Rubrik Allgemein

DEKRA Arbeitsmarktreport 2025:

Im Einsatz für sichere Arbeitsplätze

17.07.2025 – Lesezeit ca. 6 Minuten 66

Im Einsatz für sichere Arbeitsplätze

Unfälle am Arbeitsplatz lassen sich nicht komplett vermeiden. Die meisten Verhaltensfehler hingegen schon – sofern die Stimme von Fachkräften für Arbeitssicherheit gehört wird. Sie kümmern sich Tag für Tag darum, Unfällen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen von Beschäftigten vorzubeugen. Statistiken zeigen: Die Fachkräfte haben schon viel bewirkt, denn in Deutschland wird Arbeiten seit Jahren sicherer. Und trotzdem bleibt viel zu tun. Das Aufgabenspektrum von Fachkräften für Arbeitssicherheit ist sehr breit, wie die Analyse von 251 Stellenangeboten belegt. Arbeitgeber setzen nicht nur profunde Fachkenntnisse und Spezialwissen voraus, sondern wünschen sich auch starke Persönlichkeiten für die Stellen. Denn die Expertinnen und Experten in Sachen Sicherheit müssen den Überblick über vielfältige Aufgaben und Richtlinien behalten und oft noch Aufklärungsarbeit leisten.

Die Zahl an Arbeitsunfällen sinkt langsam und stetig, was beweist, dass Strategien und präventive Maßnahmen wirken. Unternehmensleitungen sind für die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben im Arbeitsschutz verantwortlich, können aber bestimmte Aufgaben an sachkundige Fachkräfte delegieren. Für den DEKRA Arbeitsmarktreport 2025 wurden 251 Stellenangebote für Arbeitssicherheitsfachkräfte untersucht, um herauszufinden, welche Aufgaben sie in der neuen Stelle erwarten, was sie dafür können sollten und welche Rahmenbedingungen die Arbeitgeber ihnen bieten.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Arbeitssicherheit ist in allen Branchen ein Thema. Jede fünfte der gesuchten Fachkräfte arbeitet später bei einem Dienstleister, der auf Arbeits- und Gesundheitsschutz spezialisiert ist (20,3 %). Mehr als jede zehnte Stelle hat ein Personaldienstleister ausgeschrieben (12,4 %). Außerdem scheinen Arbeitgeber im Öffentlichen Dienst derzeit einen erhöhten Bedarf an der Sicherheitsexpertise zu haben (9,6 %).

Bewertung und Beratung als Kernaufgaben

Die Aufgabenbeschreibungen sind weit gefasst und beinhalten viele strategische und operative Tätigkeiten. Die gesetzlich definierte Kernaufgabe von Arbeitssicherheitsfachkräften ist es, die für den Arbeits- und Gesundheitsschutz verantwortlichen Personen zu beraten und zu unterstützen. Basis hierfür ist die Gefährdungsbeurteilung, die in nicht ganz drei Viertel der Stellenbeschreibungen als Aufgabe erwähnt wird.

Beschäftigte empfinden Sicherheitsvorschriften oft als Schikane, z. B. das Tragen von Helmen oder Gehörschutz und versuchen, sie zu umgehen. Fachkräfte für Arbeitssicherheit müssen deshalb immer wieder die Ziele und die gewünschten Handlungsweisen erklären, um eine Verhaltensänderung zu bewirken. Dies geschieht unter anderem im Rahmen von Schulungen. Außerdem führen die gesuchten Fachkräfte regelmäßig Begehungen und Audits durch oder prüfen, ob z. B. Betriebsanlagen sicher sind. Die festgelegten Konzepte und Maßnahmen setzen drei von zehn der Spezialistinnen und Spezialisten selbst um und überprüfen auch, ob sie eingehalten werden. Mit einer sorgfältigen Dokumentation und Reportings erfüllen sie die gesetzliche Verpflichtung und können nachweisen, ob Maßnahmen wirken.

Gesundheitsschutz wird wichtiger

Von Gesundheitsmanagement über Gefahrgut bis hin zu Spiel- und Sportstätten – die Themen, mit denen sich die Arbeitssicherheitsfachkräfte befassen und auskennen sollen, sind vielfältig und teilweise branchenabhängig. Ganz oben auf der Liste steht der Gesundheitsschutz, bei dem sich die Fachkräfte mit den Auswirkungen der Arbeit auf die Gesundheit von Beschäftigten befassen (67,3 %). Der Schutz der physischen und psychischen Gesundheit im Arbeitsumfeld hat stark an Bedeutung gewonnen: 2014 erwähnte gerade einmal ein Viertel der Stellenangebote das Thema. Knapp zwei Drittel der Arbeitgeber legen Wert auf Erfahrung im Risikomanagement, d. h. Jobsuchende sollten Risiken systematisch erkennen, analysieren und bewerten können. Sie punkten zudem, wenn sie sich mit Brandschutz auskennen (41,0 %).

