Dieser Artikel wurde in der Ausgabe der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik Bau(en) & Städtegestaltung

Kommunale Wärmeplanung in Baden-Württemberg: Ende 2023 ist der erste Meilenstein erreicht

23.01.2023 47

Kommunale Wärmeplanung in Baden-Württemberg: Ende 2023 ist der erste Meilenstein erreicht

Die 104 größten Kommunen müssen ihren Plan finalisieren – weitere 100 kleinere Gemeinden sind bereits freiwillig aktiv

Die treibhausgasneutrale Wärmeversorgung ist ein zentraler Baustein, um die Klimakrise einzudämmen und unabhängiger von fossilen Energieträgern zu werden. Aus diesem Grund hat Baden-Württemberg als erstes Bundesland Deutschlands die 104 großen Kreisstädte und Stadtkreise verpflichtet, einen kommunalen Wärmeplan zu erstellen. Die Pläne zeigen auf, wie sich der Energieverbrauch des Gebäudebestandes in Baden-Württemberg spätestens bis zum Jahr 2040 klimaneutral gestalten lässt. Die Frist zum Erstellen endet für die verpflichteten Kommunen Ende 2023. Befindet sich eine Kommune noch am Anfang, sollte sie zeitnah den Fokus auf den Wärmeplan legen – darauf weist die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) hin. Erfreulich ist, dass bereits 100 kleinere Gemeinden freiwillig in den Prozess gestartet sind. Das entspricht rund zehn Prozent der nichtverpflichteten Kommunen.

Das Land Baden-Württemberg hat ambitionierte Ziele, wenn es um den Klimaschutz geht. Regelmäßig gehen die Anforderungen über die bundesweite Gesetzgebung hinaus. So auch bei der kommunalen Wärmeplanung. Für die 104 großen Kreisstädte und Stadtkreise des Landes ist es Pflicht, bis Ende des Jahres 2023 einen kommunalen Wärmeplan zu erstellen. So sieht es das Klimaschutzgesetz des Landes vor. Der Plan ist ein wichtiges Instrument, um die Wärmeversorgung im Rahmen einer nachhaltigen Stadtentwicklung zukunftsorientiert zu gestalten. Die Pflicht zur Wärmeplanung in Baden-Württemberg gilt für Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Kosten entstehen ihnen keine, das Land stellt die Finanzierungsmittel bereit.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

In vier Etappen zum Ziel

Ein kommunaler Wärmeplan besteht aus vier Abschnitten. „Im ersten Schritt ermittelt die Kommune den aktuellen Stand der Wärmeversorgung“, erklärt Dr. Max Peters, Bereichsleiter Wärmewende bei der KEA-BW. „Zuerst werden alle Informationen erfasst, die den Gebäudebestand, den Wärmeverbrauch, die Treibhausgasemissionen und die bestehende Wärmeversorgungsstruktur im Gemeindegebiet betreffen.“ Im zweiten Schritt analysiert die Kommune, wo sich ihre Energieeffizienz steigern lässt. Wo ermöglichen der Einsatz von erneuerbaren Energien, Abwärme und Kraft-Wärme-Kopplung eine klimaneutrale Wärmeversorgung?

Während der dritten Etappe entwickelt die Stadt bzw. die Gemeinde Szenarien, wie ihre klimaneutrale Wärmeversorgung in Zukunft aussehen kann. „Schließlich finalisiert die Kommune den Wärmeplan. Er enthält neben einer Zusammenfassung der vorherigen Schritte auch die Ausformulierung konkreter Maßnahmen“, so Max Peters von der Landesenergieagentur. Er empfiehlt vom ersten Prozessschritt an eine übergreifende Beteiligung und Diskussion der Maßnahmen mit allen betroffenen kommunalen Abteilungen, Eigenbetrieben und Stadtwerken, Netzbetreibern, Wohnbaugesellschaften und weiteren Betrieben. Auch ohne Pflicht sind alle Gemeinden gefordert Noch ist der Plan für eine klimaneutrale Wärmeversorgung nicht für alle Kommunen Pflicht. Doch wenn das Land Baden-Württemberg in Zukunft komplett klimaneutral sein will, muss früher oder später jede Gemeinde die Versorgung mit Wärme auf klimaneutrale Alternativen umstellen. Umso erfreulicher ist es, dass bereits 100 nicht verpflichtete Gemeinden freiwillig einen kommunalen Wärmeplan erstellen – das sind etwa weitere zehn Prozent der Kommunen im Land. Als Anreiz hält das Land ein für sie zugeschnittenes Förderprogramm bereit, das noch bis Ende 2026 läuft. Alle bisher eingereichten Förderanträge wurden bewilligt. Eine Nachahmung ist erwünscht.

