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Klimaneutrale Speicherstadt drei Mal erfolgreich bei DGNB Sustainability Challenge

23.06.2026 – Lesezeit ca. 4 Minuten 226

Klimaneutrale Speicherstadt drei Mal erfolgreich bei DGNB Sustainability Challenge

Alle Gewinner und Finalisten der DGNB Sustainability Challenge 2026 beim DGNB Tag der Nachhaltigkeit in Stuttgart Bildquelle: DGNB

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat die Sieger ihrer Sustainability Challenge 2026 gekürt. Gleich drei Preise räumte die CO₂-neutrale Speicherstadt Hamburg ab. Das Projekt erhielt den ersten Platz der Kategorie Forschung, den Sonderpreis Klima und den Publikumspreis. Weitere Gewinner waren die Kappendecke concap (Innovation) und LIGARO (Start-up). Die Preisverleihung fand im Rahmen des DGNB Tags der Nachhaltigkeit am 17. Juni 2026 in Stuttgart statt.

„Die DGNB Sustainability Challenge sendet mehr denn je eine wichtige Botschaft in die Baufachwelt“, sagt Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB. „Sie zeigt, wie erfinderisch und kreativ die Branche mit aktuellen Herausforderungen umgeht und verdeutlicht, dass der Markt bereits einen Reichtum an Ideen bereithält, um die Transformation unserer gebauten Umwelt jetzt umzusetzen – aktuellen politischen Entscheidungen zum Trotz.“

Drei Auszeichnungen für klimaneutrale Speicherstadt Hamburg

Gleich drei Mal betrat das Team des „CO₂-neutralen Welterbes Speicherstadt Hamburg“ die Bühne bei der Preisverleihung am 17. Juni 2026. Das Projekt belegte nicht nur den ersten Platz in der Kategorie „Forschung“ und erhielt einen von zwei Sonderpreisen Klima. Es durfte auch den Publikumspreis entgegennehmen. Dieser wird zu gleichen Teilen aus einem Online-Voting im Vorfeld sowie einer Live-Abstimmung beim DGNB Tag der Nachhaltigkeit ermittelt.

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Das Projekt hat zum Ziel, das denkmalgeschützte Quartier ohne Eingriffe in das Erscheinungsbild bis 2050 klimaneutral zu versorgen. Das Energiekonzept beinhaltet primär ein thermisch und elektrisch aktiviertes Dach und hocheffiziente Wärmepumpen sowie skalierbare Speichermöglichkeiten. Die Gesamtkoordination liegt in der Verantwortung von HHLA Immobilien, Projektträger ist das Forschungszentrum Jülich und die Forschungskoordination übernahm das Institut für Werkstoffe im Bauwesen an der Universität Stuttgart.

Gewinner der Kategorie „Innovation“ und „Start-up“

In der Kategorie „Innovation“ überzeugte das Ingenieurbüro schlaich bergermann partner und die thomas gruppe die Jury mit concap, einer erstmals seriell gefertigten Kappendecke aus Betonfertigteilen. Durch die Gewölbeform der Bauteile spart das Produkt etwa 50 Prozent Konstruktionsbeton gegenüber einer Flachdecke ein. Durch die Kombination der statisch effizienten Gewölbetragwirkung mit wirtschaftlichen Fertigungsmethoden wird die historisch markante, aber schwere und zeitaufwändige Kappendecke in ein ressourcenschonendes Betonfertigteil überführt.

LIGARO aus Hannover belegte in der Kategorie „Start-up“ den ersten Platz. Das Unternehmen entwickelt und vertreibt fossilfreie und ungiftige Klebstoffe auf Basis von pflanzlichen Industrie-Reststoffen für den Einsatz bei Holz und sonstigen Werkstoffen. Das Start-up bringt damit eine Klebealternative für etablierte Prozesse auf den Markt, das recyclingfähig ist und einen Teil zur Dekarbonisierung des Bausektors beiträgt.

Sonderpreis für Klima und für studentische Projekte

In diesem Jahr vergab die DGNB erstmals zwei Sonderpreise Klima an Projekte, die in besonderem Maße der Herausforderung Klimawandel Rechnung tragen. Neben der Forschungsgruppe der Speicherstadt durfte das Unternehmen Girnghuber für seinen GIMA-Lehmhochlochziegel einen Preis entgegennehmen. Der Mauerstein besteht aus dem natürlichen Rohstoff Lehm, ist vollständig recyclebar und energieeffizient in der Produktion. Als erster seiner Art ist er für sämtliche Gebäude bis Gebäudeklasse 5 für tragendes Lehmsteinmauerwerk im Dünnbettverfahren zugelassen und dient als klimafreundliche Alternative zu konventionellen Plansteinen.

Eine Auszeichnung für studentische Projekte ging an eine Forschungsgruppe der TU Braunschweig für „reziproof“. Die Studierenden nutzten digitale Planungswerkzeuge und robotische Fertigung, um bisher als Brennholz verwendetes Krummholz für Dachtragwerke konstruktiv nutzbar zu machen. Den zweiten Preis erhielt Julia Bakucz vom Karlsruher Institut für Technologie für ihre Masterarbeit „Terratorium“, die sich mit dem Wiederaufbau nach dem Erdbeben in Marokko (2023) befasst. Am Beispiel eines Ausbildungszentrums für erdbebensichere Lehmbauten zeigt sie die Vorteile von Lehm als klimagerechte Alternative zum häufig verwendeten Stahlbeton auf.

Fachjury und weitere Finalisten der DGNB Sustainability Challenge 2026

Die Auswahl der Gewinnerinnen und Gewinner der Kategorien sowie der Sonderpreise der DGNB Sustainability Challenge liegt in den Händen einer fachkundigen Jury. Mit dabei waren in diesem Jahr Dr. Anna Braune (DGNB), Gerhard Breitschaft (Deutsches Institut für Bautechnik), Bernd Döring (FH Aachen), Gregor Grassl (Drees & Sommer), Maria Hirnsperger (Behnisch Architekten), Johannes Kreißig (DGNB), Dr. Christine Lemaitre (DGNB), Katrin Mees (Zentralverband Deutsches Baugewerbe), Jasna Moritz (kadawittfeldarchitektur), Martin Pauli (Arup Deutschland), Martin Prösler (Proesler Kommunikation), Dr. Clarissa Rhomberg (ZirkuLIE), Prof. Dr.-Ing. Patrick Teuffel (CIRCULAR STRUCTURAL DESIGN).

Zu den übrigen Finalisten der DGNB Sustainability Challenge 2026 zählten in der Kategorie „Innovation“ das Unternehmen ClayTec mit einem Lehm-Dünnbrettmörtel und die Optigrün International AG mit einer Wasserbilanzsteuerung für intelligentes Regenwassermanagement. In der Kategorie „Start-Up“ waren Earthbound aus Berlin und Ecalia aus Stuttgart im Rennen. In der Kategorie „Forschung“ stand zudem das Projekt „Entwicklung einer Methodik zur Evaluierung der Wiederverwendbarkeit von Bauteilen im konstruktiven Stahlbau mittels digitalem Bauteilpass – Eva Steel“ der RWTH Aachen und „Timber Earth Slab“ von der Technischen Universität München im Finale.

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