Dieser Artikel wurde in der Ausgabe der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik Wasser / Abwasser

Neues Rechtsgutachten bestätigt: Kommunale Wärmeplanung mit Wasserstoff ist derzeit nicht verantwortbar

19.06.2024 – Lesezeit ca. 3 Minuten 128

Neues Rechtsgutachten bestätigt: Kommunale Wärmeplanung mit Wasserstoff ist derzeit nicht verantwortbar

Die Netzbetreiber können die Umstellung der Gasnetze auf Wasserstoff noch nicht verlässlich zusichern. Daher können Kommunen bei ihrer Wärmeplanung auch nicht von einer Versorgung von Haushalten und anderen Kleinverbrauchern mit Wasserstoff ausgehen. Zu diesem Ergebnis kommt ein neues Rechtsgutachten der Umweltrechts-Kanzlei Günther im Auftrag des Umweltinstituts München, zusammen mit der Deutschen Umwelthilfe, dem WWF, GermanZero und dem Klima-Bündnis.

Die Gutachter der Kanzlei Günther haben das Wärmeplanungsgesetz (WPG) und das Gebäudeenergiegesetz (GEG) dahingehend untersucht, welche Handlungsspielräume Kommunen bei der Bewertung von Wasserstoff im Zuge der kommunalen Wärmeplanung haben.

Die wichtigsten Ergebnisse des Gutachtens

  1. Kein Fahrplan, keine Planung. Ohne einen verbindlichen Fahrplan für die Umstellung des lokalen Gasnetzes ist eine Wärmeplanung mit Wasserstoff für Haushalte nicht verantwortbar. Der lokale Gasverteilnetzbetreiber muss im Fahrplan die hohen Anforderungen des GEG erfüllen und zusichern, dass er die Mehrkosten von Gebäudeeigentümer:innen für Umbauten am Heizsystem übernimmt, sollte die Wasserstoffversorgung scheitern. Steht eine Vereinbarung eines solchen Fahrplans zwischen der Kommune und dem Gasnetzbetreiber nicht verbindlich in Aussicht, kann und muss die Kommune Wasserstoff für Haushalte bereits frühzeitig aus der Wärmeplanung ausklammern, um keine Zeit und Ressourcen für unrealistische Lösungen zu verschwenden.

    Advertising

    Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

  2. Fahrpläne für Gasnetzumstellung fehlen. Größere Städte müssen ihre Wärmeplanung bis Mitte 2026, die übrigen Gemeinden bis Mitte 2028 vorlegen. Die Netzbetreiber können die Fahrpläne derzeit noch gar nicht erstellen, da die regulatorischen Vorschriften für Gas- und Wasserstoffnetze noch nicht aktualisiert wurden und eine tatsächliche Lieferung des Wasserstoffs nicht sichergestellt werden kann. Realistisch gesehen werden die Fahrpläne nicht rechtzeitig vorliegen.
  3. Industrielle Verwendung von Wasserstoff nicht ausgeschlossen. Das Gutachten betont, dass die Kommunen Wasserstoffnetzgebiete nicht vorsorglich in ihre Wärmepläne oder Satzungen aufnehmen müssen, um ihre lokale Industrie später mit Wasserstoff zu versorgen. Kommunen können unabhängig von der Wärmeplanung Wasserstoffleitungen speziell für die industrielle Nutzung planen.
  4. Kommunen haben starke Rechte. Weder Gaskunden, Gasverteilnetzbetreiber noch Gasversorger können verlangen, dass die Kommune Wasserstoffnetzgebiete für Haushalte prüft oder festlegt. Kommunen dürfen Fahrpläne zur Umstellung des Gasverteilnetzes ablehnen. Zudem dürfen sie den Planungsdienstleistern vorschreiben, welche Studien und Leitfäden zu verwenden sind. Die entscheidenden Abwägungen müssen sie selbst vornehmen.

Wiebke Hansen vom Umweltinstitut München sagt: „Kommunen sollten nicht mit Wasserstoff zum Heizen planen, weil es unrealistisch ist, dass grüner Wasserstoff dafür verfügbar und bezahlbar sein wird. Es ist gut, dass das Gutachten die Kommunen nun auch rechtlich darin bestärkt, die von Gasbranchenverbänden forcierte Umstellung der Gasverteilnetze auf Wasserstoff abzulehnen. Kommunen können sich so besser auf den Ausbau der Stromnetze und der Fernwärme konzentrieren. Mit einer klaren Ankündigung, dass kein Wasserstoff zum Heizen kommen wird, schützen Kommunen ihre Bürger:innen vor Fehlinvestitionen in H2-ready-Technologie.“