Berufsabschlüsse weitgehend festgelegt

Viele Arbeitgeber sprechen den Berufsabschluss an (80,5 %), obwohl die Voraussetzungen für die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit genau definiert sind. In sechs von zehn Anforderungsprofilen wird ein technisches oder ingenieurwissenschaftliches Studium erwähnt (61,0 %). Eine Meister- oder Technikerweiterbildung ist ebenfalls eine gute Basis für die Tätigkeit als Arbeitssicherheitsfachkraft (40,6 bzw. 37,8 %). Insgesamt sind die meisten Arbeitgeber flexibel, d. h. es können sich sowohl Interessierte mit einem Hochschulabschluss bewerben als auch mit einer Meister- oder Technikerqualifizierung. Für ein Fünftel der Positionen kommt jedoch ausschließlich eine akademische Ausbildung infrage.

Zertifikate und Zusatzqualifikationen sind hilfreich

So gut wie alle Anforderungsprofile beinhalten Zertifikate und Zusatzqualifikationen, die für die offene Position wichtig sind. Die meisten Arbeitgeber setzen bei Jobinteressierten die Qualifikation „Fachkraft für Arbeitssicherheit“ voraus (86,5 %). In Betrieben ohne bestellte Brandschutzbeauftragte übernehmen Arbeitssicherheitsfachkräfte Teile dieser Aufgaben. Jede fünfte Fachkraft sollte deshalb mit der Qualifizierung „Brandschutzbeauftragte:r“ belegen können, dass sie die entsprechenden Normen, Vorschriften und Aufgaben beherrscht. Einschlägige Berufserfahrung ist zudem bei der Stellensuche von großem Vorteil (62,2 %).

Überfachliche Kompetenzen zählen

Motiviert, verantwortungsbewusst und selbstständig – so stellen sich Arbeitgeber ideale Kandidatinnen und Kandidaten vor. Sie nennen durchschnittlich 5,4 Soft Skills, die ihnen wichtig sind. Die Aufgaben sind anspruchsvoll und nicht alle Beschäftigten sind einsichtig, was die Sicherheitsmaßnahmen anbelangt. Davon dürfen sich die Fachkräfte nicht demotivieren lassen. Dass Beschäftigte in diesem Beruf verantwortungsbewusst und verlässlich sind, versteht sich von selbst. Schließlich hängt von einer sicheren Arbeitsumgebung die Gesundheit von Menschen ab. Jede vierte Fachkraft sollte bereit sein, zu den Standorten des Arbeit- oder Auftraggebers zu reisen.

Weiterentwicklung und flexibles Arbeiten geboten

Den Arbeitgebern ist bewusst, dass sie den Fachkräften einiges bieten müssen und beschreiben ihre Leistungen ausführlich. Gut jede zweite Arbeitssicherheitsfachkraft kann mit Weiterbildungsangeboten rechnen (52,6 %) – es ist die mit Abstand häufigste Sonderleistung. Die Möglichkeit, die Arbeitszeit flexibel zu gestalten (42,6 %), Sonderurlaubstage (35,1 %) sowie Gesundheits- und Fitnessangebote (33,5 %) tragen zu einer ausgeglichen Work-Life-Balance der Beschäftigten bei. Arbeitssicherheitsfachkräfte sind oft vor Ort präsent und führen beispielsweise an den Arbeitsstätten Begehungen durch. Dennoch können drei von zehn im Homeoffice arbeiten, zumindest in einem gewissen Umfang. Was die monetären Aspekte betrifft, bieten die Unternehmen den Beschäftigten am häufigsten eine betriebliche Altersvorsorge oder allgemein ein „attraktives Gehalt“ (36,3 bzw. 32,7 %).

