Rubrik Wasser / Abwasser

Live erleben: Regenwassermanagement als Mittel gegen Wasserknappheit

Neuer Regenwasser-Park Rastatt macht Lösungen sichtbar

25.06.2025 – Lesezeit ca. 5 Minuten 52

Neuer Regenwasser-Park Rastatt macht Lösungen sichtbar

Regenwasserpark in Rastatt bei ZG Raiffeisen Baustoffe

Wie kann in Zeiten von zunehmenden Starkregenereignissen und Trockenperioden ein neuer Umgang mit Wasser gefunden werden? Welche Lösungen gibt es bereits – wo müssen Städte und Kommunen umdenken, um die wertvolle Ressource sparsamer zu verwenden? Und wie können sie sich dafür aufstellen und bestehende Strukturen umrüsten? Alles Herausforderungen und Aufgaben für die Hauraton, der Spezialist für ganzheitliches Regenwassermanagement, Lösungen anbietet. Damit ist das Unternehmen selbstredend beim soeben in Rastatt eröffneten Regenwasser-Park mit dabei. Dort zeigt die ZG Raiffeisen Baustoffe auf, wie Niederschlag effizient gespeichert, behandelt und wiederverwendet werden kann. Bei einem Gang über das Ausstellungsgelände erleben Besucher die technologischen Möglichkeiten hautnah.

Der Regenwasser-Park Rastatt ist einmalig in Deutschland. Das Unternehmen ZG Raiffeisen Baustoffe, wurde dabei unter anderem von Hauraton und weiteren Unternehmen aus der Industrie unterstützt. Im Interview berichten Tiefbauexperte und Initiator Stephan Falk von ZG Raiffeisen Baustoffe und Thorin Oesterle, Experte für Regenwassermanagement bei Hauraton, von dem Projekt.

Was hat Sie dazu inspiriert, diesen Park zu schaffen?

Stephan Falk: Die Inspiration kam aus der Notwendigkeit, unsere Städte nachhaltiger zu gestalten. Die Folgen des Klimawandels beschleunigen die Entwicklung innovativer Lösungen, um mit Regen- und Trinkwasser sparsamer umzugehen. Dieser Park soll als Beispiel dienen, wie Fortschritt und ökologische Verantwortung Hand in Hand gehen.

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Es handelt sich um den ersten und einzigen Park dieser Art in Deutschland. Wo lagen die Herausforderungen bei der Umsetzung?

Thorin Oesterle: Eine der größten Herausforderungen war es, die normalerweise unterirdischen Systeme, mit denen wir arbeiten – Filterrinnen, Retentionsräume und vieles mehr – sichtbar zu machen. Die Besucher sollen ja die Funktionsweise der verschiedenen Bewässerungssysteme anschaulich erleben und begutachten können. Daher wurde alles oberirdisch gestaltet, damit jeder sehen kann, wie Wasser gefiltert und gespeichert wird.

Welche Systeme wurden installiert?

Stephan Falk: Wir zeigen vier Hauptsysteme zur Bewässerung von Stadtbäumen: Substratrinnen, Baumrigolen, Fassaden- und Dachbegrünungen sowie spezielle Pflastersteine zur Versickerung von Regenwasser. Jedes dieser Systeme bietet einzigartige Vorteile und unterstützt bei der Verbesserung des städtischen Mikroklimas. Die Parkausstellung stellt dar, wie die Systeme kombiniert werden können, um städtisches Regenwassermanagement nachhaltig zu machen.

Wie genau tragen diese Systeme zur Reduzierung von Hitzeinseln bei?

Thorin Oesterle: Die Fassaden- und Dachbegrünungen schaffen eine natürliche Kühlung, indem sie Verdunstung ermöglichen und Schatten spenden. Dadurch wird die Umgebungstemperatur gesenkt, was in dicht bebauten Städten besonders wichtig ist. Ebenso müssen Stadtbäume eine klimatische Aufgabe erfüllen, die beste Vitalität erfordert. Um deren Wachstum und Gesundheit zu fördern, sollen Baumstandorte gezielt in ein Regenwassermanagement-Konzept eingebunden werden. Damit werden Stadtbäume mit sauberem Wasser versorgt. Gleichzeitig können mit derartigen Lösungen größere Wassermengen bei Starkregenereignissen aufgenommen und zurückgehalten werden. Dies trägt zur Vorbeugung vor Schäden durch Überschwemmungen bei und wirkt gegen sinkende Grundwasserstände.

