Dieser Artikel wurde in der Ausgabe März 2025 der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik Allgemein

Investieren in Klimaschutz: Eine langfristige Rendite in die Zukunft

Von Gabriela Pantring, stellvertretende Vorsitzende des Vorstands der NRW.BANK – 04.03.2025 – Lesezeit ca. 7 Minuten 66

Investieren in Klimaschutz: Eine langfristige Rendite in die Zukunft

Kommunen haben entscheidende Stellschrauben, um sich klimaschonend und damit für die Zukunft aufzustellen Eine klimaneutrale Energieerzeugung und die Förderung von Klimaresilienz sind dabei keine isolierten Ziele, sondern zwei Säulen, die miteinander verbunden sind. Die NRW.BANK steht Kommunen und kommunalen Betrieben bei der Finanzierung zur Seite.

Städte, Gemeinden und ländliche Regionen sind nicht nur Orte, in denen wir leben. Sie sind auch Orte der Veränderung, von Innovationen und Lösungen für die Herausforderungen, vor denen Gesellschaft und Wirtschaft stehen. Und davon gibt es aktuell viele: Digitale Transformation, demografische Entwicklung, das Schaffen von bezahlbarem Wohnraum, Wirtschaftswachstum und nicht zuletzt der Klimawandel.

Der Klimawandel erfordert neue Wege im Umgang mit Ressourcen, Energie und Infrastruktur. Der Weg zu einer klimaneutralen Zukunft führt unter anderem über die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien. Mit Solar- und Windkraftprojekten und dem Ausbau von Fernwärme und Wärmepumpen sowie mit lokalen Energiegenossenschaften können Kommunen dazu beitragen, den Anteil erneuerbarer Energien in der Strom- und Wärmeversorgung zu erhöhen. Der Analyse „Die Energiewende in Deutschland: Stand der Dinge 2024“ des Thinktanks Agora Energiewende zufolge ist der deutsche Treibhausgas-Ausstoß im vergangenen Jahr mit 656 Millionen Tonnen um fast die Hälfte (48 Prozent) gegenüber dem Referenzjahr 1990 zurückgegangen.

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Städte und Gemeinden spielen dabei eine große Rolle: Laut der Studie „Wirkungspotenzial kommunaler Klimaschutzmaßnahmen“ des Umweltbundesamts könnten alle deutschen Kommunen gemeinsam rund 100 Millionen Tonnen Treibhausgase einsparen. Das entspricht etwa einem Siebtel der Treibhausgas-Emissionen in Deutschland.

Investitionen rechnen sich

Kommunen müssen nicht nur ihre eigenen Emissionen reduzieren, sondern auch Maßnahmen ergreifen, um die Anpassungsfähigkeit der Städte an die Folgen des Klimawandels zu erhöhen. Hohe Energiepreise belasten Kunden, aber gleichzeitig rechnen sich Investitionen in die Energieeffizienz schneller als früher. Wird in autarke Strom- und Wärmeerzeugung investiert, so reduziert sich zudem die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Auch deshalb rentieren sich Investitionen, denn die Wertschöpfung bleibt vor Ort und sichert dadurch auch Arbeitsplätze. Den Investitionskosten für eine energetische Gebäudesanierung und Maßnahmen zum Strom- und Wärmesparen stehen bei Verwaltungsgebäuden dauerhafte Einsparungen bei Betriebskosten für Heizung und Beleuchtung gegenüber.

Laut dem im Oktober 2024 veröffentlichten Abschlussbericht „Wo steht Deutschland im kommunalen Klimaschutz?“ des Umweltbundesamts halten fast drei Viertel (73,5 Prozent) der Kommunen ihren Umsetzungsstand bezüglich klimaschonender Straßenbeleuchtung für sehr gut oder gut. Positiv bewerten viele Kommunen ihre Maßnahmen in den Bereichen Abwasserentsorgung, Trinkwasserversorgung, Nutzung erneuerbarer Energien im Strombereich an kommunalen Liegenschaften, Abfallentsorgung und Radverkehr. Viele Kommunen setzen auch ihre Planungshoheit im Sinne des Klimaschutzes ein. Am häufigsten geschieht dies bei der Flächennutzungs-, Verkehrs- und Bauleitplanung. Auch das Ordnungsrecht mit Baumschutz-, Stellplatz-, Gestaltungs- und Sanierungssatzungen sowie Anschluss- und Benutzungszwang an Wärmenetze steht im Fokus vieler Kommunen.

Energie und Wärme klimaneutral erzeugen

Expertinnen und Experten wiesen auf dem von der NRW.BANK jährlich organisierten Stadtwerke-Forum im vergangenen Jahr auf die Herausforderungen von Sonnen- und Windkraft hin: Bei dichter Wolkendecke und Flaute fallen sie aus, und wenn alle kürzlich installierten Wärmepumpen bei einem Kälteeinbruch auf einmal anspringen, geht das Stromnetz in die Knie. An einem Ausbau der Stromnetze führt daher kein Weg vorbei. Treibhausgasfreie Stromerzeugung fängt damit an, auf den Dächern von kommunalen Gebäuden wie Rathäusern und Schulen Solarstrom zu erzeugen.

Aachen will auf eine natürliche Energiequelle für seine Wärmeversorgung zurückgreifen. Die dortigen Stadtwerke haben mit Vorerkundungen für Geothermie-Bohrungen begonnen. Mittels seismischer Messungen untersuchen sie detailliert die Potenziale der mitteltiefen und tiefen Geothermie im Raum Aachen für die Einbindung in die kommunale Wärmeversorgung. Die NRW.BANK bewilligte 810.000 Euro Fördermittel für die Erkundung des Untergrunds aus dem Landes-Masterplan Geothermie des Wirtschafts- und Energieministeriums. Zudem sichert Nordrhein-Westfalen als erstes Bundesland teilweise das Risiko bei Geothermie-Bohrungen ab, falls eine Bohrung nicht erfolgreich ist.

