Rubrik Bau(en) & Städtegestaltung

Schwarze Klinkerfassade macht Harburger Wohnungsbau zum Highlight

Einst „Problemgrundstück”, heute Vorzeigeobjekt

04.10.2024 – Lesezeit ca. 7 Minuten 59

Einst „Problemgrundstück”, heute Vorzeigeobjekt

Für den Neubau favorisierten Architekt und Bauherr wo immer möglich Materialien, die auf lange Sicht ohne größeren Pflegeaufwand beständig bleiben und in hohem Maße umweltverträglich sind. (Bild: Vandersanden)

Nachhaltiger Wohnungsbau anstelle eines kaum noch weiter nutzbaren Gewerbeobjekts: Mit großem Aufwand entstand am Hastedtplatz in Hamburg-Harburg ein in mehrfacher Hinsicht bemerkenswertes Gebäude. Prägendes Element der markant gestalteten Fassade sind schwarze Verblender „Chemnitz“ aus dem Sortiment von Vandersanden.

Erst Tankstelle, danach Autohaus mit angeschlossener Werkstatt und zuletzt Getränkemarkt: Der eingeschossige Flachbau gleich am Beginn der Straße Hastedtplatz bereitete den Eigentümern der Gewerbeimmobilie zusehends Kopfzerbrechen. Als das Gebäude schließlich leer stand, waren die Optionen inmitten eines Wohngebietes mit mehrgeschossigen und bis zu einem Jahrhundert alten Bestandsbauten überschaubar. Mit der Entscheidung, auf dem Grundstück Wohnungen zu errichten, stand für Architekt Prof. Claus Cajus Pruin zugleich auch fest, dass Ziegel ein prägendes Element der künftigen Fassade bilden sollten. Aus guter Erfahrung im Rahmen zahlreicher anderer Projekte wählte Pruin einmal mehr ein Produkt von Vandersanden: Verblender der Sorte „Chemnitz“ im Normalformat (NF), die bei schwarzer Grundfarbe sowie einer nuancierten Mischung aus zusätzlichen Tönen von Blau, Grau und Braun eine markante optische Wirkung erzielen.

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Ein zukunftsfähiges Bauwerk errichten

„Von Anfang an bestand mit dem Bauherren Einigkeit darüber, am Hastedtplatz ein zukunftsfähiges Bauwerk zu errichten und den Aspekt der Nachhaltigkeit in jeder Hinsicht umfassend zu berücksichtigen“, sagt Claus Caius Pruin. Die Entscheidung für die Option Wohnungsbau machten sich die Hamburger N2CG Immobilien GmbH als Investor und die Planer aus dem Büro UP+ Architekten + Stadtplaner mit Standorten in Hannover und Hamburg alles andere als leicht. „Wir haben die in Harburg vorhandenen Strukturen unter die Lupe genommen und analysiert, für welche Zielgruppen ein Wohnobjekt am Hastedtplatz am besten geeignet wäre und welche Art von Wohnungszuschnitt dort realisiert werden sollte“, berichtet Pruin. „Gleichzeitig wollten wir für den Bau wo immer möglich Materialien verwenden, die auf lange Sicht ohne größeren Pflegeaufwand beständig bleiben und in hohem Maße umweltverträglich sind.“

Das Grundstück zu verkaufen und die Investition einem Dritten zu überlassen, kam für den Bauherren laut Pruin nicht infrage. „Als regional verwurzeltes Familienunternehmen war sich der Bauherr der besonderen Verantwortung bewusst, die mit der Entwicklung eines Projektes an dieser Stelle verbunden war“, so Pruin. Konkret: Die Historie der Grundstücksnutzung legte den Verdacht nahe, dass ein Neubau zunächst die aufwändige und kostenintensive Aufbereitung des Untergrundes erfordern würde.

