Dieser Artikel ist zur Veröffentlichung in der Ausgabe 4 - Juli / August 2026 der gedruckten Kommunalwirtschaft vorgesehen.

Rubrik Allgemein

Ein Akku verändert noch keinen Markt. Warum professionelle Anwender künftig in Energieplattformen statt in Einzelgeräte investieren

Wie die Akku-Allianz von STIHL und Kärcher den professionellen Gerätemarkt verändert

Von Matthias Bruchmann, Verlag Bruchmann, Wuppertal – 17.07.2026 – Lesezeit ca. 20 Minuten 6

Wie die Akku-Allianz von STIHL und Kärcher den professionellen Gerätemarkt verändert

Wer heute mit Verantwortlichen aus Kommunen, der Gebäudereinigung, dem Garten- und Landschaftsbau oder Bauunternehmen spricht, hört erstaunlich selten zuerst das Wort „Akku“. Stattdessen stehen Fachkräftemangel, steigende Betriebskosten, strengere Umweltauflagen und effizientere Arbeitsabläufe im Mittelpunkt. Genau dort beginnt der eigentliche Wandel.

Über Jahrzehnte war die technische Leistungsfähigkeit professioneller Arbeitsgeräte das entscheidende Kaufargument. Mehr Hubraum, höhere Motorleistung oder längere Standzeiten galten als Maßstab. Diese Kriterien sind weiterhin wichtig, reichen heute jedoch allein nicht mehr aus. Moderne Geräte müssen sich nahtlos in komplexe Arbeitsabläufe integrieren. Produktivität entsteht zunehmend durch das Zusammenspiel aller eingesetzten Maschinen und nicht mehr allein durch die Leistungsfähigkeit eines einzelnen Geräts.

Damit verändert sich auch der Markt. Unternehmen investieren immer häufiger nicht mehr in Einzelgeräte, sondern in komplette Arbeitssysteme. Dazu gehören Akkus, Ladegeräte, mobile Energieversorgung, Transportlösungen sowie digitale Flottenmanagementsysteme. Der Blick richtet sich damit zunehmend auf die Infrastruktur hinter den Maschinen.

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Neue Herausforderungen verändern die Anforderungen

Die Auslöser unterscheiden sich je nach Branche – die Folgen ähneln sich jedoch.

In der professionellen Gebäudereinigung stehen Unternehmen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Hohe Personalkosten, Fachkräftemangel, steigende Mindestlöhne und der demografische Wandel erschweren die Personalplanung. Reinigungstechnik muss deshalb ergonomisch, intuitiv bedienbar und flexibel einsetzbar sein. Leise Akku-Geräte ermöglichen zudem Reinigungsarbeiten während des laufenden Betriebs und reduzieren Stolperrisiken durch Kabel.

Auch Kommunen stehen vor neuen Herausforderungen. Bauhöfe übernehmen heute weit mehr Aufgaben als Grünpflege oder Straßenreinigung. Gebäudemanagement, Pflege öffentlicher Anlagen, Winterdienst und kleinere Bauarbeiten greifen zunehmend ineinander. Gleichzeitig wächst der Druck, Maschinenparks wirtschaftlicher zu organisieren sowie Lärm- und Emissionsbelastungen zu reduzieren. Im Garten- und Landschaftsbau verstärken strengere Lärmschutzauflagen und Emissionsvorgaben den Trend zur Elektrifizierung. Gleichzeitig erwarten Auftraggeber unverändert hohe Flächenleistungen und kurze Einsatzzeiten. Moderne Akku-Geräte müssen deshalb Leistungen erreichen, die lange Zeit leistungsstarken Verbrennungsmotoren vorbehalten waren.

In der Landwirtschaft gewinnen Hygiene, Biosicherheit und der Schutz digitaler Technik an Bedeutung. Sensoren, Kameras und Assistenzsysteme arbeiten nur zuverlässig unter sauberen Einsatzbedingungen. Professionelle Reinigung wird damit selbst zu einem Bestandteil moderner Produktionsprozesse – treffend zusammengefasst in der Aussage: „Kein Smart Farming ohne Clean Farming.“

Auch im Forst verändert sich das Einsatzspektrum. Das gemeinsam mit Forst Baden-Württemberg durchgeführte Praxisprojekt zeigt, dass Akku-Technik insbesondere in der Jungbestandspflege und Kultursicherung wirtschaftlich eingesetzt werden kann. Gleichzeitig bleibt die Starkholzernte aufgrund ihrer hohen Leistungsanforderungen weiterhin überwiegend klassischen Antriebssystemen vorbehalten.

