marienheide und Wipperfürth laufen die Planungen.

Im Handlungsfeld Talsperrensteuerung hat der Wupperverband wichtige Anpassungen vorgenommen, z. B. mit dem Sommerretentionsraum einen größeren freien Puffer für ergiebige Niederschläge im Sommerhalbjahr vorzuhalten. Bei Bedarf kann dieser Puffer noch vergrößert werden. Diese Entwicklungen sind in neuen Betriebsregeln für die Talsperren enthalten, für die eine Genehmigung der Aufsichtsbehörde und die Änderung der Planfeststellung der Talsperren erforderlich ist.

Die Wirkung der Talsperren wurde insbesondere beim Hochwasser zum Jahreswechsel 2023/24 deutlich: Durch das proaktive Talsperrenmanagement hatte der Wupperverband durch Ausnutzung der Freiräume und frühzeitige Talsperrenabgaben die Pegelstände im Unterlauf der Wupper wirksam reduziert und Überschwemmungen verhindert. Dabei wurde allein mit der Wupper-Talsperre eine Wassermenge wirkungsvoll gemanagt, die in etwa dem Dreifachen ihres gesamten Stauvolumens entspricht.

Sein Messnetz hat der Verband durch neue Messstationen (Pegel, Niederschlag) und Sensoren umfangreich erweitert und verbessert. An 4 neuen Standorten wurden Pegel installiert. 10 Pegelstandorte werden momentan optimiert z. B. in punkto Übertragungsgeschwindigkeit. Zudem wurden 13 Pegel so umgerüstet, dass sie Messwerte redundant erfassen und übertragen. 45 Sensoren wurden inzwischen an neuralgischen Gewässerabschnitten installiert. Diese werden, sobald sie optimal eingemessen sind, nach und nach auch im Hochwasserportal des Wupperverbandes dargestellt. Zurzeit sind dort schon über die Hälfte der Sensoren aufgeführt.
Ein weiterer Ausbau des Pegel-/Sensornetzes ist in der Umsetzung. Somit stehen mehr Informationen zur Lageeinschätzung zur Verfügung und einem Ausfall von Systemen bzw. Informationsverlust im Ereignisfall wird vorgebeugt.
Gemeinsam mit den weiteren Projektpartnern, u. a. der Firma Berger, wird das Bergische Hochwasserschutzkonzept 4.0 erarbeitet, das zukünftig Pegelprognosen mittels Künstlicher Intelligenz ermöglicht.

Im Handlungsfeld Information und Meldeketten hat der Verband u.a. Hochwassermeldepässe für alle relevanten Kommunen in seinem Gebiet erstellt. Bei Erreichen von Meldegrenzen in Gewässern oder bei Talsperrenabgaben werden automatisierte Meldungen abgesetzt. Darüber hinaus hat der Wupperverband einen Videokanal eingerichtet. Mit diesen vielfältigen Maßnahmen unterstützt der Verband Kommunen und Kreise bei der Einsatzplanung und Warnung der Bevölkerung.

Das Handlungsfeld Schadensbeseitigung umfasst alle betroffenen Gewässer und Anlagen des Wupperverbandes. An der Wupper und den Nebenbächen ist die überwiegende Anzahl der 930 relevanten Schäden, z. B. Schotteransammlungen oder auch zerstörte Bachläufe, beseitigt.

„Wir sind stolz auf das, was wir mit unserer engagierten Belegschaft bereits geschafft haben“, lautet das Fazit von Thomas Klein, Leiter des Geschäftsbereichs Technik und Flussgebietsmanagement beim Wupperverband. „Es liegt aber mit der Planung von großen Projekten für die Hochwasservorsorge, z. B. auch am Eschbach, in Leichlingen sowie in den Wuppertaler Ortslagen Beyenburg und Kohlfurth, gemeinsam mit den Kommunen noch viel Arbeit vor uns.“

Um die im Umsetzungsfahrplan des Zukunftsprogramms Hochwasserschutz umrissenen Aufgaben stemmen zu können, braucht es unter anderem auch viel Unterstützung bei den Aufsichtsbehörden in den erforderlichen Genehmigungsverfahren sowie vor allem auch finanzielle Unterstützung durch Fördergelder.

„Mit unseren Projekten tragen wir dazu bei, das Risiko für Überflutungen und das Schadensausmaß bei Hochwasser zu verringern. Doch eine 100-prozentige Sicherheit kann es nicht geben. Denn Hochwasserschutz hat Grenzen, wie wir auch bei den aktuellen Hochwässern in Süddeutschland gesehen haben. Ein zentraler Bestandteil für die Hochwasservorsorge sind daher die individuellen Schutzmaßnahmen Bevölkerung. Wir appellieren daher eindringlich an alle Bürgerinnen und Bürger in unserer Region, Vorsorgemaßnahmen für ihr Grundstück und ihre Immobilie umzusetzen“, sagt Thomas Klein.

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