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Wenn Innenstädte veröden, verliert die Gesellschaft ihre lebendige Mitte
Innenstädte sind zentrale Orte der Gesellschaft
13.11.2025 – Lesezeit ca. 4 Minuten
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bcsd / Peter Wieler
„Stadt ist Leben. Demokratie beginnt dort, wo Menschen sich
begegnen.“ Unter diesem Leitgedanken richtete die Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland (bcsd) beim Parlamentarischen Frühstück im Deutschen Bundestag einen eindringlichen Appell an die Politik: Innenstädte sind mehr als Einkaufszonen mit wirtschaftlichen Problemen – sie sind Orte, in denen sich Menschen außerhalb ihrer Nachbarschaften und digitalen Plattformen begegnen, sich austauschen, einkaufen, Kultur genießen, lernen, sich um ihre Gesundheit kümmern und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, demonstrieren und nicht zuletzt auch gemeinsam feiern.
bcsd-Bundesvorsitzender Gerold Leppa warnt: „Wenn Innenstädte veröden, verliert die Gesellschaft Orte des Austauschs und des Zusammenhalts. Genau deshalb müssen wir uns auch dafür einsetzen, dass diese Orte funktionieren, dass sie tatsächlich das Miteinander fördern und alle Bewohner der Stadt einladen, ein gutes Bild, ja Stadtbild abgeben und sog. lost places nicht die Wahrnehmung der Menschen dominieren.
Stadtmarketing setzt sich bundesweit dafür ein, dass das gesellschaftliche Miteinander
lebendig bleibt – es schafft Akzeptanz für Wandel, stärkt Teilhabe und Zuversicht. Dafür
braucht das Stadtmarketing weiterhin verlässliche Rahmenbedingungen und in Zeiten
knapper kommunaler Kassen weiterhin Förderprogramme auf Bundesebene wie das
auslaufende Programm ‚Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren‘.“
Innenstädte unter Druck – Demokratie im Stresstest
Strukturwandel, Klimakrise, Onlinehandel, gesellschaftliche Spannungen – all das trifft unsere Innenstädte mit voller Wucht. Leerstand, Unsicherheit und Identitätsverlust
bedrohen Orte, die früher selbstverständlich Begegnung, Dialog und Vielfalt ermöglichten.
Die Qualität des öffentlichen Raums, die kulturelle Lebendigkeit und das
Gemeinschaftsgefühl hängen unmittelbar davon ab, ob Politik jetzt handelt – oder zusieht, wie die Zentren weiter an Leben verlieren.
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Weihnachtsmärkte, Stadtfeste und Veranstaltungen erhalten
"Innenstädte leben von Begegnung - fallen Märkte und Feste aus, verliert die Gesellschaft ihre Mitte", warnt Gerold Leppa, Bundesvorsitzender der bcsd. Das Beispiel Magdeburg sei alarmierend. "Damit Menschen friedlich gemeinsam feiern können, müssen die notwendigen Schutzvorkehrungen nach Einschätzung der Behörden selbstverständlich gewährleistet sein. Verantwortungsübernahme und Sicherheitsauflagen müssen aber tragbar bleiben. Staatliche Aufgaben wie Gefahrenabwehr dürfen nicht auf Veranstalter abgewälzt werden. Wenn Feste abgesagt werden müssen, verlieren Städte ihre Lebendigkeit, Künstler ihre Auftrittsmöglichkeiten und Bürger ihre zentralen Begegnungsräume. Bundeseinheitliche Sicherheitsrichtlinien, klare Verantwortungsübernahme des Staates und finanzielle Entlastungen für Veranstalter müssen jetzt umgesetzt werden."
Fehlende Förderung gefährdet Fortschritt
Viele tragfähige Konzepte liegen bereit. Doch die Kommunen stoßen finanziell an ihre Grenzen. Laufende Programme wie „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ laufen aus, ein Nachfolgeprogramm ist nicht in Sicht. Investive Mittel allein reichen nicht – es braucht dauerhafte Strukturen wie die des Stadtmarketings und Citymanagements, die Wandel ermöglichen. Die bcsd fordert deshalb eine Verstetigung der
Innenstadtförderung und die Anerkennung des Stadtmarketings als zentralen Partner
der Stadtentwicklung in den entsprechenden Richtlinien.
Stadtmarketing als Brückenbauer der Gesellschaft
Stadtmarketingorganisationen sind die Schaltstellen und Ermöglicher gesellschaftlichen Engagements vor Ort: Sie vernetzen Verwaltung, Wirtschaft und Stadtgesellschaft, moderieren Veränderungsprozesse und erproben neue Nutzungen im Stadtraum. Sie halten die Zentren lebendig.
Die bcsd wendet sich daher mit fünf zentralen Handlungsempfehlungen an die
Bundesregierung:
Nachhaltige Finanzierung sichern – Kommunen fair finanzieren, Konnexität und Subsidiarität beachten und erfolgreiche Förderprogramme wie ZIZ langfristig verankern.
Gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken – Stadtmarketing als Plattform für Begegnung und Teilhabe nutzen, Rechtsstaatlichkeit, Verlässlichkeit, Freiheit und Solidarität fördern.
Kompetenz, Kommunikation und Netzwerke ausbauen – Einrichtung einer nationalen, interdisziplinären Kompetenz- und Forschungsstelle für kooperative Stadtentwicklung, um Wissenstransfer und Austausch systematisch zu fördern.
Sicherheit, Ordnung und Qualität im öffentlichen Raum gewährleisten – Effektive Zusammenarbeit zwischen Polizei, Stadtverwaltung und Sozialdiensten stärken, Aufenthaltsqualität entwickeln und soziale Maßnahmen nachhaltig umsetzen.
Faire und sichere Rahmenbedingungen für Veranstaltungen schaffen –
Bundeseinheitliche Sicherheitsrichtlinien, Übernahme der Kosten für Terrorprävention,
Entlastung bei Lizenzgebühren und wirksame behördliche Kontrolle der GEMA.
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