Der eigentliche Engpass ist nicht mehr die Maschine

Trotz aller Unterschiede verbindet diese Branchen ein gemeinsames Problem.

Heute entscheidet weniger die Leistungsfähigkeit einzelner Geräte über die Produktivität eines Betriebs als vielmehr die Organisation des gesamten Maschinenparks.

Ein kommunaler Bauhof nutzt beispielsweise Motorsensen, Blasgeräte, Hochdruckreiniger und Scheuersaugmaschinen. Gebäudedienstleister wechseln zwischen Außen- und Innenreinigung, Bauunternehmen setzen Trennschleifer, Staubabsaugung und Reinigungsgeräte parallel ein. Mit jedem zusätzlichen Akkusystem steigen organisatorischer Aufwand und Komplexität.

Unterschiedliche Ladegeräte, Ersatzakkus, Wartungsprozesse und Schulungen verursachen Kosten, die in klassischen Wirtschaftlichkeitsberechnungen häufig kaum berücksichtigt werden.

Die zentrale Frage lautet deshalb längst nicht mehr:

Welches Gerät ist das leistungsstärkste?

Sondern:

Wie lässt sich die Energieversorgung eines kompletten Geräteparks einfach, wirtschaftlich und zukunftssicher organisieren?

Der Beginn einer neuen Marktphase

Genau deshalb verändert sich der Wettbewerb im professionellen Gerätemarkt.

Der Fokus verschiebt sich vom einzelnen Produkt auf das gesamte System. Akkus werden zur gemeinsamen Ressource verschiedener Maschinen, Ladeinfrastruktur entwickelt sich zur betrieblichen Grundausstattung und Energie verbindet Arbeitsbereiche, die bislang getrennt betrachtet wurden.

Vor diesem Hintergrund gewinnen Kooperationen und gemeinsame Plattformen zunehmend an Bedeutung. Genau hier setzt die Allianz zwischen STIHL und Kärcher an.

Bevor jedoch die Zusammenarbeit selbst im Mittelpunkt steht, lohnt sich ein Blick auf die Entwicklung der professionellen Akku-Technologie. Erst sie hat die Voraussetzungen geschaffen, aus einzelnen Akku-Geräten ein leistungsfähiges Gesamtsystem zu entwickeln.

Der Akku wird zum Betriebsmittel
Warum sich professionelle Akku-Technologie in den vergangenen zehn Jahren grundlegend verändert hat

Wer heute über Akku-Technologie spricht, denkt häufig noch an die ersten Generationen kabelloser Elektrowerkzeuge. Kurze Laufzeiten, lange Ladezeiten und spürbare Leistungseinbußen machten Akku-Geräte damals vor allem für kleinere Arbeiten interessant. Für professionelle Anwender galten Benzin- oder Netzgeräte dagegen über viele Jahre als alternativlos.

Diese Einschätzung hat sich grundlegend verändert.

Heute geht es kaum noch um die Frage, ob Akku-Technologie leistungsfähig genug ist, sondern darum, wie sie sich möglichst effizient in bestehende Arbeitsprozesse integrieren lässt. Genau darin liegt der eigentliche Technologiesprung.

Leistung allein entscheidet nicht mehr

Professionelle Anwender erwarten heute weit mehr als einen emissionsfreien Antrieb. Gefordert werden lange Laufzeiten, kurze Ladezeiten, hohe Dauerleistung unter Last und eine robuste Konstruktion für den täglichen Dauereinsatz.

Hinzu kommen Anforderungen, die vor wenigen Jahren noch eine untergeordnete Rolle spielten. Geräte sollen leicht, ergonomisch und digital vernetzbar sein und sich nahtlos in bestehende Flotten integrieren lassen. Gleichzeitig wächst der Anspruch, einen Akku möglichst für zahlreiche Anwendungen nutzen zu können.

Dadurch wird der Akku vom Zubehör zum zentralen Betriebsmittel.

