Dieser Artikel ist zur Veröffentlichung in der Ausgabe 4 - Juli / August 2026 der gedruckten Kommunalwirtschaft vorgesehen.

Rubrik Energie & Netze

Wupperverband entwickelt Anpassung an Folgen des Klimawandels weiter

Resilienz stärken: Projekte für Extreme von Dürre bis Hochwasser

07.07.2026 – Lesezeit ca. 7 Minuten 4

Resilienz stärken: Projekte für Extreme von Dürre bis Hochwasser

Nach einer Frühjahrsdürre in 2025 ist bislang auch das Wasserwirtschaftsjahr 2026 viel zu trocken. Dem gegenüber stehen Starkregenereignisse und allen voran das Extremhochwasser im Juli 2021, das enorme Schäden verursacht hatte.
Der Rückblick auf die letzten Jahre macht deutlich: die Extreme sind häufiger und stärker ausgeprägt. Sich auf diese Extreme besser einzustellen und resilienter zu werden ist daher notwendiger denn je. Von Behörden und Ministerien in NRW über die Kommunen mit ihrem Katastrophenschutz, den Akteuren der Wasserwirtschaft bis hin zu allen Bürgerinnen und Bürgern: Alle sind gefordert, Anpassungsstrategien umzusetzen. Dies umfasst sowohl die Vorsorge als auch das Management bzw. das Verhalten im Ereignisfall.

Mit Blick auf den 5. Jahrestag des Juli-Hochwassers 2021 zieht der Wupperverband Bilanz:
„In den letzten Jahren haben wir mit unserem Zukunftsprogramm Hochwasserschutz im Wupperverband schon viele Maßnahmen umgesetzt. Es ist aber eine Langzeitaufgabe“, betont Wupperverbands-Vorstand Ingo Noppen. „Um unsere Region resilienter zu machen, müssen wir an mehreren Stellen ansetzen: Planungs- und Genehmigungsverfahren müssen schneller werden, die Zusammenarbeit über kommunale Grenzen muss gestärkt werden und letztlich braucht es Förderung und personelle Ressourcen, damit die Vielzahl an Projekten umgesetzt werden kann. Wichtig ist mir auch, das Bewusstsein für Überflutungsvorsorge in der Bevölkerung zu stärken. Angesichts der zunehmenden Extreme, bei denen auch die besten Schutzmaßnahmen der öffentlichen Hand an ihre Grenzen kommen, ist jeder gut beraten und sogar verpflichtet, selbst für sein Grundstück Eigenvorsorge zu treffen.“

Hochwasserschutz: Regionalpakt Wupper wird gemeinsam erarbeitet

Hochwasserschutz funktioniert umso besser, wenn alle Akteure an einem Strang ziehen, Wissen geteilt, Planungen beschleunigt und Maßnahmen priorisiert und gezielt gefördert werden. Das Land NRW hat mit der Unterzeichnung des Landespakts Hochwasserschutz im Februar 2026 wichtige Weichen gestellt, um die Akteure als Gemeinschaft stärker zu vernetzen sowie Projektumsetzung zu unterstützen und zu beschleunigen.

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Mit dem Regionalpakt Wupper wird dieser Gedanke nun im Wuppergebiet konkretisiert. Er wird mit allen Beteiligten im Flusseinzugsgebiet der Wupper über kommunale Grenzen hinweg zusammen in diesem Jahr entwickelt, formuliert und schließlich mit Leben gefüllt und umgesetzt werden. Ein Kick-off-Workshop fand am 28. Mai in Wuppertal statt. Die Beteiligten sind das NRW-Umweltministerium, der Wupperverband, die Bezirksregierungen, die Kommunen im Wuppergebiet, Unternehmen (Industrie- und Handelskammer), Landwirtschaft, Naturschutzverbände – also letztlich alle, die bei Planung und Umsetzung von Hochwasservorsorge eine Rolle spielen.
Gemeinsam Hochwasservorsorge im Wuppergebiet weiterentwickeln | Wupperverband

Zukunftsprogramm Hochwasserschutz: Umsetzung schreitet voran

Der Wupperverband hat alle Maßnahmen – von Wassermanagement in Dürrezeiten bis Hochwasservorsorge – im Zukunftsprogramm Hochwasserschutz gebündelt. Die Umsetzung läuft bereits und ist eine gute Basis für eine Weiterentwicklung im Rahmen des Regionalpakts Wupper.

