Rubrik Bau(en) & Städtegestaltung

Attraktive Innenstädte für alle Generationen: Handel, Gastronomie und Kultur

20.02.2025 – Lesezeit ca. 4 Minuten 49

Attraktive Innenstädte für alle Generationen: Handel, Gastronomie und Kultur

IFH KÖLN untersucht zum sechsten Mal mit Europas größter Passantenbefragung den Status quo in deutschen Innenstädten. Handel bleibt wichtigstes Besuchsmotiv, gefolgt von Gastronomie. Passant:innen bewerten Gesamtattraktivität deutscher Cities durchschnittlich mit der Schulnote Zwei minus. Wichtigste Maßnahmen für attraktivere Innenstadtbesuche: Leerstände vermeiden, Infrastruktur verbessern, Aufenthaltsqualität schaffen.

Rund 69.000 Interviews mit Passantinnen und Passanten in 107 deutschen Innenstädten: Das IFH KÖLN veröffentlicht zum sechsten Mal Europas größte Passantenbefragung zu Attraktivität, Angebot und Besuchsmotiven von Stadtzentren. Fazit: Die Passantenfrequenzen sind nahezu auf Vor-Coronaniveau. Die Innenstadt ist ein Ort für alle, ob jung oder alt – die Altersstruktur ist ein Abbild der deutschen Gesamtbevölkerung. Die Gesamtdurchschnittsnote zur Innenstadtattraktivität bleibt seit den Befragungen 2020 und 2022 mit der Schulnote Zwei Minus (2,5) unverändert. In den einzelnen Ortsgrößengruppierungen schneiden in Großstädten mit über 200.000 Einwohner:innen Leipzig, Erfurt und Chemnitz am besten ab; in mittelgroßen Städten mit 50.000 bis 200.000 Bewohner:innen sind Arnsberg-Neheim, Bocholt und Lüneburg Best-Performer und in Städten bis 50.000 Einwohner:innen erzielen Freiberg (Sachsen), Brühl und Landsberg (Lech) die besten Ergebnisse.

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„Attraktive Innenstädte sind Innenstädte, die alle Altersgruppen mit passenden Angeboten ansprechen. In Zeiten des demografischen Wandels müssen generationenspezifische Bedarfe mitgedacht werden. Es reicht dabei nicht, nur attraktive Einkaufsmöglichkeiten zu bieten – vor allem jüngere Menschen wollen auch ansprechende Gastronomie und setzen auf Erlebnis und Vitalität“, so Dr. Markus Preißner, wissenschaftlicher Leiter am IFH KÖLN.

Innenstädte: Ein Ort für alle

In deutschen Innenstädten trifft man den Querschnitt der Gesellschaft an: Die Mehrheit (30 %) sind Millennials (26-50 Jahre), gefolgt von den 51- bis 65-Jährigen der Gen X (26%). Knapp ein Viertel der Innenstadtbesucher:innen gehören zur Generation der Babyboomer (23 % über 65 Jahre), 21 Prozent zur Gen Z (bis 25 Jahre). Das Durchschnittsalter der Menschen in den Cities liegt bei 46,1 Jahren – und damit wieder niedriger als in Vorjahresbefragungen (Altersdurchschnitt 2022: 46,5; 2020: 47,5). Wie nun für alle Zielgruppen – ob lokale Bevölkerung oder Besucher:innen von außerhalb – das richtige Angebot schaffen? Einkaufen bleibt zwar generationenübergreifend das Besuchsmotiv Nummer Eins (61 %), allerdings kommt mehr als jede:r Ditte mit dem Ziel des Gastronomiebesuchs (40 %) in die City. In der Gen Z (15 – 30 Jahre) rücken die beiden Besuchsmotive besonders nah aneinander – 56 Prozent kommen zum Shoppen, 44 Prozent wegen der Gastronomie. Bei den Besuchsanlässen lassen sich generationenübergreifend auch Wechselwirkungen, insbesondere mit Auswirkungen auf die beiden Top-Besuchsmotive Shoppen und Gastronomie, konstatieren: So gibt beispielsweise rund jede:r Zweite, der/die wegen des Freizeit- oder Kulturangebots die Stadt besucht, auch Geld beim Einkaufen (47 %) oder Essen/Trinken (53 %) aus.

Das zunehmend wichtigere Gastronomieangebot schneidet in den meisten Städten gut ab (Durchschnittsnote 2,2). Ausbaubedarf gibt es dagegen bei Freizeitmöglichkeiten (40 % der Städte schneiden schlechter als 3,0 ab) und dem Kulturangebot (20 % schlechter als 3,0). Das Einzelhandelsangebot landet im Mittelfeld (2,3) – den größten Einfluss auf dessen Attraktivität hat nach wie vor der Fashion-Bereich mit Bekleidung und Schuhen.

„Für eine Vitalisierung der Innenstädte ist bei den richtigen Erfolgsfaktoren anzusetzen – und dabei zwischen Basis- und Attraktivitätsfaktoren zu unterscheiden. Bei allen berechtigten Zielen rund um Natur, Soziales und konsumfreie Bereiche bleibt die Frage, wie das Ganze finanziert wird. Es braucht aktuell neue Allianzen, um lokale Vitalisierung kapitalgestützt zu meistern. Vor diesem Hintergrund muss das gesamte Ökosystem Innenstadt gegenüber neuen Investoren noch aufgeschlossener werden. Schnellen Erfolg hat, wer als erstes bei den größten Pain Points der Innenstadtbesucher:innen anpackt – bei Leerstand und Ladensterben“, so Boris Hedde, Geschäftsführer IFH KÖLN.

Maßnahmen: Leerstand vermeiden und Infrastruktur verbessern

Die einschlägigen Insolvenz-Schlagzeilen der letzten Jahre von relevanten Innenstadt-Händlern haben vielerorts ihre Spuren in Form leerstehender Ladenlokale hinterlassen. So wundert es nicht, dass die befragten Passant:innen sich einig sind, dass die wichtigste Maßnahme für attraktivere Innenstädte die Vermeidung von Leerständen ist. Außerdem wird das Thema Infrastruktur als verbesserungswürdig eingestuft, ebenso wie die Aufwertung der Fußgängerzonen und eine grünere Gestaltung der City. So ist die Aufenthaltsqualität nach wie vor entscheidend für die Attraktivität einer Innenstadt. Themen rund um Verkehr polarisieren: Mehr PKW-Parkmöglichkeiten vs. verkehrsärmere Städte? Die Antwort muss jede Stadt individuell geben – ohne dass die Aufenthaltsqualität beeinträchtigt wird.

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