Rubrik Bau(en) & Städtegestaltung

Bau- und Immobilienexperte Klaus-Peter Stöppler regt „Bau-Agenda 2030“ an

Experte: Bauwirtschaft braucht Umbau

30.06.2025 – Lesezeit ca. 5 Minuten 107

Experte: Bauwirtschaft braucht Umbau

„Die Bauwirtschaft muss grundlegend reformiert werden“, sagt der Bau- und Immobilienexperte Klaus-Peter Stöppler. Er erklärt: „Dabei geht es nicht nur darum, die Branche selbst aus ihrer derzeitigen Krise herauszubringen, sondern eine funktionierende Bauwirtschaft stellt weit darüberhinausgehend auch eine wesentliche Grundlage für den Wirtschafts­standort Deutschland und den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft dar, von der Brückensanierung bis zum Wohnungsbau.“ Als Ziel gibt er vor, dass „spätestens 2030 die Investoren wieder Schlange stehen müssen, um in Deutschland bauen zu dürfen.“ Dazu sei eine „Bau-Agenda 2030“ mit konkreten Maßnahmen zum Umbau der Baubranche erforder­lich. Die von der neuen Bundesbauministerin Verena Hubertz angekündigten Weichen­stellungen stuft der Experte als „gut und richtig, aber nicht weitgehend genug“ ein.

So habe Deutschland zwar „ein Baurecht, aber kein Umbaurecht, wie es dringend notwendig wäre“, schlägt Klaus-Peter Stöppler gesetzliche Änderungen vor, um den Immobilienbestand besser nutzen zu können. „Die Anwendung neuester Vorschriften selbst bei den kleinsten Änderungen am Altbestand führt häufig dazu, dass Bestandsimmobilien erst gar nicht angefasst werden“, sagt er, „weil es beispielsweise einfach nicht wirtschaftlich ist, ein 100 Jahre altes Gebäude wegen einiger Umbaumaßnahmen auf den neuesten technischen Stand zu bringen.“ Umbauten wie Dachgeschossausbauten oder Anbauten könnten durch standardisierte Bauanträge und den Wegfall überflüssiger Dokumentationspflichten bei kleineren Maßnahmen um bis zu 20 Prozent gesenkt werden, verweist der Bau- und Immobilienfachmann auf Projekterfahrungen in Nordrhein-Westfalen.

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Erhebliche Herausforderungen bei der Umsetzung

Zudem bestünden „erhebliche Herausforderungen“ darin, die „durchweg guten Vorschläge“ der Ministerin in den nach­geordneten Verwaltungen durchzusetzen. Als Beispiel hierfür nennt der Fachmann die „mangelnde Digitalisierung in den Bauämtern quer durch Deutschland.“ Klaus-Peter Stöppler regt eine enge Zusammenarbeit zwischen Bauministerin Verena Hubertz und dem neuen Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, Dr. Karsten Wildberger an, „um die Baubranche als eine der tragenden Wirtschaftssäulen für Deutschland auf die Höhe der Zeit zu bringen.“ Er verweist auf die hohe Bedeutung der Branche: „Bauen steht für rund 2,6 Millionen Arbeitsplätze, 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, etwa 40 Prozent der CO₂-Emissionen, gut ein Drittel des Energie- und die Hälfte des Ressourcen­verbrauchs, fast 60 Prozent des Abfall­aufkommens, über 50 Prozent der Flächen­versiegelung und mehr als 80 Prozent der Infrastruktur Deutschlands.“

Um der Branche wieder Schwung zu geben, damit sie ihre tragende volkswirtschaftliche Rolle wahrnehmen kann, stuft Klaus-Peter Stöppler die Entbürokratisierung und die Digitalisierung als Schlüsselfaktoren einer „Bau-Agenda 2030“ein. Konkret regt er beispielsweise die Bündelung von Bau-, Umwelt- und Denkmalschutzauflagen in einem einheitlichen Verfahren an.