Das Zukunftsprogramm besteht aus derzeit 223 Maßnahmen, die der Verband für und mit den Kommunen im Wuppergebiet in einem Zeithorizont von ca. 20 Jahren umsetzen wird. Aktuell sind 32 Maßnahmen abgeschlossen, 53 Maßnahmen werden zurzeit bearbeitet. Die Bandbreite der Themen reicht von technischem Hochwasserschutz, z. B. Neubau oder Sanierung von Hochwasserrückhaltebecken, Uferbefestigungen oder Deichen, über „grünen Hochwasserschutz“ durch Renaturierung und Aufweitung von Gewässern, Anpassung der Talsperrenbewirtschaftung bis hin zu Verbesserung der Datengrundlage durch Modelle und neue Messstellen wie Pegel und Sensoren.

Aktuell umgesetzte Projekte sind zum Beispiel neue Pegel, wie der im März 2026 offiziell eingeweihte Pegel „Am Pastorat“ in Leichlingen. Inzwischen hat der Wupperverband 63 Pegel, 48 Klimastationen und rund 100 Sensoren. Ein dichteres Messnetz bedeutet eine verbesserte Datengrundlage und somit eine höhere Qualität von Prognosen.

Die Daten fließen auch in das Meldewesen zur Information von Kommunen und Katastrophenschutz ein und sind im Hochwasserportal des Wupperverbands für alle Interessierten verfügbar1

Hochwasserrisiko an Nebenbächen senken

Ein weiteres Themenfeld des Wupperverbands sind die Optimierung und der Neubau von Hochwasserrückhaltebecken (HRB) an Nebengewässern der Wupper. Diese puffern bei starkem Regen einen Teil des Wassers und senken so den Pegelstand im Bach. Die HRB sind daher wichtiger Bestandteil des Hochwasserschutzes an den kleineren Nebengewässern.
Aktuelle Maßnahmen in diesem Jahr sind z. B. die Sanierung des HRB Freibad Schwelm und die Sanierung des HRB Ostersiepen.

Bei der Planung des HRB Diepental am Murbach in Leichlingen läuft derzeit die Phase der Genehmigung. Die Planung für ein grünes HRB und die Renaturierung des Bachs im Bereich der privaten Diepentalsperre wurde bei der zuständigen Bezirksregierung eingereicht. Mit dem Beginn der Bauarbeiten ist ab ca. 2028 zu rechnen, wenn Genehmigung, Fördermittelbereitstellung, Ausführungsplanung und Ausschreibung der Bauarbeiten erfolgt sind.

Für das HRB Ophovener Weiher läuft derzeit die Entwurfsplanung. Sie dient nach Abschluss der Stadt Leverkusen als Diskussions- und Entscheidungsgrundlage.

Grüner Hochwasserschutz: Mehr Raum für Flüsse und Bäche

Auch der „grüne Hochwasserschutz“ ist eine wichtige Säule. Aufweitungen und Retentionsflächen in der Aue helfen, den Wasserstand zu senken. Das Gewässer hat bei Regen dann mehr Raum. So gehen ökologische Gewässerentwicklung und Hochwasserschutz Hand in Hand. Im Sommer wird der Gewässerbetrieb des Wupperverbands die Wipper im Bereich Wipperfürth-Egerpohl unterhalb des gleichnamigen Pegels sowie im Bereich Böswipper aufweiten.
In Wuppertal-Kohlfurth erfolgt eine Aufweitung der Wupper und entschärft dadurch einen Knick im Flusslauf. Auch hier wird der Abfluss verbessert und eine natürlichere Gewässerstruktur gefördert.