Während früher die Maschine den Kauf bestimmte und der Akku lediglich Zubehör war, investieren Unternehmen heute zunehmend zuerst in eine Energieplattform und wählen anschließend die passenden Geräte aus. Damit verändert sich die Marktlogik grundlegend.

Der eigentliche Wettbewerb findet im Inneren des Akkus statt

Von außen unterscheiden sich moderne Lithium-Ionen-Akkus häufig nur wenig. Die entscheidenden Innovationen liegen im Inneren – in Zellchemie, Kühlung, Leistungsmanagement und der Architektur der Energiespeicher.

Ein Beispiel ist die sogenannte Tabless-Technologie, die im neuen ALLPRO-System von STIHL eingesetzt wird und künftig auch die professionelle Akkuplattform von Kärcher bildet. Im Unterschied zu herkömmlichen Rundzellen wird der elektrische Strom nicht mehr über einzelne Kontaktfahnen („Tabs“), sondern über die gesamte Zelloberfläche geleitet. Dadurch sinkt der Innenwiderstand, die Wärmeentwicklung wird reduziert und Alterung sowie Leistungsverlust nehmen ab.

Für professionelle Anwender sind diese technischen Details keineswegs Selbstzweck. Sie bestimmen, wie konstant ein Akku seine Leistung liefert, wie schnell er wieder einsatzbereit ist und wie viele Ladezyklen er im täglichen Einsatz erreicht.

Nach Angaben von STIHL erreichen die neuen Hochleistungsakkus des ALLPRO-Systems bis zu 3.000 Ladezyklen. Gleichzeitig bieten sie höhere Spitzenleistungen, kürzere Ladezeiten und eine gleichmäßige Leistungsabgabe über den gesamten Entladevorgang. Bestehende Geräte des bisherigen AP-Systems bleiben vollständig kompatibel und ermöglichen so einen schrittweisen Umstieg.

Foto: Kärcher

Konstante Leistung wird wichtiger als Spitzenleistung

Auch das Verständnis von Leistung verändert sich.

Während bei Verbrennungsmotoren lange Zeit Spitzenleistung und Drehmoment im Vordergrund standen, zählt bei modernen Akku-Geräten vor allem eine möglichst konstante Leistungsabgabe.

Für den Anwender bedeutet das eine bessere Planbarkeit. Die Maschine liefert bis zum Ende der Akkuladung gleichmäßige Ergebnisse, anstatt nach kurzer Zeit spürbar an Leistung zu verlieren. Gerade bei professionellen Anwendungen wie Mähen, Reinigen oder Schneiden verbessert diese Konstanz Arbeitsqualität und Produktivität.

Hinzu kommt ein weiterer Vorteil: Elektromotoren stellen ihr Drehmoment unmittelbar bereit. Anlaufverzögerungen, Kupplungsvorgänge und Drehzahlverluste entfallen. Das verändert nicht nur die Leistungscharakteristik, sondern auch das Arbeiten mit der Maschine.

Der Akku ersetzt nicht den Motor – er verändert den Arbeitsprozess

Der aktuelle Wandel lässt sich nicht allein als Ersatz des Verbrennungsmotors durch einen Elektromotor beschreiben.

Akku-Technologie ermöglicht Arbeitsabläufe, die mit klassischen Antriebssystemen nur eingeschränkt möglich waren. Geräuscharme Einsätze während der Geschäftszeiten, Arbeiten in sensiblen Bereichen wie Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen, der Wegfall lokaler Abgasemissionen und der Verzicht auf Kraftstofflagerung erweitern die Möglichkeiten für Einsatzplanung, Arbeitsschutz und Personalorganisation.

Damit verschiebt sich der Blick zunehmend vom einzelnen Gerät auf das Gesamtsystem.

Vom Energiespeicher zur Energieplattform

Mit jedem weiteren Akku-Gerät wächst die Bedeutung einer gemeinsamen Infrastruktur.

Ladegeräte, Schnelllader, Mehrfachlader, mobile Energieversorgung und intelligentes Lademanagement werden zu festen Bestandteilen professioneller Geräteflotten. Energie wird nicht mehr nur gespeichert, sondern aktiv organisiert.

Deshalb entwickeln Hersteller heute nicht mehr ausschließlich neue Maschinen, sondern komplette Energieplattformen. Die eigentliche Innovation liegt nicht allein im Akku, sondern in der Fähigkeit, Geräte, Ladeinfrastruktur und digitale Systeme zu einem gemeinsamen Ökosystem zu verbinden.

