Dieser Artikel ist zur Veröffentlichung in der Ausgabe 5 - September / Oktober der gedruckten Kommunalwirtschaft vorgesehen.

Rubrik IT / Verwaltung / Security

Herausforderung Payment: Was die kommunale Digitalisierung ausbremst

04.09.2026 – Lesezeit ca. 6 Minuten 22

Angela Schmidt (Bild: PAYONE)

Der Antrag? Online ausgefüllt. Die erforderlichen Nachweise? Bereits hochgeladen. Ein Termin im Amt wäre somit nicht mehr nötig. Wird jedoch eine Gebühr fällig, endet die digitale Bearbeitung häufig genau an dieser Stelle. Die Zahlung läuft über einen separaten Weg, ihr Eingang muss geprüft und dem richtigen Vorgang zugeordnet werden. Was einen bequemen digitalen Start verspricht, endet in der Praxis häufig wieder in manueller Nachbearbeitung.

Dass bei der Verwaltungsdigitalisierung weiterhin Handlungsbedarf besteht, zeigt der Bitkom-DESI-Index 2026 [1]. Deutschland liegt darin auf Platz 17 von 27 EU-Staaten, nach Rang 14 im Vorjahr. Am schlechtesten schneidet die Bundesrepublik bei der öffentlichen Verwaltung ab und erreicht hier lediglich Platz 22. Auch bei der Nutzung digitaler Verwaltungsangebote bleibt Deutschland zurück: Rund 70 Prozent der Menschen greifen darauf zurück, EU-weit sind es 76 Prozent.

Zwischen Verfügbarkeit und Nutzung klafft also eine Lücke. Zwar hat das Onlinezugangsgesetz die Digitalisierung von Verwaltungsleistungen vorangetrieben. Fortschritt wird jedoch häufig nur daran festgemacht, ob eine Leistung digital beantragt werden kann. Für Kommunen ist mindestens ebenso entscheidend, was im Anschluss geschieht. Denn bei kostenpflichtigen Leistungen entscheidet die Einbindung der Zahlung darüber, ob ein Prozess tatsächlich durchgängig digital läuft oder ob im Hintergrund erneut händische Bearbeitungsschritte erforderlich werden.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Der Medienbruch am Ende der Prozesskette

Muss nach dem Antrag eine Überweisung separat angestoßen, ein anderer Zahlweg genutzt oder die Kasse aufgesucht werden, ist die digitale Kaskade unterbrochen. Auf Verwaltungsseite folgen weitere Schritte: Zahlungseingänge müssen geprüft, zugeordnet und Differenzen geklärt werden. Unklare Zahlungsstände führen zudem zu Rückfragen zwischen Verwaltung und Antragstellenden. Der Zugang zur Verwaltungsleistung ist damit zwar digitalisiert, Teile der nachgelagerten Bearbeitung bleiben jedoch weiter manuell.

Am deutlichsten zeigt sich der Aufwand beim Bargeld. Es muss angenommen, gezählt, abgestimmt, verwahrt und schließlich abtransportiert werden. Hinzu kommen Sicherheitsauflagen und die Kosten für den Werttransport. Beschäftigte übernehmen dann womöglich Aufgaben, die mit der eigentlichen Verwaltungsleistung nichts zu tun haben. Damit bindet der Zahlungsprozess personelle und organisatorische Ressourcen, die an anderer Stelle für die eigentliche Verwaltungsleistung fehlen.

Doch auch bei bargeldlosen Zahlungen ist die technische und organisatorische Einbindung entscheidend. Wenn beispielsweise ein einzelnes Kartenterminal einen gesamten Standort versorgt und ausfällt, kann dies unmittelbare Auswirkungen auf den Publikumsbetrieb haben. Es kommt deshalb nicht nur darauf an, welche Zahlarten eine Kommune anbietet, sondern auch darauf, wie zuverlässig und nahtlos sie in die jeweiligen Verwaltungsprozesse eingebunden sind.

Vom Bewohnerparkausweis bis zur Kitaplatzvergabe

Alleinig mehr Zahlarten lösen das Problem nicht. Entscheidend ist, wie die einzelne Zahlung in den jeweiligen Verwaltungsprozess eingebunden ist. Ob Bewohnerparkausweis, Kfz-Zulassung oder Kitagebühr: Antrag beziehungsweise Leistung, Zahlung, Zuordnung und Verbuchung müssen in einem zusammenhängenden Vorgang erfolgen. Denn eine digital ausgelöste Zahlung spart nur dann Arbeit, wenn sie anschließend nicht von Hand dem richtigen Fall zugeordnet werden muss.

