03.07.2026 – Lesezeit ca. 11 Minuten 7
„Nachhaltigkeit verstehen wir bei Funke ganzheitlich und faktenbasiert. Wir setzen auf intelligente Materialentscheidungen, die ökologische Verantwortung mit technischer Leistungsfähigkeit und langfristiger Versorgungssicherheit verbinden“, darin sind sich Christian Funke, Dr. Tobias Westhues und Matthias Funke (v.l.n.r.) einig. (Foto: Funke Kunststoffe GmbH)
Seit Jahrzehnten prägt Funke Kunststoffe den Kanalbau mit innovativen und nachhaltigen Systemlösungen. Dabei zählt das HS®-Kanalrohrsystem seit über 30 Jahren zum Portfolio des Systemanbieters aus Hamm-Uentrop und gilt als eine Keimzelle des unternehmerischen Erfolges. Im Interview äußern sich Christian Funke, Matthias Funke und Dr. Tobias Westhues zu den Anfängen und wesentlichen Entwicklungsschritten des leistungsfähigen Rohrsystems.
Mit nachhaltigen Systemlösungen und einem klaren Bekenntnis zu Innovation gestaltet die Funke Kunststoffe GmbH seit Jahrzehnten den modernen Kanalbau aktiv mit. Das HS®-Kanalrohrsystem gilt dabei als Benchmark für Qualität, Langlebigkeit und praxisgerechte Systemkompetenz – vom Hausanschluss bis zur Erschließung großer Neubaugebiete. Gleichzeitig richtet Funke den Blick konsequent nach vorn: Mit den neuen, noch klimafreundlicheren Produktreihen Funke Pipe2Pipe® und Funke Plant2Pipe® setzt das Unternehmen gezielt auf Ressourcenschonung, CO₂-Reduktion und die Schließung von Wertstoffkreisläufen – ohne Kompromisse bei Leistung und Sicherheit. Wie sich bewährte Technik und zukunftsweisende Nachhaltigkeitsstrategien verbinden lassen, welche Rolle Rezyklate und biobasierte Rohstoffe spielen und welche Impulse Funke damit für den Kanalbau von morgen setzt, skizzieren Christian Funke, kaufmännischer Geschäftsführer, Matthias Funke, technischer Geschäftsführer und Dr. Tobias Westhues, Team Produktmanagement / -entwicklung.
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Inwiefern beeinflusst der Anspruch auf Generationengerechtigkeit die Entwicklung langlebiger und nachhaltiger Rohrsysteme sowie Ihre langfristige Unternehmensstrategie?
Christian Funke: Generationengerechtigkeit verstehen wir als einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Das beginnt in der Produktion. Wir stellen unsere Produkte so her, dass sie qualitativ hochwertig, langlebig und funktional sind, aber ohne Rohstoffe zu verschwenden. Gleichzeitig achten wir darauf, anfallende Reststoffe oder Ausschuss konsequent in Kreisläufen weiter zu nutzen und damit Ressourcen möglichst effizient einzusetzen.
Darüber hinaus spielt die Gestaltung unserer Lieferketten eine wesentliche Rolle. Wir setzen bewusst auf kurze, möglichst regionale Beschaffungswege und auf europäische Lieferanten, wo immer das sinnvoll und möglich ist. Das reduziert nicht nur Emissionen, sondern sorgt auch für Transparenz, Rechtssicherheit und Stabilität in der Wertschöpfung. Gerade im Einkauf zeigt sich immer wieder, wie viele Vorprodukte tatsächlich regional verfügbar sind – oft mehr, als man zunächst erwartet.
Matthias Funke: Darüber hinaus ist uns noch ein weiterer Aspekt in diesem Zusammenhang wichtig. Nachhaltiges und generationengerechtes Handeln ist bei uns kein Top-down-Thema. Dieser Ansatz wird von unseren Mitarbeitenden einerseits mitgetragen, andererseits aber auch im Arbeitsalltag immer wieder konstruktiv hinterfragt. Dieses gemeinsame Bewusstsein, Ressourcen, Prozesse und Entscheidungen kritisch zu prüfen, verstehen wir als wesentlichen Bestandteil unserer Unternehmenskultur – und als unseren Beitrag zu einer verantwortungsvollen Zukunftsgestaltung über Generationen hinweg.
Aber bleibt man konkurrenzfähig, wenn man auf regionale Produkte zurückgreift?
