Rubrik Wasser / Abwasser

Forschungsprojekt Blue Transition zeigt Wege zu klimaresilientem Wasser- und Bodenmanagement auf

23.09.2026 – Lesezeit ca. 5 Minuten 223

Die Ergebnisse aus den Pilotgebieten zeigen: Klimaresilientes Wasser- und Bodenmanagement basiert auf den drei Stellschrauben Landnutzung verändern, Bodengesundheit verbessern sowie Wasserressourcen diversifizieren. Quelle: Blue Transition Endreport / mod. Anne-Marie Pogoda, LIAG.

Wie können Regionen ihre Wasser- und Bodenressourcen besser an die Folgen des Klimawandels anpassen? Nach vier Jahren Forschung zieht das vom LIAG-Institut für Angewandte Geophysik in Hannover geleitete europäische Verbundprojekt Blue Transition Bilanz. Der Abschlussbericht bündelt die Ergebnisse aus 16 Pilotregionen in sechs Ländern und zeigt drei zentrale Stellschrauben auf: Landnutzung verändern, Bodengesundheit verbessern sowie Wasserressourcen diversifizieren und ihre Nutzung optimieren.

Das Interreg-Nordsee-Projekt Blue Transition untersuchte interdisziplinär, wie Regionen in Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Schweden langfristig widerstandsfähiger gegenüber Trockenperioden, veränderten Niederschlagsmustern, Versalzung und weiteren Folgen des Klimawandels im Nordseeraum werden können. Dafür wurden naturwissenschaftliche Erkenntnisse zu Grundwasser, Böden und Landnutzung mit Fragen der praktischen Umsetzung und Governance verbunden.

Unterschiedliche Regionen entwickeln passende Lösungen

Die 16 Pilotregionen zeigen, wie stark Lösungsansätze von den jeweiligen Bedingungen vor Ort abhängen. In Frankreich und Flandern standen beispielsweise die gemeinsame Bewirtschaftung von Wasserressourcen und die Bedürfnisse von Ökosystemen im Mittelpunkt. In Südschweden und Dänemark wurden neue Ansätze für Grundwasser- und städtisches Wassermanagement untersucht. In Deutschland und den Niederlanden beschäftigten sich Pilotregionen unter anderem mit der Verbesserung von Bodengesundheit, Nitratbelastung und der Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Wissenschaft.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Über die unterschiedlichen Pilotansätze hinweg zeigen sich zentrale Erfolgsfaktoren für die erfolgreiche Umsetzung dieser Stellschrauben:

  • Interdisziplinarität: Wissenschaftliche, politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Perspektiven müssen zusammengedacht werden.
  • Kooperation: Langfristige Zusammenarbeit, Wissensaustausch und die Einbindung relevanter Akteurinnen und Akteure schaffen die Grundlage für tragfähige Lösungen.
  • Belastbare Datenbasis: Kontinuierliches Monitoring und qualitativ hochwertige wissenschaftliche Daten ermöglichen fundierte Entscheidungen.
  • Übertragbarkeit und Verstetigung: Erfolgreiche Ansätze müssen auf andere Regionen und größere Maßstäbe übertragen werden können. Dafür braucht es langfristige Kooperationen, verlässliche politische und finanzielle Rahmenbedingungen.

„In 16 Pilotregionen konnten wir zeigen, dass es viele konkrete Wege zu einem klimaresilienteren Wasser- und Bodenmanagement gibt. Entscheidend sind wissenschaftliches Systemverständnis, langfristiges Monitoring und belastbare Daten. Erst im Zusammenspiel mit Praxis und Politik entstehen Lösungen, die dauerhaft wirken und sich auf andere Regionen übertragen lassen“, sagt Prof. Dr. Mike Müller-Petke, Projektleiter von Blue Transition und Forschungsabteilungsleiter am LIAG-Institut für Angewandte Geophysik.

Lösungswege aus deutschen Pilotregionen in Niedersachsen und Bremen

Auch die deutschen Pilotgebiete zeigen, wie wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Strategien für ein klimaresilienteres Wasser- und Bodenmanagement übersetzt werden können.

Im Pilot HUMUS auf landwirtschaftlichen Flächen in Niedersachsen belegen Modellierungen, dass eine regelmäßige Vertiefung der Pflugfurche in Kombination mit dauerhafter Begrünung durch verschiedene Zwischenfrüchte den Humusgehalt auch auf leichten Böden erhöhen kann. Damit lässt sich dem klimabedingten Rückgang des Humusgehalts und der Wasserhaltekapazität entgegenwirken. Gleichzeitig müssen mögliche Auswirkungen auf die Nitratauswaschung berücksichtigt werden.

Im Landkreis Uelzen untersucht der Pilot WaterFarmers, wie eine koordinierte großräumige Bewirtschaftung von Brunnen dazu beitragen kann, den Wasserbedarf für die landwirtschaftliche Bewässerung mit dem Schutz grundwasserabhängiger Naturräume in Einklang zu bringen.

Im Pilot Geest Adaptation im Gnarrenburger Moor verdeutlichen numerische Grundwassermodelle, mit welchen Maßnahmen ein besiedeltes und landwirtschaftlich genutztes Moor schrittweise wiedervernässt werden kann. Im Bereich des Wasserwerks Minstedt in der Bederkesaer Geest halfen geophysikalische Messungen zudem dabei, die Lage der Süß- und Salzwassergrenze im Untergrund zu bestimmen und damit die Grundlage für eine nachhaltigere Planung zukünftiger Brunnen zu verbessern.