Das betrifft Verwaltungen ebenso wie kommunale Unternehmen und Einrichtungen. In Stadtwerken, Bädern, Bibliotheken, Museen und Verkehrsbetrieben gehören Zahlungsvorgänge zum Tagesgeschäft. Gleichzeitig treffen dort häufig gewachsene Kassenprozesse auf unterschiedliche Fachverfahren sowie Kassen- und Buchhaltungssysteme. Ob die Digitalisierung tatsächlich entlastet, hängt deshalb wesentlich davon ab, wie gut diese Systeme miteinander verbunden sind.

Payment-Prozesse müssen sich sowohl in Bürgerportale und Fachverfahren als auch in Kassen- und Buchhaltungssysteme integrieren lassen. Gleichzeitig gelten die Anforderungen des öffentlichen Haushalts- und Kassenrechts. Ebenfalls relevant sind Rahmenbedingungen wie Vergabeverfahren, mehrjährige Budgetzyklen sowie vielerorts begrenzte IT-Ressourcen. Eine technisch funktionierende Zahlungslösung allein reicht deshalb nicht aus. Fehlen Schnittstellen oder müssen Zahlungsdaten nachträglich übertragen und abgeglichen werden, entsteht an anderer Stelle neuer Aufwand. Payment sollte deshalb nicht erst am Ende eines Digitalisierungsprojekts hinzugefügt, sondern von Beginn an als fester Bestandteil des Gesamtprozesses berücksichtigt werden.

Was Bürgerinnen und Bürger von digitalen Verwaltungsleistungen erwarten

Die Bereitschaft, Verwaltungsleistungen digital zu nutzen, ist vorhanden. Laut Bitkom würden 81 Prozent den Führerschein, 78 Prozent den Bewohnerparkausweis und 74 Prozent die Kfz-Zulassung oder -Ummeldung lieber online beantragen. Wer einen Antrag auf diesem Wege stellt, möchte ihn auch online abschließen. Verlangt die Zahlung einen Kanalwechsel, entsteht ausgerechnet kurz vor dem Abschluss ein zusätzlicher Schritt, der den ersten positiven Eindruck moderner und bequemer Handhabung empfindlich stört, wenn nicht sogar zum Abbruch des Vorgangs führen kann. Vor Ort gilt dasselbe, nur in anderer Form. In der Allensbach-Studie [2] aus dem Jahr 2025 nannten 53 Prozent der Befragten Ämter und Behörden als Orte, an denen sie das Bezahlen per girocard besonders praktisch fänden. Zeitgemäße Zahlungsprozesse sind somit nicht nur eine Frage der internen Effizienz. Sie beeinflussen auch die Erfahrungen von Bürgerinnen und Bürgern mit digitalen und persönlichen Verwaltungsangeboten.

Wo Payment Zahlungseingänge sichert

Nicht alle kommunalen Zahlungen erfolgen am Schalter oder im Bürgerportal. Gerade außerhalb fester Zahlstellen können digitale Bezahlmöglichkeiten Prozesse vereinfachen und dazu beitragen, offene Forderungen sofort zu begleichen.

Mit sogenannten app-basierten „SoftPOS“-Zahlungslösungen lassen sich beispielsweise dienstliche Smartphones zur kontaktlosen Zahlungsannahme nutzen, ohne dass ein zusätzliches Kartenterminal notwendig wäre. Das kann für Ordnungs- und Vollstreckungsbehörden relevant sein, wenn Verwarnungsgelder und Sicherheitsleistungen direkt vor Ort bezahlt werden sollen – auch bei Personen ohne Wohnsitz im Inland. Was sonst eine schwer vollstreckbare Forderung wäre, ist damit umgehend beglichen.

Ein ähnlicher Gedanke gilt für die Selbstbedienung. Service-Kioske können standardisierte Vorgänge einschließlich der Zahlung abbilden, sofern keine persönliche Beratung erforderlich ist. Zwar ersetzen sie die Sachbearbeitung nicht, können aber Routinefälle aus dem Schalterbetrieb herauslösen und zugleich zusätzliche Möglichkeiten schaffen, Verwaltungsleistungen direkt abzuschließen.

Fazit: Von der Zahlstelle zur Infrastruktur

In der Debatte über die Verwaltungsdigitalisierung stehen Portale, Anträge und Nachweise häufig im Vordergrund. Die Zahlungsabwicklung erscheint dagegen schnell als nachgelagerte Funktion. Bei kostenpflichtigen Leistungen ist sie jedoch Teil des Vorgangs selbst. Erst wenn Antrag, Zahlung, Zuordnung und Weiterverarbeitung ineinandergreifen, erwächst daraus ein lückenloser digitaler Service.

Für Kommunen ist das weniger eine Frage der Modernität als der Wirtschaftlichkeit. Digitalisierung zahlt sich nicht aus, wenn nur ein einzelner Schritt digitalisiert wird, sondern erst, wenn auch nachgelagerte Arbeitsschritte entfallen. Solange Zahlung, Zuordnung und Verbuchung manuell erfolgen, läuft der alte Prozess parallel zum neuen Angebot weiter. Daran bemisst sich, ob Payment die Verwaltungsdigitalisierung ausbremst oder vorantreibt.


