25.08.2026 – Lesezeit ca. 5 Minuten 6
Mit dem pneumatischen Fräser zeigt IBAK die Vielseitigkeit des BS10X(R)-Inspektionssystems: Es lässt sich mit wenigen Komponenten von einer konventionellen Inspektionsanlage zu einer Fräs- und bei Bedarf auch UHP-Anlage erweitern. (Bild: IBAK)
Wurzeleinwuchs, Grundwassereinfluss, Kurzliner, Schachtgerinne sowie Abnahme und Nachweise stehen beim 15. Deutschen Reparaturtag am 9. September 2026 in Kassel beispielhaft für die Vielfalt der Reparaturthemen.
Reparaturen dienen der Behebung örtlich begrenzter Schäden im Kanalnetz, stellen jedoch hohe Anforderungen an die Verfahrenswahl. „So etwas wie eine Standardsanierungstechnik, die unterschiedliche Schadensbilder unter beliebigen Randbedingungen immer gleichermaßen zuverlässig beheben kann, gibt es nicht“, beschreibt Dipl.-Ing. Michael Hippe, Vorstandsvorsitzender des Verbandes zertifizierter Sanierungs-Berater für Entwässerungssysteme e. V. (VSB) und Moderator des 15. Deutschen Reparaturtags, ein Charakteristikum der Technikfamilie.
Das Spektrum verfügbarer Reparaturtechniken ist groß. Dazu zählen unter anderem Injektionsverfahren, Verfahren mit vor Ort härtenden Bauteilen wie Kurzliner und Hutprofile, Spachtel- und Verpressverfahren sowie Verfahren mit Innenmanschetten. Sie alle unterscheiden sich in Funktionsweise und Einsatzbereich. Welche Lösung geeignet ist, muss aus dem vorhandenen Bestand und dem jeweiligen Sanierungsziel abgeleitet werden.
Für die Objektplanung sind deshalb Schadensbild und -ausmaß, Profilform und Rohrmaterial ebenso relevant wie Grundwasserverhältnisse, Schachtgeometrie und Zugänglichkeit. Zu berücksichtigen sind außerdem das Ausmaß notwendiger Vorarbeiten und die Einsatzgrenzen der jeweiligen Technik. Zudem können unvollständige oder ungeprüft übernommene Bestandsinformationen dazu führen, dass die vorgesehene Sanierungsvariante unter den tatsächlichen Bedingungen vor Ort nicht oder nur mit zusätzlichem Aufwand umsetzbar ist.
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Mit „Sanierung bei Wurzeleinwuchs – Zweistufiges Vorgehen in Göttingen“ behandelt Dipl.-Ing. (FH) Bianca Burger von den Göttinger Entsorgungsbetrieben ein Schadensbild, bei dem bereits die Vorbereitung der Reparaturstelle eine wichtige Rolle spielt. Der Wurzeleinwuchs muss zunächst so beseitigt werden, dass der betroffene Bereich zuverlässig beurteilt und für die weitere Bearbeitung vorbereitet werden kann. „Mit dem Zurückschneiden oder Entfernen der Wurzeln allein ist eine dauerhafte Sanierung jedoch nicht erreicht“, erläutert Hippe. „Auch die Eintrittsstelle beziehungsweise die Ursache des Einwuchses müssen in das weitere Sanierungskonzept einbezogen werden.“ Vor diesem Hintergrund sei der Blick nach Göttingen besonders interessant, wo man dieser Problematik mit einer gezielten Strategie begegne.
Kalkablagerungen reduzieren den Querschnitt eines Durchlasses unter einer Bundesstraße um bis zu 50% (links). Mittels Wasserhöchstdruck entfernt der Höchstdruck-Wasserstrahlroboter Bruno die Kalkablagerungen (rechts). (Bild: Mauersprecht GmbH)
Gerade aktiver Wasserzutritt verändert die Ausgangslage einer Reparatur deutlich. Er kann die Untergrundvorbereitung, die Verarbeitung beziehungsweise das Aufbringen des Materials sowie Reaktions- oder Aushärtungsprozesse (negativ) beeinflussen. Je nach Schadensbild und gewähltem System kann es deshalb erforderlich sein, den Zufluss vorab zu reduzieren und die einzelnen Arbeitsschritte besonders genau aufeinander abzustimmen. Deshalb sind für die Auswahl eines geeigneten Verfahrens Art und Intensität des Wasserzutritts, gegebenenfalls anstehender Außendruck, Altrohrwerkstoff und Untergrundbeschaffenheit ebenso relevant wie Lage und Zugänglichkeit der Schadensstelle. Solche und andere Fragestellungen greift Sarah Beck-Wieneke, B.Eng., IWA Ingenieurgesellschaft für Wasser- und Abfallwirtschaft, in ihrem Vortrag „Kanalreparatur unter Grundwassereinfluss – Möglichkeiten und Einsatzgrenzen der Verfahren“ auf. Im Fokus stehen geeignete Lösungen und die Bedingungen für ihren sicheren Einsatz.
