Rubrik Bau(en) & Städtegestaltung

Experte: „Bauämter sind der Flaschenhals“

19.11.2025 – Lesezeit ca. 4 Minuten 262

Experte: „Bauämter sind der Flaschenhals“

Bau- und Immobilienexperte Klaus-Peter Stöppler (Bild: Klaus-Peter Stöppler)

„Die Überbürokratisierung der Bauämter verbunden mit einer mangelnden Digitalisierung und einem eklatanten Personalmangel gehören zu den größten Bau-Verhinderern in Deutschland“, beklagt Klaus-Peter Stöppler, der als Beirat und Interim Manager Unternehmen bei Bauprojekten begleitet. Er weiß aus der Praxis: „Die meisten Bauämter sind in den 1980ern stehen geblieben, mit einem Unterschied: Dank Home Office erreicht man heutzutage im Gegensatz zu damals selbst telefonisch kaum noch jemanden im Amt.“ Zudem hätten viele Situationen bei persönlichem Erscheinen vor Ort eher einen satirischen Charakter, als dass sie einen ernsthaften Arbeitsdrang verspüren ließen. Klaus-Peter Stöppler fasst seine persönlichen Eindrücke zusammen: „Die meistern Bauämter wollen nicht, dass gebaut wird.“

Der Bau- und Immobilienexperte hält die „formale, inhaltliche und zeitliche Verschlankung und Digitalisierung der Genehmigungsverfahren in den Amtsstuben für unerlässlich“, um die Bautätigkeit wieder anzukurbeln. Andernfalls drohe auch der durch das Sondervermögen geschaffene Handlungs­spielraum zur Modernisierung des Landes ins Leere zu laufen. „Es war ein großartiger erster Schritt der Politik, die finanziellen Mittel bereitzustellen, um Deutschlands Infrastrukturen auf Vordermann zu bringen. Das wird allerdings nur funktionieren, wenn auch der zweite Schritt gelingt: überall im Land die dafür erforderlichen Baugenehmigungen zu erteilen – von anderen Unwägbarkeiten wie der Fehl­allokation der Mittel ganz abgesehen.“

Bauen und Wohnen als elementarer Teil der Verwaltungstransformation

Er verweist darauf, dass digitale Verwaltungsleistungen im Bereich „Bauen & Wohnen“ ein elementarer Teil der Verwaltungstransformation sein sollten. Mit dem Onlinezugangsgesetz (OZG) wurde festgelegt, dass Verwaltungsleistungen auch elektronisch angeboten und in einem Portalverbund verknüpft werden müssen. Beim Bauen betrifft dies insbesondere das Einreichen von Bauanträgen, die Genehmigung durch die Bauämter der Kommunen und Landesbehörden sowie die medienbruchfreie Verarbeitung.

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Immerhin, erkennt Klaus-Peter Stöppler an, wurde mit der Plattform digitale‑baugenehmigung.de ein zentraler Ansatz geschaffen; über das Portal können Kommunen und Bauaufsichtsbehörden deutschlandweit auf eine einheitliche Lösung zugreifen. Ein Blick auf die Zahlen sei ermutigend: „In den letzten zwölf Monaten wurden fast 45.000 Bauanträge über diese Plattform gestellt, was den enormen Nachholbedarf verdeutlicht.“ Auch bei der bundesweiten Ausdehnung der Digitalisierung gäbe es Fortschritte.

Die Politik feiere zwar zu früh, dass es in 13 von 16 Bundesländern Projekte für digitale Bau­genehmigungen gäbe, weil es sich überwiegend nur um einzelne Kommunen handele – weit entfernt von einer flächendeckenden Digitalisierung. Größtenteils hätten die unteren Bauaufsichtsbehörden „noch Zeit“ für die digitale Transformation. „Die Abläufe in den meisten Bauämtern sind historisch gewachsen und stark papier- sowie personenbezogen geprägt“, weiß Klaus-Peter Stöppler aus Erfahrung, „die Bereitschaft vieler Amtsleiter, sich vor der Rente noch umzustellen, liegt nahe bei Null.“

Vorreiter Baden-Württemberg

Immerhin gäbe es Lichtblicke, etwa in Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg und teilweise Mecklen­burg-Vorpommern, wo seit Anfang 2025 die digitale Antragstellung Pflicht ist. In Einzelfällen sei es dadurch zu einer Reduzierung der Bearbeitungszeiten von zuvor sechs bis zwölf Monate auf zwei bis fünf Monate gekommen.

Hervorzuheben sei die Vorreiterrolle Baden-Württembergs; an das dortige sogenannte „Virtuelle Bauamt“ seien über 200 von insgesamt 209 Baurechtsbehörden angeschlossen. „Baden-Württemberg ist auf einem guten Weg, das erste Bundesland zu werden das die digitale Baugenehmigung flächendeckend anbieten kann“ sagt Bauexperte Klaus-Peter Stöppler. Er ordnet ein: „Das sind durchaus Fortschritte, aber sobald es auch nur um ansatz­weise komplexere Anfragen geht, sind übermäßig lange Genehmigungsverfahren weiterhin die Regel.“

„Flaschenhals Bauamt“

Die Verzögerungen auf Amtsseite blockierten nicht nur Investitionen in Wohn-, Gewerbe- und Infra­struktur­projekte, die für Wirtschaftswachstum entscheidend sind, gibt der Bau- und Immobilienexperte zu bedenken, sondern behinderten auch die Digitalisierung auf Unternehmensseite. So sei die Integration mit Building Information Modeling (BIM) und digitalen Karten- und Genehmigungsdaten kaum möglich, wenn das Amt letztlich auf papiernen Unterlagen bestehe. Die ineffizienten Prozesse und langen Wartezeiten trieben zwangsläufig die Kosten für Bauunternehmen und Investoren in die Höhe.

„Der Digitalisierungs­grad und die Genehmigungswilligkeit im Bauamt entscheiden noch stärker als öffentliches Fördergeld, ob die Bauwirtschaft weiterhin in einer Abwärtsspirale trudelt oder Wachstumsi­mpulse für Deutschland setzt“, hebt Klaus-Peter Stöppler die Bedeutung des „Flaschenhals Bauamt“ hervor.

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