Rubrik Energie & Netze

Neues Werkzeug unterstützt Kommunen bei der Wärmeplanung

Wärmeatlas Baden-Württemberg ist online

24.03.2025 – Lesezeit ca. 3 Minuten 87

Wärmeatlas Baden-Württemberg ist online

Die Wärmebedarfsdichte (Wärmebedarf in Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter und Jahr) des Gebäudebestandes in Stuttgart. (Bild: KEA-BW)

In Baden-Württemberg können Kommunen künftig den Wärmebedarf der Wohn- und Nichtwohngebäude auf ihrer Gemarkung abfragen. Möglich macht das der neue Wärmeatlas BW. Die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) hat die interaktive Onlinekarte erstellen lassen. Der Wärmeatlas zeigt den Bedarf für Raumwärme und Warmwasser an – sei es in der einzelnen Kommune, dem Straßenzug oder dem Baublock. Städte und Gemeinden können mit dem Planungsinstrument ihre künftige Wärmeversorgung besser planen. Auch für die Bauwirtschaft ist der Wärmeatlas BW hilfreich. Ein Konsortium der Unternehmen geomer und GEF Ingenieure sowie dem ifeu-Institut hat den Wärmeatlas BW erstellt. Der Wärmeatlas steht auf der Internetseite der KEA-BW kostenfrei zum Download bereit: www.kea-bw.de/waermewende/angebote/downloads. Im Mai wird er auch in den Energieatlas der LUBW integriert.

Die 1.101 Kommunen im Südwesten erhalten mit dem Wärmeatlas BW eine Wärmebedarfsberechnung für den gesamten Gebäudebestand in Baden-Württemberg. Mit den Wärmedaten auf ihrer Gemarkungsfläche können sie oder die zuständigen Planungsbüros die künftige Wärmeversorgung besser planen. Die Daten zeigen, wo in einer Kommune der Wärmebedarf besonders hoch oder niedrig ist. Die Auflösung reicht von der Gemeindeebene über den Straßenzug und der Rasterebene, 100 mal 100 Meter, bis hin zur Baublockebene. Die kleinste Einheit besteht aufgrund von Datenschutzgründen aus drei Gebäuden – so ist der Wärmebedarf einzelner Gebäude nicht öffentlich einsehbar.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Der Wärmeatlas BW liefert unter anderem Informationen darüber, wo Potenziale für Wärmenetze bestehen und wo nicht. Wärmenetze sind normalerweise erst ab einer gewissen Wärmeabnahme je Trassenmeter wirtschaftlich. Diese erforderlichen Daten liefert der Wärmeatlas. Die Wärmebedarfsdaten können beispielsweise für eine Wärmenetz-Machbarkeitsstudie genutzt werden. Für solche Machbarkeitsstudien erhält man im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) eine finanzielle Förderung.

Nutzung der Daten für Machbarkeitsstudien und Eignungsprüfung

Kommunen können die Daten aus dem Wärmeatlas BW auch für die sogenannte Eignungsprüfung bei der kommunalen Wärmeplanung verwenden. Im Rahmen dieser Prüfung werden Teilgebiete in der Kommune identifiziert, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht für die Versorgung durch ein Wärmenetz oder ein Wasserstoffnetz eignen. Für ein solches Teilgebiet kann laut Paragraf 14 des Wärmeplanungsgesetzes des Bundes – das Gesetz wird derzeit in das Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsgesetz des Landes überführt – die planungsverantwortliche Stelle entscheiden, ob sie in diesem Fall eine verkürzte Wärmeplanung in kleinerem Umfang durchführt.

Die Kommune kann in diesem Fall auf die Bestandsanalyse verzichten und eine verkürzte Potenzialanalyse vornehmen, in der nur die Optionen für eine dezentrale Wärmeversorgung untersucht werden. Das Teilgebiet wird im Wärmeplan dann als voraussichtliches Gebiet für die dezentrale Versorgung dargestellt. So sollen insbesondere für kleinere Gemeinden Aufwand und Kosten für die kommunale Wärmeplanung sinken.

57 Millionen 3D-Gebäudegeometrien im Programm integriert

Der Wärmeatlas basiert auf rund 57 Millionen 3D-Gebäudegeometrien der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen, Daten zur Verteilung energetischer Baualtersklassen auf Ebene eines bundesweiten Hektarrasters aus der Gebäude- und Wohnungszählung 2011 sowie regional differenzierten Klimadaten des Deutschen Wetterdienstes. Die verwendeten 3D-Gebäudemodelle der Landesvermessungsämter stellen die aktuell umfassendsten flächendeckend verfügbaren Geodaten zum Gebäudebestand in Baden-Württemberg dar.