Genau hier setzt die Kooperation zwischen STIHL und Kärcher an. Ziel ist keine weitere Akku-Lösung, sondern eine gemeinsame Plattform, die Hersteller, Geräteklassen und Einsatzbereiche miteinander verbindet – und genau darin liegt ihre strategische Bedeutung.

Warum Hersteller ihre Insellösungen verlassen
Der Wettbewerb verschiebt sich von der Maschine auf das System

Über Jahrzehnte folgte der Markt für professionelle Arbeitsgeräte einem einfachen Prinzip: Jeder Hersteller entwickelte eigene Motoren, eigene Technik und später eigene Akkusysteme. Wer sich für eine Marke entschied, investierte automatisch in deren gesamtes Ökosystem.

Dieses Modell funktionierte lange Zeit erfolgreich. Geschlossene Systeme stärkten die Kundenbindung und vereinfachten Entwicklung sowie Service. Für professionelle Anwender wurden sie jedoch zunehmend zum Nachteil.

Denn die Realität auf Baustellen, in Bauhöfen oder Gebäudereinigungsunternehmen sieht heute anders aus. Nur wenige Betriebe arbeiten ausschließlich mit Geräten eines Herstellers.

Die Praxis kennt keine Herstellergrenzen

Ein kommunaler Bauhof verdeutlicht diese Entwicklung.

Je nach Aufgabe kommen Motorsensen, Blasgeräte, Kehrmaschinen, Hochdruckreiniger, Scheuersaugmaschinen, Nass- und Trockensauger oder Trennschleifer zum Einsatz. Kein Hersteller deckt traditionell alle diese Bereiche gleichermaßen ab. Professionelle Geräteflotten bestehen deshalb fast immer aus Produkten verschiedener Anbieter.

Foto: STIHL

Mit jeder zusätzlichen Marke wächst jedoch auch die Komplexität.

Unterschiedliche Akkusysteme bedeuten zusätzliche Ladegeräte, Ersatzakkus, Wartungsabläufe, Softwarelösungen und Schulungsaufwand. Der organisatorische Aufwand entsteht damit weniger durch die Maschinen selbst als durch die Vielzahl unterschiedlicher Energiesysteme.

Energie wird zum gemeinsamen Nenner

Dieses Problem betrifft nahezu alle Branchen.

In der Gebäudereinigung wechseln Mitarbeitende regelmäßig zwischen Außenanlagen und Innenbereichen. Auf Baustellen müssen unterschiedlichste Geräte häufig fernab stationärer Stromversorgung betrieben werden. In der Landwirtschaft ergänzen Reinigungsgeräte zunehmend digitale Produktionsprozesse.

Trotz unterschiedlicher Einsatzgebiete zeigt sich überall dasselbe Muster: Die Energieversorgung verbindet Arbeitsbereiche, die bislang getrennt betrachtet wurden.

Warum Kooperationen an Bedeutung gewinnen

Vor diesem Hintergrund erscheint die Allianz zwischen STIHL und Kärcher als logische Entwicklung.

STIHL zählt zu den führenden Herstellern professioneller Motorgeräte für Forstwirtschaft, Kommunen sowie den Garten- und Landschaftsbau. Kärcher besitzt eine vergleichbare Position in der professionellen Reinigungstechnik.

Mit der gemeinsamen ALLPRO-Plattform entsteht erstmals eine Energieinfrastruktur, die beide Produktwelten verbindet. Professionelle Anwender können künftig dieselben Hochleistungsakkus und Ladegeräte für Geräte beider Hersteller nutzen. Gleichzeitig bleiben bestehende STIHL-AP-Systeme kompatibel, während Kärcher Service und Ersatzteilversorgung für das bisherige Battery Universe fortführt.

Bereits zum Marktstart beteiligen sich weitere Spezialhersteller, etwa für Forstwinden, Geräteträger oder mobile Versorgungssysteme. Nach Unternehmensangaben umfasst das entstehende Ökosystem bereits mehr als 120 kompatible Geräte.