Christian Funke: Ja, man kann auch mit regionalen Produkten konkurrenzfähig bleiben, allerdings nicht ohne Abwägung. Die Frage nach regionaler Beschaffung ist immer eine Frage der Stückzahlen und der Gesamtbetrachtung. Bei kleineren und mittleren Volumina stellt sich sehr konkret die Frage, ob es wirtschaftlich sinnvoll ist, Materialien über große Distanzen – etwa aus Asien – zu beziehen, wenn vergleichbare Produkte regional oder zumindest europäisch verfügbar sind. Transportwege verursachen Kosten, binden Zeit und erhöhen Risiken in der Lieferkette. Ab einem bestimmten Volumen können sich globale Beschaffungsmodelle zwar preislich rechnen, sie zahlen jedoch nicht auf Nachhaltigkeitsaspekte ein.
Matthias Funke: Und natürlich stehen wir als größeres Unternehmen grundsätzlich immer unter Preisdruck. Dies gilt für den Einkauf genauso wie für den Verkauf und für die Produktion. Gleichzeitig ist es unsere unternehmerische Verantwortung, diese Zielkonflikte bewusst zu steuern. Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und eine verlässliche Rohstoffverfügbarkeit müssen in ein ausgewogenes Verhältnis gebracht werden.
Das HS®-Kanalrohrsystem ist eine wesentliche Säule der Funke Entwicklungsarbeit. Wie würden Sie den besonderen USP dieses Produktes beschreiben?
Matthias Funke: Der besondere USP des HS®-Kanalrohrsystems liegt in der einzigartigen Verbindung aus einer konsequenten Innovationsorientierung, technischer Zuverlässigkeit und umfassender Systemkompetenz – und das bereits seit über 30 Jahren. Seit seiner Markteinführung prägt das HS®-System den modernen Kanalbau durch wandverstärkte Vollwandrohre aus PVC-U nach DIN EN 1401-1 mit erhöhten Ringsteifigkeiten von SN 12 und SN 16. Es deckt alle Anwendungen von der Grundstücksentwässerung bis zur Erschließung großer Neubaugebiete ab und bietet Lösungen für Nennweiten von DN/OD 110 bis 800. Montagefreundliche, dichte Verbindungstechniken, klare Systemlogik und die farbliche Trennung von Schmutz- und Regenwasser sorgen für hohe Sicherheit und Effizienz auf der Baustelle. Entscheidend ist jedoch der ganzheitliche Systemgedanke. Ein kontinuierlich wachsendes Sortiment rund um Rohre, Schächte und Anschlüsse bietet Planern und Anwendern abgestimmte Komplettlösungen. Ergänzt wird dies durch eine klare Nachhaltigkeitsstrategie, CO₂-reduzierte Produktlinien und den verantwortungsvollen Einsatz von Rezyklaten. Damit steht das HS®-Kanalrohrsystem für zukunftssichere Qualität im Tiefbau.
Kann man das HS®-Kanalrohrsystem vor diesem Hintergrund als Keimzelle des unternehmerischen Erfolges von Funke werten?
Christian Funke: Ja, mit der Einführung des HS®-Kanalrohrsystems hat sich vieles grundlegend geändert. Die maßgeblichen unternehmerischen Leitgedanken waren zwar bereits vorhanden, doch mit dem Aufbau des Standorts Hamm und der Inbetriebnahme der ersten Extrusionslinien um das Jahr 2000 wurden diese erstmals in eine industrielle Struktur überführt. Davor – von den frühen 1960er-Jahren bis in die 1990er hinein – war das Unternehmen konsequent auf die Massenproduktion von Kunststoffrohren ausgerichtet. Der Fokus lag auf Effizienz, Stückzahlen und Standardprodukten. Diese industrielle Basis war wichtig, stieß jedoch mit zunehmender Marktdifferenzierung an ihre Grenzen. Der entscheidende Paradigmenwechsel bestand sodann darin, den reinen Mengenansatz zu verlassen und Flexibilität sowie Systemdenken in den Mittelpunkt zu stellen. Wir begannen, den Markt ganzheitlicher zu betrachten und uns gezielt mit den realen Einbausituationen auseinanderzusetzen.®
Matthias Funke: Das HS®-Kanalrohrsystem zahlte somit von Beginn an auf diese veränderte Marktansprache ein. Es vereinte industrielle Effizienz mit technischer Systematik und klar definierten Qualitätsstandards. Damit entstand nicht nur ein erfolgreiches Produkt, sondern zugleich die Grundlage für hohe Prozesssicherheit, wirtschaftliche Fertigung und einen konsequent umgesetzten Systemgedanken. Die dann folgende Erweiterung des Portfolios – etwa durch Hausanschlussleitungen und passende Übergangslösungen zum Sammler – markierte für uns dann endgültig den Wandel vom reinen Rohrproduzenten zum Lösungsanbieter. Auch in weiteren Bereichen wie beispielsweise Regenwasserbewirtschaftung oder Baumversorgung. Dieser Perspektivwechsel hat maßgeblich zur nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit und zur positiven Weiterentwicklung des Unternehmens beigetragen.
