Rubrik Bau(en) & Städtegestaltung

Nachhaltig, widerstandsfähig und vielfältig

Pflasterklinker für den öffentlichen Raum

13.11.2024 – Lesezeit ca. 5 Minuten 59

Pflasterklinker für den öffentlichen Raum

Bremervoerde Stadt (Bild: Arbeitsgemeinschaft Pflasterklinker e.V. / GIMA / Anke Müllerklein)

Die Gestaltung des öffentlichen Raums stellt Städte und Gemeinden vor vielfältige Herausforderungen. Das betrifft auch die Wahl der Baumaterialien für Flächenbefestigungen in Parks, Freizeitanlagen und Fussgängerzonen, für öffentliche Plätze, Promenaden, Straßen, Parkplätze oder Fried- und Schulhöfe. Aktuelle Themen wie Klimawandel, Nachhaltigkeit und Schwammstadt müssen hier ebenso berücksichtigt werden wie Anforderungen an Ästhetik, Funktionalität und Wirtschaftlichkeit.

Ein Baustoff, der schon von den Ägyptern, Assyrern und Römern für hochwertige Bodenbefestigungen verwendet wurde, ist der Pflasterklinker. Der aus heimischem Ton ohne chemische Zusätze gebrannte Klinker ist nicht nur besonders widerstandsfähig und langlebig, sondern bietet mit seiner Vielfalt an Farben, Formaten und Verlegemustern auch einen großen Gestaltungsspielraum für den urbanen Raum. Durch spezielle Verlegetechniken können Pflasterklinkerflächen versickerungsfähig oder lärmarm verlegt werden. Auch barrierefreie Verkehrsflächen lassen sich mit den licht- und farbechten Tonklinkern dauerhaft realisieren. Sogar Innenräume und Dachflächen können mit Pflasterklinkern repräsentativ gestaltet werden. Für besondere bauliche Anforderungen wie z. B. Wasserspiele können Pflasterklinker in einem festen Mörtelbett gebunden verlegt werden. Auch im historischen Umfeld und im Denkmalschutz ist der Tonklinker ein gefragter Baustoff. Mit einer Lebensdauer von bis zu 150 Jahren gilt das recycelbare Naturprodukt als nachhaltig und wirtschaftlich in der Anwendung.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Gestaltungsvielfalt als Antwort auf städtebauliche Anforderungen

Ob historische Altstadt oder modernes Stadtquartier, Fußgängerzone, Park oder befahrende Straße – jede Fläche stellt spezifische Anforderungen an das Erscheinungsbild und die Integration in das bestehende Stadtbild. Mit dem breiten Spektrum an Farben und Formaten sowie der Möglichkeit, verschiedene Verlegemuster miteinander zu kombinieren, lässt sich mit Pflasterklinker nahezu jedes architektonische Konzept umsetzen.

Die Farbpalette von Pflasterklinker reicht von klassischen Rot-/Orangetönen und erdigen Sand- oder Terrakottafarben über geflammte Nuancen, lebendiges Gelb oder Blau bis hin zu modernen dunklen Trendfarben wie Anthrazit und ganz hellen Tönen. Dabei wird die Farbe des Pflasterklinkers von der Zusammensetzung des verwendeten Tons und dem Brennverfahren bestimmt. Durch und durch aus der jeweiligen Tonfarbe gebrannt, ist er licht- und farbecht und bleicht selbst nach jahrzehntelanger UV-Einstrahlung nicht aus.

Das Formatangebot umfasst das Rechteck einschließlich Riegel und Riemchen, quadratische Formen, Dreieck, Mehreck, Rundformen oder den Rhombus. Die hohe Materialfestigkeit von Pflasterklinker ermöglicht auch elegante Langformate von bis zu 400 mm Länge. Werden Pflasterklinker hochkant verlegt, erzeugt die sichtbare schlanke Breite der Riegelformate ein interessantes Fugenbild. Mit Einbindetiefen von 100 mm oder 115 mm gehört Klinkerpflaster in Hochkant-verlegung zu den hochwertigsten Straßenbelägen überhaupt.