Behalten große und kleine Gemeinden das aktuelle Tempo bei, sind zum Ende des Förderzeitraums mehr als die Hälfte der Gemeinden und damit mehr als 80 Prozent der Bevölkerung mit einem kommunalen Wärmeplan versorgt.

Synergien nutzen: Wärmeplanung im Konvoi

Für kleinere Gemeinden ist ein Zusammenschluss mehrerer Kommunen zu einem sogenannten Planungskonvoi interessant. Möglich ist das auch gemeinsam mit einer verpflichteten großen Kreisstadt. Die Beteiligten entwickeln einen gemeinsamen Wärmeplan. Die KEA-BW empfiehlt den an interkommunaler Wärmeplanung interessierten Gemeinden vor der Beantragung von Fördermitteln die geeignete Konvoigröße und -zusammensetzung gründlich zu prüfen. Stimmen die geographischen Voraussetzungen? Verfolgen alle Parteien das gleiche Ziel? Gibt es bereits Erfahrungen aus einer früheren Zusammenarbeit? Die Beantwortung dieser Fragen kann einen entscheidenden Einfluss auf das Gelingen oder Scheitern der kommunalen Wärmeplanung im Konvoi haben. Von den 100 freiwilligen Gemeinden nutzen aktuell 77 Gemeinden diese Möglichkeit. Sie agieren in insgesamt 17 Konvois.

Angebot der Landesenergieagentur

Die kommunale Wärmeplanung ist eine große Herausforderung. Auf Dauer wird das Thema vermutlich jede Kommune erreichen, da die Bundesregierung an entsprechenden Regelungen arbeitet. Um den Einstieg zu erleichtern, gibt es viele Beratungs- und Unterstützungsangebote der KEA-BW. Ein Leitfaden zeigt zahlreiche Tipps und praxisorientierte Handlungsempfehlungen für alle Gemeinden im Land.

Über die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW)

Die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH ist die Energieagentur des Landes. Aufgabe der KEA-BW ist die aktive Mitwirkung an der Klimaschutzpolitik in Baden-Württemberg: Sie berät Ministerien, Kommunen, kleine und mittelständische Unternehmen sowie kirchliche Einrichtungen bei der Energieeinsparung, der rationellen Energieverwendung sowie der Nutzung erneuerbarer Energien. Der Sitz der KEA-BW ist in Karlsruhe.

Über die Themenfelder der KEA-BW

Die fünf Kompetenzzentren „Kommunaler Klimaschutz“, „Energiemanagement“, „Contracting“, „Wärmewende“ und „Zukunft Altbau“ der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH erstellen Informationsmaterialien und verbreiten sie, bieten kostenfreie Impulsberatungen an, organisieren Veranstaltungen, entwickeln und pflegen einschlägige Netzwerke und beobachten den Markt. Zusammen mit dem im Verbund mit regionalen Einrichtungen wirkenden „Photovoltaik-Netzwerk“ und dem Bereich „Nachhaltige Mobilität“ sollen sie den Klimaschutz in der öffentlichen Verwaltung, insbesondere bei Kommunen, bei Unternehmen, sonstigen Einrichtungen und Privatleuten in Baden-Württemberg weiter voranbringen. Die Kompetenzzentren und das Photovoltaik-Netzwerk werden vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes finanziert, der Bereich Nachhaltige Mobilität vom Ministerium für Verkehr BW.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Sie können diese Ausgabe kaufen oder ein Abonnement abschließen, um diesen Artikel hier sofort und komplett zu lesen. Mit einem Abonnement erhalten Sie zusätzlich jede gedruckte Ausgabe der Kommunalwirtschaft frei Haus.
Unser PDF Abo ist kostenlos! Abonnieren Sie dazu unseren Newsletter, in welchem ein Downloadlink zur jeweils aktuellen Ausgabe zur Verfügung gestellt wird.
Wenn Sie schon Abonnent der Kommunalwirtschaft sind, melden Sie sich an, um den Artikel zu lesen.
Quartierserweiterung als Schlüssel zur nachhaltigen Stadtentwicklung
Quartierserweiterung als Schlüssel zur nachhaltigen Stadtentwicklung