Auf der Luneplate im Süden Bremerhavens geben geophysikalische Messungen und numerische Simulationen Aufschluss darüber, wie eine gezielte Grundwasseranreicherung dazu beitragen kann, die klimabedingte Versalzung des Grundwassers im Untergrund zu stabilisieren.

An den deutschen Pilotaktivitäten sind neben dem LIAG-Institut für Angewandte Geophysik die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), der Geologische Dienst für Bremen (GDfB), der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) sowie der Dachverband Feldberegnung Uelzen beteiligt.

Zusammenarbeit schafft langfristige Wirkung

Ein wesentliches Ergebnis von Blue Transition ist der Wert des internationalen und interdisziplinären Austauschs. Erfolgreiche Anpassung entsteht nicht allein durch technische Lösungen, sondern durch das Zusammenspiel von wissenschaftlichem Systemverständnis, lokalen Erfahrungen, passenden politischen Rahmenbedingungen und langfristiger Zusammenarbeit.

Dabei brauchen Regionen ausreichend Spielraum, um Lösungen an ihre jeweiligen Bedingungen anzupassen und neue Ansätze zu erproben. Gleichzeitig kann der Austausch zwischen Regionen und die Verbindung lokaler Erfahrungen mit europäischen Zielen dazu beitragen, erfolgreiche Ansätze weiterzuentwickeln und ihre Wirkung zu vergrößern.

„Klimaresilienz entsteht nicht durch eine einzelne Maßnahme, sondern durch langfristige länderübergreifende Zusammenarbeit und gemeinsames Lernen“, so Müller-Petke.


Hintergrundinformationen

In Blue Transition arbeiten 23 Partnerorganisationen aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Schweden zusammen. Das Projekt startete im September 2022 und endet nun nach vier Jahren Laufzeit. Die Projektergebnisse wurden im Mai 2026 bei einem europäischen Policy Day in Brüssel mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Forschung und Praxis diskutiert.

Der Abschlussbericht „Blue Transition – How to make my region climate resilient“ (Englisch) fasst die Ergebnisse der 16 Pilotregionen und die daraus abgeleiteten Empfehlungen zusammen.[1]

Baustellenentwässerung im Winter
Baustellenentwässerung im Winter

Regen, Schlamm und Frost setzen der Wasserhaltung zu. Pumpenhersteller Tsurumi erklärt, worauf Bauunternehmen jetzt achten sollten, um Ausfälle und kostspielige[...]

20.10.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

wasser
Acht Millionen Euro für klimaangepassten Gebäude- und Flächenumbau
Acht Millionen Euro für klimaangepassten Gebäude- und Flächenumbau

Die Lehrerparkplätze am Schulzentrum Opherdicker Straße entsiegeln, damit Regenwasser versickern kann. Die Dächer der Schulgebäude begrünen und Niederschlag in [...]

19.10.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

wasser
Grundsteinlegung: offizieller Start für Bauarbeiten der neuen Kläranlage Leverkusen
Grundsteinlegung: offizieller Start für Bauarbeiten der neuen Kläranlage Leverkusen

Wupperverband investiert in innovative Technik für Gewässer- und Klimaschutz

12.10.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

wasser
Was man über erfolgreiche Kanalsanierung wissen sollte!
Was man über erfolgreiche Kanalsanierung wissen sollte!

Am 8. und 9. September 2026 standen in Kassel erfolgreiche Sanierungsmaßnahmen im Mittelpunkt des 24. Deutschen Schlauchlinertages und des 15. Deutschen Reparaturtages

09.10.2026, Lesezeit ca. 14 Minuten

wasser
Frühe Eisenzeit Hand in Hand mit effizienter Entwässerung
Frühe Eisenzeit Hand in Hand mit effizienter Entwässerung

Wenn moderne Tiefbaumaßnahmen auf eine prähistorische Fundstätte treffen, muss alles genauestens geplant werden. Diese Erfahrung begleitet die Baustelle auf dem[...]

08.10.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

wasser
Neue Schule in Dormagen: Modular gebaut, individuell entwässert
Neue Schule in Dormagen: Modular gebaut, individuell entwässert

Die neue Realschule Hackenbroich, seit September 2026 Lernort für mehr als 800 Kinder und Jugendliche, ist ein modular errichteter Holz-Hybridbau. Tempo und Wir[...]

01.10.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

wasser
Phosphorrückgewinnung: BDE fordert klare Anreize statt Fristverschiebung

Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft e. V. spricht sich dafür aus, an den ab 2029 geltenden Vorgaben zur Phosphorrü[...]

28.09.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

wasser
Mobile Schmutzwasserpumpen
Mobile Schmutzwasserpumpen

Der Aussteller Tsurumi Europe GmbH zeigte mobile Lösungen für die Entwässerung und Wasserhaltung und traf auf reges Interesse. Besonders gefragt waren die LSC- [...]

25.09.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

wasser
Wie ein Schwamm: Regenwasser als Teil der Lösung für klimafitte Städte
Wie ein Schwamm: Regenwasser als Teil der Lösung für klimafitte Städte

Dieser Sommer hat es gezeigt, jeder konnte es sehen und spüren: Hitzerekorde und Dürre, dürstende Bäume, welkes Laub, ausgetrocknete Bäche. Städte können aber s[...]

24.09.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

wasser
Wupper-Renaturierung in Wuppertal abgeschlossen
Wupper-Renaturierung in Wuppertal abgeschlossen

Das Großprojekt zur naturnahen Umgestaltung der Wupper im Wuppertaler Stadtgebiet ist seit dem 8. September offiziell abgeschlossen. Der letzte gut ein Kilomete[...]

23.09.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

wasser

Weitere Artikel in dieser Rubrik