„Fachkräfte für Arbeitssicherheit sorgen für sichere und gesunde Arbeitsplätze. Zugleich beugen sie finanziellen Schäden durch Unfälle oder Imageverluste vor“, erklärt Katrin Haupt, Geschäftsführerin der DEKRA Akademie.„Verantwortungsbewusste Arbeitgeber stärken ihren Fachkräften in jeder Hinsicht den Rücken. Sei es, indem sie Weiterentwicklung fördern oder klar kommunizieren, wie wichtig ihre Arbeit für den Unternehmenserfolg ist.“

Inhalte des DEKRA Arbeitsmarktreports 2025:

Im Erhebungszeitraum Ende Februar 2025 wurden 8.944 Stellenangebote in zwei Online-Jobbörsen ausgewertet. Der Report beinhaltet eine/n …

  • … Überblick über die Entwicklung der Berufe und Tätigkeitsfelder
  • … vertiefende Analyse der Stellenangebote für IT-Security-Fachkräfte
  • … vertiefende Analyse der Tätigkeit von Fachkräften für Arbeitssicherheit
  • … Exkurs zum Wandel in der Arbeitswelt
  • sowie Expertenkommentare (Bundesagentur für Arbeit, EWE AG, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Mercedes-Benz, RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung)

Raum für neue Wege – Kirche weiterdenken
Raum für neue Wege – Kirche weiterdenken

Kelsterbach – Wie wäre es, wenn Kirchen plötzlich verschwinden? Wie stark sind die Gebäude ins Erscheinungsbild der Städte und Gemeinden integriert? Welche sozi[...]

02.07.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

allgemein
Kongress „Inklusive Areale für Spiel und Bewegung“ setzt Impulse für soziale Teilhabe und moderne Freiraumplanung
Kongress „Inklusive Areale für Spiel und Bewegung“ setzt Impulse für soziale Teilhabe und moderne Freiraumplanung

Wie können öffentliche Räume so gestaltet werden, dass sie allen Menschen gleichermaßen Bewegung, Begegnung und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen? Mit dies[...]

02.07.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

allgemein
Greenpeace-Studie: Vermögensteuer kann Kommunen beim Hitzeschutz stärken

Die aktuelle Hitzewelle unterstreicht die Folgen leerer kommunaler Kassen: Vielen Städten und Gemeinden fehlt das Geld für schattige Schulhöfe, Schwimmbäder, en[...]

29.06.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

allgemein
Vor den Sommerferien: Warum Kommunen das Schulmittagessen jetzt planen sollten
Vor den Sommerferien: Warum Kommunen das Schulmittagessen jetzt planen sollten

Mit dem neuen Schuljahr rückt der Ganztag näher an den Alltag vieler Familien. Die Initiative BioBitte zeigt, welche Fragen Kommunen vor den Sommerferien klären[...]

26.06.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

allgemein
Bezahlbarer Wohnraum im Fokus: NHW baut 152 neue Mietwohnungen im Fuldaer „Waidesgrund“
Bezahlbarer Wohnraum im Fokus: NHW baut 152 neue Mietwohnungen im Fuldaer „Waidesgrund“

Grundsteinlegung mit NHW-Geschäftsführer Dr. Constantin Westphal und Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld

25.06.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

allgemein
Schnieder: App MediSee für medizinische Notfälle verbessert Alltag auf dem Schiff enorm

Das Bundesministerium für Verkehr hat 2024 einen umfassenden Modernisierungsprozess für die Flaggenstaatverwaltung gestartet – mit dem Ziel, wieder mehr Schif[...]

24.06.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

allgemein
NRW-Kommunen schlagen Alarm – Haushaltsdefizite gefährden Handlungsfähigkeit und gesellschaftliches Zusammenleben

Die Finanzkrise der Kommunen bundesweit und insbesondere in Nordrhein-Westfalen hat eine historische und zutiefst bedrohliche Dimension erreicht. Explodierende [...]

24.06.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

allgemein
Klimaneutrale Speicherstadt drei Mal erfolgreich bei DGNB Sustainability Challenge
Klimaneutrale Speicherstadt drei Mal erfolgreich bei DGNB Sustainability Challenge

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat die Sieger ihrer Sustainability Challenge 2026 gekürt. Gleich drei Preise räumte die CO₂-neutrale Sp[...]

23.06.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

allgemein
Wohler fühlen und besser arbeiten – die 3/30/300-Regeln
Wohler fühlen und besser arbeiten – die 3/30/300-Regeln

Wer Arbeitswelten wirklich verbessern will, sollte nicht nur auf Energie- und Mietkosten schauen. Investitionen in Aufenthaltsqualität, Beleuchtung und Arbeitsp[...]

22.06.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

allgemein
Deutsche schätzen ihre Stadt- und Gemeindewappen
Deutsche schätzen ihre Stadt- und Gemeindewappen

Eine Online- und Telefonumfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA mit über 2.000 Befragten zeigt, dass den Deutschen ihre kommunalen Wappen wichtig sind. Al[...]

19.06.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

allgemein

Weitere Artikel in dieser Rubrik