Vom Produkt zum Ökosystem

Die Entwicklung folgt einem Muster, das sich auch in anderen Industrien beobachten lässt. Nicht mehr das einzelne Produkt entscheidet über den Erfolg, sondern das System, in das es eingebunden ist.

Der Akku wird zur gemeinsamen Schnittstelle unterschiedlicher Maschinen. Ladegeräte entwickeln sich zur Energiezentrale, digitale Flottenmanagementsysteme unterstützen Planung, Wartung und Verfügbarkeit.

Aus einzelnen Werkzeugen entsteht Schritt für Schritt ein vernetztes Arbeitsökosystem.

Die eigentliche strategische Entscheidung

Für professionelle Anwender rückt damit eine neue Frage in den Mittelpunkt:
Wie einfach lässt sich ein kompletter Maschinenpark organisieren?

Kann ein Akku flexibel in unterschiedlichen Geräten eingesetzt werden? Lassen sich alle Energiespeicher zentral verwalten und intelligent laden? Können neue Maschinen integriert werden, ohne die gesamte Infrastruktur auszutauschen?

Je einfacher diese Fragen beantwortet werden können, desto größer wird der wirtschaftliche Nutzen einer Plattform.

Der Wettbewerb der kommenden Jahre dürfte deshalb weniger zwischen einzelnen Maschinen als zwischen kompletten Energie- und Gerätesystemen entschieden werden.

Damit verändert sich die Aufgabe des Ladegerätes grundlegend. Es lädt nicht mehr lediglich Akkus. Es steuert den Energiefluss eines gesamten Maschinenparks.

Ein Arbeitstag mit einer gemeinsamen Energieplattform
Was sich in der Praxis tatsächlich verändert

Technische Innovationen lassen sich leicht anhand von Datenblättern erklären. Leistung, Kapazität oder Ladezeiten sind messbar. Wesentlich schwieriger ist die Frage, welchen Unterschied eine neue Technologie im täglichen Einsatz tatsächlich macht.

Foto: AS-Motor

Genau deshalb lohnt sich der Blick auf typische Arbeitstage professioneller Anwender.

Denn hier zeigt sich, dass die eigentliche Stärke einer gemeinsamen Akkuplattform nicht in einzelnen Maschinen liegt, sondern in der Verbindung unterschiedlichster Arbeitsprozesse.