„Die kommunale Wärmeplanung ohne Wasserstoff schützt wertvolle finanzielle und personelle Ressourcen der Kommune, indem sie auf tatsächlich grüne und verfügbare Technologien fokussiert. Außerdem hat sie einen positiven Einfluss auf lokale Klimaziele, da die Planung und Ausweisung von Wasserstoffnetzgebieten den Ausstieg aus fossilem Gas deutlich verlangsamen könnte”, sagt Andreas Wolter, Bürgermeister der Stadt Köln und Vorstandsvorsitzender des Klima-Bündnis.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Sie können diese Ausgabe kaufen oder ein Abonnement abschließen, um diesen Artikel hier sofort und komplett zu lesen. Mit einem Abonnement erhalten Sie zusätzlich jede gedruckte Ausgabe der Kommunalwirtschaft frei Haus.
Unser PDF Abo ist kostenlos! Abonnieren Sie dazu unseren Newsletter, in welchem ein Downloadlink zur jeweils aktuellen Ausgabe zur Verfügung gestellt wird.
Wenn Sie schon Abonnent der Kommunalwirtschaft sind, melden Sie sich an, um den Artikel zu lesen.
Kanalsanierung in Haiger
Kanalsanierung in Haiger

Der Sanierungsstau im deutschen Kanalnetz bleibt auch im Jahr 2025 eine bedeutende Herausforderung. Aktuelle Daten der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaf[...]

20.08.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

wasser
Millioneninvestition am Standort Dinslaken
Millioneninvestition am Standort Dinslaken

Die Emschergenossenschaft investiert erheblich in ihren Standort auf dem Gelände des Klärwerks Emscher-Mündung (KLEM) in Dinslaken. Insgesamt 150 Millionen Euro[...]

19.08.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

wasser
Wasser in der Landschaft halten: Verband kritisiert EEG-Novelle 2027 als Gefahr für Trockenreserven und Energiewende

Angesichts der zunehmenden Heiß- und Trockenphasen in Mitteleuropa fordert der Wasserkraftverband Mitteldeutschland den Erhalt und die energetische Nutzung best[...]

18.08.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

wasser
Geruchsfilter, die den Kanal atmen lassen
Geruchsfilter, die den Kanal atmen lassen

Geruchsbelästigungen aus dem Abwassernetz begegnen viele Städte und Gemeinden mit Kanalfiltern. Neben dem Schutz der Anwohner rückt dabei ein finanzieller Aspek[...]

18.08.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

wasser
Sonderfall Hausanschlusssanierung – Wenn Standardverfahren an ihre Grenzen stoßen
Sonderfall Hausanschlusssanierung – Wenn Standardverfahren an ihre Grenzen stoßen

Wie lassen sich komplexe Sanierungssituationen wirtschaftlich lösen? Diese Frage gehört zu den thematischen Schwerpunkten des 24. Deutschen Schlauchlinertags am[...]

13.08.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

wasser
Eisenbahn-Bundesamt legt IKT als Prüfstelle für dezentrale Abwasserbehandlungsanlagen fest
Eisenbahn-Bundesamt legt IKT als Prüfstelle für dezentrale Abwasserbehandlungsanlagen fest

Hersteller dezentraler Niederschlagswasserbehandlungsanlagen können die Reinigungsleistung ihrer Systeme jetzt auch für den Einsatz an Bahnanlagen beim IKT nachweisen lassen.

11.08.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

wasser
Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm

Einstieg in die Phosphorrückgewinnung 2029, vollumfänglicher Hochlauf über ein Stufenmodell bis 2039, Ablagerung von Aschen als nationale Phosphorreserve, Schaf[...]

06.08.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

wasser
Wupperverband passt die Wasserabgabe an die Wupper an
Wupperverband passt die Wasserabgabe an die Wupper an

Das aktuelle Wasserwirtschaftsjahr 2026 ist im Wuppergebiet derzeit deutlich zu trocken. An der Referenzmessstelle Bever-Talsperre lagen sieben Monate deutlich [...]

04.08.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

wasser
Reparatur als fester Bestandteil des Werterhalts
Reparatur als fester Bestandteil des Werterhalts

Wie lassen sich Kanäle zugleich langfristig und wirtschaftlich instandsetzen? Der 15. Deutsche Reparaturtag am 9. September in Kassel zeigt anhand praxisnaher E[...]

29.07.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

wasser
Rundschächte ohne aufwendigen Umbau nachrüsten
Rundschächte ohne aufwendigen Umbau nachrüsten

Bestehende Rundschächte nachträglich mit Rückstauklappen oder Absperrschiebern auszustatten, kann aufwendige Anpassungen am Bauwerk erfordern. Auf der GaLaBau N[...]

28.07.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

wasser

Weitere Artikel in dieser Rubrik