Rubrik Wasser / Abwasser

Baugenehmigung für 2-Megawatt-Solarpark an der B33

Bodensee: Solarstrom vom Lärmschutzwall

05.10.2023 – Lesezeit ca. 4 Minuten 38

Bodensee: Solarstrom vom Lärmschutzwall

Der Bürgermeister von Allensbach, Stefan Friedrich, und Solarcomplex-Vorstand Bene Müller am Standort des geplanten Solarparks entlang des Lärmschutzwalls. (Foto: Gemeinde Allensbach)

Photovoltaikanlagen am Straßenrand können große Mengen Solarstrom erzeugen, ohne zusätzliche Flächen zu beanspruchen. Dieses Potenzial nutzen künftig die Gemeinden Allensbach und Reichenau im Landkreis Konstanz. Auf einem Lärmschutzwall an der Bundesstraße 33 entsteht bald ein interkommunaler Solarpark mit einer installierten Leistung von zwei Megawatt. Die Baugenehmigung wurde am 27. September 2023 erteilt. Das Beratungsunternehmen Sterr-Kölln & Partner begleitete die Kommune rechtlich, wirtschaftlich und finanziell. Herausgekommen ist dabei eine Besonderheit bei der Solartstromvermarktung: In den ersten fünf Jahren nehmen die Stadtwerke Konstanz den Strom zu attraktiven Konditionen ab. Ein Vorzeigeprojekt am Straßenrand – auch für andere Kommunen.

Damit der Solarstromausbau in Deutschland keine Flächennutzungskonflikte auslöst, sollten Photovoltaikanlagen künftig in erster Linie auf bereits anderweitig verwendeten Flächen errichtet werden, fordern Experten. Hierfür bieten sich Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen an. Das Potenzial ist hoch: Das deutsche Straßennetz setzt sich zusammen aus 13.000 Kilometern Autobahnnetz, 37.000 Kilometern Bundesstraßen und 87.000 Kilometern Landes- und Staatsstraßen. Sie bedecken mit 18.000 Quadratkilometern rund fünf Prozent der Fläche Deutschlands.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Sinnvoll für die Solarstromerzeugung nutzen lässt sich nur ein Teil dieser Fläche. Trotzdem sind dort mindestens 72 Gigawatt Solarstromleistung möglich, hat das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE berechnet. Das ist so viel, wie aktuell in ganz Deutschland errichtet ist und rund ein Achtel der erforderlichen Solarstromleistung hierzulande bis 2045. Die Photovoltaikmodule könnten unter anderem auf Lärmschutzwällen, Lärmschutzwänden, Seitenstreifen und Straßenüberdachungen Platz finden und dort die Energiewende vorantreiben.

Solarpark ist 1.000 Meter lang

Der Solarpark auf dem Lärmschutzwall bei Allensbach wird aus insgesamt 4.000 Solarmodulen bestehen und einen Kilometer lang sein. Die Zwei-Megawatt-Anlage erzeugt im Jahr voraussichtlich rund zwei Millionen Kilowattstunden Solarstrom. Mit dem Strom können rechnerisch rund 650 Drei-Personen-Haushalte versorgt werden. Von der vierspurigen Bundesstraße aus wird der Solarpark nicht zu sehen sein: Die Photovoltaikmodule befinden sich auf der südlichen, der B33 abgewandten Seite des Lärmschutzwalls – das ist ideal für die Solarstromerzeugung.

Gemeinsames Projekt auf der Gemarkung zweier Gemeinden

Da ein Teil der Anlage auf der Festlandgemarkung von Reichenau liegen wird, beschlossen die beiden Gemeinden, sich zusammenzuschließen und einen interkommunalen Solarpark zu errichten. Mit der Umsetzung beauftragt ist das Unternehmen Solarcomplex aus Singen, die Investition trägt die Gemeinde Allensbach.

Basis der Refinanzierung des Solarparks ist die über 20 Jahre laufende Vergütung durch das EEG. In den ersten fünf Jahren wählen die Kommunen jedoch einen anderen Weg: Sie verkaufen den Strom über einen Stromliefervertrag, englisch „Power-Purchase-Agreement" (PPA), an die Stadtwerke Konstanz. Der beiderseitige Nutzen: „Die Stadtwerke erhalten mehr Solarstrom und können ihre Kunden mit günstiger, klimafreundlicher Elektrizität direkt aus der Region versorgen", erklärt Julia Braun von Sterr-Kölln & Partner. „Die Solarparkeigentümer dagegen bekommen eine etwas höhere Vergütung als über die EEG-Ausschreibung und erhöhen so den Gewinn der Anlage." Nach dem Ablauf des Vertrages mit dem Stadtwerk fließen die Einnahmen über die EEG-Vergütung in die kommunale Kasse.