Warum muss das Wasser vor der Baumbewässerung gereinigt werden?

Thorin Oesterle: Unsere Hauptaufgabe hierbei ist es, wertvolles Trinkwasser durch kostenfreies Regenwasser zu ersetzen. Auch ein Baumstandort ist eine Variante der Versickerung, daher gelten die Anforderungen der Gewässerschutzgüte bzw. Bodenschutzverordnung. Gleichermaßen hat auch ein Baum gewisse Ansprüche an die Wasserqualität. Regenwasser ist naturgemäß sehr weich und eignet sich hervorragend als Gießwasser. Vermischt es sich aber mit belasteten Abflüssen von Verkehrsflächen, gelangen ungewünschte Begleitstoffe wie Reifenabrieb oder Schwermetalle hinein. Mit der Filtersubstratrinne Drainfix Clean, die neben anderen Lösungen im Regenwasser-Park zum Einsatz kommt, werden diese Schadstoffe dauerhaft zurückgehalten. So kann das Niederschlagswasser nach Aufnahme, Reinigung und Nutzung zur Baumbewässerung – und damit unbelastet – wieder dem natürlichen Kreislauf zugeführt werden bzw. versickern.

Können Sie Regenwasser auch nutzbar machen für Zeiten, in denen es kaum regnet?

Thorin Oesterle: Wenn die Rinne an einen Zwischenspeicher angeschlossen wird, kann das gespeicherte Wasser bedarfsorientiert genutzt werden – in Zukunft auch digital gesteuert. Dann wird automatische Bewässerung beispielsweise in Verbindung mit Sensoren ausgelöst, wie vor Ort im Regenwasserpark von Systemen des Unternehmens RX-Watertec gezeigt. Diese messen Bodenfeuchte im Wurzelbereich oder die Saugspannung, die der Baum im Boden erzeugt, sobald er Durst hat. Zusätzlich kann Künstliche Intelligenz auch noch mit Wetterdaten gekoppelt werden – wenn dann der Baum Durst hat, aber drei Stunden später ein Regenereignis angekündigt ist, wird kein Bewässerungsvorgang ausgelöst und wieder Wasser gespart. Da gibt es zahlreiche Möglichkeiten, von denen man einige schon im Regenwasser-Park sehen kann.

Der Park ist visuell attraktiv und hat einen praktischen Nutzer für Fachleute und interessierte Laien. In welcher Weise haben die Unternehmen wie Hauraton dazu beigetragen?

Stephan Falk: Hauraton hat uns dabei unterstützt, die zuvor komplett brachliegende Fläche in den sehr schönen und sehenswerten Regenwasser-Park zu verwandeln. Ihre Expertise war entscheidend, um die dargestellten Systeme, die Regenwasser ableiten, reinigen, zurückhalten und versickern, funktional und passgenau in das Gelände zu integrieren. Die Fachleute von RX-Watertec haben hierfür die Digitalplanung und -technik für die Mess- und Überwachungslösungen übernommen.

Was sollten die Besucher aus dem Besuch im Regenwasser-Park mitnehmen?

Stephan Falk: Sie sollen einen Anstoß erhalten, über nachhaltige Lösungen im eigenen Umfeld und für ihre Städte nachzudenken. Unser bisheriger Umgang mit Wasser steht auf dem Prüfstand. Der Regenwasser-Park möchte ein Lehrstück sein, das zeigt, wie wir gemeinsam an einer kreislauforientierten urbanen Zukunft arbeiten können. Jeder kann einen Beitrag leisten, ob im Privathaushalt, als Unternehmen oder als Gemeinde, und es beginnt oft mit kleinen Veränderungen.

Genannte Firma

HAURATON GmbH & Co. KG
Werkstraße 13
DE-76437 Rastatt
https://hauraton.com/de

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