Neben Farbe und Format bestimmt das Verlegemuster die optische Wirkung der Fläche. Gängige Verlegearten sind unter anderem der Läufer-, Diagonal-, Block- oder Fischgrätverband. Die Wahl des Verlegemusters ist neben dem gewünschten Erscheinungsbild der Fläche auch vom Verwendungszweck und Belastungsgrad der Fläche abhängig. So sollten für befahrene Flächen keine Verbände mit Kreuzfugen oder durchgehenden Längsfugen in Befahrungsrichtung verwendet werden, sondern Bauweisen mit quer verlegtem Läuferverband oder Fischgrät- oder Ellbogen-verband, die einen hohen horizontalen Verschiebungswiderstand aufweisen. Pflasterklinker in unterschiedlichen Farben und Formaten oder die Kombination von Verlegemustern eignen sich, um Flächen unter Beibehaltung eines einheitlichen Baumaterials zu strukturieren. So könnte z.B. der Marktplatz eines Stadtviertels in einem anderen Muster gestaltet werden als der angrenzende Spielplatz. Auch Funktionsbereiche wie Straße, Rad- und Fußgängerweg, Park- oder Fahrradstell-plätze lassen sich mit Pflasterklinker klar voneinander abgrenzen.

Aufwertung von Stadtvierteln

Nicht nur für Neubauprojekte, sondern auch für Wohngebiete und Stadtquartiere, die eine Modernisierung oder Neugestaltung benötigen, ist Pflasterklinker eine gute Wahl. Mit seiner hochwertigen Optik schafft Pflasterklinker attraktive öffentliche Räume, wertet das Wohnumfeld ästhetisch auf und kann maßgeblich zur Identifikation der Anwohner mit ihrem Stadtviertel beitragen.

Widerstandsfähig und wartungsarm

Öffentliche Flächen wie Fußgängerzonen, Marktplätze oder Straßen sind meist einer starken Beanspruchung ausgesetzt. Mit seiner dicht gebrannten keramischen Oberfläche ist Pflasterklinker unempfindlich gegen Verschmutzung, Abrieb, Salze, Frost, UV-Strahlung und starke Temperaturschwankungen. Auch Fette und Säuren können der robusten Oberfläche nichts anhaben. Sind Pflasterklinker in der Regelbauweise verlegt, also in einem flexiblen, ungebundenen Splittbett, können sie einzeln entnommen und gereinigt, ausgetauscht oder einfach umgedreht werden.

150 Jahre Lebensdauer und recycelbar

Die durchschnittliche Nutzungsdauer von Pflasterklinker liegt bei 150 Jahren, was ihn sowohl nachhaltig als auch wirtschaftlich macht. Gebrauchte Pflasterklinker sind wegen ihrer individuellen Optik und auch im historischen Umfeld ein gefragtes Baumaterial. Ist keine Wiederverwendung mehr möglich, sind die sortenrein rückbaubaren Ziegel ein gesuchter Wertstoff für technische Gesteinskörnungen im Straßen-, Wege- und Sportplatzbau oder für Vegetationssubstrat. Bei der Ziegelproduktion entstehender Brennbruch ist kein Abfall, sondern wird ebenfalls recycelt. Ziegelbruch oder Baustellenaushub können außerdem je nach Art des Tonvorkommens und der Produktion bis zu 30 Masseprozent der Rohstoffe für die Produktion neuer Ziegel substituieren.

Das Naturprodukt Pflasterklinker vereint Nachhaltigkeit, Funktionalität und Ästhetik und bietet Kommunen unzählige Möglichkeiten zur attraktiven und funktionalen Gestaltung des öffentlichen Raums, mit denen sich die Herausforderungen einer zukunftsorientierten Stadtplanung meistern lassen.

