Rubrik Bau(en) & Städtegestaltung

Klaus-Peter Stöppler: „Ohne weitere Maßnahmen dreht der Bau-Turbo im Leerlauf.“

Experte: „Bau-Turbo“ löst die Wohnungskrise nicht

10.09.2025 – Lesezeit ca. 3 Minuten 84

Experte: „Bau-Turbo“ löst die Wohnungskrise nicht

Bau- und Immobilienexperte Klaus-Peter Stöppler (Bild: Klaus-Peter Stöppler)

„Die Baugenehmigungen steigen leicht, aber die Fertigstellungen hinken weit hinterher“, analysiert der Bau- und Immobilienexperte Klaus-Peter Stöppler, den sogenannten „Bau-Turbo“ der Bundesregierung. Er sagt: „Ein Ende der Wohnungskrise in Deutschland ist nicht absehbar.“ Zwar war im ersten Halbjahr ein Anstieg der Baugenehmigungen im Wohnungsneubau um rund fünf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu verzeichnen gewesen, aber für das Gesamtjahr sei bestenfalls mit der Fertigstellung von 200.000 Wohneinheiten zu rechnen. „Damit bleibt die Bautätigkeit weiterhin unter dem Zielkorridor von 300.000 bis 400.000 Einheiten, die notwendig wären, um der Wohnungs­not ernsthaft entgegen­zutreten“, erklärt Klaus-Peter Stöppler. Die Diskrepanz zwischen Genehmigungen und Fertig­stellungen deute auf strukturelle Defizite hin: „Wir genehmigen mehr – aber bauen nicht genug." Der Rückstand drohe zur Hypothek für Städte und Regionen zu werden.

„Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum bleibt eine der größten sozialen Herausforderungen in Deutschland“, sagt Klaus-Peter Stöppler. Er verweist auf Schätzungen, wonach bundesweit zwischen einer halben und einer Million Wohnungen fehlen. Besonders in Großstädten wie Berlin, Hamburg und München bleibe die Lage weiterhin angespannt.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

„Ohne weitere Maßnahmen bleibt der Bau-Turbo im Leerlauf“

Es sei zu begrüßen, dass die Bundesregierung mit ihrem „Bau-Turbo“ Genehmigungs­verfahren von fünf Jahren auf zwei Monate verkürzen will, begrüßt Klaus-Peter Stöppler die politische Entscheidung. Hinzu sollen staatliche Fördermittel fließen, darunter 3,5 Milliarden Euro für den sozialen Wohnungsbau. Für den Experten ist dies ein notwendiger Schritt, aber längst nicht hinreichend. „Ohne umfangreiche Deregulierung und eine Entbürokratisierung auf Landes- und Kommunalebene bleibt der Turbo im Leerlauf“, sagt er. Zudem gäbe es zahlreiche weitere Gründe für die mangelnde Bautätigkeit: die Explosion der Baukosten, die hohen Bauzinsen und der Fachkräftemangel.

Er rechnet vor: „Die Baukosten sind seit 2020 um 40 Prozent gestiegen, während die Bauzinsen bei vier Prozent liegen. Die Herstellungskosten für Geschosswohnungen variieren zwischen 3.300 und 8.300 Euro pro Quadratmeter. Hinzu kommen durchschnittlich 760 Euro pro Quadratmeter für Grund und Boden. Das ist eine Größenordnung, bei der bezahlbarer Wohnraum kaum noch darstellbar ist.“

Breites Spektrum von Maßnahmen gegen die Wohnungsnot

Der Bau- und Immobilienexperte macht konkrete Vorschläge zur Linderung der Wohnungsnot, die über den „Bau-Turbo“ hinausgehen. So könnten die Grunderwerbsteuerfreibeträge angepasst und die Mehrwertsteuer auf Baukosten von 19 auf 7 Prozent gesenkt werden, um die Herstellungs­kosten zu reduzieren. Zudem sollte der Leerstand durch progressive Steueranreize und Förder­programme zur Umnutzung von Gewerbe- und Büroflächen in Wohnraum aktiviert werden, ins­besondere in Großstädten, wo etwa 1,5 Millionen Quadratmeter Bürofläche leer stünden.

Serielle und modulare Bauweisen könnten durch staatliche Zuschüsse und standardisierte Baukonzepte gefördert werden, um Baukosten um bis zu 20 Prozent zu senken und Bauzeiten zu halbieren. Kommunale Grundstücke ließen sich gezielt für den sozialen Wohnungsbau reservieren, indem mindestens 50 Prozent der verfügbaren Flächen in städtischen Entwicklungsgebieten für preisgebundenen Wohnraum vorgesehen würden.