Ein Novum in Baden-Württemberg und Beispiel für andere Kommunen

Der Solarpark auf dem Lärmschutzwall und die noch seltene Vergütungsstruktur könnte künftig ein Beispiel für andere Kommunen sein. Die große Photovoltaikanlage, eine der größten Maßnahmen des Klimaplans der Gemeinde, sei das Ergebnis einer vorausschauenden Klimapolitik und lohne sich mehrfach, betont der Bürgermeister von Allensbach, Stefan Friedrich: „Der Solarpark ist in vielerlei Hinsicht ein Gewinn für unsere Gemeinde. Wir tragen zur CO₂-Vermeidung und zum Klimaschutz bei und benötigen dafür nicht einmal zusätzliche Flächen. „Der Bau der Photovoltaikanlage", so Friedrich weiter, „ist in dieser Konstellation in Baden-Württemberg bisher einmalig. Umso mehr freut es uns, dass durch die gute behördenübergreifende Zusammenarbeit so schnell eine Genehmigung ohne Bebauungsplan erteilt wurde und damit ein Novum geschaffen werden konnte." Es sei schön, in diesem Fall als gutes Beispiel voranzugehen und Vorbild sein zu können.

Bei dem Vorhaben beraten wurde die Gemeinde von Sterr-Kölln & Partner. Die Marktkenner unterstützten die Allensbacher Gemeindeverwaltung bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung des Solarparks. Auch die Teilnahme an der EEG-Ausschreibung übernahmen die Erneuerbare-Energien-Experten aus Freiburg. Die Erstellung des PPA-Vertrages mit dem Stadtwerk Konstanz gehörte ebenfalls zu der Dienstleistung des Beratungsunternehmens.

Mehr als den 52-fachen täglichen Trinkwassergebrauch einer Person…
Mehr als den 52-fachen täglichen Trinkwassergebrauch einer Person…

BDEW-Zahlencheck

20.07.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

wasser
„Goldener Kanaldeckel 2026“ – Jetzt herausragende Projekte einreichen
„Goldener Kanaldeckel 2026“ – Jetzt herausragende Projekte einreichen

Das IKT – Institut für Unterirdische Infrastruktur schreibt zum 19. Mal den Preis „Goldener Kanaldeckel“ aus. Ausgezeichnet werden Mitarbeiterinnen und Mitarbei[...]

20.07.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

wasser
Maßgefertigtes Schachtsystem in Großdimension
Maßgefertigtes Schachtsystem in Großdimension

Das stark geschädigte Bestandsbauwerk und der sensible Standort in Gewässernähe machten die Sanierung eines großdimensionierten Abwasserschachts im nordrhein-we[...]

15.07.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

wasser
Präzise Technik für sichere Versorgung
Präzise Technik für sichere Versorgung

Der neue Mengenmessschacht VodaCheck von Mall wurde speziell für den Einsatz in kommunalen und industriellen Trinkwassernetzen mit Durchflussleistungen von DN 5[...]

14.07.2026, Lesezeit ca. 1 Minute

wasser
Systemgedanke als Zukunftsstrategie
Systemgedanke als Zukunftsstrategie

Seit Jahrzehnten prägt Funke Kunststoffe den Kanalbau mit innovativen und nachhaltigen Systemlösungen. Dabei zählt das HS®-Kanalrohrsystem seit über 30 Jahren z[...]

03.07.2026, Lesezeit ca. 11 Minuten

wasser
Leicht zu verlegen, stark in der Leistung
Leicht zu verlegen, stark in der Leistung

Recyfix Grid am Start – für belastbare und versickerungsfähige Flächenbefestigung

01.07.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

wasser
Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft fordert Verlässlichkeit
Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft fordert Verlässlichkeit

AöW-Präsidentin Claudia Ehrensberger: „Kommunen und öffentliche Unternehmen brauchen Planungssicherheit statt neuer Unsicherheiten“ Anlässlich der vom Europäis[...]

29.06.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

wasser
Mehr als nur ein Job
Mehr als nur ein Job

Kanäle, Leitungen und unterirdische Bauwerke bilden das infrastrukturelle Rückgrat unserer Gesellschaft. Sie sichern Hygiene, Umwelt- und Gewässerschutz, versor[...]

29.06.2026, Lesezeit ca. 5 Minuten

wasser
Qualität im Untergrund: Die rechtssichere Bewertungsmatrix im kommunalen Tiefbau
Qualität im Untergrund: Die rechtssichere Bewertungsmatrix im kommunalen Tiefbau

Bei der Sanierung und dem Neubau von Abwasserinfrastrukturen stand lange Zeit ein einziges Kriterium im Vordergrund: der niedrigste Preis. Doch billig gebaut wi[...]

26.06.2026, Lesezeit ca. 6 Minuten

wasser
Zukunft sichern  – Infrastruktur erhalten
Zukunft sichern – Infrastruktur erhalten

Unter dem Motto „Infrastruktur der Zukunft – Grabenlos. Wirtschaftlich. Sicher.” schafft die Sanierungstechnik Dommel GmbH jetzt eine neue Plattform für Fachdia[...]

25.06.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

wasser

Weitere Artikel in dieser Rubrik