Der Kurzliner zählt zu den etablierten Verfahren für örtlich begrenzte Kanalschäden, aber auch hier muss das System zum Schaden passen und exakt auf die individuellen Rahmenbedingungen vor Ort – darunter Rohrgeometrie, Untergrundverhältnisse oder Wasserzutritte – abgestimmt sein. Bei der Ausführung folgen weitere qualitätsrelevante Arbeitsschritte: Imprägnierung und Positionierung, der kontrollierte Anpressdruck sowie die vollständige Aushärtung. Zur Qualitätssicherung gehören außerdem die Ausbildung der Übergangsbereiche, die abschließende Kontrolle und eine nachvollziehbare Dokumentation. Um diese wie auch weitere Aspekte geht es in dem Vortrag „Der Kurzliner im Kanal – Sorgenkind oder etabliertes Verfahren?“ von Dipl.-Ing. (FH) Markus Vogel. Die Fragestellung zielt auf die Voraussetzungen für einen zuverlässigen Einsatz ab. Denn die grundsätzliche Eignung des Kurzliners für ein Schadensbild ist dabei nur die eine Seite. Ebenso wichtig ist, dass die vorgesehenen Einbau- und Qualitätssicherungsprozesse sicher beherrscht werden.
Reparaturen betreffen nicht nur Rohrleitungen, sondern auch Schachtbauwerke. Um auch diese Einsatzsituationen abzubilden, widmet sich Markus Dohmann, M.Eng., von der Großen Kreisstadt Backnang mit seinem Vortrag „Die Sanierung von Schachtgerinnen – Lösungsmöglichkeiten und Umsetzung“ einem Bauteil mit eigener Geometrie und betrieblicher Funktion. Hier führt das Gerinne das Abwasser zwischen Zu- und Ablauf durch den Schacht. Je nach Schadensbild können Dichtheit oder Hydraulik beeinträchtigt sein. Daher muss die Sanierung auf das individuelle Bauwerk abgestimmt werden. „Die Anschlusssituation, der Untergrund sowie weitere betriebliche Bedingungen bestimmen mit, welche Lösung umsetzbar ist. Auch die Zugänglichkeit für Geräte und Arbeitsmittel kann die Verfahrenswahl begrenzen“, so Hippe.
Aber mit der technischen Arbeit ist die Reparatur noch nicht abgeschlossen. Deshalb behandelt Dipl.-Ing. Roland Wacker in seinem Vortrag „Die Abnahme der Kanalreparatur – Welche Nachweise, welche Prüfungen?“ die Frage, wie die vereinbarte Leistung bewertet und ihre ordnungsgemäße Ausführung nachgewiesen werden kann. Dabei ist eines wichtig: Welche Qualität erwartet wird und wie deren Einhaltung belegt werden soll, muss bereits in Ausschreibung und Vertragsunterlagen eindeutig beschrieben sein. Je nach Verfahren können und sollten Einbau- und Verarbeitungsprotokolle, Material- und Chargennachweise, bildliche Dokumentationen sowie optische oder weiterführende Prüfungen dazugehören. Denn eine visuell unauffällige Reparaturstelle allein belegt noch nicht, dass sämtliche vereinbarten Vorgaben erfüllt sind. „Was bei der Abnahme geprüft werden soll, muss daher bereits vor Beginn der Arbeiten feststehen“, so Hippe. Und er fügt hinzu: „Reparaturverfahren sind technisch anspruchsvoll, zugleich aber ein hoch leistungsfähiger Baustein für den Erhalt unserer Kanalisationssysteme. Ihre Stärke liegt darin, sehr unterschiedliche Schadensbilder gezielt und mit begrenztem Eingriff bearbeiten zu können. Das setzt Fachwissen, eine sorgfältige Verfahrenswahl und eine sichere Ausführung voraus. Genau diese Verbindung aus technischer Komplexität und großer praktischer Wirkung macht die Reparatur so anspruchsvoll und zugleich so attraktiv.“