Rubrik IT / Verwaltung / Security

„Smart City Heroes“ erobern deutsche Städte

01.09.2025 – Lesezeit ca. 6 Minuten 72

Immer mehr (Ober)Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Stadtverordnete, Stadtverwaltungen, Smart City Manager, Wirtschaftsförderungen, Stadtwerke und kommunale Innovations- und Marketingmanager lernen sie kennen: die „Smart City Heroes“. Die „Helden der modernen Stadt“ räumen den Müll weg, überwachen die Luftqualität, gießen Bäume, überwachen Parkplätze, helfen dem Einzelhandel, bekämpfen Energie­verschwendung, fördern den Umweltschutz und optimieren den öffentlichen Nahverkehr. Jetzt hat sie sogar das renommierte Fachmagazin „kommunalwirtschaft“ in der aktuellen Ausgabe auf die Titelseite gehoben. Was steckt dahinter?

Die „Urban League“, so der offizielle Name der Heldenclique mit ihrem Anführer Data Dan, ist eine Erfindung des Kölner Startups dataMatters, eine Ausgründung aus der RWTH Aachen, gemeinsam mit der Digitalagentur YipYips. Es handelt sich dabei um eine Serie von Animationsfilmen im Stil von Retro-Videogames mit Pixelgrafik. Auf spielerische Art werden die technisch-trockenen Konzepte anschaulich dargestellt, die nötig sind, um eine Smart City zum Laufen zu bringen: Sensoren, Funkverbindungen, Datenräume und – wie könnte es heutzutage anders sein – Künstliche Intelligenz (KI). Data Dan und seine Clique kümmern sich indes um diese ganze Technik nicht. Die Charaktere lösen die kommunalen Heraus­forderungen ähnlich einfach wie einst der Pixel-Klempner Mario, der alle Abenteuer mit Bravour bestand.

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Alle Pixel-Stories sind reale Einsatzfälle

So erhält Data Dan im Videoclip „Die Urban League räumt auf – Mit Daten gegen Müll in der Stadt“ 1von der Bürgermeisterin einer (virtuellen) Pixel-City den Auftrag, die vermüllte Stadt zu retten. Ausgestattet mit Sensoren „smartifiziert“ der Held einen Mülleimer nach dem anderen – bis zum großen Showdown gegen das Müllmonster.

Alle Pixel-Stories basieren auf realen Einsatzfällen. So thematisiert der „Müll-Clip“ die Nutzung smarter Abfallbehälter in Hürth bei Köln. Dort geben die (realen) Mülltonnen in der (realen) Stadt tatsächlich per Funk ihren Füllstand durch, damit die Stadtwerke Hürth nur diejenigen anfährt, die wirklich geleert werden müssen. Die integrierte KI optimiert auch gleich noch die Route der Müllwagen. Vielleicht ist es so zu erklären, dass das „Müllmonster“ in Hürth noch nie gesichtet wurde-:).

Beim Videoclip „Die Urban League kühlt Städte – Mit Daten gegen Trockenstress an Bäumen“2 geht es darum, das gerade im Sommer so wichtige Stadtgrün vor dem Austrocknen zu schützen, ohne zu viel Wasser zu verschwenden. Ein einziger Laubbaum kann an einem heißen Sommertag bis zu 400 Liter Wasser verdunsten, was die Umgebungstemperatur spürbar senkt. Gleichzeitig bindet ein Baum über sein Leben hinweg mehrere Tonnen CO₂, filtert Feinstaub und bietet Schatten auf über 150 Quadratmetern Fläche. Die Voraus­setzung für all dies ist ausreichend Wasser. Damit das jederzeit gewährleistet ist, erhalten die Bäume im Stadtgebiet durch KI „Baumpersönlichkeiten“, die sich – wiederum per Funk – bei Wasserbedarf melden. Dadurch können die Kommunen gezielte Gießrouten fahren, statt pauschal alles zu bewässern. Auch diese Geschichte ist nicht „Storytelling pur“; in den Gemeinden und Städten Dormagen, Hürth, Nordkirchen und Köln hat dataMatters dieses Konzept „urban Tree Intelligence“ gemeinsam mit lokalen Wirtschaftsförderungen oder Unternehmungen bereits realisiert.

Der dritte Pixel-Film mit dem Titel „Die Urban League warnt vor Starkregen und Überschwemmungen“3 nimmt den Schutz vor Hochwasserkatastrophen in den Blick. Data Dan und Team müssen dazu drei Challenges bestehen: erstens eine Wetterstation mit Regenmesser auf der höchsten Erhebung am Ort in Betrieb nehmen, zweitens Wasserstandssensoren an Flüssen und Brücken anbringen, und drittens Sinkkästen und Kanalisation automatisch auf Blätter und Müll kontrollieren, damit der reibungslose Ablauf großer Wassermassen gewährleistet ist. Schaffen die Pixel-Helden alle drei Challenges, ist das Wettermonster besiegt.

