Rubrik Wasser / Abwasser

Ehemaliger Fußballplatz ist klimaresilient umgestaltet worden

Neuer Quartierpark in Herne speichert Regenwasser

01.07.2024 – Lesezeit ca. 5 Minuten 41

Neuer Quartierpark in Herne speichert Regenwasser

Symbolische Eröffnung (Bild: Frank Dieper/Stadt Herne)

Der klimarobuste Umbau von Bestandsflächen ist möglich: Ein ehemaliger Fußballplatz ist zum Quartierpark für Bürgerinnen und Bürger geworden. Mit einer Förderung des NRW-Umweltministeriums aus dem Programm "Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft" und der Emschergenossenschaft in Höhe von 1,1 Millionen Euro ist die wasserbewusste Umgestaltung gelungen.

Bis vor zehn Jahren rollte auf der Fläche der Ball. Der SV Fortuna Herne hatte dort, etwas versteckt, seinen Sportplatz. Der Club ist längst zum modernen Sportzentrum Horsthausen nur wenige hundert Meter entfernt umgezogen und kickt auf Kunstrasen statt auf roter Asche. Jetzt wird aus dem ehemaligen Fußballplatz in einem gemeinsamen Projekt von der Stadtentwicklungsgesellschaft Herne (SEG), der Emschergenossenschaft und der Stadt Herne der Quartierpark Nordstraße.

Am Montag, 24. Juni 2024, nahmen Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda und Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft, im Beisein von Vertretungen aus Politik und Verwaltung die symbolische Eröffnung vor.

Pflanzen müssen erst noch richtig anwachsen

Die tatsächliche Öffnung für die Öffentlichkeit erfolgt frühestens Ende August, Anfang September, um allen Pflanzen die Möglichkeit zu geben, richtig anzuwachsen. Die Niederschlagsmengen der letzten Wochen haben leider einige Arbeiten verzögert.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Das gesamte Areal umfasst eine Fläche von knapp 12.000 Quadratmetern. Zu ihr gehören der frühere Sportplatz, der angrenzende Kinderspielplatz und die dazwischenliegende Stichstraße. Zwei Drittel der Fläche bilden den Quartierpark, ein Drittel ist Wohnbauland für zwei Neubauten mit insgesamt zirka 40 neuen Mietwohnungen der WHS. Die Arbeiten für die beiden Häuser sollen kommendes Jahr beginnen.

Regenwasser wird nicht mehr in den Kanal geleitet

Der Quartierpark zeichnet sich durch Maßnahmen der klimaresilienten Stadtentwicklung aus. Zum Beispiel wird das Regenwasser der Neubauten nicht wie üblich in den Kanal geleitet, sondern auf der Fläche zurückgehalten, um anschließend in der dafür extra angelegten Retentionsmulde im Park zu verdunsten, dies schafft ein gutes Kleinklima. Damit kann der natürliche Wasserkreislauf auf der Fläche geschlossen und ein Schritt gegen Überschwemmungen bei Starkregenereignissen geleistet werden. Auch die neu angepflanzten Bäume wurden von der Pflanzenauswahl her so ausgewählt, dass sie den neuen Klimaanforderungen und Wetterextremen als "Zukunftsbäume" gerecht werden. Um einen Beitrag zur Biodiversität zu leisten, gibt es neben der Nutzrasenfläche ebenfalls eine große Wildblumenwiesen für Insekten.

Maßnahmen zur Klimaanpassung

Möglich wird die Umsetzung durch Fördermittel aus dem Programm "Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft", kurz KRiS, das durch die Zukunftsinitiative Klima.Werk von Emschergenossenschaft und Städten wie Herne umgesetzt wird. Mit dem Programm stellen das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen und der Wasserwirtschaftsverband den Kommunen eine 100-prozentige Förderung für Maßnahmen zur Klimaanpassung zur Verfügung.

"Mit dem Quartierpark setzen wir einen weiteren Impuls für mehr Lebensqualität sowie beim klimagerechten Umbau unserer Stadt", erklärte Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda. "Hier verbinden wir das Prinzip der Schwammstadt mit der Entsiegelung eines ehemaligen Fußballplatzes und der Schaffung eines attraktiven Parks für die Menschen im Quartier. Das war möglich, weil wir mit der Emschergenossenschaft einen starken Partner für unsere Ideen haben", so der Oberbürgermeister weiter.

1,1 Millionen Euro an Fördermitteln sind in den Quartierpark geflossen, 40 Prozent davon kommen von der Emschergenossenschaft. "Das ist gut investiertes Geld. Maßnahmen zur Klimaanpassung in unseren Städten sind Daseinsvorsorge. Schäden durch Extremwetter zu bezahlen, ist deutlich teurer", sagte Prof. Dr. Uli Paetzel. "Regenwasserrückhalt, Flächenbegrünung und Entsiegelung mindert das Hitzerisiko in Wohnquartieren und hilft auch im Starkregenfall, weil der Abfluss des Niederschlags an der Oberfläche verzögert wird."