Digitale Plattformen könnten Bauanträge beschleunigen, indem sie standardisierte Formulare und automatische Prüfungen einführen, wie es das Bundesbauministerium mit Pilotprojekten testet. Zudem sollten bundesweit einheitliche Bauvorschriften, statt der aktuell 16 länderspezifischen Regelwerke, die Planung vereinfachen. Darüber hinaus sollten wie vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe gefordert, Genehmigungen für standardisierte, serielle Bauprojekte vereinfacht erteilt werden. „Solche Maßnahmen können Bauzeiten um bis zu ein Drittel verkürzen und Investoren Vertrauen geben“, sagt Klaus-Peter Stöppler.

Mehr Building Information Modelling, weniger DIN-Normen

Konkret verweist der Bau- und Immobilienfachmann auf die „mannigfaltigen Vorteile des sogenannten „Building Information Modelling“ (BIM). Es handelt sich dabei um eine digitale Methode zur Planung, Ausführung und Verwaltung von Bauprojekten, die 3D-Modelle mit Echtzeitdaten kombiniert. BIM verkürzt erfahrungsgemäß Bauzeiten durch bessere Zusammenarbeit zwischen Architekten, Ingenieuren und Bauherren um etwa 15 Prozent, senkt Baukosten durch optimierte Abläufe um bis zu 20 Prozent und reduziert Planungsfehler um bis zu 40 Prozent.

„Im Bundesbau und bei Infrastrukturprojekten sowie in großen Bau­unternehmen ist BIM seit Jahren erfolgreich im Einsatz“, weiß Klaus-Peter Stöppler, „aber der Großteil der Bauprojekte in Deutschland ist von einer derart umfassenden Digitalisierung noch weit entfernt.“ Das hängt nach seinen Erfahrungen auch damit zusammen, dass die Mehrheit der Bauämter althergebracht mit papierbasierten oder PDF-Anträgen arbeitet, was die Integration von BIM-Daten in der Praxis beinahe unmöglich macht.

Unabhängig davon mahnt der Bau- und Immobilienfachmann eine Entschlackung bei den rund 3.900 baurelevanten DIN-Vorschriften an. Er regt dazu die Konsolidierung überlappender Normen an, etwa durch die Zusammenfassung redundanter Vorgaben für Baustoffe und Prüfverfahren. Priorität sollten praxisnahe Standards erhalten, die Mindestanforderungen von freiwilligen Zusatzanforderungen trennen.

Darüber hinaus verweist Klaus-Peter Stöppler auf die Vorteile des Gebäudetyp-E-Genehmigungsverfahrens für standardisierte Bauprojekte, um den Wohnungsbau zu beschleunigen. Dadurch würden Planungs- und Genehmigungszeiten von Typenbauten wie Mehrfamilienhäusern um bis zu 30 Prozent reduziert.

Radikaler Umbau der Bauämter: vom Papier zur Digitalisierung

Klaus-Peter Stöppler resümiert: „Es ist mit der neuen Bundesregierung endlich der politische Wille erkennbar, die Baubranche in Deutschland nicht länger darben zu lassen. Jetzt kommt alles auf die Umsetzung an. Viele der Ideen zum Bürokratieabbau und zur Digitalisierung liegen seit Jahren auf dem Tisch. Aber zu einer Wende in der Bauwirtschaft kann es nur kommen, wenn diese Konzepte nunmehr realisiert werden. Dazu gehört ein radikaler Umbau der Bauämter – weg vom Papier, hin zur Digitalisierung ohne Medienbrüche.“


Klaus-Peter Stöppler zählt zu den zehn renommiertesten Executive Interim Managern Deutschlands1 mit über 35 Jahren Erfahrung in den Branchen Bauwirtschaft, Immobilien, Energie und Industrie. Er begleitet mittelständische Unternehmen als permanenter Beirat oder als Interim Manager auf Zeit. Seine Expertise umfasst Bauprojektmanagement, Unternehmensrettung und strategische Beratung. Klaus-Peter Stöppler ist Mitglied der Denkfabrik Diplomatic Council mit Beraterstatus bei den Vereinten Nationen. Er gehört zum kleinen Kreis der Verfasser des vielbeachteten „Wirtschafts­report 2025“.

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