Rubrik Wasser / Abwasser

Wie Anliegerstraßen ohne Kanal zeigen, dass Regenwasser keine Last, sondern eine Ressource ist

Schwammstadt statt Betonwüste

10.03.2026 – Lesezeit ca. 4 Minuten 439

Schwammstadt statt Betonwüste

Aus Parkflächen werden grüne Oasen: Mit dem TTE®-System von HÜBNER-LEE entstehen Flächen, die Wasser speichern und das Schwammstadt-Prinzip unterstützen.

Wenn Regen fällt, entscheidet die Oberfläche darüber, ob Wasser zum Problem oder zur Ressource wird. Jahrzehntelang lautete die Devise im Straßenbau: ableiten – möglichst schnell. Heute stehen Kommunen vor einer neuen Realität. Starkregen nimmt zu, Kanalnetze sind überlastet, Gewässer geraten unter Druck.

Auch rechtlich verschiebt sich der Fokus deutlich. Mit dem Klimaanpassungsgesetz (KAnG), das am 1. Juli 2024 in Kraft getreten ist, wird Klimaanpassung verbindlich in die strategische Planung eingebunden. Starkregen- und Überflutungsvorsorge werden damit systematisch Bestandteil kommunaler Entwicklungsprozesse.

Parallel dazu definiert das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) Niederschlagswasser, das von befestigten Flächen abfließt, als Abwasser. Gleichzeitig gilt der wasserrechtliche Grundsatz, dass Niederschlagswasser möglichst ortsnah bewirtschaftet werden soll.

Konkret bedeutet das für Kommunen und Planer:

  • Vorrang für versickerungsfähige Bauweisen
  • Einschränkungen bei der Einleitung in Mischkanalisationen
  • Anforderungen an die Regenwasserbehandlung vor Versickerung
  • Nachweisführung zur hydraulischen Leistungsfähigkeit
  • Berücksichtigung von Starkregenereignissen in der Planung

Gerade im Straßen- und Tiefbau entstehen dadurch neue Anforderungen. Flächen müssen nicht nur tragfähig sein, sondern auch wasserwirtschaftlich funktionieren. Doch wie lässt sich das wirtschaftlich und dauerhaft tragfähig umsetzen?

Anliegerstraßen ohne Kanal: Praxisbeispiel Wittenberg

In mehreren Wohnstraßen in Wittenberg wurden über 10.000 m² Mischverkehrsflächen realisiert – bewusst ohne klassische Regenwasserkanalisation. Geeignete Flächen für offene Entwässerungssysteme standen nicht zur Verfügung.

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Zum Einsatz kam das TTE®-System von HÜBNER-LEE, ein modulares Verbundsystem aus 100 Prozent Post-Consumer-Recyclingkunststoff, das Tragfähigkeit und dezentrale Regenwasserbewirtschaftung kombiniert.

Ausschlaggebend waren zunächst wirtschaftliche Überlegungen. In einem Referenzschreiben der Stadt Wittenberg aus dem Jahr 2021 heißt es:

„Es ging vor allem darum, die Kosten für die Kommune und den Anwohner in überschaubarem Rahmen zu halten.“

Gleichzeitig konnte auf eine herkömmliche Kanalisation vollständig verzichtet werden – ein erheblicher infrastruktureller und finanzieller Vorteil.

Integrierter Wasserspeicher statt Überlastung der Mischkanalisation

Das TTE®-System erreicht eine Infiltrationsleistung von bis zu 328.000 l/(s·ha). Zum Vergleich: Ein sogenannter Jahrhundertregen wird mit etwa 1.200 l/(s·ha) definiert. Selbst sehr intensive Niederschläge können somit dezentral aufgenommen werden.

Der Systemaufbau wirkt dabei als flächige Rigole. In den Hohlräumen der Tragschicht können pro Quadratmeter über 100 Liter Wasser zwischengespeichert und zeitverzögert an den Untergrund abgegeben werden.

Für die realisierten Flächen in Wittenberg ergibt sich so ein Rückhaltevolumen von über 1.000 m³.

Während angrenzende Flächen zeitweise Wasseransammlungen aufwiesen, blieben die mit dem TTE®-System ausgeführten Bereiche hydraulisch leistungsfähig und nahmen die Niederschläge vollständig auf.

Auch unter Schwerlastverkehr bewährte sich die Bauweise. Die Stadt bestätigt im Referenzschreiben aus 2021:

„Die lastverteilende Funktion des Verbundsystems ist bei schwereren Fahrzeugen gut zu erkennen.“

Das TTE®-System ist für Achslasten bis 20 Tonnen zugelassen (TÜV SÜD geprüft) und damit für Entsorgungsfahrzeuge, Lieferverkehr sowie Bus- und Lkw-Parkflächen geeignet.

Regenwasserbewirtschaftung systemisch gedacht

Beim TTE® PFLASTER steht die hydraulische Leistungsfähigkeit und der integrierte Wasserspeicher im Mittelpunkt. Niederschlagswasser wird aufgenommen, gespeichert und zeitverzögert dem Untergrund zugeführt.

In begrünten Varianten wie TTE® GRÜN erfolgt zusätzlich eine verstärkte Reinigung über die belebte Bodenzone.

Gemeinsam ist allen Varianten:
Regenwasser wird nicht mehr als hydraulische Last betrachtet, sondern als Ressource im lokalen Wasserkreislauf gehalten. Kanalisation und Kläranlagen werden entlastet, Abflussspitzen reduziert.

Fazit: Die Fläche wird Teil der Wasserinfrastruktur

Mit dem TTE®-System zeigt HÜBNER-LEE, wie sich Tragfähigkeit, Wirtschaftlichkeit und dezentrale Regenwasserbewirtschaftung in einem System vereinen lassen – im Einklang mit den wasserrechtlichen Anforderungen aus KAnG und WHG.

Das Praxisbeispiel Wittenberg (Referenzschreiben 2021) belegt:

  • Anliegerstraßen ohne Kanal sind technisch realisierbar
  • Integrierte Wasserspeicher reduzieren Abflussspitzen
  • Mischkanalisationen werden spürbar entlastet
  • Hochbelastbare Bauweisen sichern langfristige Alltagstauglichkeit

Schwammstadt ist damit keine Vision mehr, sondern umsetzbare Infrastrukturstrategie.

Die Straße wird vom Ableiter zum Wasserspeicher – und Regenwasser von der Last zur Ressource.

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