  • 6.30 Uhr – Der kommunale Bauhof
    Der Arbeitstag beginnt lange bevor der erste Motor startet.
    Früher gehörten Kraftstoffkanister, Öl und Mischbenzin selbstverständlich zur morgendlichen Vorbereitung. Heute stehen Ladezustände, Akkuverfügbarkeit und Energieplanung im Mittelpunkt.
    Die Fahrzeuge werden mit Motorsensen, Blasgeräten, Heckenscheren, Kettensägen, Hochdruckreinigern und Kehrmaschinen beladen. Nicht jedes Gerät wird an diesem Tag benötigt. Entscheidend ist vielmehr, dass für jede Aufgabe ausreichend Energie zur Verfügung steht.
    Je weniger unterschiedliche Akkusysteme eingesetzt werden, desto einfacher wird diese Planung. Der Vorarbeiter muss nicht mehr überlegen, welcher Akku zu welcher Maschine gehört. Reserveakkus können flexibel dort eingesetzt werden, wo sie tatsächlich benötigt werden.
    Aus vielen einzelnen Energiespeichern wird so eine gemeinsame Energiereserve. Genau dieser organisatorische Vorteil wird in Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen häufig unterschätzt.
  • 8.00 Uhr – Gebäudereinigung beginnt längst nicht mehr erst im Gebäude
    Nach der Außenreinigung folgen Innenreinigung, Saugarbeiten und Bodenpflege.
    Früher bedeutete dieser Wechsel meist auch einen Systemwechsel. Draußen kamen Motorgeräte zum Einsatz, innen überwiegend netzbetriebene Reinigungsmaschinen.
    Heute lassen sich beide Arbeitsbereiche zunehmend über dieselbe Energieplattform organisieren. Ein modernes Reinigungsteam beginnt häufig mit der Reinigung von Eingangsbereichen, Parkplätzen oder Außenanlagen und setzt die Arbeit anschließend im Gebäude fort.
    Die Branchenunterlagen verdeutlichen diesen Zusammenhang: Ergonomische Akku-Rucksacksauger, kompakte Scheuersaugmaschinen und mobile Sprühextraktionsgeräte ergänzen Akku-Blasgeräte und andere Außenpflegegeräte zu einem durchgängigen Arbeitsablauf. Kabel entfallen weitgehend, Stolperstellen werden reduziert und Arbeitsabläufe lassen sich flexibler organisieren.
  • 10.30 Uhr – Baustellen verändern ihre Energieversorgung
    Auf Baustellen war Elektrizität lange Zeit gleichbedeutend mit Kabeln, Verlängerungsleitungen, Baustromverteilern und Generatoren. Mit der steigenden Leistungsfähigkeit moderner Akku-Systeme verändert sich dieses Bild.
    Viele Schneid-, Reinigungs- und Absaugarbeiten lassen sich heute unabhängig von stationären Stromanschlüssen durchführen. Dadurch entstehen neue Freiheiten bei der Arbeitsorganisation. Geräte können dort eingesetzt werden, wo sie benötigt werden – und nicht dort, wo zufällig eine Steckdose vorhanden ist.
    Ein weiterer Vorteil: Der Aufbau einer temporären Stromversorgung entfällt bei vielen Arbeiten vollständig. Das verkürzt die Rüstzeiten erheblich. Gerade bei kurzen Einsätzen kann dieser organisatorische Vorteil wichtiger sein als die maximale Maschinenleistung.
  • 13.00 Uhr – Landwirtschaft denkt längst digital
    Moderne Landwirtschaft besteht heute aus weit mehr als Traktoren und Erntemaschinen. Sensorik, GPS-Systeme, Kameratechnik, automatische Lenksysteme und digitale Dokumentation gehören inzwischen zum Arbeitsalltag.
    All diese Technologien stellen neue Anforderungen an Pflege und Reinigung. Verschmutzte Sensoren liefern fehlerhafte Daten, Staub beeinträchtigt Kamerasysteme und Rückstände können die Funktion elektronischer Assistenzsysteme einschränken.
    Deshalb gewinnt das Prinzip „Clean Farming“ als Grundlage für „Smart Farming“ an Bedeutung. Reinigung wird nicht länger als nachgelagerte Tätigkeit verstanden, sondern als Bestandteil moderner Produktionsprozesse. Akkubetriebene Reinigungsgeräte ermöglichen dabei flexible Einsätze auf dem gesamten Betriebsgelände, ohne dass überall Stromanschlüsse verfügbar sein müssen.
  • 15.30 Uhr – Im Wald gelten andere Regeln
    Im Forst zeigt sich besonders deutlich, dass Akku-Technologie nicht jede Anwendung gleichermaßen verändert. Leistungsintensive Arbeiten wie die Starkholzernte stellen weiterhin höchste Anforderungen an Leistung, Energiedichte und Ausdauer. Hier bleiben leistungsstarke Benzingeräte auf absehbare Zeit wirtschaftlich sinnvoll.
    Anders sieht es bei der Jungbestandspflege und Kultursicherung aus. Geringes Gewicht, ergonomisches Arbeiten und eine niedrige Geräuschentwicklung gewinnen hier zunehmend an Bedeutung. Genau in diesen Einsatzbereichen kann moderne Akku-Technologie ihre Stärken ausspielen.
    Das gemeinsam mit Forst Baden-Württemberg durchgeführte Praxisprojekt bestätigt diese Entwicklung. Akku-Geräte erweitern den Werkzeugkasten professioneller Anwender, ersetzen bestehende Antriebssysteme jedoch nicht vollständig. Je nach Einsatzbereich werden künftig unterschiedliche Technologien parallel bestehen.
    Der Arbeitstag macht damit deutlich, worin die eigentliche Stärke gemeinsamer Energieplattformen liegt: Nicht jede Maschine muss elektrisch arbeiten. Entscheidend ist vielmehr, dass überall dort, wo Akku-Technologie wirtschaftliche Vorteile bietet, dieselbe Energieinfrastruktur genutzt werden kann.

Der wahre Wettbewerb beginnt nach dem Gerätekauf
Warum sich die Wirtschaftlichkeit professioneller Geräte neu definiert

Der Kauf einer professionellen Maschine war lange Zeit eine vergleichsweise einfache Investitionsentscheidung. Anschaffungspreis, Leistung, Garantie und Service standen im Mittelpunkt. Mit der zunehmenden Elektrifizierung professioneller Geräte verändert sich diese Kalkulation jedoch grundlegend. Heute entscheidet nicht mehr allein die Maschine über ihre Wirtschaftlichkeit, sondern das gesamte System, in das sie eingebunden ist.