Gab es schwierige Phasen und Herausforderungen, die es zu meistern galt?
Christian Funke: Ja, die gab es durchaus. Entscheidend ist jedoch, dass wir daraus gelernt haben. Ein prägnantes Beispiel ist das Thema Formteile. In der Anfangsphase wurden Formteile zunächst lediglich farblich an das System angepasst, technisch entsprachen sie jedoch noch dünnwandigen Ausführungen. Die Folge waren Reklamationen durch gebrochene oder gerissene Bauteile. Diese Rückmeldungen aus der Praxis waren ein wichtiger Wendepunkt. Anfang der 2000er-Jahre wurde daraufhin mit der vollständigen Umstellung des Formteilprogramms auf SDR 34 eine konsequente Entscheidung getroffen. Das war ein erheblicher Investitionsaufwand – sowohl in Werkzeuge als auch in Prozesse – den in dieser Konsequenz kein anderer Marktteilnehmer gegangen ist. Diese Entscheidung wurde vom Markt wahrgenommen und langfristig honoriert. Auch wenn sich der Erfolg nicht isoliert in Stückzahlen messen lässt, sind wir überzeugt, dass die höhere Systemqualität ein wesentlicher Faktor für die erfolgreiche Etablierung des HS®-Kanalrohrsystems war. Dass zahlreiche Kommunen und Auftraggeber diesen Weg seit mehr als zwei Jahrzehnten mit uns gemeinsam gehen, verstehen wir als klare Bestätigung dieses Lernprozesses und als Ausdruck nachhaltigen Vertrauens.
Das Produkt HS®-Kanalrohrsystem steht auch beispielhaft für den Umgang mit dem wichtigen Thema Nachhaltigkeit. Was versteht man bei Funke Kunststoffe darunter?
Dr. Westhues: Nachhaltigkeit verstehen wir bei Funke ganzheitlich und faktenbasiert. Ausgangspunkt war eine detaillierte Analyse des Produktfußabdrucks unseres HS®-Kanalrohrsystems. Dabei haben wir uns bewusst auf die Lebenszyklusphasen A1 bis A3 („cradle to gate“) konzentriert – also bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Produkt unser Werk verlässt. Diese Analyse hat sehr deutlich gezeigt, dass rund 90 Prozent des CO₂-Fußabdrucks eines Rohres auf den eingesetzten Werkstoff zurückzuführen sind. Wenn man also wirklich eine relevante Reduktion erreichen will, muss man beim Material ansetzen.
Parallel dazu haben wir auch unseren Unternehmensfußabdruck betrachtet. Hier besteht eine direkte Verbindung: Je mehr Kunststoffprodukte wir herstellen und verkaufen, desto größer ist zwangsläufig auch der Impact auf Unternehmensebene. Die Reduktion des Materialfußabdrucks wirkt sich somit doppelt positiv aus, also auf das einzelne Produkt ebenso wie auf den gesamten Unternehmensfußabdruck. Diese Synergie war für uns ein wichtiger Treiber. Vor diesem Hintergrund war unser Anspruch, das etablierte HS®-Kanalrohrsystem weiterhin in der bekannten Qualität anzubieten und gleichzeitig nachhaltigere Alternativen für Kunden zu schaffen, die bereits heute bewusstere Entscheidungen treffen möchten. Daraus sind zwei ergänzende Ansätze entstanden.
Würden Sie uns diese nachhaltigeren Alternativen einmal näher erläutern?
Dr. Westhues: Ja selbstverständlich. Hier geht es um unsere beiden noch klimafreundlicheren Produktreihen Funke Pipe2Pipe® und Funke Plant2Pipe®. Bei Funke Plant2Pipe® mit bio-attributed PVC-U handelt es sich um eine sogenannte Drop-in-Lösung: Die chemische Struktur und die Verarbeitung des Kunststoffs bleiben identisch, jedoch wird der fossile Kohlenstoff durch biogenen Kohlenstoff aus nachwachsenden Rohstoffen ersetzt. Der entscheidende Vorteil besteht darin, dass kein neuer fossiler Kohlenstoff in den Kreislauf eingebracht wird. Dadurch lässt sich der CO₂-Fußabdruck des Produkts deutlich reduzieren, ohne Kompromisse bei Qualität, Normerfüllung oder Verarbeitung einzugehen.