Die Nachverdichtung bestehender Quartiere ist eine der zentralen Herausforderungen moderner Stadtplanung. Sie bietet die Möglichkeit, dringend benötigten Wohnra[...]

16.07.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

hochtiefbau
Projektbericht: Denkmalgeschütztes Gebäude erhält neuen Glanz
Projektbericht: Denkmalgeschütztes Gebäude erhält neuen Glanz

Die Fridolinschule in Lörrach, einer Kreisstadt im Südwesten Baden-Württembergs, zählt zu den ältesten Schulen der Stadt. Die denkmalgeschützten Schulgebäude au[...]

16.07.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

hochtiefbau
Erste serielle Sanierung: Nürnberger Projekt von ecoworks und Dawonia erhält als erstes DGNB-Zertifikat und QNG-Siegel

Das gemeinsame serielle Sanierungsprojekt von ecoworks und Dawonia in Nürnberg hat als erstes serielles Sanierungsprojekt überhaupt eine DGNB-Zertifizierung in [...]

14.07.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

hochtiefbau
Tiefbauarbeiten verändern das Stadtbild
Tiefbauarbeiten verändern das Stadtbild

Die Tiefbauarbeiten beim Umbau zur Schwammstadt und der kommunalen Wärmeplanung werden das Stadtbild von Kommunen stark verändern. Dabei könnten allein in Berli[...]

09.07.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

hochtiefbau
Pflasterklinker für die Schwammstadt
Pflasterklinker für die Schwammstadt

Starkregen, Hitzeperioden und sinkende Grundwasserstände verändern die Anforderungen an kommunale Verkehrs- und Freiflächen. Plätze, Parkflächen, Straßen und We[...]

08.07.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

hochtiefbau
Schnell realisiert– nachhaltig und kindgerecht
Schnell realisiert– nachhaltig und kindgerecht

Aufgrund steigender Schülerzahlen benötigte die Stadt Nantes schnell ein neues Grundschulgebäude. Beim Bau der Ecole Alice Milliat setzte die Kommune auf eine v[...]

07.07.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

hochtiefbau
Nachhaltig erfolgreich: Erstes öffentliches Schulgebäude in Holzhybridbauweise in Stuttgart fertiggestellt
Nachhaltig erfolgreich: Erstes öffentliches Schulgebäude in Holzhybridbauweise in Stuttgart fertiggestellt

Das „Bildungshaus NeckarPark“ in Bad Cannstatt ist eines der größten und innovativsten Schulbauprojekte der Landeshauptstadt Stuttgart. Es vereint vier Nutzunge[...]

06.07.2026, Lesezeit ca. 8 Minuten

hochtiefbau
Neue Weserpromenade Blumenthal eröffnet
Neue Weserpromenade Blumenthal eröffnet

Der Bremer Stadtteil Blumenthal ist um eine Attraktion reicher: Die neugestaltete Weserpromenade vom Kämmerei-Quartier bis zur Bahrsplate wurde heute am Mittag [...]

06.07.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

hochtiefbau
Ortskern mit neuem Gesicht
Ortskern mit neuem Gesicht

Im nördlichen Odenwald liegt die Gemeinde Höchst. Gefördert im Rahmen der hessischen Dorfentwicklung erhielt der Ortskern der rund 10.000 Einwohner zählenden Ge[...]

29.06.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

hochtiefbau
Erfolg kann man buchstabieren: Ö-P-P
Erfolg kann man buchstabieren: Ö-P-P

Deutschlands Infrastruktur ist veraltet. Die Lösungen sind es zum Teil auch. Zeit für einen Neustart. Bröckelnde Sporthallen, Sanierungsstau in unseren Schulen[...]

26.06.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

hochtiefbau

Weitere Artikel in dieser Rubrik