Aufwändige Beseitigung von Altlasten

Tatsächlich gerieten nach dem Abriss des Altbaus die vorbereitenden Arbeiten für den Neubau bald zur ingenieurtechnischen Herausforderung. „Als die Oberfläche frei war, fanden wir darunter noch erhaltene und lediglich mit Beton aufgefüllten Gruben von Hebebühnen aus der Zeit der Autowerkstatt“, erinnert sich Architekt Pruin. „Die Druckzylinder der Anlagen waren noch mit Öl gefüllt, und in der Umgebung steckten nach wie vor mehrere große Tankbehälter im Boden.“ Nach und nach wurde das Erdreich bis in eine Tiefe von mehr als sechs Metern abgetragen und entsorgt. Um Schäden an den unmittelbar angrenzenden Bestandsbauten und im öffentlichen Straßenraum zu verhindern, mussten weitreichende Rückverankerungen eingebaut werden. „Uns allen war ganz klar, dass hier viel Geld im Erdreich verschwinden würde und ein Neubau nicht unter Gesichtspunkten einer üblichen Renditeberechnung betrachtet werden könne.“ Die neu zu errichtenden Wohnungen sollten daher auch als Mietobjekte dauerhaft im Bestand des Investors verbleiben, womit die N2CG Immobilien GmbH als klassischer Projektentwickler zugleich Neuland betrat.

Wohnungsmix aus variablen Einheiten

Trotz der im Vorfeld kaum kalkulierbaren und letztlich hohen Kosten der Altlastenbeseitigung hielt N2CG aber weiterhin am Ziel einer hochwertigen und nachhaltig gestalteten Wohnbebauung fest. Der Entwurf vom Architekturbüro UP+ sah vor, einen Mix aus 30 Wohneinheiten mit Flächen von 37 qm bis 94 qm zu schaffen und den Blockrand zwischen den Bestandsbauten an der westlichen und der östlichen Seite dadurch zu schließen. „Der lineare Baukörper mit einer kombinierten 3-Spänner/Laubengangerschließung ist konsequent nach Norden zum Hof hin mit Wohn- und Schlafbereichen ausgerichtet, an der Südfassade sind weitgehend die Räume mit dienenden Funktionen angeordnet. Grund für diese Ausrichtung ist vorrangig die Hohe Lärmbelastung der an der Südfassade liegenden Bremer Straße. Der Laubengang ist in seiner Breite so konzipiert, dass er auch zum Verweilen geeignet ist", skizzieren die Planer das Projekt.

Um das angestrebte Ziel einer „Zukunftsfähigkeit“ des Bauwerks zu erreichen, kann der Wohnungsmix durch einfaches Versetzen von Wänden bei Bedarf auch nachträglich verändert werden. Zusätzlichen Komfort bieten die Ausstattung der Wohnungen mit hochwertigen Fußbodenbelägen, Einbauküchen und eine Tiefgarage, ein begrüntes Flachdach und darauf installierte Photovoltaikanlagen unterstreichen den Aspekt der Nachhaltigkeit.

Natürliches Erscheinungsbild der Fassade

Als vorrangiges Fassadenmaterial und mit Blick auf den nachhaltigen Charakter des Bauwerks war die Verwendung von Ziegeln für Pruin obligatorisch. Insgesamt geriet die Fassadenkonstruktion allerdings ungewöhnlich: Als tragende Elemente dienen bereits im Rohbau für jedes einzelne Geschoss errichtete Betonbänder, die gleichzeitig die Basis des Verblendmauerwerks bilden und die damit verbundenen Lasten aufnehmen und ableiten. Wo an den Laubengängen im Eingangsbereich der Wohnungen keine Verblender zum Einsatz kommen, dient eine Vorhangfassade mit Faserzementplatten als äußere Hülle. Je nach Brandschutzanforderung besteht die Unterkonstruktion dort entweder aus Aluminium oder lediglich aus Holz. „Sollte es in ferner Zukunft einmal dazu kommen“, stellt Architekt Pruin fest, „lassen sich die verwendeten Baustoffe allesamt problemlos voneinander trennen und zu großen Teilen auch wiederverwenden.“