Darüber hinaus mahnt der Baufachmann dringend eine Lockerung technischer Standards an, weil diese „oftmals jedes vernünftige Maß überschreiten“, etwa in Bezug auf Stellplätze oder Schall­schutz. „Der Staat muss endlich seine irrsinnige Regelwut zügeln“, sagt er. Von einer umfassenden Digitalisierung der Bauämter wagt indes nicht einmal Klaus-Peter Stöppler zu träumen, wie er formuliert, „Eher fährt die Bahn pünktlich oder wir haben eine flächendeckende Breitband­versorgung mit schnellem Internet in Deutschland.“

23 Millionen Projekt in Hagen: Deutschlands größte genossenschaftliche serielle Sanierung
23 Millionen Projekt in Hagen: Deutschlands größte genossenschaftliche serielle Sanierung

Der Wohnungsverein Hagen und das Berliner Unternehmen ecoworks realisieren die bislang größte genossenschaftliche serielle Sanierung in Deutschland. Im Stadttei[...]

02.04.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

hochtiefbau
Neues Fugenmaterial soll Pflasterflächen langfristig stabilisieren
Neues Fugenmaterial soll Pflasterflächen langfristig stabilisieren

Die Stadt Hanau startet im Stadtteil Großauheim ein Pilotprojekt zur Sanierung von Pflasterflächen: In der Hauptstraße wird ab Montag, 30. März, erstmals das ne[...]

30.03.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

hochtiefbau
Industrieästhetik und Hightech-Verglasung im Einklang
Industrieästhetik und Hightech-Verglasung im Einklang

Mit dem rund 550 Meter langen Ensemble „QH Track“ entsteht unweit des Berliner Hauptbahnhofs ein beeindruckend markanter Bau im neuen Stadtquartier Europacity. [...]

25.03.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

hochtiefbau
BPD ergreift Initiative und investiert 500 Mio. Euro in den Bau von rund 1.000 Mietwohnungen

Der Projekt- und Gebietsentwickler BPD | Bouwfonds Immobilienentwicklung investiert 500 Mio. Euro in den deutschen Wohnungsmarkt. In einer ersten Phase sollen b[...]

20.03.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

hochtiefbau
Initiative „Bau-Turbo kommunal“ fordert klare Leitplanken für neue Freiheiten
Initiative „Bau-Turbo kommunal“ fordert klare Leitplanken für neue Freiheiten

Mit der neuen Initiative „Bau-Turbo kommunal“ ruft ein breites Bündnis aus Architektur-, Umwelt- und Klimaschutzorganisationen die politischen Entscheidungsträg[...]

03.03.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

hochtiefbau
Alternative Wohnformen in Hanau: Zwei Projekte geben Einblicke
Alternative Wohnformen in Hanau: Zwei Projekte geben Einblicke

Hanauer Initiativen stellen gemeinschaftliche Wohnprojekte in Kesselstadt und Großauheim vor

26.02.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

hochtiefbau
Nachfrage und Miete steigen, Wohnen im Alter gewinnt an Bedeutung

Die Nachfrage nach Mietwohnungen und Wohneigentum in Nordrhein-Westfalen zieht weiter an. Sowohl auf den Miet- als auch auf den Kaufmärkten verkürzten sich die [...]

11.02.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

hochtiefbau
Städte und Gemeinden nachhaltig stärken
Städte und Gemeinden nachhaltig stärken

Fast die Hälfte der Bewilligungen in den Programmen Wachstum und Nachhaltige Erneuerung, Sozialer Zusammenhalt und Lebendige Zentren gehen 2025 auf das Konto de[...]

10.02.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

hochtiefbau
Baden-Württemberg: Weitere Angebote des Landes unterstützen die Sanierung kommunaler Gebäude
Baden-Württemberg: Weitere Angebote des Landes unterstützen die Sanierung kommunaler Gebäude

Auch für den zweiten Teil des Förderprogramms können Kommunen ab jetzt wieder Anträge stellen. In dem Programmteil gibt es Zuschüsse für flankierende Maßnahmen zur Sanierung kommunal

04.02.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

hochtiefbau
Öffentliche Beschaffung als Schlüssel für kreislauffähiges Bauen

BDE und Bauindustrie fordern zügige Umsetzung nachhaltiger Beschaffung und praxistaugliche Ersatzbaustoffverordnung

hochtiefbau

Weitere Artikel in dieser Rubrik