Damit gewinnt ein Begriff an Bedeutung, der in vielen Industriezweigen längst etabliert ist: Total Cost of Ownership – also die Gesamtkosten über den gesamten Lebenszyklus. Gerade bei professionellen Akku-Systemen entscheidet sich die Wirtschaftlichkeit häufig nicht beim Kauf, sondern im täglichen Einsatz.

Auslastung statt Reserve

In vielen Betrieben werden mehr Akkus angeschafft, als gleichzeitig benötigt werden. Reserveakkus sichern zwar den Betrieb ab, binden jedoch Kapital, wenn sie über längere Zeit ungenutzt bleiben.

Eine gemeinsame Energieplattform verändert diese Kalkulation. Werden Akkus nicht mehr ausschließlich einer einzelnen Maschine zugeordnet, sondern flexibel in unterschiedlichen Geräten eingesetzt, steigt ihre Auslastung erheblich. Aus Reserveakkus werden produktive Betriebsmittel.

Investitionsschutz schafft Planungssicherheit

Professionelle Geräteparks entstehen über viele Jahre. Neue Maschinen kommen hinzu, andere werden ersetzt. Gerade deshalb spielt Investitionsschutz eine zentrale Rolle.

Die vollständige Kompatibilität des bisherigen STIHL-AP-Systems mit ALLPRO ermöglicht es Unternehmen, vorhandene Akkus und Ladegeräte weiter zu nutzen und ihre Geräteflotten schrittweise auszubauen. Gleichzeitig sichert Kärcher Service sowie Ersatzteil- und Akkuversorgung für das bisherige Battery Universe. Dadurch entsteht kein abrupter Technologiewechsel, sondern ein gleitender Übergang, der Planungssicherheit schafft.

Fachkräftemangel verändert die Investitionslogik

Neben den Anschaffungskosten gewinnt ein weiterer Faktor zunehmend an Bedeutung: der Fachkräftemangel.

Neue Maschinen müssen heute nicht nur leistungsfähig sein, sondern sich möglichst intuitiv bedienen lassen. Je einfacher Geräte, Akkus und Ladeinfrastruktur aufgebaut sind, desto geringer fallen Schulungsaufwand und Einarbeitungszeiten aus. Gerade in Branchen mit hoher Personalfluktuation entwickelt sich diese einfache Handhabung zu einem wirtschaftlichen Vorteil.

Foto: Kärcher

Der Fachhandel wird zum Systemberater

Mit der zunehmenden Bedeutung gemeinsamer Energieplattformen verändert sich auch die Rolle des Fachhandels.

Künftig steht weniger die Frage nach dem einzelnen Gerät im Mittelpunkt als vielmehr die Auswahl einer langfristig passenden Energieplattform. Beratung umfasst damit nicht nur Maschinen, sondern auch Ladekonzepte, Flottenplanung, Kompatibilität und Investitionsschutz. Der Fachhandel entwickelt sich zunehmend vom Produktberater zum Systemberater.

Warum Hersteller künftig anders konkurrieren

Auch für die Hersteller verschiebt sich der Wettbewerb. Einzelne Spitzenprodukte bleiben wichtig, reichen allein jedoch nicht mehr aus.

Entscheidend wird künftig sein,

  • wie offen eine Plattform aufgebaut ist,
  • wie einfach sie erweitert werden kann,
  • wie viele Anwendungen sie abdeckt,
  • wie effizient sich Energie organisieren lässt,
  • und wie zuverlässig Akkus, Ladegeräte und Software zusammenspielen.

Der Wettbewerb verlagert sich damit von einzelnen Maschinen auf komplette Energie- und Gerätesysteme.

Wer gewinnt den Plattform-Wettbewerb?

Technologische Umbrüche verlaufen selten geradlinig. Nachdem die vergangenen Jahre vor allem von der Elektrifizierung professioneller Geräte geprägt waren, rückt nun eine andere Frage in den Mittelpunkt: Welche Plattform setzt sich langfristig durch?