Die Wärmebedarfsberechnung für einzelne Gebäude erfolgt mithilfe der Raumwärme- und Warmwasser-Energiekennzahlen aus dem ifeu-Gebäudemodellsimulationsmodell GEMOD – differenziert nach energetischen Gebäudetypen, Baualtersklassen und Klimazonen. Für die Zuordnung zu einem energetischen Gebäudetyp haben die Fachleute die 3D-Gebäudemodelle um weitere Attribute wie Geometrie und lagebasierte Kriterien angereichert. Über diese Schritte werden unbeheizte Nebengebäude (etwa Garagen und Lagergebäude) in Siedlungs- und Gewerbegebieten identifiziert und Wohngebäude baustrukturell weiter differenziert.

Mehr als zwei Drittel der Baden-Württemberger befürworten Geothermie
Mehr als zwei Drittel der Baden-Württemberger befürworten Geothermie

Die Menschen in Baden-Württemberg stehen der Geothermie mehrheitlich positiv gegenüber. 68 Prozent finden die Nutzung sehr gut oder gut. Das zeigt eine aktuelle[...]

05.08.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

energie
Wärmewende im kommunalen Maßstab
Wärmewende im kommunalen Maßstab

ENGIE Deutschland und die Gemeinde Sandhausen setzen eines der ersten Projekte im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung in der Region um. Im Zuge eines Energielief[...]

03.08.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie
Abwärmenutzung für die Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Für das neue Rechenzentrum der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) wird aktuell ein innovatives Energiekonzept entwickelt, bei dem Abwärme in das bestehe[...]

30.07.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

energie
Wie vier Kommunen in Baden-Württemberg bis 2035 klimaneutral werden wollen
Wie vier Kommunen in Baden-Württemberg bis 2035 klimaneutral werden wollen

2040 ist das Zieljahr. Bis dahin müssen Städte, Gemeinden und Landkreise in Baden-Württemberg klimaneutral sein. Manche Kommunen im Südwesten möchten dieses Zie[...]

27.07.2026, Lesezeit ca. 8 Minuten

energie
Die Marktabdeckung wächst weiter und die Preise bleiben stabil

Die Preistransparenzplattform Fernwärme von AGFW, BDEW und VKU hat sich als zentrales Informationsangebot für den Fernwärmemarkt etabliert. Das zeigt der aktuel[...]

24.07.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie
Transparenzplattform deckt inzwischen mehr als die Hälfte des deutschen Fernwärmemarktes ab

Die Fernwärme ist eine preisstabile und verlässliche Heizenergie. Das zeigt der aktuelle Halbjahresbericht der Preistransparenzplattform Fernwärme zum Stichtag [...]

24.07.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

energie
Wärmewende im Quartier
Wärmewende im Quartier

Wie eine klimaneutrale und zugleich wirtschaftliche Wärmeversorgung in der Praxis gelingt, zeigt der Lagarde Campus in Bamberg. Auf der Konversionsfläche entste[...]

23.07.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

energie
Energiesicherheit in der Kommune auf dem Prüfstand
Energiesicherheit in der Kommune auf dem Prüfstand

Der Anschlag auf das Stromnetz im Januar 2026 war ein Weckruf für Berlin und andere Städte neue Vorsorge- und Sicherheitskonzepte umzusetzen. Berlin reagiert mi[...]

15.07.2026, Lesezeit ca. 7 Minuten

energie
Praxisforum Tiefengeothermie on Tour: zu Gast bei der Forschungsbohrung Köln-Dellbrück
Praxisforum Tiefengeothermie on Tour: zu Gast bei der Forschungsbohrung Köln-Dellbrück

Bevor sich die Tiefengeothermie-Branche im Oktober im bayerischen Pullach trifft, hat das Praxisforum Tiefengeothermie bereits im Sommer eine Begegnung in NRW e[...]

13.07.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

energie
Der „Zuordnungs-Monitor“ hilft Energielieferanten den 24-Stunden-Lieferantenwechsel ohne Frust zu bewältigen

Seit der Einführung des 24-Stunden-Lieferantenwechsels haben sich die Bedingungen in der Versorgungswirtschaft radikal verändert. Früher hatte man Tage, um fehl[...]

10.07.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

energie

Weitere Artikel in dieser Rubrik