Bis es soweit ist, sollen die Verblender „Chemnitz“ von Vandersanden aber erst einmal „in Würde altern können“. Mit der Ziegelfassade setzt Pruin bewusst einen Kontrast zu den überwiegend in Putz ausgeführten Wänden der vorhandenen Bebauung, „um das Auge des Betrachters gezielt zu lenken“. Zunächst schwebte dem Architekten vor, mindestens die Fassade des Erdgeschosses zum Schutz vor unerwünschten Graffitis mit glasierten Ziegeln auszustatten. Im Dialog mit Vandersanden-Fachberater Ed Pelzers konzentrierte sich die Suche nach einem geeigneten Verblender dann aber auf ein Produkt, „das optisch und hinsichtlich der Materialqualität ebenso anspruchsvoll ist, wie ein von Hand einzeln gefertigter Stein“. Mit dem Verblender „Chemnitz“, obschon im Strangpress-Verfahren industriell hergestellt, fand Architekt Pruin die passende Entsprechung. Mit hochwertigem Ton aus der Oberlausitz als Basis, wird „Chemnitz“ bis zur Sinterung gebrannt und bildet dadurch ein extrem dichtes und resistentes Fassadenmaterial. Um ganz sicher zu gehen, wurden die Verblender des Erdgeschosses am Objekt Hastedtplatz zusätzlich noch mit einem speziellen Graffiti-Schutz versehen.

„Chemnitz“-Verblender im NF 240x115x71 mm einzusetzen, war für Claus Caius Pruin allerdings ein Kompromiss. „Was mich angeht, hätte ich lieber Verblender im Dünnformat eingebaut“, gibt Pruin zu, „der damit verbundene und höhere Errichtungsaufwand hätte den ohnehin überaus großzügigen Kostenrahmen des Projektes dann aber doch gesprengt.“ Die Frage der am besten zum Gesamteindruck passenden Fugenfarbe konnte hingegen vergleichsweise schnell geklärt werden. Vandersanden-Fachberater Ed Pelzers präsentierte drei Mustertafeln mit unterschiedlichen Tönen, die Entscheidung fiel letztlich auf eine dunklere Farbgebung. „Die Fassade sollte von der Wirkung her nicht zerfallen, was hellere Fugen leicht hätten verursachen können“, so Pruin. „Nun aber haben wir ein Fassadenbild, das unseren Vorstellungen absolut entspricht und das Besondere dieses Gebäudes ganz klar zum Ausdruck bringt.“

Vandersanden, der größte familiengeführte Ziegelhersteller Europas

Beim Familienunternehmen Vandersanden stehen eine nachhaltige Produktion, Fachkompetenz und Innovation rund um die Ziegelherstellung im Vordergrund. Vandersanden bietet Ziegelprodukte für die Planung und Verwirklichung von Gebäuden, Gärten, Parks und im Straßenbau an. Die „Vandersanden-Familie“ besteht aus über 800 Mitarbeitern in Belgien, den Niederlanden, Frankreich, Deutschland und Großbritannien. Mit insgesamt neun Produktionsstätten für Vormauerziegel und Klinker, Pflasterklinker, Riemchen und gedämmte Fassadensysteme ist Vandersanden der größte familiengeführte Ziegelproduzent Europas. Vandersanden bietet zudem vollständig integrierte Lösungen, wie RoboBrick und Drainflow, um den heutigen Herausforderungen im Bausektor zu begegnen.
Mit dem Nachhaltigkeitsprogramm Together to Zero, dem Versprechen, bis 2050 vollständig kohlenstoffneutral zu produzieren und zu arbeiten, geht der Ziegelhersteller auf andere Interessensgruppen zu, um gemeinsam kohlenstoffneutral zu arbeiten. Vandersanden produziert über 600 Millionen Ziegel pro Jahr für den europäischen Markt und weit darüber hinaus. Der Ziegelexperte ist nicht nur Marktführer für Handformverblender in Belgien und Deutschland, sondern auch für das Segment Pflasterklinker in den Niederlanden.
Die Vandersanden-Ziegelproduktion in den belgischen und niederländischen Werken arbeitet nach der Umweltmanagementnorm ISO 14001 und das Werk in der Oberlausitz nach ISO 50001.
Jaak Vandersanden gründete die Traditionsziegelei Vandersanden 1925 im belgischen Spouwen (Bilzen), unweit der deutschen Grenze. Dort befindet sich der Hauptsitz des Ziegelherstellers bis heute.

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