Die Zukunftsinitiative Klima.Werk
In der Zukunftsinitiative Klima.Werk arbeiten Emschergenossenschaft und Lippeverband gemeinsam mit Städten der Emscher-Lippe-Region an einer wasserbewussten Stadt- und Raumentwicklung, um die Folgen des Klimawandels abzumildern und die Lebensqualität in den Quartieren zu steigern. Der blau-grüne Umbau startete 2005 mit der Zukunftsvereinbarung Regenwasser (ZVR) von Emschergenossenschaft, Emscher-Kommunen und dem Land NRW und entwickelte sich 2014 zur Zukunftsinitiative "Wasser in der Stadt von morgen" weiter, jetzt Zukunftsinitiative Klima.Werk. Unter dem Dach des Klima.Werks wird das Ruhrkonferenz-Projekt "Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft" des Landes Nordrhein-Westfalen umgesetzt, an dem sich seit 2020 alle Wasserverbände der Region beteiligen. Die Förderkulisse des Projekts umfasst das Gebiet des Regionalverbandes Ruhr (53 Städte und Gemeinden). In den klimafesten Wandel sollen bis 2030 rund 250 Millionen Euro investiert und in ausgewiesenen Gebieten 25 Prozent der befestigten Flächen abgekoppelt und die Verdunstungsrate um 10 Prozentpunkte gesteigert werden. Die Serviceorganisation der Zukunftsinitiative bei Emschergenossenschaft und Lippeverband setzt mit den Städten die Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung um.

125 Jahre Emschergenossenschaft
Die Emschergenossenschaft feiert in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen. Am 14. Dezember 1899 als erster deutscher Wasserwirtschaftsverband gegründet, ist die Emschergenossenschaft heute gemeinsam mit dem 1926 gegründeten Lippeverband Deutschlands größter Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken. Die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Unternehmens sind die Abwasserentsorgung, der Hochwasserschutz sowie die Klimafolgenanpassung. Ihr bekanntestes Projekt ist der Emscher-Umbau (1992-2021), bei dem die Emschergenossenschaft im Herzen des Ruhrgebietes eine moderne Abwasserinfrastruktur baute. Dafür wurden 436 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen verlegt und vier Großkläranlagen gebaut. Rund 340 Kilometer an Gewässern werden insgesamt renaturiert. Parallel entstanden über 130 Kilometer an Rad- und Fußwegen, die das neue blaugrüne Leben an der Emscher und ihren Nebenläufen erleb- und erfahrbar machen.

Dresdner Abwassertagung 2026 setzt neue Maßstäbe
Dresdner Abwassertagung 2026 setzt neue Maßstäbe

Die Dresdner Abwassertagung (DAT) hat sich auch 2026 eindrucksvoll als eines der wichtigsten Branchentreffen der deutschen Wasser- und Abwasserwirtschaft bestät[...]

05.05.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

wasser
Smarte Baumbewässerung für klimaresiliente Quartiere
Smarte Baumbewässerung für klimaresiliente Quartiere

Reallabor Morgenstadt: Hauraton plant Regenwassermanagement

30.04.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

wasser
Nanofiltration: Wasser wirksam von Glyphosat befreien

Membranen mit nanometerkleinen Poren können das Herbizid Glyphosat und sein Abbauprodukt AMPA aus dem Wasser filtern. Wie gut das gelingt, hängt nicht nur von d[...]

29.04.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

wasser
130 Jahre Wupper-Talsperren-Genossenschaft
130 Jahre Wupper-Talsperren-Genossenschaft

Der 29. April steht für ein besonderes Ereignis, das das Wuppergebiet nachhaltig geprägt hat: Vor 130 Jahren wurde die „Genossenschaft zur Errichtung von Talspe[...]

28.04.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

wasser
Moderne Gebäudetechnik im Altenheim Příbor
Moderne Gebäudetechnik im Altenheim Příbor

Zuverlässige Wärme- und Kälteversorgung ist in Pflegeeinrichtungen ein entscheidender Faktor für Komfort und Betriebssicherheit. In einem Altenheim in Tschechie[...]

28.04.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

wasser
Berstverfahren mit mehr Zugkraft
Berstverfahren mit mehr Zugkraft

Im Oldenburger Münsterland wurde ein 430 Meter langer Schmutzwasserkanal erneuert. Die Sanierung erfolgte im Berstverfahren, bei dem das bestehende Steinzeugroh[...]

27.04.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

wasser
39. Mitgliederversammlung der RAL-Gütegemeinschaft Kanalbau
39. Mitgliederversammlung der RAL-Gütegemeinschaft Kanalbau

Am 17. April fand die 39. Mitgliederversammlung der RAL-Gütegemeinschaft Güteschutz Kanalbau in der Historischen Stadthalle in Wuppertal statt. Nach dem traditi[...]

24.04.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

wasser
DWA-Papiertheater „Aufregung im Abwasserrohr“
DWA-Papiertheater „Aufregung im Abwasserrohr“

Aufregung im Abwasserrohr, Aufregung in der Spielgruppe. Zum Tag des Kindergartens am 21. April präsentiert die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwas[...]

23.04.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

wasser
Damit Wasser bergauf fließt – eine neue Druckanlage fürs Wassernetz
Damit Wasser bergauf fließt – eine neue Druckanlage fürs Wassernetz

Solingen ist topografisch anspruchsvoll – das gilt auch für das Trinkwassernetz. Damit das Wasser in Haushalten mit passendem Druck aus dem Wasserhahn kommt, br[...]

22.04.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

wasser
Widrigkeiten vor Ort mit Funke-Produkten gemeistert
Widrigkeiten vor Ort mit Funke-Produkten gemeistert

Stellenweise hohe Überdeckungen, schwierige Bodenverhältnisse und eine aufgrund der Waldlage schlechte Erreichbarkeit – unter diesen Rahmenbedingungen wurde jet[...]

16.04.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

wasser

Weitere Artikel in dieser Rubrik