Für professionelle Anwender verlieren technische Einzelwerte zunehmend an Bedeutung. Entscheidend ist, wie effizient sich ein kompletter Maschinenpark organisieren lässt.

Gemeinsame Plattformen bieten dafür einen entscheidenden Vorteil. Mehrere Hersteller können dieselbe Energieinfrastruktur nutzen, während jeder seine Spezialisierung beibehält. Für Anwender reduziert sich dadurch die organisatorische Komplexität, ohne auf spezialisierte Lösungen verzichten zu müssen.

Kooperationen sind deshalb kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck einer veränderten Marktlogik. Auch in anderen Industrien entstehen gemeinsame Plattformen und Standards, um wachsende technische Komplexität beherrschbar zu machen.

Letztlich entscheidet jedoch nicht die Plattform mit den beeindruckendsten technischen Daten, sondern diejenige, die im Arbeitsalltag den größten Nutzen bietet. Werden Arbeitsabläufe einfacher, sinkt der Schulungsaufwand, lassen sich Investitionen langfristig absichern und Energie effizient organisieren, entsteht echter wirtschaftlicher Mehrwert.

Die Zukunft professioneller Geräteflotten

Mit der zunehmenden Elektrifizierung entwickelt sich Energiemanagement zu einer neuen Kernaufgabe professioneller Geräteflotten.

Mehrfachladegeräte, mobile Schnelllader und intelligente Ladesteuerungen organisieren heute nicht mehr nur einzelne Akkus, sondern den Energiefluss kompletter Maschinenparks. Gleichzeitig gewinnen Photovoltaik, stationäre Batteriespeicher und digitale Flottenmanagementsysteme an Bedeutung.

Energie wird damit Teil einer betrieblichen Infrastruktur, die Maschinen, Ladeeinrichtungen und Daten intelligent miteinander verbindet. Langfristig entstehen daraus neue Möglichkeiten für Wartung, Investitionsplanung und eine effizientere Nutzung vorhandener Ressourcen.

Chancen, Grenzen und offene Fragen

Trotz aller Fortschritte eignet sich Akku-Technologie nicht für jede Anwendung gleichermaßen.

Gerade im Forst oder bei lang andauernden Hochleistungseinsätzen bleiben leistungsstarke Benzingeräte vorerst wirtschaftlich sinnvoll. Die Zukunft professioneller Arbeitsgeräte wird daher voraussichtlich von einem Nebeneinander verschiedener Antriebstechnologien geprägt sein.

Gleichzeitig schaffen gemeinsame Plattformen neue Abhängigkeiten. Unternehmen investieren nicht nur in Maschinen, sondern in eine langfristige Energieinfrastruktur. Fragen nach Kompatibilität, Weiterentwicklung und Offenheit der Plattform gewinnen dadurch an Bedeutung.

Auch Nachhaltigkeit reicht über das Recycling einzelner Akkus hinaus. Entscheidend ist, wie intensiv Energiespeicher tatsächlich genutzt werden. Je länger Akkus im Einsatz bleiben und je flexibler sie in unterschiedlichen Maschinen verwendet werden können, desto wirtschaftlicher und ressourcenschonender wird ihr Betrieb.

Digitale Flottenmanagementsysteme eröffnen darüber hinaus neue Möglichkeiten für Wartung, Einsatzplanung und Datenanalyse. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Datenschutz, Datensicherheit und die Integration unterschiedlicher Softwaresysteme.

Fazit der Redaktion

Die Kooperation zwischen STIHL und Kärcher steht weniger für eine einzelne Produktneuheit als für einen grundlegenden Wandel im professionellen Gerätemarkt.

Der Schwerpunkt verlagert sich vom Einzelgerät auf das Gesamtsystem, von der Maschine zur Energieplattform und von der isolierten Investition zur langfristigen Infrastruktur.

Ob sich dieser Ansatz dauerhaft durchsetzt, werden die kommenden Jahre zeigen. Die derzeitige Entwicklung weist jedoch klar in diese Richtung.

Professionelle Anwender werden ihre Investitionsentscheidungen künftig immer häufiger danach treffen, wie leistungsfähig und zukunftssicher komplette Energie- und Gerätesysteme organisiert sind – und nicht allein nach den Eigenschaften einzelner Maschinen.

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