„Es geht darum, komplexe Technologien greifbar und unterhaltsam darzustellen“, erklärt YipYips-Geschäftsführerin Clara Scharping das humorvolle Konzept. Der Hintergrund ist indes äußerst ernst, weiß Dr. Daniel Trauth, Geschäftsführer der dataMatters GmbH und Namensgeber für „Data Dan“, aus seiner Tätigkeit als Berater der Vereinten Nationen. Nach Prognosen der United Nations werden schon in fünf Jahr mehr als 60 Prozent der Weltbevölkerung in urbanen Ballungszentren leben. Die damit verbundenen Heraus­forderungen vom Bürgerservice über die Versorgungs- und Entsorgungswirtschaft bis hin zum Verkehrsmanagement werden nur in Smart Cities zu bewältigen sein, heißt es bei den Vereinten Nationen.

Schritt für Schritt zur Smart City

Auf dieser Erkenntnis hat Dr. Daniel Trauth sein Unternehmen dataMatters aufgebaut und unter dem Namen urbanOS das weltweit erste Betriebssystem für Smart Cities auf den Markt gebracht. Ähnlich wie in den Pixel-Clips kümmert sich „Data Dan“ auch in der realen Welt um alles, was notwendig ist, um eine herkömmliche Stadt Schritt für Schritt in eine Smart City zu verwandeln. Das Leistungsspektrum erstreckt sich von der Beratung, Konzepterstellung und Einholung aller erforderlichen Genehmigungen über die Montage der Sensoren, die Installation der notwendigen Funkstationen, die Einrichtung eines urbanen Daten­raums, die Inbetriebnahme der Künstlichen Intelligenz und die Programmierung der Informations-Cockpits für die kommunalen Entscheidungs­träger bis hin zur laufenden Wartung und Weiterentwicklung.

„Trauth und Team rücken an“ heißt es, wenn der dataMatters-Chef mit seiner eingespielten Crew aus Hand­werkern, Technikern und KI-Programmierern eine Stadt unter seine Fittiche nimmt. Etwa zwei bis vier Monate dauert es, bis ein Smart-City-Projekt fix und fertig realisiert ist; die ersten Ergebnisdaten stehen in der Regel bereits binnen weniger Tage zur Verfügung.

Die bislang pixel-filmisch umgesetzten Einsatzgebiete – intelligente Müllentsorgung, Baum­bewässerung und Unwetterresistenz – stellen nur drei Beispiele aus einer ganzen Palette möglicher Smartisierungs-Ansätze dar. Weitere typische Projekte dienen der Belebung der Innenstadt, der Parkraumverwaltung, dem effizienten Energiemanagement oder der Optimierung von Bus und Bahn. Übergeordnete Ziele sind stets Verbesserungen des Services für die Bürger und Kostensenkungen für die Kommune sowie der schonende Umgang mit Ressourcen. „Wir werden Data Dan und Team noch auf viele weitere Abenteuer in der Pixel-City schicken“, verrät YipYips-Agenturchefin Clara Scharping.

Milliardenmarkt Smart City

Für den realen Unternehmer Dr. Daniel Trauth steckt hinter dem Trend zu Smart Cities auch ein aufstrebendes Geschäft. Experten schätzen allein den deutschen Markt für Smart Cities derzeit auf rund acht Milliarden Euro. Binnen der nächsten fünf Jahre sollen es bis zu 47 Milliarden Euro werden. Rund zwei Drittel (5.500) aller für die Hauszustellung bestimmten deutschen Postleitzahlgebiete sind bereits mit einer speziellen Funkanbindung (LoRaWAN) ausgerüstet, um sie jederzeit an das Smart-City-Betriebs­system urbanOS von dataMatters anbinden zu können.

Der Weltmarkt für 2030 wird auf rund vier Billionen Dollar veranschlagt. Erste Projektanfragen aus dem Ausland sind bei dataMatters bereits eingetrudelt. Eine Prognose, ob aus dem RWTH-Startup dereinst ein Milliardenkonzern werden könnte, hält Dr. Daniel Trauth aka Data Dan indes für verfrüht.

* LoRaWAN (Long Range Wide Area Network) ist ein Funkstandard, um Geräte mit geringem Strom­verbrauch über weite Entfernungen (bis zu 15 km) zu verbinden. Er ermöglicht die effiziente Daten­übertragung von Sensoren über Funkgateways ins Smart-City-Betriebszentrum von dataMatters. Wo LoRaWAN-Funkanbindung gegeben ist, lassen sich direkt Sensoren installieren und die erfassten Daten zur weiteren Verarbeitung durch Künstliche Intelligenz an dataMatters übermitteln.

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