Beschleunigte Planungen und Einsatz von KI

Die Anpassung an Folgen des Klimawandels erfolgt für den Wupperverband auch über Forschung und Innovation. Er arbeitet an der Entwicklung und Erprobung von Technologien mit und bringt sich in Forschungsprojekte gemeinsam mit regionalen Partnern ein.
Neu gestartet ist das Projekt Eklips3+1 mit den drei bergischen Städten Wuppertal, Solingen, Remscheid und dem Wupperverband. Das Förderprojekt mit einer Laufzeit bis 2029 hat das Ziel, mit Hilfe digitaler urbaner Zwillinge Planungsprozesse in der kommunalen Bauleit- und Landschaftsplanung zu beschleunigen, um die Städte besser auf Extreme wie Hitze und Trockenheit aber auch Starkregen und Hochwasser vorzubereiten.
Das Projekt Bergisches Hochwassermeldesystem HWS 4.0 wird in diesem Jahr als Forschungsprojekt abgeschlossen (Laufzeit bis Ende August). Die Arbeit an der Nutzung von KI für deutlich schnellere und regional gezieltere Prognose von Hochwasserereignissen war erfolgreich und wird weitergehen, sozusagen im Reallabor.

Der Prototyp des Dashboards wurde im letzten Jahr bereits freigeschaltet. In der zweiten Jahreshälfte 2026 sollen Dashboard und App zur Verfügung gestellt werden.

Talsperrenmanagement an Klimaveränderungen anpassen

Die Wasserabflüsse in der Wupper und Dhünn werden mit Hilfe der Talsperren reguliert. So können Hochwasserabflüsse gemildert und in Trockenzeiten durch Wasserabgabe aus den Talsperren das Ökosystem Fluss unterstützt werden. An die Folgen der Klimaveränderung mit ihren zunehmenden Extremen von Hochwasser und langanhaltenden Dürren passt sich der Wupperverband durch eine flexiblere Talsperrensteuerung an.

Seine Strategie besteht darin, einerseits auch im Sommerhalbjahr Puffer in den Talsperren am Oberlauf der Wupper und der Großen Dhünn-Talsperre freizuhalten. Dieser Sommerretentionsraum kann bei Bedarf noch durch eine gesteuerte Vorabgabe vor einem Regenereignis situativ vergrößert werden.

Andererseits bedeutet weniger Wasservorrat in den Talsperren im Sommer auch, dass im Bedarfsfall die Mindestwasserführung der Wupper und Dhünn maßvoll reduziert werden muss. Somit kann – wenn es nicht ausreichend regnet - der vorhandene Wasservorrat in den Talsperren geschont werden und länger dazu beitragen, das Ökosystem Wupper und Dhünn in Trockenphasen zu unterstützen.
Aufgrund aktuell niedrigen Füllstands der Großen Dhünn-Talsperre gibt der Wupperverband bereits seit März etwas weniger Wasser aus der Talsperre an den Unterlauf der Dhünn ab.

Eigenvorsorge von Bürgerinnen und Bürgern: Gewappnet sein für den Notfall

Zum Hochwasserrisikomanagement in einer Region gehören viele Bausteine, u.a. bauliche Vorsorge, Wassermanagement, Meldewesen und Warnung der Bevölkerung durch den Katastrophenschutz bis hin zum Management der Situation, wenn es zu Hochwasser und Überflutungen kommt.

Da aber Überflutungen nicht nur durch Gewässer, sondern auch direkt von oben durch Starkregen verursacht werden können, haben auch die Bürgerinnen und Bürger eine ganz zentrale Rolle. Sie sind gefordert, durch technische oder bauliche Veränderungen ihr Grundstück oder ihre Immobilie zu schützen. Tipps und Informationen bietet u.a. das HochwasserKompetenzCentrum Köln HKC e.V.

Auch das richtige Verhalten bei Starkregen oder Hochwasser gehören dazu, denn der Schutz von Leib und Leben ist wichtiger als die Rettung von Sachgütern.

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