05.08.2026 – Lesezeit ca. 4 Minuten 30
Die Menschen in Baden-Württemberg stehen der Geothermie mehrheitlich positiv gegenüber. 68 Prozent finden die Nutzung sehr gut oder gut. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (PEE BW). Die Befragten sehen in der Erdwärme einen wichtigen Beitrag zu Klimaschutz und Versorgungssicherheit. Gleichzeitig bestehen Sorgen über mögliche Risiken. Viele wünschen sich mehr Informationen über die Erdwärmenutzung sowie eine frühzeitige Beteiligung bei geplanten Projekten. Die Befragung wurde Anfang 2026 durchgeführt, teilgenommen haben 461 Personen aus Baden-Württemberg. Die Umfrage ist Teil eines Projekts, das vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft gefördert wird.
Die Nutzung von Erdwärme ist ein wichtiger Baustein einer klimafreundlichen Energieversorgung, trägt zur Versorgungssicherheit bei und stärkt die regionale Wertschöpfung. Bei der oberflächennahen Geothermie nutzen Wärmepumpen die Wärme aus bis zu 400 Meter Tiefe für die Wärme- und Kälteversorgung einzelner Gebäude oder lokaler Netze. Die tiefe Geothermie dagegen speist die Erdwärme aus tieferen Schichten bis 8.000 Meter in kommunale Wärmenetze, ganz Städte können so versorgt werden. Teilweise erzeugt die tiefe Geothermie auch Strom.
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Auf die Frage, wie sie den Einsatz von Geothermie finden, antworten knapp 45 Prozent der Befragten mit „sehr gut“. 23 Prozent finden sie „eher gut“. 68 Prozent stehen daher hinter der Technologie. 11 Prozent antworteten mit „sehr schlecht“, sieben Prozent mit „eher schlecht“, also ein knappes Fünftel.
Die wirtschaftlichen und ökologischen Chancen der Technologie sind den Befragten bewusst. 72 Prozent gehen davon aus, dass die Geothermie einen wichtigen Beitrag zum Schutz des Klimas leisten kann. 69 Prozent finden, dass mit ihr die Unabhängigkeit von Gasimporten steigt. Und knapp 67 Prozent sind davon überzeugt, dass Geothermie-Anlagen das Landschaftsbild nicht stören.
Eine Mehrheit erwartet einen hohen Bedeutungszuwachs für die Geothermie, rund 53 Prozent für die oberflächennahe und 52 Prozent für die tiefe Geothermie. Fast zwei Drittel, rund 64 Prozent, sehen ein großes Potenzial der tiefen Geothermie für die Wärmeversorgung. Bei der Stromerzeugung sind es lediglich 31 Prozent. Die tiefe Geothermie wird vor allem als zentraler Baustein der zukünftigen Wärmeversorgung Baden-Württembergs wahrgenommen. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass das Potenzial der Technologie für die Stromversorgung noch stärker vermittelt werden könnte.
Bedenken gegenüber der Geothermie gibt es aber auch. 48 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Nutzung der Geothermie zu kleinen Erdbeben führen kann. 44 Prozent fürchten Schäden an Häusern. 41 Prozent finden, dass potenzielle Schäden durch Geothermie nicht ausreichend versichert sind – rund 34 Prozent geben an, dies nicht zu wissen.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Sorgen nicht zwangsläufig mit einer grundsätzlichen Ablehnung der Technologie einhergehen. Vielmehr wünschen sich viele Befragte zusätzliche Informationen und transparente Kommunikation zu Risiken und Sicherheitsmaßnahmen. 46 Prozent würden eine zentrale Stelle im Land zur tiefen Geothermie dazu nutzen, um sich zu informieren. 64 Prozent fühlen sich nicht ausreichend über die tiefe Geothermie informiert. Hier gibt es einen auffälligen Unterschied zwischen dem Oberrheingraben und dem Rest Baden-Württembergs: Im Oberrheingraben sind es 54 Prozent, im Rest des Landes sogar 71 Prozent.
Beteiligung und Mitsprache sind den Befragten auch wichtig. 95 Prozent gaben an, dass sie eine frühzeitige Information über geplante Geothermieprojekte wünschen. 77 Prozent fordern eine Möglichkeit zur Mitsprache. Wichtig ist ihnen auch eine finanzielle Beteiligung an den Gewinnen von Tiefe-Geothermie-Projekten: 43 Prozent möchten, dass die Kommune beteiligt wird, 45 Prozent wollen eine finanzielle Beteiligung der Bevölkerung.
„Die Bevölkerung bewertet die Chancen der Geothermie deutlich stärker als ihre Risiken. Die Technologie wird mehrheitlich als wichtiger Baustein für Klimaschutz und eine resiliente Wärmeversorgung angesehen. Entscheidend für eine langfristig hohe Akzeptanz werden eine breite Information sowie eine gute Kommunikation über potenzielle Risiken und Sicherheitsmaßnahmen sein“, sagt Jürgen Scheurer, Geschäftsführer der PEE BW.