Autorin:

Angela Schmidt ist als Senior Sales Manager bei PAYONE tätig und Expertin für digitale Bezahllösungen und Payment-Prozesse in der öffentlichen Verwaltung.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Sie können diese Ausgabe kaufen oder ein Abonnement abschließen, um diesen Artikel hier sofort und komplett zu lesen. Mit einem Abonnement erhalten Sie zusätzlich jede gedruckte Ausgabe der Kommunalwirtschaft frei Haus.
Unser PDF Abo ist kostenlos! Abonnieren Sie dazu unseren Newsletter, in welchem ein Downloadlink zur jeweils aktuellen Ausgabe zur Verfügung gestellt wird.
Wenn Sie schon Abonnent der Kommunalwirtschaft sind, melden Sie sich an, um den Artikel zu lesen.
Bitkom startet „Monitor Staatsmodernisierung“
Bitkom startet „Monitor Staatsmodernisierung“

Alle 222 Vorhaben zur digitalen Modernisierung von Staat und Verwaltung bewertet Wintergerst: „Die Länder müssen mitziehen“

01.07.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

digitales
Schatten-IT in der Verwaltung: Das unterschätzte Sicherheitsrisiko
Schatten-IT in der Verwaltung: Das unterschätzte Sicherheitsrisiko

Nicht alles, was genutzt wird, nützt auch. Unter Umständen kann es sogar schädlich sein. Wenn ein Tool dazu genutzt wird, eine Datei zu versenden, mag der Nutze[...]

18.06.2026, Lesezeit ca. 10 Minuten

digitales
Schläft Europa bei Cyberangriffen auf Wasserversorger?
Schläft Europa bei Cyberangriffen auf Wasserversorger?

Wenn man an Cyberkrieg denkt, kommen einem Wasserversorgungsunternehmen nur selten als Ziel in den Sinn. In den letzten Jahren jedoch, und insbesondere im Zusam[...]

17.06.2026, Lesezeit ca. 6 Minuten

digitales
Das digitale Rathaus: Moderne Prozesse für moderne Städte und Kommunen
Das digitale Rathaus: Moderne Prozesse für moderne Städte und Kommunen

Städte und Kommunen sollen digitaler, schneller und bürgernäher werden. Doch vielerorts bremsen Insellösungen, Medienbrüche und gewachsene IT-Strukturen den For[...]

10.06.2026, Lesezeit ca. 8 Minuten

digitales
115 in Brandenburg: Verwaltung jetzt noch einfacher erreichbar

Die einheitliche Behördennummer 115 entwickelt sich in Brandenburg weiterhin sehr erfolgreich und ist ein wichtiger Baustein für eine moderne und bürgernahe Verwaltung.

01.06.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

digitales
Wenn die Stadt stillsteht: Wie Cyberangriffe Kommunen über Wochen lahmlegen
Wenn die Stadt stillsteht: Wie Cyberangriffe Kommunen über Wochen lahmlegen

Ein Cyberangriff auf eine Kommune wird selten in Serverlogs sichtbar, sondern zuerst im Alltag der Menschen. Termine fallen aus, Anträge gehen verloren, Abläufe[...]

27.05.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

digitales
Lizenz zum Stillstand: Was der Hannoveraner Datenschutz-Patzer über öffentliche IT-Beschaffung verrät
Lizenz zum Stillstand: Was der Hannoveraner Datenschutz-Patzer über öffentliche IT-Beschaffung verrät

Der in Hannover bekannt gewordene Vorgang rund um den Einsatz von Microsoft 365 an Schulen wirft gleich mehrere grundsätzliche Fragen auf. Die Verwaltungspraxis[...]

19.05.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

digitales
Portal für nachhaltige Kommunen gestartet
Portal für nachhaltige Kommunen gestartet

Messen, vergleichen und voneinander lernen: Digitale Plattform des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) und der Bertelsmann Stiftung unterstützt Städte, La[...]

15.05.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

digitales
Knackpunkt Kommunikation
Knackpunkt Kommunikation

„Nein, das kann ich nicht.“ Die Antwort von Anton Carniaux, Chefjustiziar von Microsoft France, schockierte Millionen Microsoft-Kunden & Regierungen in Europa. [...]

08.05.2026, Lesezeit ca. 8 Minuten

digitales
Digitale Souveränität trotz Fachkräftemangel
Digitale Souveränität trotz Fachkräftemangel

Immer wieder legen Cyberangriffe Verwaltungen lahm. Gleichzeitig fehlen Fachkräfte, um IT-Sicherheit wirksam umzusetzen. Städte, Landkreise und Gemeinden stehen[...]

07.05.2026, Lesezeit ca. 6 Minuten

digitales

Weitere Artikel in dieser Rubrik