Dieser Artikel ist zur Veröffentlichung in der Ausgabe 5 - September / Oktober der gedruckten Kommunalwirtschaft vorgesehen.

Rubrik Allgemein

Pilotprojekt: Lichtfarbe als Sicherheitssignal

Wie Tunable White Technologie die Verkehrssicherheit verbessert

15.09.2026 – Lesezeit ca. 4 Minuten 37

Pilotprojekt: Die Hansestadt Buxtehude testet die Tunable White Technologie für mehr Verkehrssicherheit.

Die Anforderungen an kommunale Außenbeleuchtung sind komplex. Neben klassischen Aspekten wie Lichtqualität, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit gewinnen mittlerweile auch die Themen Atmosphäre und Stadtgestaltung an Bedeutung. Hier bieten die LED-Technologie und ein intelligentes Lichtmanagement umfangreiche Möglichkeiten.

Lichtmanagement im Außenbereich – längst etabliert

Lichtmanagement wird auch bei der kommunalen Außenbeleuchtung immer wichtiger. Und das aus gutem Grund: Bereits der Wechsel von konventioneller Beleuchtung auf LED-Technologie kann den Energieverbrauch um rund 50 Prozent reduzieren. Durch intelligente Lichtsteuerung mit Tageslicht- und Präsenzsensorik sowie bedarfsgerechtem Dimmen in den Nachtstunden lassen sich zusätzliche Einsparungen von bis zu 35 Prozent gegenüber einem ungeregelten System erzielen. Dabei müssen Kommunen keine Abstriche bei Sicherheit oder Komfort machen. Smarte Funktionen wie das sogenannte „vorauslaufende Licht“ sorgen dafür, dass Wege jederzeit bedarfsgerecht ausgeleuchtet werden. Betritt eine Person den Erfassungsbereich eines Sensors, werden neben der direkt betroffenen Leuchte auch benachbarte Lichtpunkte aktiviert. Ein Lichtkorridor folgt den Passanten entlang ihres Wegs.

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Tunable White – Lichtfarbe managen

Aber Lichtmanagement ist weit mehr als Schalten und Dimmen. Tunable White Leuchten kombinieren warmweiße und neutralweiße LEDs, die sich unabhängig voneinander ansteuern lassen. Ein Lichtmanagementsystem regelt das Mischungsverhältnis. So lässt sich die Farbtemperatur dynamisch einstellen – in der Regel zwischen 2.200 K (warmweiß) und 4.000 K (neutralweiß). „Die Relevanz der Lichtfarbe wird immer noch unterschätzt“, berichtet Stefan Metzner, Leiter Vertrieb Außenleuchten bei TRILUX. Sie prägt die Atmosphäre im öffentlichen Raum und ist damit ein relevanter Faktor der Stadtgestaltung. Darüber hinaus beeinflusst Lichtfarbe die Anziehungskraft auf Insekten und gewinnt auch in städtischen Nachhaltigkeitskonzepten an Gewicht.

Betritt ein Fußgänger den Erfassungsbereich der Sensoren, ändern die Leuchten ihre Farbtemperatur von warmweiß zu neutralweiß.

Warmweiß oder neutralweiß – beides mit einem System

Die Frage, ob warmweißes oder neutralweißes Licht besser für die kommunale Außenbeleuchtung geeignet ist, hängt immer vom Blickwinkel ab. Warmweißes Licht schafft eine einladende Atmosphäre und zieht viele Insektenarten weniger stark an. Dagegen punktet neutralweißes Licht durch eine bessere visuelle Orientierung und Kontrastwahrnehmung. „Mit Tunable White Leuchten und Lichtmanagement lassen sich beide Vorzüge mit einem einzigen System umsetzen“, so Metzner. In der Praxis senken Städte die Farbtemperatur beispielsweise in der Nacht von 3.000 K auf 2.200 K ab, um eine „wärmere“ Lichtstimmung zu erzeugen und die Insektenanziehung zu verringern. Ebenso verbreitet ist die verkehrsabhängige Steuerung: hohe Beleuchtungsstärken mit neutralweißem Licht in der Hauptverkehrszeit, gedimmtes warmweißes Licht in den ruhigen Nachtstunden.

Buxtehude – Pilotprojekt zur Verkehrssicherheit

In der Hansestadt Buxtehude kommt die Tunable White Technologie erstmals bei einem Pilotprojekt im kommunalen Straßenraum zum Einsatz – mit dem Ziel, die Verkehrssicherheit zu verbessern. Die Stadt hat ihre Außenbeleuchtung bereits nahezu vollständig auf LED umgestellt, überwiegend in warmweißer Ausführung, um ein einheitliches Stadtbild zu gewährleisten. Am großen Kreisverkehr in der Harburger Straße mit vier Fußgängerüberwegen untersucht sie nun, welchen Effekt ein dynamischer Wechsel der Lichtfarbe auf die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer hat. „Die Veränderung der Lichtfarbe ist ein starkes visuelles Signal, das die Aufmerksamkeit an innerstädtischen Hot-Spots erhöhen kann“, erklärt Metzner. „Das ist weit mehr als eine technische Spielerei – richtig umgesetzt, leistet es einen wichtigen Beitrag für mehr Sicherheit und Nachhaltigkeit bei der kommunalen Außenbeleuchtung“, so Metzner.

Mehr Sicherheit – Farbwechsel als Warnsignal

In Buxtehude wurden die bestehenden LED-Leuchten rund um den Kreisverkehr durch Jovie Mastleuchten mit Tunable White Technologie ersetzt. Die Jovie sind mit PIR-Sensoren ausgestattet und mit dem Lichtmanagementsystem LiveLink Outdoor vernetzt. Dabei wurde der Erfassungsbereich der Sensoren so gewählt, dass der Autoverkehr keine Aktion auslöst. Betritt dagegen ein Passant den Wartebereich vor dem Zebrastreifen, wechselt die Lichtfarbe der Jovie automatisch von warmweiß zu neutralweiß. Das Signal an den fließenden Verkehr ist eindeutig: „Achtung, hier ist Vorsicht geboten". Zudem nehmen viele Menschen neutralweißes Licht bei gleicher Lichtstärke als deutlich heller wahr als warmweißes – ein Effekt, der die Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmer zusätzlich steigert.

Smart City – den Weg offenhalten

Mit dem Tunable White Pilotprojekt am Kreisverkehr in der Harburger Straße ist Buxtehude ein Pionier in Sachen smarter Außenbeleuchtung „Das Projekt zeigt, was lichttechnisch mittlerweile möglich ist – und welche Potenziale Lichtmanagement im Außenbereich bietet“, so Metzner. Dass vernetzte Außenbeleuchtung noch kein flächendeckender Standard ist, liegt vor allem am Planungsaufwand: Eine reine LED-Sanierung bringt schnelle Einsparungen. Dagegen ist der Aufbau einer vollständig vernetzten Smart City Infrastruktur deutlich aufwendiger. Dabei gibt es eine einfache Lösung, um sofort von den Vorteilen einer LED-Sanierung zu profitieren und sich alle Optionen für die Zukunft offenzuhalten. Städte und Kommunen können die Sanierung im ersten Schritt mit lichtmanagementfähigen LED-Leuchten mit Zhaga-Schnittstellen umsetzen. Über die offenen Schnittstellen lassen sich die Leuchten auch nachträglich bei laufendem Betrieb mit Lichtmanagement-Bausteinen und Sensoriken zu einem smarten System vernetzen. So ist die Beleuchtungsinfrastruktur heute schon fit für die Anforderungen der Smart City von morgen.

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