Klima-Campus Lichtenau

Zukunftsfähige Kommunen begegnen den Herausforderungen mit innovativen Lösungen. Das westfälische Lichtenau zeigt exemplarisch, wie Projekte erfolgreich umgesetzt werden können, die ganzheitlich auf viele Bereiche einzahlen. Denn mittlerweile produzieren in der Stadt südöstlich von Paderborn, die offiziell den Titel „Energiestadt“ führen darf, knapp 190 Windenergieanlagen verschiedener Betreiber rund zehnmal mehr Strom als die örtlichen Haushalte verbrauchen. 2023 schloss die Kleinstadt ein kommunales Großprojekt ab, bei dem Klimaschutz, grüne Energie und die dringend notwendige Modernisierung der schulischen Infrastruktur Hand in Hand gingen. Mit der energetisch sanierten Realschule im Mittelpunkt entstand für rund 23 Millionen Euro ein Klima-Campus. Herzstück der Wärmeversorgung ist ein so genannter Eisspeicher mit Wärmetauschern, der im Sommer für Kühlung sorgt. Heute erleuchten LED-Lampen das Areal, die Schulhofflächen sind entsiegelt und Ladesäulen stärken die E-Mobilität. So sollen 250 Tonnen CO₂ pro Jahr eingespart werden. Gleichzeitig wurde die Medientechnik in der Ganztags-Realschule auf den neuesten Stand mit WLAN, Bildschirmen und interaktiven Tafeln gebracht. Die NRW.BANK unterstützte das sozial und ökologisch nachhaltige Infrastrukturprojekt gleich mit mehreren Förderprogrammen.

Digitalisierung sorgt für Nachhaltigkeit

Die Digitalisierung ist ebenfalls derzeit eine weitere große Aufgabe für viele Kommunen. Doch sind digitale Transformation und Nachhaltigkeit nicht isoliert zu betrachten. Laut einer Studie des Digitalverbandes Bitkom können digitale Technologien einen großen Teil dazu beitragen, dass Deutschland seine gesteckten Klimaziele erreicht. Selbst kleine digitale Stellschrauben können dafür sorgen, dass Kosten und Treibhausgase eingespart werden können. Beispiele dazu gibt es im öffentlichen Raum viele: So schaltet sich eine mit Bewegungssensoren ausgestattete Straßenbeleuchtung automatisch ab und spart Strom, wenn niemand auf der Straße ist. Mit Sensoren ausgestattete Mülleimer melden ihren Füllstand, vermeiden Leerfahrten und machen die Routen der Entsorgungsbetriebe effizienter.

Vorfahrt für CO₂-arme Mobilität

Überhaupt ist der Verkehr ein großer Verursacher von CO₂-Emissionen in Städten und Gemeinden. Der Umstieg auf klimaneutrale Mobilität – das heißt auf emissionsarme Verkehrsmittel wie Elektrofahrzeuge, Fahrräder, Carsharing-Modelle und der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs – ist daher ein wichtiger Schritt gegen den Klimawandel. Für Kommunen bedeutet dies, dass sie durch klimafreundliche Verkehrslösungen einen direkten Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasen leisten können. Zudem verbessert der Ausbau von grüner Infrastruktur wie Radwege und Elektroladestationen die Luftqualität und verringert die Lärmbelastung in den Städten, wovon die Bevölkerung profitiert.

Tatsächlich sind viele Kommunen und kommunale Betriebe in Sachen CO₂-armer Mobilität auf einem guten Weg. So unterstützte die NRW.BANK die Regionalverkehr Köln GmbH (RVK) bei der Investition von rund 25 Millionen Euro in den Erwerb von mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzellen-Hybridbussen sowie dem Bau von zwei Wasserstoff-Tankstellen. Nun fährt die größte europäische Flotte dieser Antriebsart im Rheinisch-Bergischen und im Rhein-Sieg-Kreis.

Resilienz erhöhen

Doch bei allen positiven Entwicklungen kann man nicht übersehen, dass die Auswirkungen des Klimawandels bereits heute vielerorts spürbar sind: Hitzewellen, Überschwemmungen, Stürme und Dürreperioden bedrohen Lebensqualität und Infrastruktur in vielen Regionen. Deshalb gilt es nicht nur in den Klimaschutz zu investieren, sondern Klimafolgenanpassungen zu planen und umzusetzen und dadurch die eigene Klimaresilienz zu erhöhen. Neue Hochwasserschutzanlagen schützen zum Beispiel bei künftigen Starkregenereignissen vor Überschwemmungen und mehr Bäume im Stadtraum sorgen für Schatten und kühlere Temperaturen in den Städten. In vielen Städten werden wie in Bonn und Mönchengladbach öffentliche Trinkwasserbrunnen aufgestellt, an denen Bürger an Hitzetagen ihren Durst stillen können.

Großer Investitionsbedarf

All diese Vorarbeiten und Planungen müssen finanziell ebenso gestemmt werden wie die Durchführung der Projekte an sich. Der kommunale Investitionsbedarf ist groß, denn es geht jetzt darum, über Jahrzehnte etablierte Systeme abzulösen und neue zu implementieren. Die NRW.BANK steht dafür an der Seite der nordrhein-westfälischen Kommunen und unterstützt mit gezielten Finanzierungsprogrammen dabei, diese Investitionen zu stemmen. Denn das gemeinsame Ziel ist es, Nordrhein-Westfalen dauerhaft als lebenswerte Region zu stärken.

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