Wenn Bauprojekte scheitern: vom Planungsfehler zum Millionenschaden
Wenn Bauprojekte scheitern: vom Planungsfehler zum Millionenschaden

Zu Beginn eines neuen Bauprojekts scheint alles nach Plan zu laufen: reibungslose Abstimmungen zwischen den Gewerken, strukturierte Abläufe und erste Maßnahmen,[...]

21.04.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

hochtiefbau
Gelebte Mobilitätswende
Gelebte Mobilitätswende

Die Mobilität der Zukunft stellt Kommunen vor neue Aufgaben: Parkhäuser werden zu vielseitigen Mobility Hubs, die durch flexible Nutzungskonzepte dem effiziente[...]

15.04.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

hochtiefbau
Der Moabiter Kinderhof bringt Architektur und Nutzung auf den Punkt
Der Moabiter Kinderhof bringt Architektur und Nutzung auf den Punkt

Der im Oktober 2025 eröffnete Moabiter Kinderhof in Berlin versteht sich als offenes Haus für den Alltag von Kindern und Jugendlichen im dicht bebauten Stadtrau[...]

10.04.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

hochtiefbau
hubitation-Netzwerk begrüßt neues Mitglied
hubitation-Netzwerk begrüßt neues Mitglied

Startup-Accelerator der NHW fördert Innovation und Nachhaltigkeit

10.04.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

hochtiefbau
Experte: „Mehr Staat“ lindert die Wohnungsnot nicht
Experte: „Mehr Staat“ lindert die Wohnungsnot nicht

„Wir haben in Deutschland rund 790 kommunale und landeseigene Wohnungsbaugesellschaften. Die Idee, dass eine weitere bundeseigene die Wohnungsnot lindern wird, [...]

09.04.2026, Lesezeit ca. 6 Minuten

hochtiefbau
23 Millionen Projekt in Hagen: Deutschlands größte genossenschaftliche serielle Sanierung
23 Millionen Projekt in Hagen: Deutschlands größte genossenschaftliche serielle Sanierung

Der Wohnungsverein Hagen und das Berliner Unternehmen ecoworks realisieren die bislang größte genossenschaftliche serielle Sanierung in Deutschland. Im Stadttei[...]

02.04.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

hochtiefbau
Neues Fugenmaterial soll Pflasterflächen langfristig stabilisieren
Neues Fugenmaterial soll Pflasterflächen langfristig stabilisieren

Die Stadt Hanau startet im Stadtteil Großauheim ein Pilotprojekt zur Sanierung von Pflasterflächen: In der Hauptstraße wird ab Montag, 30. März, erstmals das ne[...]

30.03.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

hochtiefbau
Industrieästhetik und Hightech-Verglasung im Einklang
Industrieästhetik und Hightech-Verglasung im Einklang

Mit dem rund 550 Meter langen Ensemble „QH Track“ entsteht unweit des Berliner Hauptbahnhofs ein beeindruckend markanter Bau im neuen Stadtquartier Europacity. [...]

25.03.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

hochtiefbau
BPD ergreift Initiative und investiert 500 Mio. Euro in den Bau von rund 1.000 Mietwohnungen

Der Projekt- und Gebietsentwickler BPD | Bouwfonds Immobilienentwicklung investiert 500 Mio. Euro in den deutschen Wohnungsmarkt. In einer ersten Phase sollen b[...]

20.03.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

hochtiefbau
Initiative „Bau-Turbo kommunal“ fordert klare Leitplanken für neue Freiheiten
Initiative „Bau-Turbo kommunal“ fordert klare Leitplanken für neue Freiheiten

Mit der neuen Initiative „Bau-Turbo kommunal“ ruft ein breites Bündnis aus Architektur-, Umwelt- und Klimaschutzorganisationen die politischen Entscheidungsträg[...]

03.03.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

hochtiefbau

Weitere Artikel in dieser Rubrik