Darüber hinaus treiben wir mit Funke Pipe2Pipe® gezielt die Kreislaufwirtschaft voran. Hier setzen wir einen deutlich erhöhten Rezyklatanteil ein, um Rückläufer und Altmaterial wieder in den Wertstoffkreislauf zu integrieren. Während die geltende Norm DIN EN 1401 einen Rezyklatanteil von bis zu 20 Prozent vorsieht, gehen wir bewusst darüber hinaus und erreichen einen Anteil von rund 50 Prozent. Das liegt außerhalb der Norm, ist aber aus unserer Sicht notwendig, um echte Fortschritte zu erzielen. Entscheidend ist: Dieser erhöhte Rezyklatanteil hat keinerlei negativen Einfluss auf die Rohrqualität. Die Produkte unterliegen denselben strengen Prüf- und Überwachungsprozessen wie alle anderen HS®-Rohre und erfüllen die geforderten mechanischen Kennwerte vollständig.
Wie wird das vom Markt aufgenommen?
Dr. Westhues: Der Markt reagiert auf das Thema Nachhaltigkeit grundsätzlich positiv. Natürlich gibt es nach wie vor Vorbehalte gegenüber Rezyklaten, die häufig mit einer vermeintlich geringeren Qualität gleichgesetzt werden. Diese Sichtweise halten wir für überholt. Rohstoffe sind endlich, und ohne eine konsequente Rückführung in den Kreislauf wird nachhaltiges Wirtschaften langfristig nicht möglich sein. Gerade langlebige Produkte wie Kunststoffrohre eignen sich hervorragend für das werkstoffliche Recycling, da sie aus einem homogenen Material bestehen, gut aufbereitet und erneut verarbeitet werden können. Im Gegensatz zu komplexen Mehrschichtmaterialien – etwa aus dem Verpackungsbereich – ist hier eine hochwertige Wiederverwertung sehr gut realisierbar. Nachhaltigkeit bedeutet für uns daher nicht Verzicht, sondern intelligente Materialentscheidungen, die ökologische Verantwortung mit technischer Leistungsfähigkeit und langfristiger Versorgungssicherheit verbinden.
Die technische Betrachtung ist ein Aspekt. Aber wie sieht es mit der wirtschaftlichen Einordnung solcher Systemlösungen aus?
Christian Funke: Das ist leider genau der Punkt. Zwar bekennen sich viele Marktteilnehmer, ob Kommunen, Ingenieurbüros oder private Akteure, zu nachhaltigen Lösungen. Dieses Bekenntnis stößt jedoch auch sehr schnell an seine Grenzen, sobald Nachhaltigkeit mit höheren Kosten verbunden ist. Gerade in unserem Segment ist die Ausgangslage anspruchsvoll: Unsere Rohre sind in der Beschaffung nicht die günstigsten, gleichwohl aber mit Blick auf den Werkstoff, die Qualität und die Lebensdauer nach unserer Einschätzung äußerst langlebig und damit wirtschaftlich. Wenn wir nun aber noch zusätzlich nachhaltige Konzepte wie Funke Pipe2Pipe® oder Funke Plant2Pipe® umsetzen, erhöht sich der Preis initial nochmals gegenüber einem klassischen HS®-Rohr. An diesem Punkt erleben wir dann häufig, dass Kunden abspringen. Das zeigt sehr deutlich die Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach Nachhaltigkeit und der tatsächlichen Zahlungsbereitschaft. Solange keine verbindlichen gesetzlichen Vorgaben existieren, bleibt das System stark preisgetrieben. In Ausschreibungen entscheidet am Ende häufig der niedrigste Preis, selbst wenn dafür Produkte mit einem deutlich schlechteren ökologischen Fußabdruck gewählt werden. Das ist kein individuelles Fehlverhalten, sondern systemimmanent.
Wie kann man diese offenkundig nicht mehr zeitgemäße Systemlogik aufbrechen?
Matthias Funke: Was aus unserer Sicht fehlt, sind klare regulatorische Rahmenbedingungen. Kommunen und öffentliche Auftraggeber müssten stärker verpflichtet werden, nachhaltige Lösungen zu berücksichtigen – auch wenn diese initial teurer sind. Darüber hinaus wäre eine angepasste Bewertungslogik sinnvoll: Der Nachhaltigkeitsaspekt sollte wie eine Art Gutschrift behandelt werden. Produkte mit einem schlechteren CO₂-Fußabdruck „erkaufen“ sich heute ihren günstigeren Preis durch eine höhere Umweltbelastung. Umgekehrt müssen Produkte mit geringerer Umweltwirkung, aber höheren Kosten, in der Gesamtbewertung kompensiert werden. Nur wenn Nachhaltigkeit verbindlich bewertet und wirtschaftlich ausgeglichen wird, kann sich der Markt dauerhaft in Richtung nachhaltigerer Produkte bewegen – weg von reinen Lippenbekenntnissen hin zu echten Entscheidungen.